Waldkirchener Krankenhaus-Aus: Hätten bereits Grubers Vorgänger handeln müssen?

Waldkirchen. Das Ende der Akutversorgung am Standort Waldkirchen ist beschlossene Sache. Dies hat der Kreistag mit einer doch deutlichen Mehrheit (39:14) am Montag entschieden. Künftig soll in den Räumlichkeiten des bisherigen Krankenhauses ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen. Ein Schritt, der längst überfällig war – wie viele Bürger des Landkreises Freyung finden. Doch: Ist es ein Schritt, der bereits viel früher hätte vollzogen werden müssen? Genau diese Frage hat das Onlinemagazin „da Hog’n“ den Vorgängern von Sebastian Gruber im Amt des Landrates gestellt – Alexander Muthmann (2002-2008) und Ludwig Lankl (2008-2014).

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Der frühere Landrat Alexander Muthmann (2.v.l.) stimmte am vergangenen Montag für die Zweihäusigkeit im Landkreis Freyung-Grafenau. Hätte er bereits in seiner Amtszeit entsprechende Änderungen in die Wege leiten müssen?

Ein Bild von deren (heutigen) Meinungen konnte man sich in den beiden „Krankenhaus-Sitzungen“ am 22. Juni und 26. Oktober machen. Sowohl MdL Muthmann (CWG-FW) als auch Lankl (CSU) sind weiterhin Mitglieder des Kreistages, bekanntlich war Erstgenannter sogar Gegenkandidat von Sebastian Gruber bei den Landratswahlen im vergangenen Jahr. Während sich Lankl, der übrigens bei der Sitzung am Montag nicht anwesend war, von Anfang an für eine Dreihäusigkeit im Landkreis FRG ausgesprochen und sich immer wieder auf die Struktur-Entscheidungen aus dem Jahr 2012 berufen hatte, hat sich Muthmanns Standpunkt offensichtlich nun geändert.

Muthmann: „Damals gab es noch kein Betriebskostendefizit“

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Hat seine Meinung geändert: Kreistagsmitglied, Landtagsabgeordneter und FRGs Ex-Landrat Alexander Muthmann.

Anfangs noch ein vehementer Kämpfer für den Waldkirchener Standort, steht der 59-Jährige inzwischen auf Seiten der Landkreis-Verwaltung um Landrat Sebastian Gruber. Gegenüber dem Onlinemagazin „da Hog’n“ erklärt der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler seinen Wandel wie folgt: „Zum einen hat sich die Trennung von Chirurgie und Innerer nicht bewährt. Zum anderen wird es für kleine Häuser immer schwieriger, hochqualifizierte Chefärzte zu finden und eine gute medizinische Versorgung auf hohem Niveau anzubieten, auch aufgrund der erschwerten Kostenerstattung durch die Leistungsträger.“

Nachnutzung: Noch viel Arbeit für die Verantwortlichen

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Die Akutversorgung am Waldkirchener Standort soll bis zum 1. Januar 2018 eingestellt werden

Ähnlich argumentierte der Freyunger auch schon bei der jüngsten Entscheidung im Kreistag. Dort betonte Muthmann, dass man auf die nötige medizinische Qualität achten solle, gleichzeitig aber viele Erwartungen hinsichtlich der Nachnutzung nicht erfüllt worden seien. „Enttäuschend ist, dass für Waldkirchen noch keine weitergehenden Leistungsangebote bestehen. Da wird in den nächsten Wochen und Monaten noch viel Arbeit auf die Verantwortlichen zukommen, um im Krankenhausgebäude in Waldkirchen ein breites Spektrum an ambulant medizinischen Leistungen und Fachrichtungen anbieten zu können“, betont er nochmals gegenüber dem Onlinemagazin „da Hog’n“.

Hätte Muthmann schon während seiner Zeit als Landrat zwischen 2002 und 2008 die Zeichen der Zeit erkennen müssen? Hätte er schon damals eine Zweihäusigkeit durchsetzen müssen? „Nein“, macht der FW-Politiker deutlich. „Alle drei Krankenhäuser hatten zu dieser Zeit eine chirurgische und innere Abteilung sowie alle Grundleistungen im Angebot. Außerdem gab es damals noch kein Betriebskostendefizit.“ Der frühere Landrat hofft nun, dass durch die Entscheidung Ruhe einkehrt und es gelingt, Angebote auf hohem medizinischem Niveau zu sichern.

Ludwig Lankl möchte nicht mehr darüber sprechen

Ludwig Lankl: "Meine Zeit ist vorbei, nun sind andere dran und die werden es schon richtig machen."

Ludwig Lankl: „Meine Zeit ist vorbei, nun sind andere dran und die werden es schon richtig machen.“

Nicht mehr über diese Angelegenheit sprechen wird hingegen Muthmann-Nachfolger und Gruber-Vorgänger Ludwig Lankl. Kurz angebunden sagt er auf Hog’n-Nachfrage: „Zu diesem Thema möchte ich nichts mehr sagen. Ich habe meine Meinung bei der vorletzten Sitzung zum Ausdruck gebracht – das reicht. Meine Zeit ist vorbei, nun sind andere dran – die werden es schon richtig machen.“

Was meint Ihr? Hätten in Sachen Krankenhaus-Reform bereits die Gruber-Vorgänger Alexander Muthmann und Ludwig Lankl handeln müssen? Muss Gruber gar die Fehler der Vergangenheit ausbügeln? Wir sind gespannt und freuen uns auf Eure Meinungen in unserer Kommentarleiste.

Helmut Weigerstorfer

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Ein Kommentar bei "Waldkirchener Krankenhaus-Aus: Hätten bereits Grubers Vorgänger handeln müssen?"

  1. Heidi Jüttner sagt:

    Aufgrund der hohen Defizite wurde bereits in der Wahlperiode 1990-1996 wurde von der SPD-Fraktion, insbesonders von Rigobert Prasch ein Vorschlag zum Erhalt aller drei Krankenhausstandorte eingebracht. Der Vorschlag war: Spezialisierung der Krankenhäuser – wir haben nicht 3 Krankenhäuser sondern ein Krankenhaus verteilt auf 3 Standorte -. Für das kleinste Krankenhaus Waldkirchen wurde vorgeschlagen ein Spezialkrankenhaus für Alterskrankheiten mit Geriatriebetten usw. zu schaffen. Ich bin der festen Überzeugung, wenn diesem Vorschlag zugestimmt worden wäre, hätten wir jetzt eine andere Situation aber leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Das was jetzt Sache ist, haben wir den ewig gestrigen zu verdanken – „das Waldkirchener Krankenhaus ist tabu – da machen wir gar nichts“ war die Devise.

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