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Zwiesel. Wieder ein leerstehendes Ladenlokal in der Zwieseler Innenstadt? Ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt, der seine Türen schließt und als unbelebter Leerstand zurückbleibt? „Nein!“, sagt Selina Schwankl, „das lass ich nicht zu!“ Der Tat folgten in diesem Fall die Worte: Denn die 25-Jährige hat die Zwieseler Traditions-Bäckerei Keilhofer übernommen – und führt sie nun als Bäckerei „Libero“ weiter. Während die Keilhofers auf ihre Jahrzehnte in der Backstube zurückblicken, plant Selina Schwankl die Zukunft…

Bäckermeister Nikolaus „Klaus“ Keilhofer (2. von rechts) übergibt symbolisch einen Laib Brot mit seiner Tochter Lisa Keilhofer (rechts) an Selina Schwankl (2. von links), die ab 5. Oktober die Bäckerei am Anger unter dem Namen „Bäckerei Libero“ führen wird. Unterstützt wird sie im Übergabeprozess von „HeimatEntwicklerin“ Lisa Ditz von der Initiative HeimatUnternehmen Bayerischer Wald (links). Fotos: Keilhofer

Die Geschichte der Bäckerei Keilhofer reicht bis in das Jahr 1850 zurück. Um 1920 übernahmen Nikolaus I. und Maria Keilhofer die Backstube mit Ladenlokal von einer Tante mit dem Nachnamen Kroiß. 1948 folgten Nikolaus II. und Maria. In den 1960er-Jahren wurden Laden und Café modernisiert, 1972 entstand ein kompletter Neubau mit Café im ersten Stock.

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Am 2. Juni 1982 übernahm Nikolaus III. – genannt Klaus – als Bäckermeister den Familienbetrieb. Anneliese Keilhofer organisierte ab dieser Zeit den Verkauf und die gesamte Logistik. 1990 wurde die Backstube nochmals erweitert und umgebaut. Mit dem 30. September 2026 endet nach über 44 Jahren diese Ära — und damit ein bedeutendes Kapitel einer über Generationen gewachsenen Bäckertradition.

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„Es ist nicht immer einfach – aber sie schafft das!“

Die Familie Keilhofer samt Belegschaft vor ihrer Bäckerei – entstanden ist diese Aufnahme in den 1950er Jahren.

„Wir sind nie einem Trend nachgelaufen und haben immer gesagt: mia hamma d`Keilhofern!“ erzählt Anneliese Keilhofer und schaut dankbar zurück. „Die Leute gehen gern rein. Es ist wahrscheinlich das Persönliche – und natürlich unsere Ware, weil die einfach gut ist. Die echte Bäckersemmel zum Beispiel oder einfach unsere Zepfe – die kriegst du ja nur bei uns in der Gegend.“

Ein Ort wie dieser dürfe nicht verschwinden, weil es schade sei für ganz Zwiesel – es sei schade um jedes Haus, das leer stünde und in dem kein Licht mehr in der Stube brenne. „Deshalb mein höchster Respekt an Selina, dass sie sie sich traut und weitermacht. Wir wünschen ihr einfach nur das Allerbeste und dass es weiterhin läuft! Es ist nicht immer einfach. Aber sie schafft das!“

„Auch morgen noch Lust auf frische Semmeln?“ — mit diesem Slogan und einem kurzen Videoaufruf unterstützten die HeimatEntwicklerinnen Lisa Ditz und Lisa Späthe (HeimatUnternehmen Bayerischer Wald) die Bäckerei Keilhofer in den vergangenen Wochen auf der Suche nach einer Nachfolge für den Traditionsbetrieb am Anger. Mit Erfolg!

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Werbefilmes meldete sich Selina Schwankl — ebenfalls HeimatUnternehmerin und mit ihrem Buchhaltungsservice „Fibu Libero“ direkt neben der Bäckerei am Anger ansässig. Lange überlegen musste die junge Unternehmerin nicht. Als Ditz ihr vorschlug, doch noch eine Nacht darüber zu schlafen, kam die Antwort prompt: „Nein, ich mach das. Ich will nicht zusehen, wie ein Geschäft nach dem anderen in Zwiesel verschwindet. Und wenn es sonst keiner macht, muss ich es eben selber machen.“

„Support your local baker“

Der kleine Bäcker vor Ort ist wichtig – das zeigt sich gerade in Krisenzeiten. Foto: Hog’n-Archiv

Ditz begleitete Schwankl anschließend auf dem Weg zur Übernahme und zeigt sich beeindruckt von deren Tatkraft: „Ich bin froh, dass es noch so mutige Menschen in Zwiesel gibt, die einfach etwas anpacken und ihre Zukunft selbst gestalten. Nur so können wir etwas verändern.“

In der Backstube am Anger wird künftig nicht mehr selbst gebacken. Für die Backwaren ist ab dem 5.Oktober die Bäckerei Escherich aus Büchlberg verantwortlich, die von Anton und Franz Escherich geführt wird. „Aus der Region für die Region“ lautet ihr Credo – oder, etwas internationaler: „Support your local baker“.

Gerade Krisenzeiten wie Corona hätten gezeigt, wie wertvoll heimische Bäcker und Handwerker seien. Bei Escherich setzt man auf ursprüngliches Handwerk: Wasser, Hefe, Mehl, Salz — und vor allem auf Zeit. Lange Teigruhen sorgen für Geschmack. „Wir sind stolz, Zwiesel zu beliefern, und hoffen, dass unsere Backwaren schmecken“, sagen die beiden. Ihr Anspruch: „Gscheids Brot vom gscheid’n Handwerksbäcker.“

Außerdem wird es Kaffee zum Mitnehmen geben und Snacks für die Mittagspause. Deshalb werden sich auch die Öffnungszeiten etwas verschieben. Selina Schwankl setze nun auf die Offenheit der Zwieseler, die Veränderung anzunehmen und die künftige Bäckerei „Libero“ zu unterstützen. Bis auf eine Mitarbeitende wird das bewährte Team weiterhin im Verkaufsraum stehen – und so gibt es auch morgen noch frische Semmeln für Zwiesel aus dem traditionsreichen Ladenlokal in der Angerstraße!

Lisa Späthe

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