Regen. Bis vor 150 Jahren sind Neuigkeiten aus aller Welt fast nur mündlich in Regen angekommen. Gedrucktes gab es in der „guten alten Zeit“ nur in Form von Büchern, und die hatten nur eine spärliche Leserschaft. Ein Gastbeitrag von Heimatforscherin Annemarie Schiller…

Die erste Regener Zeitung „Der Waldbote“ erschien 1874, gegründet von Buchdrucker Anton Schwarz. Anfangs erschien die Zeitung zweimal pro Woche – später dreimal. Unter dem späteren Besitzer Herzog (1899-1919) wurde das Blatt in „Bote vom bayerischen Wald“ umbenannt und zu einer Tageszeitung ausgebaut. Es gab abwechselnd vier, sechs oder auch mal acht Seiten. Die politische Einstellung der Zeitung war zunächst liberal. Nach dem Aufkommen des Bauernbundes (1893) stellte sie sich in den Dienst dieser Partei und in der Revolutionszeit 1918/19 war sie kurz das Sprachrohr der Kommunisten.
Nach verschiedenen Besitzerwechseln kaufte 1919 Ludwig Tröger das Blatt, dessen Fähnlein sich von Anfang an dem jeweiligen politischen Wind anpasste. Die bisherige, relativ liberale Form wurde 1936 eingestellt – und die Zeitung erschien bis 1945 als parteitreues Blatt unter dem Namen „Bayerische Ostmark, Ausgabe Regen“. Beim Einrücken der Amerikaner 1945 wurden sämtliche Akten und Unterlagen der Zeitung vernichtet.
Wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ verboten und geschlossen

Buchdrucker Felix Dirmeier gründete 1894 als zweite Zeitung in Regen das „Regener Tag- und Anzeigeblatt“ als General-Anzeiger für den Bayerischen Wald. Er betrieb es bis 1936. Unter dem Namen „Der Waldler“ erschien das Blatt wöchentlich sechsmal und wurde sogar per Post geliefert, wenn es ständig bezogen wurde. Wie beim Konkurrenzblatt war jeder Abonnent versichert: Beim „Waldler“ mit 1.000 Mark (Ehegatten 2.000 Mark) gegen Unfall mit Todesfall. Die Zeitung kostete 1,10 Mark /Quartal, mit Versicherung 1,50 Mark/Quartal – Zustellgebühr (Porto) extra.
Für diesen Preis hat der geneigte Leser vier Seiten Informationen aus aller Welt bekommen – und vor allem auch aus der Heimat. Das besondere Extra: Einmal pro Woche eine Beilage zur Unterhaltung. Der Gründer und Besitzer des Verlages, Felix Dirmeier, blieb in der Nazizeit seinen Grundsätzen treu und ließ sich nicht zu einem „Fahnenwechsel“ überreden. Deswegen wurde seine Zeitung 1936 nach einer Verfügung der Reichspressekammer wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ verboten und geschlossen.
Seit 1946 informiert die „Passauer Neue Presse“ die ostbayerischen Leser. Für das Regener Gebiet gibt es seit 1949 den „Bayerwald-Boten“
Annemarie Schiller
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