AfD-Kandidat Torsten Heinrich: „Wir werden jetzt als Nazis diffamiert!“

Würzburg. Torsten Heinrich, der Bruder von Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich, macht auch Politik. Nicht bei der alteingesessenen Christlich-Sozialen Union (CSU), sondern bei einer Partei, die gerade einmal sieben Monate alt ist und sich selbstbewusst als Alternative für Deutschland (AfD) bezeichnet. Doch: Welche Ansichten vertritt sie? Was sind ihre Ziele? Warum wird sie von vielen Seiten kritisch beäugt? Im Hog’n-Interview spricht Heinrich, AfD-Bezirksvorsitzender von Unterfranken, über die chaotischen Anfänge der Partei, über diverse Angriffe von Links und darüber, welche Chancen er der AfD bei den kommenden Wahlen einräumt. Außerdem verrät der 30-jährige Würzburger, worüber er mit seinem Bruder an Weihnachten diskutiert …

AfD

„Die Alternative für Deutschland (Kurzbezeichnung: AfD) ist eine am 6. Februar 2013 gegründete euro-kritische deutsche Partei“, heißt es bei Wikipedia. Screenshot: www.alternativefuer.de

„Auf einmal tauchte eine Partei auf, die sich sehr vernünftig anhörte“

Herr Heinrich: Was hat Sie dazu bewogen sich politisch zu engagieren?

Ich war schon immer politisch – nur gab es nie eine Partei, die mir politisch nahe genug stand, als dass ein Engagement für mich Sinn ergeben hätte. 2010, als das erste Griechenland-Paket zur Debatte stand, hab ich mich hingesetzt und ausgerechnet, dass Griechenland pleite ist. Da war klar, dass Geld zum Fenster rausgeworfen wird. Ich habe daraufhin die Bundestagabgeordneten in meinem Wahlkreis angeschrieben und sie darum gebeten, nicht dafür zu stimmen – und wenn doch, dass sie dann bitte persönlich mit ihrem Privatvermögen und ihren Rentenansprüchen Haftung dafür übernehmen. Es kam natürlich nie eine Antwort, die Euro-Rettungsorgie ging weiter.

Und dann?

Dann tauchte auf einmal eine Partei auf, die sich sehr vernünftig anhörte. Wir von der AfD sind ja gegen die Eurorettung, die mich massiv stört – das Wort ‚Rettung‘ muss man natürlich in Anführungsstriche setzen. Des Weiteren hat mich die Vereinfachung des Steuersystems angesprochen. So, wie es jetzt läuft, muss man erst mal seitenweise Erklärungen abgeben, um am Ende das Gefühl zu haben, dass man trotzdem die Hälfte verschenkt. Man wird für den Fiskus zum Buchhalter – das finde ich unerträglich!

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Der AfD-Bezirksvorsitzende von Unterfranken, Torsten Heinrich, bei der Wahlkampfarbeit in seiner Heimatstadt Würzburg. Fotos: privat

Wenn wir uns durchsetzen können, dann kommt das Kirchhof-Steuermodell im Sinne einer Bierdeckel-Reform. Das bedeutet, durch eine so drastische Vereinfachung der Regeln und einen Kahlschlag bei den Ausnahmen reicht eine einfache Plus-Minus-Rechnung, für die man nicht mehr Platz braucht als auf einem Bierdeckel ist. Und was mir auch sehr wichtig war: Die politische Korrektheit. Es hat mich schon seit Jahren gestört, dass sich in Deutschland ein Klima ausbreitet, in dem man sich nicht mehr traut, Dinge zu sagen, weil man Konsequenzen befürchten muss.

Welche Dinge zum Beispiel?

Wenn ich mich politisch äußere und ein Unternehmen habe, muss ich damit rechnen, dass ich gewisse Konsequenzen tragen muss – oder man wird zum sozialen Paria. Wenn ich etwa klare Fakten ausspreche, wie zum Beispiel die Herkunft der Straftäter, die gerade Johnny K. getötet haben. Solche Sachen werden einfach häufig nicht angesprochen. Oder: Der Zusammenhang der Koptenverfolgung in Ägypten mit dem radikalen Islam, was weitestgehend außen vor bleibt oder nicht in dem nötigen Maße angesprochen wird. Das Problem ist, dass sich generell ein Klima einstellt, in dem man das Gefühl hat, man sollte besser nichts sagen. Es folgen keine strafrechtlichen Konsequenzen, aber wenn die Meute auf einen einstürmt … Man sieht es ja: Wir werden jetzt als Nazis diffamiert.

