Max Wittenzellner: „Suchen in nahezu allen Bereichen nach guten Fachkräften“

Freyung. Damals, als sich die gelernten Industriemechaniker Thomas Krenn und Max Wittenzellner mit ihrer Idee, selbst zusammengebaute Server übers Internet zu vertreiben, selbständig gemacht haben, rechnete wohl keiner der beiden Bayerwäldler damit, dass sie etwas mehr als zehn Jahre später mit der Thomas Krenn AG zu den größten Server-Händlern Deutschlands gehören. Die Firma hat sich seitdem auf High-End Hosting-Dienstleistungen spezialisiert, steht heute für professionell hochwertige Server- und Systemlösungen und führt einen der modernsten Online-Shops in Europa. Ein IT-Unternehmen, das seine regionalen Wurzeln nie vergessen hat – und im rasanten Tempo weiterwächst. AG-Vorstandsmitglied Max Wittenzellner (34) spricht im Hog’n-Interview über die aktuell von statten gehende Betriebserweiterung am Standort Freyung. Darüber, welche Fachkräfte die Thomas Krenn AG im Zuge des Ausbaus benötigt und warum ein Hochqualifizierter, der die ganze Welt gesehen hat, ausgerechnet mit dem Bayerwald liebäugelt …

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Max Wittenzellner, 34, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der in Freyung ansässigen Thomas Krenn AG. Fotos: da Hog’n

Gesucht: „Von Vertriebsfachkräften bis hin zu Social-Media-Experten“

Herr Wittenzellener: Was beinhaltet die künftige Ausrichtung von Thomas Krenn im Rahmen der Betriebserweiterung? Welche Fachkräfte werden gesucht?

Momentan suchen wir in nahezu allen Bereichen nach gut ausgebildeten Fachkräften. Unsere aktuellen Stellenausschreibungen sind auf unserer Homepage detailliert aufgelistet: von Vertriebsfachkräften über Mitarbeiter, die uns bei der Telefon-Akquiese helfen – bis hin zu Social-Media-Experten für unser Online-Marketing.

Bis jetzt war es ja so, dass wir unsere Kunden ausschließelich über den Online-Shop und per Telefon betreut haben. Künftig wollen wir zusätzlich ein Team von Vertriebsmitarbeitern – sogenannten Key-Accountern – aufbauen, das unsere Bestands- und Neukunden dann auch direkt vor Ort in Sachen hochwertige Server-Produkte betreuen und beraten kann. Unsere Key-Accounter sollen sich konsequent um die Vermarktung unserer Hardwareprodukte rund um Server, Storagegeräte etc. kümmern, Kundentermine vereinbaren, diese vor- und nachbereiten, Verkaufsgespräche führen sowie kleine bis mittlere Projekte selbständig bearbeiten und umsetzen. Die Key-Accounter sind das Bindeglied zwischen unseren Kunden und der Vertriebsleitung bzw. dem Key-Account-Manager.

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„Quereinsteiger sind bei uns immer willkommen.“

Welche fachliche Ausbildung bzw. welches Studium sollten denn die Key-Accounter mitbringen?

Was sie studiert haben, ist mir persönlich egal, ehrlich gesagt. Das können Informatiker sein, Juristen, Quereinsteiger. Wichtig ist, dass der Bewerber in der IT-Branche bereits gearbeitet hat. Er soll Praxis-Erfahrungen im Vertrieb gesammelt haben und technisches Know-how mitbringen. Uns wichtig sind eine strukturierte und zielorientierte Arbeitsweise, hohe Einsatzbereitschaft sowie Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit. Nicht schaden kann des Weiteren ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen, eine hohe Abschlusssicherheit, unternehmerisches Denken, sehr hohe Reisebereitschaft sowie Teamfähigkeit und Flexibilität.

Unser Produkt-Manager, der bei Thomas Krenn am Standort Freyung verantwortlich ist für alle Produkte in unserem Online-Shop, ist gelernter Maurer. Sie sehen also: Quereinsteiger sind bei uns – in jedem Bereich – immer willkommen.

„Die Exil-Niederbayern, die wieder in den Woid hoam möchten …“

Ist das auch eines der Erfolgsgeheimnisse von Thomas Krenn, dass das Unternehmen Quereinsteigern gerne mal eine Chance gibt?

Ich denke, dass die Hälfte, wenn nicht sogar drei Viertel der gesamten Belegschaft Quereinsteiger sind. Wir werden ja häufig gefragt: ‚Habt Ihr kein Problem damit gute Fachleute zu bekommen?‘ – Und wir antworten dann meistens: ‚Eigentlich nicht, weil wir sie selbst ausgebildet haben.‘ (lacht) Und der Begriff Ausbildung beinhaltet jetzt nicht nur die Azubis, sondern eben auch die Quereinsteiger, die wir natürlich anlernen müssen. Diese bringen jedoch bereits gewisse Grundkenntnisse mit, weswegen die Ausbildungs-Phase weit weniger lang dauert als bei den klassischen Azubis.

