Im Sommer kann’s jeder!? Winter-Grillseminar im Ilzer Land Markt

Tittling. Blutiger Anfänger bin ich inzwischen nicht mehr, nein. Einige Koch-(Lehr)-Stunden habe ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Vor allem meiner Frau ist dabei eine Schlüsselrolle zugekommen. Dank ihr weiß ich mittlerweile, wie man etwa „a resches Schweinas“ hinbekommt – oder Fleischpflanzerl kredenzt. Auch beim Grillen würde ich mich nicht mehr als Einsteiger bezeichnen: Einen Grillkurs durfte ich als Hog’nianer bereits besuchen. Doch das, was ich im Ilzer Land Markt in Tittling erleben durfte, ist zweifelsohne der Höhepunkt meiner bisherigen Gastro-Karriere. Bei Manuel Niedermeier und Bernhard Bergmann durfte ich ein Winter-Grillseminar bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneefall absolvieren. Grillen im Winter? Na klar! Denn im Sommer kanns‘ jeder…

Die Gastgeber des Winter-Grillseminars: Raiffeisen-Marktleiter Manuel Niedermeier (links) und Raiffeisenbank-Vorstand Bernhard Bergmann – beides Hobbyköche und -griller aus Leidenschaft.

Dank der berühmt-berüchtigten Weigerstorfer’schen Pünktlichkeit bin ich etwas eher als verlangt im Tittlinger Raiffeisenmarkt zugegen. Dort, genauer gesagt im dazugehörigen Ilzer Land Markt, soll der winterliche Grillkurs stattfinden. Die Zeit bis zum Start nutze ich, um mit Bernhard Bergmann ins Gespräch zu kommen. Beruflich ist der Freyunger als Vorsitzender der Raiffeisenbank Passau-Nord aktiv, seine Leidenschaft ist das Kochen und Grillen in allen möglichen Varianten. Um seinem Hobby noch intensiver frönen zu können, hat er das Bayerwald Grill- und Kochteam ins Leben gerufen. Seitdem widmet er sich nicht nur der Zubereitung kulinarischer Schmankerl, sondern bestreitet auch Wettkämpfe, schreibt Rezepte und erteilt Unterricht.

Gusseiserne Bratroste – wichtige Tipps für alle Wintergriller

Dass Bernhard Bergmann, Manuel Niedermeier und Anke Kerschbaum, die das Team als „fleißige Biene“ im Hintergrund ergänzt, Profis auf ihrem Gebiet sind, wird einem relativ schnell deutlich. Nicht nur das umfangreiche Menü, das ich gemeinsam mit elf weiteren Hobby-Grillern in den nächsten Stunden mitgestalten darf, zeugt von einer hochklassigen Nachmittagsbeschäftigung. Auch die Tipps und Tricks, die uns das Bayerwald-Kochteam serviert, machen deutlich, dass wir’s hier nicht mit Irgendjemanden zu tun haben, sondern mit absoluten Könnern am Bratrost. Ich fühle mich gut aufgehoben. Auch derlei Tätigkeiten, die ich bisher noch nicht durchgeführt hatte – wie etwa den Lachs richtig schneiden oder Saltimbocca-Fleisch vorbereiten – gehen mir aufgrund der fachmännischen Unterstützung leicht von der Hand.

Bevor der Hunger gestillt werden konnte, mussten die Teilnehmer selber Hand anlegen.