Wer macht das?

Die Grünen. Die Grüne Jugend Göttingen zum Beispiel. Auch die Jungen Piraten beteiligen sich gerade mit einem übel diffamierenden und faktenwidrigen Flyer an der Rufmord-Kampagne gegen uns. Wir werden als antisemitisch und rassistisch bezeichnet … Jetzt geht ja gerade das Bild vom beschmierten Großplakat um, wo man uns ‚als Nazis aufdeckt‘ … Wir, eine fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehende Partei, werden als Nazis diffamiert!

„Die Freiheit und die Demokratie sind ja kein Wunschkonzert“

Woher kommt denn diese Idee, die AfD als Nazis zu bezeichnen?

Ich kann es mir nur so vorstellen, dass es die radikalen Linken sind, deren Toleranz dort endet, wo ihre Ansichten enden. Für die ist alles, was andere Meinung ist, ‚Nazi‘ – egal, wie legitim die Meinung ist. Die Meinungsfreiheit und die Demokratie sind ja kein Wunschkonzert. Dazu gehört, dass ich auch mit Dingen leben muss, die mir nicht gefallen. Letztendlich demaskieren sie sich damit de facto selbst als Nazis, weil sie ja in faschistoider Art und Weise eine andere Partei behindern wollen, die im Wahlkampf steht. Wir hatten Angriffe auf Wahlkampfstände. Es gab Verletzte, einer ist ins Krankenhaus gekommen.

In welcher Form wurde die AfD denn genau angegriffen?

Es gab körperliche Übergriffe. In Nürnberg wurde angedroht, den Infostand zu zerstören. Daraufhin ging der Mann hinter dem Infostand hervor, der vermutlich Linksextreme schubste ihn um und trat dann auf seinen Kopf. Er wurde durch Herbeieilende gestoppt und konnte unerkannt flüchten. Der Verletzte wurde mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Inzwischen wurde noch ein Angriff auf eine Veranstaltung mit Bernd Lucke durchgeführt, bei dem dieser vom Podest gestoßen wurde und wohl CS-Gas oder Pfefferspray gegen das Publikum versprüht wurde. Unter den Verletzten waren auch Kinder. Der Unterschied zum politischen Klima der Weimarer Republik wird ständig kleiner, wenn man versucht, uns mit Gewalt am Wahlkampf zu hindern. Unsere Wahlplakate sind an mehreren Orten binnen kurzer Zeit verschwunden, weil sie jemand abmontiert hatte …

quer„-Bericht über den chaotisch verlaufenen AfD-Parteitag in Ingolstadt:

Anscheinend ist die AfD bei gewissen Leuten nicht sonderlich beliebt. Glauben Sie, dass die Partei mit ihren Ansichten den Nerv der Leute trifft?

Wir sind halt keine Linken. Wir haben auch mit den Rechten nichts am Hut. Ein paar konservative Ansichten haben wir, wenn man so will – wir werten etwa auch die Familie als „Keimzelle des Staates“, wie das im Grundgesetz formuliert ist. Aber wir verstehen uns als eine Sammlungspartei, das heißt: Wir haben auch sehr Liberale, wie mich zum Beispiel, in der Partei, die das Thema mit Sicherheit nicht nach vorne stellen und eben auch deutlich liberaler sind. Manche kommen dann auf die waghalsige Idee, wenn wir die Übertragung immer weiterer Kompetenzen nach Brüssel nicht toll finden und das Volk selbst über eventuelle Aufgaben von Souveränitätsrechten entscheiden zu lassen, sei das Nationalchauvinismus, vulgo ‚Nationalismus‚!

Der Landesvorsitzende Martin Sichert ist auf dem Parteitag in Ingolstadt ja als der rechten Szene zugehöriges Parteimitglied durch einen Fernsehbericht (siehe obiges Video) entlarvt worden.

Der war genau für zwei Stunden Landesvorsitzender.

Oh! Tatsächlich? Zwei Stunden nur?