Eines unserer großen Erfolgsgeheimnisse ist, dass wir durch diese Vorgehensweise keine große Fluktuation haben, weil: Diejenigen Mitarbeiter, denen wir eine Chance gegeben haben, danken dies wiederum mit ihrer Treue zum Betrieb – und bleiben hier. Das ist gerade in dieser Branche für unsere Kunden extrem wichtig, da sie sich nicht, wie etwa im Münchner Raum, allenthalben auf einen neuen Ansprechpartner einstellen müssen. Unsere Kunden teilen uns auch immer wieder mit, dass sie die persönliche Betreuung bei Thomas Krenn sehr schätzen.

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„Die Kunden von Thomas Krenn schätzen insbesondere unsere persönliche Betreuung.“

Ihre aktuelle Belegschaft stammt ja überwiegend aus der Region, richtig?

Wir versuchen größtenteils Leute aus der Region bei uns anzustellen, haben aber auch Mitarbeiter, die von extern zu uns in den Bayerischen Wald gekommen sind, etwa der Großen Liebe wegen (lacht). Wir achten also darauf, dass die Leute einen Bezug zur Region haben. Denn wenn sie völlig wurzellos hierher ziehen, haben wir schnell eine ähnlich hohe Fluktuation wie in München …

Aber im Zuge der momentanen Betriebserweiterung wird bei der Suche nach gutem Fachpersonal schon auch über die Grenzen der Region hinausgeblickt, oder?

Ja, wir brauchen natürlich auch Personal, das bereits viel Know-how mitbringt, etwa in Sachen Internationalisierung. Unsere Wunschkandidaten sind diejenigen Leute, die aus der Region stammen, nach dem Studium in München geblieben sind – und jetzt aber gerne wieder hoam in den Woid möchten. Und wenn dann die Chemie, der Bezug zur Heimat und die Rahmenbedingungen passen, dann geht der- oder diejenige auch nicht mehr weg – sondern bleibt bei uns. Solche Leute wollen wir vermehrt ’nach Hause‘ holen, ähnlich dem Ansinnen, das ja auch Regionalmanager Sebastian Gruber mit seinem ‚Njus-Letter‚ verfolgt: Die Exil-Niederbayern, die irgendwo verstreut auf der Welt sitzen und gerne wieder in die Heimat zurückkehren möchten, die wollen auch wir ansprechen.

„Jeder soll seine Leistung bringen – doch auch die Freizeit ist wichtig“

Was kann man denn einem Spezialisten aus Hamburg, der unbedingt zur Thomas Krenn AG nach Freyung kommen soll, neben einem guten Betriebsklima sonst noch alles bieten?

Wir hatten vor Kurzem einen aus Düsseldorf stammenden Bewerber aus Shanghai einfliegen lassen. Er, 37, war schon auf der ganzen Welt unterwegs, hat für viele Telefon-Anbieter gearbeitet und weltweite Aufbauhilfe geleistet. Ich habe im ersten Moment auch gedacht: Warum soll jemand, der bereits die ganze Welt gesehen hat, jetzt ausgerechnet zu uns in den Bayerwald kommen? Er hat dann erzählt, dass er sich in den Ort Reit im Winkl im oberbayerischen Traunstein verliebt hat. Seine Familie lebt jetzt dort, auch weil seine Tochter zu ihm gesagt hatte: „Ich mag wieder heim nach Deutschland.“

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„Anders als bei den Großkonzernen, können hier, in unserem relativ überschaubaren Betrieb, Führungskräfte noch etwas bewegen.“

Und das hat für ihn letztlich auch den Ausschlag dafür gegeben nicht mehr in den Großkonzernen dieser Welt arbeiten zu wollen. Es würde ihn reizen bei uns einzusteigen, weil er hier, in unserem relativ überschaubaren Betrieb, noch etwas bewegen kann. Genauso will er auch in keiner Metropole mehr leben und möchte, dass seine Tochter in einer ländlich geprägten Umgebung aufwächst. So jemand kann sich dann auch wegen der genannten Gründe schnell bei uns neu verwurzeln.

Der Verdienst ist neben einer hohen Lebensqualität natürlich auch immer ein entscheidendes Kriterium. Wie weit ist man denn hier von den sogenannten Big Playern entfernt?

Mann muss das natürlich in Relation zu den Lebenshaltungskosten setzen. Dass in München andere Gehälter bezahlt werden als bei uns, ist klar. Was uns aufgefallen ist, gerade bei größeren amerikanischen Konzernen: Dort müssen die Leute schon extreme Leistungen für ihr Geld bringen. Überstunden noch und nöcher. Das ist nicht unser Credo. Bei uns soll jeder seine Leistung bringen – aber auch der Faktor Freizeit ist wichtig. Deshalb versuchen wir eine gesunde Mischung anzubieten.

„Inländisch weiter wachsen und den Roll-Out in Europa vorantreiben“

Nochmal zurück zur Internationalisierung: Man versucht also die Thomas-Krenn-AG jetzt bewusst auf dem internationlen Markt zu positionieren?

