Grafenau. Ein junger Kollege, davon ist Franz Geweßler überzeugt, hätte längst aufgeben müssen. „Die Ausgaben laufen weiter – bei ausbleibenden Einnahmen“, begründet der 70-Jährige seine Schlussfolgerung. Nicht nur er weiß: „Sowas geht nicht lange gut.“ Und es sind mittlerweile sechs Monate, in denen das Tiergesundheitszentrum Bayerwald in Grafenau geschlossen hat. Viele wissen nicht wirklich, warum – und erst recht nicht, wie lange. Diese offenen Fragen sorgen dafür, das in der Bärenstadt und dessen Umgebung das Leid-G’schmatz umgeht. War’s das für immer für die Praxis von Veterinär Geweßler?

Überhaupt erst aufmerksam auf dieses Thema machte das Onlinemagazin da Hog’n eine Leserin. Sie schreibt in einer E-Mail davon, dass die „Hütte brennt“ und diese Angelegenheit für „mächtig Ärger“ sorgt. Mehr Sorgen als die Hintergründe bereiten der Verfasserin und wohl vielen weiteren Tierbesitzern im nördlichen Landkreis Freyung-Grafenau die Folgen der zwischenzeitlichen Schließung des Tiergesundheitszentrums Bayerwald. „Weil jetzt eine wichtige Tierarztpraxis in der Region fehlt, betrifft das verdammt viele Leute hier“, ist die Hog’n-Leserin alarmiert.
Zunächst doch noch einmal zu den Hintergründen – wobei es sich bei dieser Kontroverse um ein laufendes juristisches Verfahren auf privater Ebene handelt, das öffentlich nicht breitgetreten werden soll. Nur so viel: Es geht um Umbaumaßnahmen im Gebäude, die aus Sicht von Geweßler dazu geführt haben, dass die Feinstaubbelastung in den Räumlichkeiten zu hoch ist. Ein Gutachter muss nun erst prüfen, ob unter anderem die sensiblen medizinischen Gerätschaften deshalb unbrauchbar geworden sind. Erst dann wird sich ein Gericht abschließend mit diesem Fall beschäftigen. Ausgang offen. Zeitpunkt ebenso.
Über 1.600 Patienten in Grafenau

„Der Gutachter muss bis Mitte November mit seinem Gutachten fertig sein“, erläutert der Tierarzt, der insgesamt feststellt: „Eine sehr, sehr langwierige Sache. Es wird wohl noch einige Zeit verstreichen, bis alles geklärt ist.“ Glücklicherweise ist der 70-Jährige wirtschaftlich nicht von der Grafenauer Praxis abhängig. Der gebürtige Steirer betreibt in St. Roman (Bezirk Schärding) die „Sauwald Tierärzte GmbH“ mit acht angestellten Veterinärmedizinern, bezeichnet sich aufgrund dessen selbst als „finanziell abgesichert“.
Das Tiergesundheitszentrum, das vor Grafenau in Eppenschlag ansässig war, übernahm der Österreicher 2016 aus „persönlichen Gründen“, weil der dort verstorbene Kollege ein Freund war. Sieben Jahre später siedelte er in die Säumerstadt über, weil er in Grafenau eine bessere Perspektive – auch für angedachte Erweiterungsmaßnahmen – gesehen hat.
In einem ersten Schritt investierte er eigenen Angaben zufolge über 200.000 Euro in eine entsprechende moderne Ausstattung. Zudem baute er die Belegschaft, die er inzwischen komplett entlassen musste, nach und nach aus. „Wir haben in Grafenau über 1.600 Patienten“, macht Geweßler deutlich. „Auch wenn wir viele nur unregelmäßig behandeln: Eine große Zahl, die man erst einmal bedienen muss.“
Pläne, das Tiergesundheitszentrum zu erweitern, liegen deshalb längst in der Schublade – und werden dort auch bleiben, zumindest unter der Leitung von Franz Geweßler. „Ich selber werde nicht mehr angreifen“, ist der 70-Jährige ehrlich. „Und ein Nachfolger ist mir aufgrund der Situation schon abgesprungen. Doch ich bin zuversichtlich, dass sich da jemand findet – und die Praxis irgendwann wieder aufsperren kann.“ Wann genau steht in den Sternen…
Helmut Weigerstorfer
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