„Pounding The Pavement“: Anvil können’s noch immer!

Die unverwüstlichen Kanadier von Anvil treiben bereits seit 1978 ihr Unwesen in der Metal-Szene und gehören nicht nur wegen „Metal On Metal“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1982 zu den kultbewehrteren Truppen des Genres – sondern insbesondere auch deshalb, weil sie im Anschluss an den enormen Erfolg den Durchbruch nie wirklich geschafft haben. Ihren zweiten Frühling hat die Band um Sänger und Gitarrist Steve „Lips“ Kudlow sowie dessen Jugendfreund am Schlagzeug Robb Reiner dann aber immerhin mit der wirklich sehenswerten Musik-Doku „The Story Of Anvil“ (2009) und dem damit einhergehenden Album „This Is Thirteen“ (2007) begonnen – und bis heute auch noch nicht wieder damit aufgehört.

Das derzeitige Anvil-Line-Up mit (v.l.) Bassist Chris Robertson, Frontmann Steve „Lips“ Kudlow und Drummer Robb Reiner. Fotos: Steamhammer/SPV 

„This Is Thirteen“ wurde während der Dreharbeiten zu „The Story Of Anvil“ aufgenommen – die Aufnahme-Sessions wurden ausgiebig im Film dokumentiert – und bekam dadurch einen enormen Schub verpasst. Es folgten die ebenfalls gutklassigen Alben „Juggernaut Of Justice“ (2011), „Hope In Hell“ (2013) und „Anvil Is Anvil“ (2016).

Lebendiges, frisches und abwechslungsreiches Songwriting

Mitte Januar veröffentlicht das „Dynamic Duo“, das laufend von neuen Bassisten ergänzt wird – der aktuelle Bassmann heißt seit 2014 Chris Robertson – sein 17. Studioalbum „Pounding The Pavement“ via Steamhammer/SPV.

Metal-Legende: Steve „Lips“ Kudlow.

Beibehalten wurde das Trademark, stets einen Albumtitel mit drei Worten zu wählen. Beibehalten wurden im immerhin schon fünften Jahrzehnt der Bandgeschichte aber auch das lebendige, frische und abwechslungsreiche Songwriting, die Energie, mit der vor allem Drumtier Reiner Songs wie „Bitch In The Box“, „Rock That Shit“ oder „Smash Your Face“ derart agil nach vorne peitscht, dass man sich fragt, ob der passionierte Kiffer – siehe auch „The Story Of Anvil“ – sein Gras mittlerweile gegen Speed ausgetauscht hat…

Die Band geht Motörhead-mäßig nach vorne, wie etwa in „Black Smoke“, das in den Strophen auch vom Gesang her an den zu früh verstorbenen Lemmy Kilmister erinnert. So ist „Doing What I Want“ ebenso im schweren Midtempo angesiedelt wie „Don’t Tell Me“, während das mit fast sechs Minuten längste Stück „Nanook Of The North“ sich auf musikalisch tribal-lastige Art mit dem Leben der Ureinwohner der Antarktis beschäftigt: „Wir wollten als kanadische Band gezielt mehr kanadische Themen aufgreifen“, sagt Lips dazu. Er hatte im College einen gleichnamigen Film über den Obertongesang der Inuit gesehen, an den er sich beim Songwriting erinnerte. „Schon hatte ich meinen Titel und mein Thema gefunden“, berichtet der Anvil-Sänger.

Zum Abschluss folgt die knietiefe Black-Sabbath-Verbeugung

Immer wieder gut, wenngleich auch nicht neu, sind die Ausflüge der Band in die Welt des swingenden Jazz – natürlich angereichert mit schwermetallischen Gitarren und viel Power.

Auf „Pounding The Pavement“ heißt das entsprechende Stück „Warming Up“ und zeigt zum einen wieder Drummer Reiner in Höchstform, bringt aber zudem mit seinen leicht jazzigen Akkorden und dem Shufflebeat noch mehr Facetten auf ein ohnehin sehr abwechslungsreiches Album. Den Abschluss markiert mit „World Of Tomorrow“ dann auch noch eine knietiefe Black-Sabbath-Verbeugung – wohlgemerkt vor der „Mob-Rules“-Ära und nicht vor den klassischen Ozzy-Alben. Starker Song – starkes Album!

Wolfgang Weitzdörfer

 

Anvil: Pounding The Pavement
 
  • VÖ: 19. Januar 2018
  • Label: Steamhammer/SPV
  • Songs: 12
  • Spielzeit: 45:31 Minuten
  • Preis: 14 Euro

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