Richtig. Wir sind seit mehr als vier Jahren in Polen mit Vertrieb und Support vertreten. Polen ist unser erstes Versuchsland, um im Ausland nicht mit Englisch, sondern rein muttersprachlich Fuß zu fassen. Und das funktioniert bisher sehr gut. In der Schweiz haben wir einen Kooperationspartner, der die dortigen Händler betreut. Das gleiche Shop-im-Shop-System starten wir jetzt gerade mit Italien. Tschechien haben wir vor zwei Jahren begonnen und wollen auch hier weiter ausbauen. Ab 2014 wollen wir in Sachen Internationlisierung dann so richtig Gas geben. Heuer sollen noch weitere Versuchsballons gestartet werden um herauszufinden, welche Länder für uns interessant sind.

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„Ab 2014 wollen wir in Sachen Internationalisierung so richtig Gas geben.“

Seit zwei Jahren sitzt auch ein Investor mit im Boot, der uns jetzt dabei helfen soll, diese nächste Stufe zu erreichen. Wir haben festgestellt, dass unser Betrieb mit seinen 100 Angestellten sehr gut dasteht, aber: Wir haben momentan eine aus unserer Sicht etwas ungünstige Unternehmensgröße. Wir sind etwas zu groß für die kleineren Kunden – und etwas zu klein für die größeren. ‚Bi-Brand‘ sagt man bei uns in der IT-Branche: Wenn wir nach unseren Mitbewerbern gefragt werden, nennen wir meistens Firmen aus beiden Segmenten. Und das ist auf Dauer kein optimaler Zustand. Deshalb haben wir beschlossen uns zu vergrößern und die nächste Stufe zu erreichen.

Wie groß soll die Thomas Krenn AG in etwa werden?

Das ist eine gute Frage. Am deutschem Servermarkt haben wir momentan rund ein Prozent Marktanteil. Sprich: Der Kuchen ist noch sehr sehr groß. Man muss dazu sagen, dass wir einer der letzten verbleibenden Server-Hersteller sind, die noch in Deutschland ihren Hauptsitz haben. Das war es ja auch, was unser Investor als große Chance gesehen hat – dass wir inländisch noch wachsen und zusätzlich den Roll-Out innerhalb Europas vorantreiben können.

„Wir wollen in die Dell-Server-Liga und uns weiter spezialisieren“

Sprich: Man hat sich für die Dell-Liga entschieden?

Richtig. Wir wollen in die Dell-Server-Liga, wollen uns hier weiter spezialisieren. Es ist ein riesiger Markt vorhanden – und wir haben uns sehr stark auf dem mittelständischen Markt positioniert. Ein mittelständisches Unternehmen hat nach unserer Definiton 20 bis 30 Mitarbeiter, das mittlerweile auch schon eine relativ große Server-Landschaft sein Eigen nennt. Das Datenaufkommen wird auch hier immer größer. Die ganz großen Unternehmen dieser Welt kümmern sich – zu unserem Vorteil – nicht so sehr um den Mittelstand. Diese Kunden werden bei uns servicetechnisch dann so behandelt, als wenn sie bei Dell ein A-Kunde wären.

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„Es ist ein riesiger Markt vorhanden – und wir haben uns sehr stark auf dem mittelständischen Markt positioniert.“

Auch gebäudetechnisch soll der Stammsitz in Freyung ja vergrößert werden – und tut dies momentan auch auf beachtliche Weise …

Wir haben unser Hauptgebäude noch einmal verdoppelt – in Summe macht das 6.500 Quadratmeter Büro- und Arbeitsflächen. Mit den angrezenden Grundstücken haben wir insgesamt eine Nutzfläche von 23.000 Quadratmetern, um auch künftig gut erweitern zu können. Uns war bei der Auswahl des Investors dessen Verständis dafür wichtig, dass er hier in diesen Standort im Bayerischen Wald investiert. Und nach einer eingehenden Prüfung aller Kritierien hat dieser auch schnell festgestellt, dass der Woid für ein IT-Unternehmen, einen Online-Händler wie die Thomas Krenn AG, ein absolut genialer Standort ist. Man bekommt vollste Unterstützung von Seiten der Politik, hat loyale, sehr fleißige und fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter, die Lohnkosten sind natürlich günstiger als in den Ballungszentren, die Grundstücks- und Baupreise ebenso. Was will man mehr?

Wie viele neue Arbeitsplätze wird der Um- und Erweiterungsbau in etwa mit sich bringen?

Das ist bis dato nicht ganz eindeutig zu benennen. Die Arbeitsplätze wachsen stetig mit. Derzeit sind rund 13 Arbeitsstellen ausgeschrieben – wobei manche auch doppelt belegt werden, sodass wir in der ersten Ausbauphase etwa 15 bis 20 neue Mitarbeiter einstellen wollen. Im länger bestehenden Gebäudeteil hatten wir, wie gesagt, um die einhundert Beschäftigten. Durch die Kapazitätenverdoppelung wäre der Komplex also für zweihundert Leute ausgelegt.

Herr Wittenzellner, vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin alles Gute.

Interview: Stephan Hörhammer, Dike Attenbrunner

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