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Bayerischer Wald. Der Wald ernährte seine Menschen, wenn auch kärglich. Holz gab es im Überfluss – was man zum alltäglichen Bedarf brauchte und was sich verkaufen ließ, wurde aus diesem Werkstoff hergestellt. Da gab es zum Beispiel den Schaufelmacher, den Scheithauer, den Köhler, den Holzschuhmacher, den Rechenmacher, den Schindelmacher und viele andere Berufe, für die das Holz die Lebensgrundlage darstellte.

In der Miniaturwerkstatt biegt der Zargenschneider die gedämpften Spanstreifen zu Ringen.

Nicht ganz so bekannt war der Beruf des Siebrandmachers, auch Zargenschneider genannt. Für die Herstellung der Siebwände brauchte er absolut astreine, feinjährige und leicht spaltbare Fichten- oder Tannenstämme. Diese wurden mehrfach radial gespalten, das Kernholz und der äußere Stammteil abgekloben und die so entstandenen Prismen auf die erforderliche Breite der Siebränder zugeschnitten.

Herstellung bis ins 20. Jahrhundert

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Mit einem starken Spaltmesser, an das ein Stiel montiert war, wurden mithilfe eines Holzschlägels etwa fünf Millimeter starke Späne vom Scheit getrennt. Die Spanbreite war festgelegt, die schmalsten Späne maßen zehn, die breitesten siebzehn Zentimeter, die maximale Länge der Streifen lag bei 2,40 Meter, was einen Siebdurchmesser von rund 75 Zentimeter ergab. Dann wurden die Streifen in heißem Wasser aufgeweicht und auf diese Weise elastischer und biegsamer gemacht.

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Zargenbiegewalzen, vorne mit einem frisch gebogener Ring, hinten ein Siebreifen abgepackt zum Versand.

Mit Reifmesser und Hobel wurden die Spanstreifen in der Folge geglättet und schließlich mittels einer Biegewalze in Ringform gebracht. Der erste Ring wurde zusammengeheftet und mit weiteren, rundgebogenen Spanringen ausgefüllt. Über Aufkäufer gelangten die Ringe zu den Siebfabriken, wo sie ihre endgültige Form erhielten und mit Siebgewebe versehen wurden.

Die Herstellung dieser Siebzargen im Bayer- und Böhmerwald ist schon seit dem Jahr 1550 dokumentiert und endete Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Bedarf an größeren Getreide- und Mehlsieben war wegen der landwirtschaftlichen Mechanisierung nicht mehr gegeben, zudem wurde es immer schwieriger, passende Stammware mit der entsprechenden Qualität einzuschlagen.

von Heimatkundler Max Raab

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