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Bayerischer Wald. Der Rachelsee ist einer der vielen kleineren Seen in Bayern und der einzige im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald. Er befindet sich auf einer Meereshöhe von 1.071 Metern, ist etwa 350 Meter lang, 200 Meter breit und bis zu 13,4 Meter tief. Nach den jüngsten Hitzeperioden mit Temperaturspitzen von weit über 30 Grad erreichten die Hog’n-Redaktion mehrere Leser-Nachfragen, ob denn der aktuell niedrige Wasserstand des Rachelsees Anlass zur Sorge gebe. Wir haben beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und bei der Nationalparkverwaltung nachgefragt.

Gemäß der letzten Ermittlung der Oberfläche und des Fassungsvermögens im Jahr 2017 fasst der Rachelsee im vollgefülltem Zustand ca. 250.000 Kubikmeter Wasser – bei einer Oberfläche von ca. 48.000 Quadratmetern. Foto: Hog’n-Archiv

„Das Wassereinzugsgebiet des Rachelsees ist nur 0,4 Quadratkilometer groß“, informiert die zentrale Fachbehörde für Fragen zu Umweltschutz, Geologie und Wasserwirtschaft zunächst. Wie alle Gewässer, so der LfU-Sprecher, unterliegt der Wasserstand des Rachelsees jahreszeitlichen Schwankungen.

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Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze, sei der Rachelsee in der Regel vollgefüllt und auftretender Überlauf laufe in den Seebach ab. „Nach längeren Trockenperioden sinkt der Wasserstand ab, da die Zuläufe weitgehend trockenfallen. Ein Überlauf in den Seebach findet dann nicht mehr statt.“

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Seespiegel um einen halben Meter abgesunken

Wie dieses Bild einer Instagram-Nutzerin (Stand: Mitte Juli) zeigt, ist der Wasserspiegel des Rachelsees merklich zurückgegangen. Screenshot: da Hog’n/ Instagram/ honey_n_money

Verringerte oder gar trockenfallende Zuläufe würden zunächst keine Bedrohung für Seen darstellen, erklärt das LfU – zumindest solange der Wasserstand nicht stark abfällt. „Im Gegenteil, eine verringerte Einschwemmung von Nährstoffen ist meist positiv für die Ökologie der Seen.“ Dagegen seien weitere Begleitumstände der Trockenphasen wie hohe Gewässertemperaturen und trockenfallende Uferbereiche für das Seeökosystem belastend: etwa durch Absterben des emersen (Ufersaum) und submersen (untergetauchten) Vegetationsbereichs, der als Lebensraum und „Kinderstube“ für eine Vielzahl von Lebewesen im See dient. Betroffen seien hier vor allem flache Seen oder weiträumig flache Uferbereiche. „Auch Nährstoffe des Sediments können bei großflächigem Trockenfallen wieder gelöst und eingespült werden.“

„Mitte Juli 2023 wurde durch Mitarbeitende des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf ein Trockenfallen von Zuläufen beobachtet“, informiert der Sprecher weiter. Auch sei der Seespiegel bereits um etwa 0,5 Meter im Vergleich zum Mai abgesunken. „Einige kleinere Uferbereiche sind bereits trockengefallen“,  gibt die Behörde Auskunft und ergänzt: „Hier war kein Bestand an untergetauchten Wasserpflanzen betroffen“. Der emerse Pflanzenbestand am Seeufer sei feucht gewesen und habe bisher keine auffälligen Schädigungen gezeigt.