Er ist gewählt worden, hat ein paar Interviews gegeben und dann tauchten Zeugen auf, die bereit waren, eidesstattlich zu erklären, dass überall Wahlzettel herumlagen … Dann wurde die Wahl für ungültig erklärt – und er ist nicht mehr angetreten. Nach meinem Kenntnisstand ist er auch mittlerweile aus der Partei ausgetreten.

„Auch im Sportverein wird sich mal ein Rechtsextremist finden lassen“

Bei diesem Parteitag in Ingolstadt ging’s ja ziemlich chaotisch zu …

Naja, wir sind eine junge Partei. Schauen Sie sich die Gründung der Grünen an, schauen Sie sich die Piraten an … Ich denke, verglichen damit läuft alles sehr gesittet ab. Dass man in einer jungen Partei Querelen hat, dass da Leute sind, die gerne sehr schnell sehr viel erreichen wollen – und wenn sie’s nicht schaffen, sauer werden – das ist relativ normal. Das ist bei etablierten Parteien anders, weil da niemand, der heute eintritt, morgen schon irgendein Vorsitzender wird, sondern erst nach vielen Jahren. Bei uns ist es einerseits ein Vorteil, weil wir unverbrauchte Leute haben. Andererseits führt das natürlich auch dazu, dass sich die Rücktritte häufen, mit den Rücktritten die Verbitterung kommt und so weiter …

Und in Ingolstadt gab es eine stundenlange Satzungsdiskussion, die beim ersten Beschluss einer Satzung unumgänglich ist. Martin Sichert ist gegen den bisherigen Vorsitzenden angetreten, dieser wurde knapp geschlagen – und dann wurde die Wahl annulliert, weil möglicherweise mehr Stimmen abgegeben wurden als noch Stimmberechtigte nach dem Satzungsmarathon anwesend waren. Das ist natürlich ein Chaos, wenn man eine Wahl annulliert und dann die Sitzung abbricht …

Wie heißt dann der neue Vorsitzende?

André Wächter.

Was hat er für eine Vergangenheit – woher kommt er?

Er arbeitet bei der Bundesbank. Die genau Funktion weiß ich momentan auch nicht.

Um noch einmal auf die Vorwürfe des Rechtsextremismus bzw. Rechtspopulismus zurückzukommen. Martin Sichert hatte einige Sätze auf seiner Facebookseite veröffentlicht, die ja durchaus in diese Richtung gehen bzw. sehr bedenklich sind. So ganz unbegründet scheinen die Vorwürfe gegenüber der AfD ja nicht zu sein …

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Torsten Heinrich neben dem AfD-Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Lucke.

Das ist falsch. Sie müssen es so sehen: Wir haben momentan rund 15.000 Mitglieder Wenn man 15.000 Mitglieder in drei Monaten gewinnt, kann man schlichtweg nicht verhindern, dass sich irgendeiner daneben benimmt. Leute, die sich daneben benehmen, gibt es auch in allen anderen Parteien. Wenn man solche Quertreiber in der CDU findet, wird dies in der Regel medial nicht groß an die große Glocke gehängt. Das nimmt auch keiner zum Anlass, die gesamte CDU oder CSU pauschal als rechtsextrem zu diffamieren. Und das ist der große Unterschied. Dass bei 15.000 Leuten vereinzelte Blindgänger auftauchen, lässt sich überhaupt nicht vermeiden. Das ist wie in einem großen Sportverein: Auch in dem wird sich mal ein Rechtsextremist finden lassen – und Martin Sichert ist für mich kein Rechtsextremist. Er hat sehr dumme Sachen geäußert – inhaltlich und fachlich falsch und in einer bedenklichen Art und Weise.

Meines Erachtens zwar von Meinungsfreiheit gedeckt – aber er hat sich ja meines Wissens den eventuell möglichen Konsequenzen entzogen, indem er ausgetreten ist. Von daher konnte das nie durch irgendwelche parteiinterne Institutionen geklärt werden … Um darauf zurückzukommen: Wenn ein Sportverein mit 1.000 Mitgliedern drei Rechte oder drei Rechtsextreme mit dabei hat, dann wird ja auch kein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen, den Sportverein als rechtsextrem zu bezeichnen …

Das ist schon richtig – wenn ein einfaches Vereinsmitglied etwas Rechtsextremes äußern würde. Aber wenn sich der potenzielle Landesvorsitzende so äußert …

Es ist wieder das Gleiche: Er ist eben schnell aufgestiegen, keiner hat sich seine Facebookseite durchgelesen – und als das aufgekommen ist, war er bereits weder Stellvertreter noch Vorsitzender – wenn überhaupt, dann nur zwei Stunden, bis die Wahl annulliert wurde – jetzt ist er nicht mal mehr Parteimitglied.

