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Eggenfelden. Wir schreiben das Jahr 2014. Menschen waren schon auf dem Mond, können Leben in Reagenzgläsern erzeugen, unterhalten sich in sozialen Netzwerken im World Wide Web. Man könnte meinen, die Gesellschaft sei fortschrittlich – man könnte meinen, die Menschen seien aufgeschlossen und tolerant. Doch weit gefehlt. Leider. Denn immer wieder werden Menschen aufs Übelste angegangen, weil sie anders sind als die Allgemeinheit, anders als die Norm es verlangt. Vor allem gegenüber Homosexuellen kommt es immer wieder zu heftigen Beleidigungen. Karl M. Sibelius, Intendant des Theaters an der Rott, kennt diese Situation nur zu gut. Schon mehrmals wurde er aufgrund seiner Homosexualität – mit der er völlig offen, manchmal auch etwas spielerisch-provokant umgeht – beleidigt und diffamiert. So geschehen in dieser Woche – wieder einmal …

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Anonym-feige Schwulenfeindlichkeit Die „Der Auftritt an Sylvester von Dir, Sinelius-Vollidiot, war beschissen. Merken sie nicht, dass Sie nicht in unsere schöne Stadt Eggenfelden passen, möchten Sie auch unser Theater bald vernichten, hauen Sie endlich ab, Sie Arschficker. Haben Sie ihr Gehirn unten am Arsch? Das fragen sich viele Bürger.“

 

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Intendant Karl M. Sibelius reagierte auf seiner (privaten) Facebook-Seite folgendermaßen:

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karl sibelius
Immer wieder Ziel schwulenfeindlicher Angriffe: Theater-Intendant Karl M. Sibelius. Foto: Rupert Rieger

„Besser man hasst mich für das, was ich bin,
anstatt mich zu lieben für das, was ich nicht bin.

Meine heutige Morgenpost: Solche Briefe machen zwar Angst, es wird aber den anonymen Autoren niemals gelingen, meine Leidenschaft für das theater // an der rott, meine Wertschätzung für die Menschen im Landkreis Rottal-Inn und meine Achtung vor dem Publikum, zu schmälern. Solche radikalen Äußerungen zeigen, dass der „warme“ Sibelius mit seiner Arbeit fast niemanden kalt lässt und das ist in so einem kleinen Leben doch schon ganz schön viel.“

Vor wenigen Wochen danach gefragt, wie er auf derartige Anfeindungen reagiert, antwortet Sibelius gegenüber dem Hog’n: „Es gab nie direkte Angriffe, sondern immer nur irgendwelche anonymen Schreiben, die ich gar nicht ernst nehmen kann. Ich kann nicht von jedem verlangen, dass er mich gut findet – das ist mir auch relativ wurscht! Der Punkt ist: Ich möchte nicht auf meine Sexualität reduziert werden, weil so wichtig ist die Sexualität dann meistens auch gar nicht. Ich möchte über das, was ich leiste, definiert werden.“

Für die Zukunft wünscht er sich deshalb, „dass wir homosexuellen Menschen  – ich finde das Wort an sich schon total deppad – uns nicht ständig über unsere Sexualität definieren müssen. Das wird uns ja richtig aufgezwungen.“ Immer nur sei in den Medien zu lesen: „der homosexuelle Intendant“ – nie sei  von „der heterosexuelle Intendant“ die Rede, so Sibelius.

„Früher’s hod da Dreck na gschdunga, heid schreibt’a Briaf“

Eigentlich fällt einem zu dem geistigen Dünnschiss, den der Verfasser auf feige und charakterlose Art und Weise dem Theater-Intendanten hat zukommen lassen, nichts mehr ein – außer: Es ist beschämend und beängstigend zugleich, mit Leuten, die solch perfides Gedankengut von sich geben und anderen damit schaden wollen, auf einer Welt zusammenleben zu müssen.

Mit der geistigen Reife des Verfassers der obigen Zeilen ist es genauso weit her wie mit seiner Toleranz: Sie tendiert schwer gegen Null. Es ist schockierend, dass heutzutage Menschen noch aufgrund ihrer sexuellen Neigung beleidigt und an den Pranger gestellt werden. Oder um es auf guad Boarisch auszudrücken: „Früher’s hod da Dreck na gschdunga, heid schreibt’a scha Briaf.“

da Hog’n


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