Bayerischer Wald. Ein gehörloser Ermittler, ein geheimnisvoller Drachenorden und die Kulisse des Bayerischen Waldes: Mit „Im Zeichen des Drachen“ kommt am 17. September (Premiere in Cham) ein besonderes Kinoprojekt auf die Leinwand. Der Mystery-Crime-Thriller bricht bewusst mit den typischen Heimatklischees und holt echtes Genrekino in die Region. Gedreht an eindrucksvollen Schauplätzen wie dem Kloster Fürstenzell oder beim berühmten Further Drachenstich, vereint der Film Spannung, Gesellschaftskritik und eine hochkarätige Besetzung – darunter TV-Star Erol Sander, Golden-Globe-Gewinnerin Nastassja Kinski, „Cobra 11“-Legende Erdoğan Atalay und Amira Aly.

Das wohl Bemerkenswerteste an diesem Bayerwaldkrimi ist jedoch seine Entstehung: Der Film wurde vollständig unabhängig realisiert – ganz ohne Senderbeteiligung und ohne öffentliche Filmförderung. Das für die Reihe „Neues Deutsches Kino“ bei den Internationalen Hofer Filmtagen nominierte Projekt beweist dabei eindrucksvoll, dass packendes Kinovergnügen für ein bundesweites Publikum nicht nur in Medienmetropolen wie Berlin oder München entstehen kann, sondern mit Herzblut und regionaler Unterstützung direkt vor der eigenen Haustür.
Hinter dem Mut-Projekt steht das niederbayerische Duo Enrico Saller (30) und Marina Hoeft (31). Die beiden sind privat ein Paar und führen gemeinsam die Royal Movie Production. Vom Drehbuch über die Regie und Produktion bis hin zum Schnitt haben die beiden den 99-minütigen Streifen in nur 20 Drehtagen auf die Beine gestellt. Im Hog’n-Interview sprechen Enrico und Marina über die Dreharbeiten im Woid, die Herausforderungen einer unabhängigen Produktion und was den Reiz ausmacht, bekannte Stars in den Bayerischen Wald zu holen (mit Kino-Karten-Verlosung am Ende des Artikels!).
„Eine Bildgewalt, die selbst Branchenkollegen überrascht“
Enrico: Der Bayerische Wald dient in „Im Zeichen des Drachen“ nicht als idyllische Postkartenkulisse für einen gemütlichen Heimatkrimi, sondern als Düster-Kulisse für einen modernen Mystery-Thriller. Warum wolltet ihr die Region ganz bewusst abseits der typischen Klischees inszenieren?
Ich glaube, es gibt schon genug Filme und Serien, die Bayern über Klischees erzählen. Mal ehrlich: Wie viele Menschen tragen im Alltag eine Lederhose? Und was gibt es in jedem bayerischen Krimi? Dorfidylle und den dummen Dorfpolizisten. Ich habe mich immer gefragt, warum darf eigentlich nur der Kommissar aus Berlin oder Köln professionell sein? Genau mit diesen Klischees wollten wir bewusst brechen.
Ein kleiner Vorgeschmack auf den bildgewaltigen Kinofilm „Im Zeichen des Drachen“:
Wenn man sich wirklich von einem klassischen Heimatkrimi abgrenzen möchte, muss man auch das Genre wechseln. Der Bayerische Wald mit seinen Legenden und Mythen ist für einen Mystery-Krimi geradezu prädestiniert. Und auch wir fühlen uns in diesem Genre zu Hause.
Wir zeigen die Region deshalb vielleicht nicht als klassische Postkartenkulisse, aber dafür in einer Bildgewalt, die selbst Branchenkollegen aus ganz Deutschland überrascht. Der Bayerische Wald hat einzigartige Orte, die viele Menschen überhaupt nicht kennen.
„Entscheidend ist, ob du trotzdem wieder aufstehst“