„Mein Credo: Geh in eine Partei und verändere sie von innen“

Sie haben vorhin erwähnt, dass es Leute gibt, die zur AfD gehen und möglichst schnell nach oben kommen wollen – was sind Ihre Ambitionen bei der Partei? Was wollen Sie erreichen?

Ich will politisch was bewegen. Das, was einem immer gesagt wird: ‚Geh in eine der Parteien und verändere sie von innen!‘ Letztendlich kann ich jetzt bereits beginnen, auch in der AfD in der zu erwartenden Richtungsorientierung meine freiheitlich-liberale Einstellung einfließen zu lassen.

In welcher Position sind Sie derzeit?

Ich bin AfD-Bezirksvorsitzender in Unterfranken, Bundesvorsitzender der Parteijugend, Direktkandidat in Würzburg und stellvertretender Sprecher des Bundesfachausschuss für Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Das klingt schon mal nach „sehr schnell sehr viel erreicht“.

Ja. Aber auch nach sehr schnell sehr viel Arbeit aufgehalst. Auf einem aussichtsreichen Listenplatz bin ich nicht.

Generell: Ihre Partei nennt sich Alternative für Deutschland. Warum braucht unser Land diese Alternative?

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„Nur wenn man ein Problem direkt anspricht, kann man es auch lösen.“

Weil sowohl was die politischen Ansichten als auch die Entscheidungen angeht in zunehmenden Maße der Eindruck erweckt wird, wir hätten es wieder mit Blockparteien zu tun. Nehmen wir als Beispiel die Eurorettung. Das ist jetzt das Markanteste. Die Einzigen, die dagegen gestimmt haben, waren die Linken. Und die haben nicht dagegen gestimmt, weil sie gegen die Eurorettung sind, sondern weil die Eurorettung mit Bedingungen verknüpft war – sie wollten das Geld ohne Bedingungen in die Schuldnerländer umverteilen. Das heißt: Es gab überhaupt keine Opposition im Bundestag, abgesehen von einzelnen Köpfen, die meine Achtung verdienen. Aber der Rest hat schlicht und einfach – wie eben die klassischen, alten Blockparteien – alles zusammen abgenickt.

Oder nehmen wir mein Kernthema: die Freiheit. Wer wagt es denn heute noch offen aufzutreten und gegen den Mindestlohn zu sprechen – und sich so dem Vorwurf auszusetzen, man wolle den anderen nichts gönnen. Die FDP stimmt inzwischen dem Mindestlohn zu, die Union, die ihn beschlossen hat, auch. In vielen Punkten gibt es schlichtweg keine Opposition mehr.

Ein weiterer Punkt ist natürlich die politische Korrektheit. Es muss möglich sein Probleme anzusprechen – und da habe ich ebenfalls bei den etablierten Parteien keine Möglichkeit mehr gesehen, das zu tun. Nur wenn man ein Problem direkt anspricht, kann man es auch lösen und auch eigene Fehler erkennen.

Woran liegt es denn genau, dass die etablierten Parteien und deren Mitglieder die Probleme nicht mehr ansprechen?

Wir dürfen eins nicht vergessen: Politische Korrektheit ist ganz massiv Selbstzensur. Man äußert sich nicht aus Angst vor Konsequenzen. Die Konsequenzen sieht man immer wieder vereinzelt – Leute, denen Autos zerstört werden, denen, wie es vor Kurzem in Göttingen war, die Garage mit Benzin übergossen wird …

„Mehrere Leute haben Drohungen erhalten – auch Morddrohungen“

Was war da genau los?

Das ist einem Parteimitglied passiert, der seine Garage mit Benzin übergossen vorgefunden hat. Mehrere Leute haben Drohungen erhalten, auch Morddrohungen. Wie der Kreisvorsitzende von Oberbayern-Nord: Rolf Heine. Er hat bei Facebook gepostet, er habe eine anonyme E-Mail bekommen, dass die Radmuttern seines Autos gelockert werden. Das heißt, es wird massiver Druck ausgeübt.