Fazit laut Landesamt für Umwelt: „Der aktuelle Wasserstand ist niedrig, aber nach längeren Trockenphasen nicht außergewöhnlich. Nach derzeitigem Stand ist die Austrocknung des Rachelsees mittelfristig nicht zu erwarten.“

Bodenwasservorräte „gut geleert“

Dies bestätigt auch der Nationalpark Bayerischer Wald. „Wegen der noch günstigen Grundwassersituation dürfte der aktuelle Stand der Jahreszeit entsprechen. Ein komplettes Austrocknen ist sehr unwahrscheinlich“, informiert dazu Burkhard Beudert vom NP-Sachgebiet „Naturschutz und Forschung“. Das Austrocknen würde ihm zufolge voraussetzen, dass es deutlich länger als ein Jahr nicht regnet, um den Zufluss aus dem Grundwasser über die Vorfluter abzuschwächen oder zum Erliegen zu bringen. „Sollte das eintreten, haben wir massive Probleme mit der kommunalen Trinkwasserversorgung schon lange vorher zu lösen gehabt.“

Beudert gibt jedoch in puncto Versorgung der Waldbestände zu bedenken, dass diese bei anhaltender Niederschlagsarmut zunehmend knapper werde. „Bis Ende Mai waren die Bodenwasservorräte bis in ein Meter Tiefe sehr gut gefüllt. Sie wurden aber im Juni gut geleert, weil dieser Monat der niederschlagsärmste seit 1972 war.“ Es brauche daher dringend Niederschläge, um die Vorräte an Bodenwasser aufzufüllen und Bäume transpirieren zu lassen.

Stephan Hörhammer

 

Der Rachelsee und seine Wasserstände

Der Rachelsee, ein Juwel des Bayerischen Waldes, ist nicht nur aufgrund seiner eiszeitlichen Entstehung als Karsee ein faszinierendes Phänomen, sondern fungiert heute auch als sensibler Indikator für die hydrologischen Veränderungen in der Region. Als stilles Gewässer ohne oberflächliche Zuflüsse ist er fast ausschließlich von der direkten Zufuhr durch Niederschläge und die jährliche Schneeschmelze abhängig. Diese ökologische Besonderheit macht ihn in Zeiten des Klimawandels zu einem wichtigen Untersuchungsobjekt der Wissenschaft, da sich sein Wasserpegel als direktes Spiegelbild der regionalen Wetterextreme erweist.

In den letzten Jahren ist das Thema des Wasserstands vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Während der See im Frühjahr durch die schmelzenden Schneemassen der Rachel-Hochlagen meist bis zum Rand gefüllt ist und über den Seebach abläuft, zeigen sich in den Sommermonaten zunehmend deutliche Schwankungen. Besonders nach längeren Trockenperioden, wie sie beispielsweise im niederschlagsarmen Juni 2023 oder im Frühjahr 2025 zu beobachten waren, sinkt der Pegel merklich ab. Da der See durch eine natürliche Endmoräne aufgestaut wird, die jedoch nicht vollkommen wasserdicht ist, verliert das Becken durch Versickerung stetig Wasser. Wenn dann der Nachschub durch Regen ausbleibt, fallen flache Uferbereiche trocken und die charakteristische dunkle Wasserfläche zieht sich zurück.

Vorerst Entwarnung

Fachbehörden wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) und die Nationalparkverwaltung beobachten diese Entwicklung genau. Messungen zeigen, dass der Grundwasserstand in der Region seit der Jahrtausendwende tendenziell sinkt und die Abflussmengen der Bäche in den Tälern um bis zu 30 Prozent zurückgegangen sind. Dennoch geben Experten für den Rachelsee vorerst Entwarnung: Eine vollständige Austrocknung ist mittelfristig nicht zu befürchten, da das Becken mit rund 250.000 Kubikmetern Fassungsvermögen bei Vollstau über eine beachtliche Reserve verfügt. Ein niedriger Wasserstand im Spätsommer wird daher oft als Teil einer neuen, durch den Klimawandel verschärften Normalität eingestuft, die jedoch das Ökosystem des Sees – das aufgrund seines extrem sauren Milieus ohnehin fischfrei ist – vor neue Herausforderungen stellt.