Enrico: Die Hauptfigur namens Michael verliert sein Gehör und muss lernen, die Welt völlig neu wahrzunehmen. Wie habt ihr euch der Darstellung dieser Gehörlosigkeit genähert? Und welche Rolle spielte dieser Sinneswandel für die visuelle und akustische Sprache des Films?
Michael ist ein Mann, der am Boden liegt und eigentlich alles verloren hat. Und genau an diesem Punkt bekommt er eine Chance und muss entscheiden, ob er sie ergreift oder endgültig aufgibt.
Damit erzählen wir im Kern eine klassische Heldenreise. Was macht ein Schicksal mit einem Menschen? Warum schaffen es manche, aus einem tiefen Loch wieder herauszukommen, während andere an ihrem Schmerz zerbrechen oder sogar kriminell werden? Das ist für mich eine sehr interessante Grundthematik.
Dazu gibt es im Film den Drachenorden, Menschen, die selbst Schmerz und Verlust erlebt haben, aber anders damit umgehen. Und diese beiden Welten wollten wir aufeinandertreffen lassen. Der Gehörlose ist für uns eine unglaublich spannende Figur, weil es auch etwas Fremdes für die meisten von uns hat – und trotzdem eine Urangst bedient. Was, wenn du plötzlich nichts mehr hörst? Wenn die Welt um dich herum stumm ist?
Am Ende ist die Botschaft für mich: Du kannst im Leben alles verlieren. Entscheidend ist, ob du trotzdem wieder aufstehst.
„Enorm viel Arbeit, aber auch unglaublich spannend“
Keine öffentlich-rechtlichen Sender, keine staatliche Filmförderung, nur 20 Drehtage: Ihr habt das Projekt auf eigene Faust gestemmt. Welches Risiko steckte dahinter? Und wo lagen die größten Hürden bei dieser Größenordnung?
Marina: Wir haben den Film zu zweit produziert und jetzt müssen wir ihn zu zweit in 50 Städte bringen.

Enrico: Ich glaube, das ist die Antwort auf das Risiko. Mittlerweile haben wir über 50 Kinos für den Film gewinnen können. Für einen unabhängigen Eigenverleih ist das eine Seltenheit. Und genau daraus entsteht jetzt aber unsere größte Herausforderung: Wir müssen plötzlich 50 Städte gleichzeitig erreichen.
Ein großer Verleih hat dafür eigene Abteilungen, Presse, Marketing, ein Riesen-Extra-Budget. Bei uns sitzen Marina und ich an diesen Aufgaben. Das ist enorm viel Arbeit, aber gleichzeitig auch unglaublich spannend. Denn jetzt zeigt sich, ob man einen unabhängig produzierten Film tatsächlich auch unabhängig bis zum Publikum bringen kann. Und genau das wollen wir beweisen.
Marina: Mit Erol Sander, Nastassja Kinski, Erdogan Atalay und Amira Aly habt ihr ein Ensemble vor der Kamera vereinigt, das man sonst eher aus großen TV- und Kinoproduktionen kennt. Wie überzeugt man solche Namen von einem unabhängigen regionalen Projekt aus Niederbayern?
Natürlich ist das Drehbuch entscheidend. Man überzeugt sie mit Charakteren, die sie noch nicht gespielt haben. Erol z. B. hatte noch nie einen Gehörlosen gespielt. Für ihn ist es auch ein Anreiz, einen völlig neuen Charakter verkörpern zu können. Da wir eine Heldenreise erzählen, die anderen Hoffnung geben soll, ist sicher auch die Botschaft dahinter ein wichtiges Kriterium.
„Wir haben das als Paar einfach auf die Spitze getrieben“
Enrico: Gemeinsam mit deiner Partnerin hast du – wie erwähnt – von der Idee über das Drehbuch bis hin zu Regie und Schnitt fast alle Schlüsselfunktionen besetzt. Wie funktioniert die Rollenverteilung an einem Set mit so viel Druck – und wie trennt man danach Berufliches von Privatem?