Die Leute bekommen schlichtweg Angst. Wenn mein Arbeitgeber Anrufe bekommt und gefragt wird: ‚Wissen Sie eigentlich, dass Sie einen Nazi angestellt haben?‘ Wer so was mitgemacht hat oder davon gehört hat, der will seinen Job nicht verlieren. Stellen Sie sich mal vor, über Sie würde wahrheitswidrig verbreitet werden, Sie seien ein Nazi. Und dann werden Ihre Werbekunden gefragt: ‚Wollen Sie wirklich ein Naziportal unterstützen?‘ Ratz-fatz ist Ihr Konto leer, Ihre Firma ist pleite. Wenn Sie das von einem anderen Portal mitbekommen haben, dann werden Sie sich nicht äußern – selbst, wenn Sie glauben, es sei nötig, so was zu tun. Das ist das Problem!

Hm …

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„Wenn Sie mir bei Facebook folgen, werden Sie sehen, dass ich mich entgegen der politischen Korrektheit äußere, aber immer unter zwei Bedingungen: Aufrichtigkeit und Höflichkeit.“ Screenshot: facebook.com/da Hog’n

Das Problem ist nicht, dass der Staat kommt und Dich verhaftet. Wir haben zwar ein paar Gesetze, aber die sind ja doch weit genug gefasst, dass normale Dinge davon nicht betroffen sind. An der Holocaust-Leugnug hat ja kein Mensch Interesse – dass der Holocaust nicht stattgefunden hat, glaubt auch kein vernünftiger Mensch. Aber zu sagen, dass mehrheitlich Menschen aus einem bestimmten Kulturkreis für manche Straftaten verantwortlich sind, das wär ja normale Kritik. Wenn Du solche Dinge äußerst, hast Du im Zweifelsfall jedoch Konsequenzen zu befürchten.

Wenn Sie mir bei Facebook folgen, werden Sie sehen, dass ich mich entgegen der politischen Korrektheit äußere, aber immer unter zwei Bedingungen: Aufrichtigkeit und Höflichkeit. Höflichkeit ist ganz klar: Zum Beispiel brauche ich mir nicht von einem Linken sagen zu lassen, dass ‚Neger‘ ein böses Wort ist, wenn ich es als neutral beigebracht bekommen habe – und ich es mir aus dem Lateinischen herleiten kann. Aber wenn mir ein dunkelhäutiger Freund erklärt, ‚Neger‘ ist eine Beleidigung aus diesem und jenem Grund – und das ist mir passiert – nehme ich das selbstverständlich an und benutze das Wort nicht mehr, weil es eine Beleidigung ist. Da verlangt es die Höflichkeit, dass man so etwas nicht tut.

Die Aufrichtigkeit wiederum verlangt, dass man durchaus über Gruppenphänomene sprechen sollte, ohne jedoch zu Pauschalurteilen zu kommen und ganze Gruppen zu diffamieren. Als einfaches Beispiel sei hier Ägypten genannt. Die Gewaltakte gegen die Kopten durch radikale Muslime erfolgt aus religiöser Überzeugung. Das darf, das muss man auch ansprechen. Gleichzeitig stellen sich jedoch auch Muslime in Menschenketten vor Kirchen um diese vor Brandstiftern zu schützen. Dies darf ebenfalls nicht ignoriert werden oder unter den Tisch fallen.

„Mit meinem Bruder diskutiere ich nicht wirklich über Politik“

Thema: Wahlen. Wie sehen Sie Ihre Chancen bzw. wie sehen Sie die Chancen der AfD bei den kommenden Wahlen?

Da ich nur als Direktkandidat antrete und kein Geld und kein Personal hab, brauch ich nicht auszuführen, wie großartig meine Chancen sind. Da geht es rein um den Achtungserfolg – nicht mehr.

Und die Chancen der Partei?

Das ist die gute alte Frage. Vor kurzem stand in der Druckausgabe des Stern, dass irgendein Chef eines Meinungsumfrageinstituts Angst bekommt wir könnten es in den Bundestag schaffen. Ich denke, dass es dabei eine große Zahl gibt, die gar nicht angibt uns zu wählen, weil sie schlichtweg nicht nach der AfD gefragt worden sind. Ich kenne ein Beispiel, da wurde jemand angerufen und gefragt, wen er wählen wolle – die AfD wurde ihm überhaupt nicht zur Auswahl gestellt. Wenn eine Umfrage so abläuft, dass nur eine ausgewählte Anzahl an Parteien angegeben wird und die AfD nicht vertreten ist, dann ist es natürlich schwer, in Umfragen Erfolg zu haben.

