„Bayern-Burli“ – der Online-Hofladen mit eigenem Lieferservice

Thurmansbang. Die Milch direkt vom Bauern nebenan. Die Wurst vom Metzger aus dem Nachbardorf. Selbstgemachte Brotaufstriche, die noch keinen Supermarkt von innen „gesehen“ haben. Regional ist wieder in. Das weiß auch Diana Kossack aus Thurmansbang. In Kooperation mit der Universität Passau hat sie Anfang Mai 2017 einen Online-Shop für niederbayerische Produkte eröffnet. „Unsere Hauptlieferanten sind ausschließlich niederbayerische Direktvermarkter, Bauern und Unternehmen“, sagt die gebürtige Sächsin nicht ohne Stolz. Die Region zu stärken und mit eigenem Lieferservice (alternativ per DHL-Paket) diejenigen Orte in Niederbayern zu erreichen, die über keine Einkaufsmöglichkeit mehr verfügen, ist ihre Motivation. Im Interview mit dem Onlinemagazin da Hog’n berichtet die 42-Jährige von ihrem Online-Hofladen „Bayern-Burli „, darüber, welche Besonderheiten sie dort anbietet und was Niederbayern in kulinarischer Hinsicht auszeichnet.

„Gestalten Sie mit uns Ihr Lieblingssortiment“: So sieht die Startseite des Bayern-Burli-Online-Shops aus.

Was genau versteckt sich hinter dem Begriff „Bayern-Burli“ ?

Bayern-Burli ist ein Online-Hofladen, der ausschließlich niederbayerische Produkte vertreibt. Wir versenden klassische Erzeugnisse, die man beim Wocheneinkauf erwirbt, per DHL. Auf Wunsch liefern wir auch umgebungsnah, das heißt: bis zu 30 Kilometer um Thurmansbang herum.

„Sie würden staunen, wie viel Niederbayern zu bieten hat“

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, einen derartigen Online-Shop ins Leben zu rufen?

Auf unseren Wanderungen und Radtouren haben wir oft kleinere Hofläden entdeckt, die liebevoll selbst hergestellte Produkte direkt am Hof verkauft haben. Häufig fanden wir diese Hofläden kein zweites Mal wieder, sodass sich die Idee entwickelte, all diese einmaligen Hofläden auf einer Plattform zu bündeln, um deren Produkte auf einem weiteren Vertriebsweg zu verkaufen.

Unser Ziel ist es, regionale Direktvermarkter und kleine Manufakturen zu unterstützen und es gleichzeitig der alternden Bevölkerung zu ermöglichen, länger selbstbestimmt im eigenen Zuhause zu leben – unabhängig davon, ob sich im Ort eine Einkaufsmöglichkeit befindet oder nicht.

Geschäftsführerin Diana Kossack mit einem Korb voller Produkte aus Niederbayern.

Hat Niederbayern genügend einmalige Produkte zu bieten, um einen eigenen Online-Shop zu machen?

Sie würden staunen, wie viel Niederbayern zu bieten hat. Einige Erzeuger haben wir tatsächlich nur über Mundpropaganda gefunden, wie zum Beispiel das Thomasbräu-Bier aus Haselbach bei Passau. Oder die Wildbach-Schokoladen-Manufaktur in Bodenkirchen. Einige dieser Erzeuger bieten einmalige Dinge, die man nicht in jedem Supermarkt findet. Auf diese Weise wollen wir eben auch die Einmaligkeit dieser Region hervorheben.

Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir tatsächlich ausschließlich niederbayerische Produkte führen. Die einzigen Ausnahmen sind Obst und Gemüse. Hier mussten wir aufgrund der regionalen landwirtschaftlichen Bedingungen einen niederbayerischen Großhändler ins Sortiment aufnehmen, der uns mit Gemüse und Obst versorgt. Während der Saison beziehen wir einen Teil des Obstes und Gemüses aber aus der Region. Woher die Produkte stammen, sehen die Kunden im Shop.

„Einen großen Teil der Produkte haben wir selbst probiert“

Wer schafft es in das Sortiment von „Bayern-Burli“? Und warum?

Ins Sortiment schafft es jeder, der in Niederbayern lebt und hier produziert. Das zweite Auswahlkriterium ist ein gewisser Qualitätsanspruch. Als dritter Faktor sind die Inhaltsstoffe in die Bewertung miteingeflossen. Einen großen Teil der Produkte haben wir selbst probiert, sodass wir auch wissen, wie‘ schmeckt – und was drin ist.

Sie selbst stammen aus Sachsen, haben sich in Thurmansbang niedergelassen, wo sie sich selbstständig gemacht haben. Wie und warum sind Sie im Bayerischen Wald gelandet?

„Wussten Sie, dass es ein Kölsch aus Bayern gibt?“

Selbstständig bin ich seit 2011 – und nur der Liebe wegen in den Bayerischen Wald gezogen, wobei auch die Landschaft natürlich eine große Rolle spielte. Ich habe mich schnell hier wohl gefühlt. Die Menschen, mit denen ich bisher zu tun hatte, haben mich alle mit offenen Armen aufgenommen, sodass ich hier schnell meine neue Heimat fand.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Region aus, insbesondere was die Kulinarik betrifft?

Auffällig an dieser Region ist, dass viele Erzeuger bestrebt sind, eigene, kreative Produkte zu schaffen. So arbeitet etwa die IG Bio-zertifiziertes Streuobst Lallinger Winkel seit geraumer Zeit mit dem Fraunhofer-Institut zusammen, um eine Methode zur Herstellung von Apfelringen zu entwickeln. Braumeister Thomas Stockbauer-Muhr experimentiert mit Bier und entwickelt so neue Bier-Aromen. Wussten Sie, dass es ein Kölsch aus Bayern gibt? Derzeit arbeitet er noch daran – aber lecker schmeckt es allemal schon.

„Hoffen, dass wir bis dahin auch die ältere Bevölkerung erreichen“

Blick in die Zukunft: Wo steht „Bayern-Burli“ in zehn Jahren.

In zehn Jahren? Das ist eine gute Frage. Soweit denken wir gar nicht. Wir glauben, dass wir in zehn Jahren ein fest etabliertes Unternehmen in der Region sein werden, das eine Art Netzwerk für die Direktvermarkter ist. Wir hoffen, dass wir bis dahin auch die ältere Bevölkerung erreichen und deren Leben etwas leichter machen.

Dafür wünschen wir Ihnen viel Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Helmut Weigerstorfer

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