Wir haben das große Glück, dass wir uns sehr gut ergänzen, uns gegenseitig vertrauen und beide wissen: Alleine hätten wir diesen Film so nicht hinbekommen. Film ist ohnehin Teamarbeit, wir haben das als Paar einfach auf die Spitze getrieben.
Ich glaube, dass genau das auch bei größeren Produktionen eine große Stärke von uns sein wird. Es gibt nicht nur eine Person, die einen Film lebt und leitet, sondern zwei. Gerade unter Zeitdruck am Set ist das enorm viel wert. Man kann Entscheidungen schneller treffen, da man immer jemanden an seiner Seite hat, der den gleichen Blick auf den Film besitzt.
Und die Trennung zwischen Beruf und Privatleben? Mir persönlich fällt das eigentlich relativ leicht. Aber wenn Marina abends noch am Film weiterarbeitet und nicht abschalten kann, kann das schon mal nerven (schmunzelt).
Marina: Vom Kloster Fürstenzell über dunkle Katakomben bis hin zum Schreitroboter in Furth im Wald: Wie schwer war es, solche spektakulären Locations zu bekommen? Und wie intensiv war die Unterstützung der Kommunen und des Tourismusverbands vor Ort?
Ja, die Unterstützung vom Tourismusverband Ostbayern war sehr groß, da wir den Film ohne ihn praktisch gar nicht hätten drehen können. Sie haben alle sechs Landkreise aus dem Bayerischen Wald mit an Bord geholt. Die Locations selbst waren an sich nicht schwer zu finden. Wir haben teils im Internet recherchiert. Da die Motive im Bayerischen Wald noch weitgehend unentdeckt sind, war es auch für die Locationgeber eine tolle Möglichkeit, in einem Film dabei sein zu können – und sie haben uns die Orte gerne zur Verfügung gestellt. Auch die Bezirke Niederbayern und Oberpfalz haben uns bei unserem Film unterstützt. Und natürlich hatten wir ebenso viele regionale Sponsoren und Unterstützer.
„Es gibt so viele unbekannte, faszinierende Orte“

Die Nominierung für das „Neue Deutsche Kino“ bei den Internationeln Hofer Filmtagen ist eine große Bestätigung. Wie stolz macht einen dieser Erfolg in der Branche, wenn man bedenkt, dass der Film quasi vor der eigenen Haustür entstanden ist?
Marina: Auf jeden Fall macht es einen stolz, wenn man bei den Hofer Filmtagen gleich mehrfach nominiert ist. Aber noch mehr hat es uns gefreut, dass alle drei Vorstellungen dort innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft waren. Das ist eigentlich die schönste Bestätigung, wenn man sieht, dass es die Zuschauer interessiert.
Enrico: Ich glaube, gerade in der eigenen Heimat den Film zu drehen, ist etwas Besonderes. Unser Ziel ist es, mit unserer Produktionsfirma den Bayerischen Wald und unsere Region immer mehr in Deutschland zu zeigen. Es gibt so viele Orte, die niemand kennt – und die viele faszinieren werden.
Marina, Du hast das Schlusswort: Am 17. September läuft der Film bundesweit an. Was wünschst du dir vom Publikum im Bayerwald, wenn sie ins Kino gehen? Beweist „Im Zeichen des Drachen“, dass die Zukunft des deutschen Genrefilms auch auf dem Land liegen kann?
Marina: Ich glaube, ganz wichtig ist es, dass sie ins Kino gehen. Nur so können wir den Bayerwald langfristig in Deutschland etablieren. Wir hoffen natürlich, dass dem Publikum der Film gefällt und es in unsere Welt eintaucht.
Weitere Eindrücke von den Dreharbeiten (Fotos: Altmann/Klingler/Badault/Saller)
Und ja, wir denken, es ist ein Schritt zu zeigen, dass Genrefilme nicht nur in Köln, München und Berlin gedreht werden müssen. Der Bayerische Wald hat traumhafte Locations. Du findest hier nicht nur einen Wald, du findest viel, viel mehr: von Seen und Bergen bis hin zu Schlössern…
Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen – und alles Gute für die Filmpremiere!
die Fragen stellte: Stephan Hörhammer
VERLOSUNG: Du willst bei diesem Kinohighlight live dabei sein? Da Hog’n verlost 1×2 Freikarten für die Premierennacht von „Im Zeichen des Drachen“ am Donnerstag, 17. September, im CineWorld Cham! Aufgrund des riesigen Ansturms wurde extra ein zweiter Kinosaal geöffnet. Auf die Gewinner wartet ein unvergesslicher Abend: Bereits ab 19:30 Uhr startet das Warm-up mit der großen Autogrammstunde, bei der du die Stars und Filmmacher hautnah erleben kannst, bevor um 21 Uhr der Vorhang für den Mystery-Thriller fällt.
Was ihr dafür tun müsst? Schreibt einfach eine kurze Email mit dem Betreff „Im Zeichen des Drachen“ mit Euren Kontaktdaten an info@hogn.de – und mit ein bisschen Glück dürft ihr das Schauspiel am 17. September auf der großen Kinoleinwand erleben. (Teilnahmeschluss ist Mittwoch, 16.09.2023. Die Gewinner werden rechtzeitig informiert und bekannt gegeben).
Update vom 16.09.: Über die Kino-Tickets freuen darf sich: Christoph Göstl aus Bodenmais. Herzlichen Glückwunsch 🥳
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