Ob wir in den Bundestag kommen, weiß ich nicht. Angesichts der Resonanz und angesichts interner Umfragen würde ich aber optimistisch sagen, dass wir mit sechs bis acht Prozent einziehen werden.

Freyungs Bürgermeister Olaf Heinrich

Torsten Heinrichs Bruder: Freyungs Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich. Foto: da Hog’n

Ihr Bruder Olaf zählt als Freyunger CSU-Bürgermeister ja ebenfalls zur Riege der aufstrebenden Politiker. Unterhalten Sie sich mit ihm über politische Themen? Gibt es da auch mal Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten?

Bei uns wird traditionell eigentlich immer an Weihnachten diskutiert, wenn die Familie zusammenkommt. Da hatten wir letztes Mal etwa – da war ich politisch noch nicht aktiv – das Thema Eurorettung angesprochen, die ich damals schon verurteilt habe. Er hat sie verteidigt, mit den üblichen Argumenten der CSU. Und ich habe dem nicht zugestimmt (lacht). Aber ansonsten diskutieren wir nicht wirklich, was das Thema Politik angeht.

Was sagt Ihr Bruder denn dazu, dass Sie jetzt bei der AfD sind?

Er hat sich nicht wirklich dazu geäußert. Ich meine mich erinnern zu können, dass er mal gesagt hat, dass die Sache aussichtslos sei – die AfD würde es ohnehin nicht  in den Bundestag schaffen.

„Ein Stimmengewirr aus Ländern mit unterschiedlichen Interessen“

Letzte Frage: Aus unserem Gespräch ist mehr als einmal deutlich hervorgegangen, dass Sie nichts von der Eurorettung halten. Warum nicht? Wo liegt das Problem? Und: Sind Sie auch gegen den Euro?

Wie eine Währung heißt, ist letztendlich egal. Entscheidend ist, dass sie gewisse Grundkriterien erfüllt, dass sie stabil ist. Uns ist wichtig, dass kein Transfer von deutschen Steuergeldern ins Ausland erfolgt – ohne Volksabstimmung. Ob die Währung dann Euro, Gulden, Taler oder Mark heißt, ist völlig egal – genauso wie es egal ist, ob sie auf Deutschland beschränkt ist oder mit anderen Ländern geführt wird. Der US-Dollar ist in 16 Ländern ein gesetzliches Zahlungsmittel. Der große Unterschied ist, dass es in den USA nur eine Zentralbank gibt, die von nur einem Land kontrolliert wird. In Europa haben wir ein Stimmengewirr aus Ländern, die alle unterschiedliche Interessen und auch unterschiedliche Bedürfnisse, zugleich aber auch ein Mitspracherecht, haben.

Das Problem, das wir beim Euro haben, ist, dass wir Länder haben, die eine völlig andere Kultur, eine andere Wirtschaft haben. Und diese Länder müssen gezwungenermaßen mit uns einen Einklang finden, der jedoch offensichtlich nicht möglich ist. In zu erzwingen halte ich für grundfalsch, da jedes Land ein Recht auf das Gehen seines eigenen Weges hat.

Welche Länder, die in der EU bzw. in der Währungsunion mit dabei sind, passen denn Ihrer Meinung nach überhaupt nicht zusammen? Welche Länder driften am weitesten auseinander?

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„Wenn’s nach uns geht, gibt es keine Finanzhilfen mehr. Aber wir schmeißen niemanden raus“, sagt Torsten Heinrich, der als Selbständiger im Bereich Onlinemarketing tätig ist.

Ich maße mir nicht an, das hier zu entscheiden. Ich würde das ganz einfach dem Markt überlassen. Wenn’s nach uns geht, gibt es keine Finanzhilfen mehr. Aber wir schmeißen niemanden raus. Wir haben ja nicht das Recht, es wäre geradezu anmaßend, den Griechen zu sagen: ‚Ihr dürft den Euro nicht mehr haben‘. Wenn sie ihn haben wollen, sollen sie ihn haben. Aber sie sollen ihn nicht mehr auf unsere Kosten haben, durch unsere Steuergelder finanziert, die die Griechen für ihre Kredite brauchen.