Meine Sorgen, das Dreiburgenland mit knurrendem Magen wieder verlassen zu müssen, verflüchtigen sich im Nu. Befürchtungen, dass die kalten Temperaturen den Grillspaß zu einer Ewigkeitsbaustelle machen, verschwinden ebenso schnell, wie sie gekommen sind. Zumal Bernhard Bergmann gleich zu Beginn erklärt, was es beim Wintergrillen zu beachten gilt:

Zum Beispiel ist es sinnvoll, gusseiserne Grillroste zu verwenden – denn diese würden die Hitze besser speichern. Bei Schneefall und Frost sei es ratsam, lediglich den Grillvorgang an sich nach außen zu verlagern. Vorbereitung, Verzehr und Nachklang sollen im Warmen stattfinden – so bleibt das Essen frisch und die Zutaten werden vorm Erfrieren geschützt. Und auch die Gesundheit dankt es einem, wenn der Aufenthalt am Grill bei Minusgraden möglichst kurz gehalten wird…

„… dann geht es einem einfach von der Hand“

Hinzu kommen völlig einleuchtende Ratschläge, die einem aber erst so richtig in Fleisch und Blut übergehen, wenn man sie nochmals vom Profi eingeimpft bekommt. Natürlich muss die Temperatur im Grill aufgrund der großen Unterschiede zu den Außengraden regelmäßig überwacht werden. Ansonsten droht beim Steakbraten das böse Erwachen. Beachtet man obendrein, dass eventuelle Funkenflüge die neue Daunenjacke zerstören könnten, steht einem winterlichen Grillnachmittag nichts mehr im Wege. Und im Gegensatz zum Sommer, wenn bei Hitze und Sonne eher leichte Kost angesagt ist, könne man in der kalten Jahreszeit mal so richtig herzhaft zugreifen.

Saltimbocca vom Reh, Ente und Hähnchen – nicht nur für den Magen eine Wohltat.

„Freyunger Wurstpralinen“ mit BBQ-Sauce, Saltimbocca vom Reh, Ente oder Hähnchen mit Apfel-Feigen-Chutney und Glühwein-Cranberry-Sauce, Bayerwaldpizza, Lachs von der Zedernholzplanke mit Wintergemüse, glasierter Schweinbauch auf süßem bayerischen Kraut und Bratkartoffeln sowie Winter-Camembert und „Bernhard’s Bratapfel“ – was sich anhört, wie das Vermächtnis des jüngst von uns gegangenen Paul Bocuse und sich vor Kurzem noch weit außerhalb meiner kulinarischen Vorstellungskraft bewegte (Motto: Essen: Ja – selber kochen: Nein), ist bei näherer Betrachtung eigentlich leicht nachzukochen bzw. nachzugrillen. Übrigens: All diese Gerichte, selbst die Beilagen, können auf Gas- oder Holzkohle-Grills zubereitet werden. Klingt komisch, ist aber so.

Steaks, Würstchen, Käse, Gemüse – bereits während des Winter-Grillseminars realisiere ich, dass sich mein bisheriges Repertoire um einige Schmankerl bereichern wird – und ich so zum Helden der ein oder anderen Familienfeier mutieren werde. Klangen die von Bernhard Bergmann ausgewählten Gerichte für mich zunächst wie „böhmische Dörfer“, wurde mir im Laufe des Nachmittags verständlich, dass Kochen bzw. Grillen keine Hexerei ist. Das betont auch der Ilzer-Land-Markt-Küchenchef mit Nachdruck: „Man muss eine Leidenschaft für das Kochen und Grillen entwickeln. Beschäftigt man sich viel und gerne mit dieser Materie, geht es einem relativ einfach von der Hand.“ Er selbst ist das Fleisch gewordene Beispiel für seine Aussagen: Egal, ob Schweinebauch, Lachs oder Saltimbocca – dem „Chef de Gril“ gelingen all diese Gaumenfreuden mit beinahe traumwandlerischer Sicherheit.

Nachkochen lohnt sich auf alle Fälle

Und ja, Bernhard Bergmanns Kreationen schmecken hervorragend. Leider kann ich nicht mehr Essen als mein Magen Platz hat. Die finale Verköstigung ist zweifelfrei das Glanzstück des Grillnachmittags. Alle zwölf Teilnehmer sind nach den sechs Gängen wohl genährt – und überglücklich. Erst nach und nach wird mir deutlich, dass ich mir nicht nur den Bauch mit allerlei selbstgemachten Köstlichkeiten vollgeschlagen habe, sondern „ganz nebenbei“ auch einiges dazugelernt habe. Liebe Freunde, Bekannte und Familie: Macht Euch auf was gefasst – und freut Euch!

