„Voices of Transition“ von Nils Aguilar: Jeder kann die Welt verändern!

Wie lange hat es gedauert, bis der Film fertig war?

Im Grunde genommen ist er immer noch nicht ganz fertig (lacht) … Wir haben bereits elf verschiedene Untertitel, unter anderem auf Französisch, Niederländisch und Portugiesisch, damit so viele Menschen wie möglich den Film verstehen können. Momentan arbeiten wir in einem letzten Produktionsschritt an einem deutschen Voice-Over. Das heißt: Eine deutsche Stimme wird über die Originalstimmen gelegt. Das bedeutet zwar zusätzliche Arbeit, war uns aber wichtig, weil die Aussagen der Protagonisten viel besser verstanden werden, wenn man nicht parallel die Untertitel lesen muss … zum Glück haben wir in Berlin ein Tonstudio gefunden, dass sich für unser Projekt begeistern konnte und seine Dienste kostenlos anbietet. Nicht zu vergessen die professionellen Synchronsprecher, die für ein kleines symbolisches Gehalt für das Projekt arbeiten.

„Voices of Transition“ war lange Zeit ein Ein-Mann-Projekt

Szene aus dem Film „Voices of Transition“. Foto: Nils Aguilar.

Ich arbeite nun seit fünf Jahren an dem Film, da ich im Filmemachen Autodidakt bin. Und weil nur wenige Profis punktuell mitgearbeitet haben, hat es umso länger gedauert, bis das Projekt aus den Kinderschuhen raus war. Mein Film war viel zu lange ein Ein-Mann-Projekt. Ich habe so viel wie zwanzig Personen gearbeitet und hatte zwanzig verschiedene Rollen. So habe ich ironischerweise eben nicht auf die gemeinschaftliche Arbeit gesetzt, die ich doch so gerne preise! Als Einzelkämpfer habe ich niemals dieselbe Kraft und Dynamik wie jemand, der in einem Team eingebunden ist, das einen stützt. Ursprünglich hatte ich einen Co-Regisseur im Boot, aber der hat irgendwann aufgegeben, weil er nicht wirklich daran geglaubt hat. Ich habe lange gedacht, dass ich das Projekt auch als fachfremder Autodidakt problemlos meistern kann. Diese Annahme hat sich jedoch als falsch erwiesen. Ab dem Moment bin ich alleine von einer Durststrecke zur nächsten gewankt, musste mir mit viel Schweiß und Tränen immer neue Methoden und Programme selbst aneignen. Jetzt ist der Film jedoch endlich so gut wie fertig, und er wird am Welternährungstag, dem 16.Oktober 2012, in Deutschland einen „Bundeskinostart“ erleben.

Wie wurde der Film finanziert?

Er wurde zunächst über zwei französische Stipendien finanziert und einem Unterstützer-Appell im Netz. Nach kurzer Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass mein Budget für das viele Reisen, das Kameraequipment und die zu bezahlenden Profis, die ich zur Realisierung des Projekts benötigte, viel zu klein war. Ich habe aus dem Koffer gelebt sowie mit dem Laptop auf den Knien im eigenen Bett gearbeitet, statt an einem korrekten Arbeitsplatz. So handelt man sich das Problem ein, dass man nicht mehr zwischen der Arbeit und dem Privatleben trennen kann, der Film sich in die Träume einmischt und man so im Schlaf weiterarbeitet … wenn man überhaupt zum Schlafen kommt. Das fühlt sich genauso übel an wie es sich anhört! Es war daher auch gesundheitlich ein sehr großes Opfer, das ich geleistet habe. Nun soll mir und dem Leser aber die wichtige Lektion daraus ewig erhalten bleiben: Ein Team sich gegenseitig vertrauender Freunde ist die einzige Voraussetzung, um ein geniales, in dieser Gesellschaft aber viel zu oft ignoriertes Wundermittel nutzen zu können: Synergie!

Bis heute versuche ich deshalb mit einem kleinen ehrenamtlichen Team die zu deckenden Kosten für die Postproduktion über Fördermittel und einem Crowdfunding-Projekt einzuwerben. Wir freuen uns über jeden, der uns mit einem kleinen Beitrag unterstützen kann.

Bereits mehr als 100 Vorpremieren und auf einigen Festivals vertreten

Wie wird der Film bislang angenommen?

Sehr gut. Er hatte bereits im letzten Jahr mehr als 100 Vorpremieren und war auf einigen Festivals zu sehen. In Lüttich und Bonn waren die Kinosäle ausverkauft und in einigen europäischen Städten haben sich bei einer anschließenden Diskussion sogar neue Transition-Town-Bewegungen gegründet. Ich glaube, genau das sind die Ereignisse, die mir das Gefühl geben, dass sich die ganzen Mühen gelohnt haben.

Wann würdest Du sagen: Ja, der Film hat etwas bewegt?

Rob Hopkins ist einer der Gründer der weltweiten Transition-Bewegung. Foto: Nils Aguilar.

Ich glaube der Film hat schon etwas bewirkt. Vor allem habe ich vieles über mich und meine Grenzen erfahren (lacht). Für mich hat der Film aber tatsächlich etwas bewirkt, wenn der Zuschauer mit einem positiven Gefühl aus dem Kino geht und Lust bekommen hat, zusammen mit seinen Nachbarn, Kollegen oder seiner Familie aktiv zu werden … dazu soll der Film ermutigen, dass man erkennt, dass JEDER etwas für sich, die Welt und andere tun kann – und vor allem, dass es wahnsinnig viel Spaß machen kann.

Hierzu möchte ich gerne ein Zitat aus dem Film verwenden, das von Rob Hopkins stammt, einem der Gründer der weltweiten Transition-Bewegung:

„Wenn Du Dir immer denkst Es wird eh nicht besser werden! und Dir unsere jetzige Welt als Gipfelpunkt der Zivilisation vorkommt, dann wird Dir die Vorstellung einer besseren Welt sehr schwer fallen. Die Transitioninitiativen aber sagen: Eigentlich könnte das Leben fantastisch sein! Wir könnten mehr Zeit haben, mehr entspannen, unsere Hände für kreative, nützliche Aktivitäten nutzen. Wir hätten weniger Schulden, mehr Zeit zum Spielen und zum Feiern des Lebens!“

Interview: Lotte Heerschop, Dike Attenbrunner

Zum Teaser Voices of Transition

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Ein Kommentar bei "„Voices of Transition“ von Nils Aguilar: Jeder kann die Welt verändern!"

  1. […] Einführung in die Begriffe und Ideen der Permakultur und von Transition Town durch Frank haben wir Nils Aguilars Film gezeigt und mit den verbleibenden Gästen noch etwas über praktisches Starten hier und jetzt […]

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