Es wird sich von selbst zeigen, welche Länder willens und fähig ist den Euro zu behalten. Das heißt – beispielsweise im Falle von Griechenland, Spanien, Italien, Portugal, aber auch von Frankreich -, dass sie irgendwann an einem Punkt ankommen werden, wo sie sich selbst entscheiden müssen, ob sie einschneidende Reformen machen – aus eigener Kraft, auf eigene Kosten – oder ob sie den Weg des geringeren Widerstands gehen werden, der im Zweifelsfall auch besser ist für sie. Die Währungsabwertung ist zwar auch eine Guthabenvernichtung, aber was den Staatshaushalt angeht, was die Verschuldung angeht, ist es natürlich ein Ausweg.

Diesen Weg können sie mit dem Euro nicht gehen, ohne dass sie unsere Währung mit abwerten – und wir wollen unsere Währung auch nicht abgewertet haben. Dazu müssen sie austreten oder aber sie müssen den gesamten Euro abwerten – doch das kann ja nicht unser Interesse sein. Wir wollen den anderen nichts vorschreiben. Wir wollen nur nicht dafür bezahlen. Wie sie sich entscheiden, ist schlicht ihre Sache.

Vielen Dank, dass Sie sich für das Gespräch Zeit genommen haben.

 Interview: Stephan Hörhammer

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9 Kommentare bei "AfD-Kandidat Torsten Heinrich: „Wir werden jetzt als Nazis diffamiert!“"

  1. Objektiv???! sagt:

    Liebe Eva Müller,

    wenn man einen Kommentar zu einem Thema, in diesem Fall einer Partei verfasst, so sollte man sich bitte gründlich mit dem Thema befassen.
    Dein Aussage „Aber etwas auf dem Kasten müssen sie schon haben, die Asylbewerber, die politisch Verfolgten, die aus Kriegs- und Krisengebieten Geflohenen. „Keine Einwanderung in die Sozialsysteme“ – so eine Aussage stempelt Asylbewerber von vorn herein als Sozialschmarotzer ab.“ ist schlicht und ergreifend falsch und zeigt nur, dass du das Wahlprogramm der AfD nichtmal zu Ende gelesen hast. Da steht nämlich ausdrücklich drin, dass diese Einwanderungskriterien – im übrigen nach Vorbild Kanadas, stempelst du Kanada auch so ab?? – NUR für jene Einwanderer gelten, die NICHT aus welchen Gründen auch immer in ihrem Land verfolgt werden. Einwanderer, die in ihrer Heimat um ihr Hab und Gut oder gar um ihr Leben fürchten müssen, sollen auch bei der AfD weiterhin uneingeschränktes Asylrecht haben. Im Gegenteil: Die AfD fordert, dass auch jene schneller bei uns in Deutschland arbeiten dürfen, mit dem Ziel, dass sie sich hier wieder eine neue Existenz aufbauen können.
    Also bitte, erst informieren und dann difamieren (versuchen). Danke.

  2. Maria sagt:

    „Der Unterschied zum politischen Klima der Weimarer Republik wird ständig kleiner, wenn man versucht, uns mit Gewalt am Wahlkampf zu hindern.“

    „An der Holocaust-Leugnug hat ja kein Mensch Interesse – dass der Holocaust nicht stattgefunden hat, glaubt auch kein vernünftiger Mensch. Aber zu sagen, dass mehrheitlich Menschen aus einem bestimmten Kulturkreis für manche Straftaten verantwortlich sind, das wär ja normale Kritik. Wenn Du solche Dinge äußerst, hast Du im Zweifelsfall jedoch Konsequenzen zu befürchten.“

    Wow. Das tut einfach nur weh.

    • Informant sagt:

      Die Wahrheit tut bekanntlich auch weh….

    • Leo sagt:

      Maria,

      ich bin Fußballfan von Dynamo Dresden.
      Wenn irgendwo Randale gemacht werden und einer mit Dynamoschal da rumrennt, heißt es „Dynamofans haben wieder randaliert- Dynamo hat ein Gewaltproblem!“

      Ich bitte Sie, mit mir gegen solche illegalen Verleumdungen zu kämpfen.
      Immerhin ist es nicht schicklich, eine solche Bezeichnung bei kulturellen Gruppen anzuwenden.