Helmut Weigerstorfer

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Unser Rezept zum Nachgrillen:

Freyunger Wurstpralinen vom Grill (für zehn Personen)

Zutaten: 2 Weißwürste, 2 Debreziner, 2 Blutwürste, 1 rote Chilischote, 3 Datteln, 3 Feigen, Sauerkraut, Emmentaler, Bratkartoffeln, Süßer Senf, Scharfer Senf, 30 Scheiben Bacon, Barbecue Sauce, 10 Holzspieße;

Zubereitung: Von den Weißwürsten die Haut abziehen und jede Wurst in fünf gleiche Teile teilen. Chilischote halbieren und entkernen, in fünf Streifen schneiden. Datteln entkernen und vierteln. Weißwurststück bis zur Hälfte einschneiden, aber nicht durchschneiden. Die Stücke mit Chili und Datteln füllen und mit einem süßen Senf toppen. Dann komplett in den Bacon wickeln.

Jede Debreziner in fünf gleich Stücke schneiden, halbieren, nicht durchschneiden. Feigen fein würfeln und in die Dreziner geben. MIt scharfem Senf toppen und in Sauerkrat einrollen. Dieses Päckchen dann mit Bacon umwickeln.

Blutwürste in zehn gleichmäßige Würfel schneiden. Käse in genau so große Rechtecke schneiden, vorher gebratene Bratkartoffeln auf den Würfel in der gleichen Größe geben unt mit dem Bacon umwickeln, sodass komplett umschlossen ist.

Alle drei Wurstpakete auf einen Holzspieß strecken, 15-20 Minuten grillen. Nach etwa 10 Minuten die Päckchen mit der BBQ-Sauce bestreichen und die restliche Zeit grillen. Sobald die Sauce eingezogen ist, sind die Päckchen fertig.

Tipps & Tricks: Holzspieße vorher gut wässern.

da Hog’n

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Einsteiger, Fortgeschrittene, Fisch und Fleisch, American-BBQ, Wildgrillen – im Laufe des Jahres bietet das Bayerwald Grill- und Kochteam im Ilzer Land Markt in Tittling eine Vielzahl von Grillseminaren an. Weitere Infos dazu gibt’s hier (einfach klicken)

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(Transparenz-Erkärung: Wie fährt sich ein Elektroauto? Würde ich meine Führerscheinprüfung heut noch einmal bestehen? Wie “gefährlich” ist das Klettern in einem Hochseilpark? Oder: Wie gelingt ein richtiger Schweinebraten? Wir probieren’s für Sie und unsere Leser aus – stets offen und ehrlich! Wenn auch Sie unser Ausprobiat-Team für Ihre Sache engagieren wollen, kontaktieren Sie uns einfach – und wir schicken Ihnen zum absolut freundlichen Ausprobiat-Preis eine kompetente, wagemutige und offenherzige Truppe vorbei, “bewaffnet” mit Bleistift, Papier, Foto- und Videokamera. Einfach eine Email mit dem Kennwort “Ausprobiat” an info@hogn.de senden – und wir melden uns umgehend bei Ihnen.)

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Ein Kommentar bei "Im Sommer kann’s jeder!? Winter-Grillseminar im Ilzer Land Markt"

  1. Robert Oberfrank sagt:

    Jetzt hab ich gleich Brotzeit machen müssen. Hört sich ja super an. Und wie ich immer sage: bei schönem Wetter kann’s jeder (da mein‘ ich zwar immer das Motorrad fahren). Viele Grüße aus bayerisch Schwaben und guten Hunger (oder Weidmanns Grill oder so)

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