Für Wanderer bleibt der Rachelsee trotz dieser Pegelschwankungen ein Ort von unberührter Schönheit. Das Zusammenspiel aus der steil aufragenden Seewand, dem tiefdunklen Wasser und dem umgebenden Urwald, in dem „Natur Natur sein darf“, vermittelt ein Gefühl von zeitloser Wildnis. Besonders eindrucksvoll lässt sich der Zustand des Sees von der Rachelkapelle aus beurteilen; von dort oben erkennt man bei niedrigem Wasserstand oft die helleren Ränder der Uferlinie, die sonst verborgen bleiben. Es ist ein mahnendes und zugleich faszinierendes Schauspiel, das verdeutlicht, wie eng die Existenz dieses Eiszeitrelikts mit den aktuellen klimatischen Bedingungen verknüpft ist.

Das „Auge des Bayerwaldes“

Der Rachelsee, eingebettet in die urwüchsige Kernzone des Nationalparks Bayerischer Wald, stellt weit mehr als ein einfaches Gewässer dar; er ist ein archaisches Naturmonument, in dem Geologie, Biologie und tiefer Volksglaube zu einer mystischen Einheit verschmelzen. Seine Entstehung verdankt er der letzten Eiszeit, als ein mächtiger Gletscher die steile Karwand unterhalb des Gipfels aushobelte und beim Rückzug eine gewaltige Endmoräne hinterließ, die das Becken auf einer Höhe von 1.071 Metern wie einen natürlichen Stausee abschloss. Das Besondere an diesem „Auge des Bayerwaldes“ ist seine vollkommene Abgeschiedenheit. Da der See für den öffentlichen Verkehr absolut unzugänglich ist und nur über steile Wanderwege erreicht werden kann, hat er sich eine Stille bewahrt, die in der heutigen Zeit selten geworden ist.

Die optische Erscheinung des Sees wird maßgeblich durch seine tiefdunkle, fast schwarze Färbung geprägt, die ihm in der Vergangenheit den Ruf eines unheimlichen Ortes einbrachte. Diese Färbung ist jedoch rein natürlichen Ursprungs: Gelöste Huminstoffe aus den umliegenden Mooren und dem verrottenden Totholz des Urwaldes sättigen das Wasser. Chemisch gesehen ist der See mit einem pH-Wert von etwa 5 extrem sauer und zudem ausgesprochen nährstoffarm. Diese lebensfeindlichen Bedingungen führen dazu, dass der Rachelsee fischfrei ist, was jedoch Raum für hochspezialisierte Mikroorganismen und seltene Algenarten bietet, die in diesem sensiblen Ökosystem eine geschützte Nische gefunden haben.

Die „Rachelhex“

Über dem See thront auf einem exponierten Felsvorsprung die hölzerne Rachelkapelle, die nicht nur einen der spektakulärsten Ausblicke des Mittelgebirges bietet, sondern auch als spiritueller Gegenpol zur düsteren Sagenwelt des Wassers dient. In der lokalen Folklore gilt der See seit jeher als Verbannungsort für unruhige Seelen und als Heimat der gefürchteten „Rachelhex“, der bösartigen Gräfin Weklin, die dort für ihre Grausamkeit büßen muss. Diese Sagen spiegeln die tiefe Ehrfurcht wider, welche die Menschen früherer Generationen vor der unbezwingbaren Natur des Hochwaldes und der unergründlichen Tiefe des Karsees empfanden.

Heute fungiert der Rachelsee zudem als lebendiges Freilichtmuseum für das Nationalpark-Motto „Natur Natur sein lassen“. Rund um das Ufer, das zum Schutz der empfindlichen Vegetation nicht betreten werden darf, lässt sich die beeindruckende Regeneration des Waldes beobachten. Wo der Borkenkäfer einst ganze Fichtenbestände absterben ließ, wächst heute ein widerstandsfähiger, wilder Mischwald aus dem Totholz empor. Der See bleibt somit ein zeitloses Symbol für die Unvergänglichkeit der Naturprozesse, die sich hier völlig ohne menschlichen Eingriff entfalten dürfen und den Rachelsee zu einem der kraftvollsten Rückzugsorte Bayerns machen.

da Hog’n


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