  3. Frau Müller mag hier an prominenter Stelle kommentieren dürfen, ein Garant für Aufrichtigkeit und Faktentreue ist das leider nicht.

    Bedauerlicherweise kennt sie den Unterschied zwischen Einwanderer ( http://de.wikipedia.org/wiki/Einwanderung ) und Asylbewerber ( http://de.wikipedia.org/wiki/Asylbewerber ) nicht oder sie wirft beides hier bewusst in einen Topf. Was davon zu halten ist, kann sich jeder selber denken.

    Hier die Fakten, auf die sich jeder Leser einen eigenen Reim machen kann:
    Das hier ist Luckes Rede zur Einwanderung:
    https://www.youtube.com/watch?v=t6lXRVtKLKs

    Hier das Wahlprogramm:
    https://www.alternativefuer.de/partei/wahlprogramm/

    Einer Diskussion stelle ich mich gerne auf facebook.com/torstenh.de

  4. Stone sagt:

    Frau Müller, den populistischen Part haben sie allerdings ganz alleine mit ihrem „Kommentar“ übernommen.
    In ihren Gutmenschenaugen ist (natürlich) jeder ein böser Populist und mindestens Rechtsradikal, der nicht dem Gender-Weichgespülten-Rot-Rot-Grünen Weltbild anheim hängt.
    Sei kennen schon die Quote der abgelehnten Asylbewerber? Weit über 90%. Und diese Menschen, aus dem arabischen und afrikanischen Raum, sind zum größten Teil Wirtschaftsflüchtlinge. So ist die Realität, auch wenn sie diese nicht akzeptieren wollen.
    Sprechen sie mit Menschen, die mit Asylbewerbern zu tun haben (und nicht zu „Pro Asyl“ und ähnlichen Linksradikalen Gruppierungen gehören). Da werden sie mal etwas von der Realität eingeholt. Wer angeblich politisch verfolgter Flüchtling ist, der sollte auch eine gewisse Dankbarkeit seinem Aufnahmeland gegenüber zeigen und nicht versuchen, durch gesetzwidrige Aktionen Geld, bessere Wohnungen, und prüfungsloses Asyl mit damit verbudenr Dauerfinanzierung von sich und seiner nachziehende Sippschaft (meist in Burka, analphabetisch und integrationsunwillig) zu erpressen.

  5. Cheese sagt:

    @Stone. Du verwendest den Begrif „Gutmensch“. Laut Wikipedia: Mit unterschiedlicher Absicht und Häufigkeit wird der Begriff im gesamten politischen Spektrum verwendet; als ideologisch besetzter Kampfbegriff in der Auseinandersetzung mit (tatsächlichen und vermeintlichen) Vertretern einer „politischen Korrektheit“ aber vorwiegend im konservativen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Bereich.

  6. Stone sagt:

    @ Käse: Geht es um Semantik? Frau Müller bedient niedrigstes linkes Stammtischniveau. Jeder, der nicht ihr wirres Weltbild teilt, ist ein Rechter, ein Stammtischbruder, ein dumpfer Depp. Sowas ist reinstes Gutmenschentum. Egal, wie Wikipedia dies definiert.
    Ich habe meine Kenntnisse der Materie aus 25 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Arbeit im „sozialen Bereich“. Und selber? Antifa-Stammtischkenntnisse?

    • Cheese sagt:

      Sorry Stone. Ja, es geht auch um Semntik und Rhetorik. Ihr Satz von vorhin ist doch ganz klar rechtspopulistisch:

      „Wer angeblich politisch verfolgter Flüchtling ist, der sollte auch eine gewisse Dankbarkeit seinem Aufnahmeland gegenüber zeigen und nicht versuchen, durch gesetzwidrige Aktionen Geld, bessere Wohnungen, und prüfungsloses Asyl mit damit verbudenr Dauerfinanzierung von sich und seiner nachziehende Sippschaft (meist in Burka, analphabetisch und integrationsunwillig) zu erpressen.“

      „Sippschaft“ ist eindeutig diskriminierend.

      Sorry Stone. Ich bin konservativ und aus der Mitte. Aber für ihre Aussagen muss ich mich als Deutscher schämen.

      Um welche Kenntnisse handelt es sich denn konkret aus Ihrer 25-jährigen Erfahrung?

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