Viechtach. Eigentlich sollte es eine entspannte Tour auf dem Zielwanderweg Nummer drei werden. Und eine Gruppe Wanderer konnte die Strecke von Gumpenried bis Gstadt auf dem beliebten Fluss- und „Bierwanderweg“ auch durchaus genießen, ehe falsch angebrachte Schilder sie jedoch „ins Nirgendwo“ lenkten, wie die Betroffenen in einer Email an die Stadt Viechtach jüngst schilderten. Zu den weiteren hilf- und orientierungslosen Leidtragenden gehörten an jenem Tag mitunter auch eine Frau mit zwei kleinen Kindern samt Kinderwagen und Großmutter im Schlepptau. Die Folge: Den Stadtverantwortlichen wird nun „grob fahrlässiges Verhalten“ vorgeworfen.

Die Gruppenmitglieder hätten noch gerätselt, wo sie falsch abgebogen waren. Sie seien zu den letzten Wegmarkierungen zurückgegangen, wo ein Ortsansässiger ihnen mitteilte, dass die Schilder eigentlich bergauf nach Haid am Sand und nicht nach rechts Richtung Schnitzmühle zeigen dürften, diese aber immer wieder von einem Unbekannten umgehängt würden.
Die Verfasser der Email bitten jetzt die Stadtverwaltung mit Nachdruck, den Täter ausfindig zu machen, „denn zumindest die Frau samit Kinderwagen und Kindern war schon sichtlich am Ende ihrer Kräfte“. Der falsch beschilderte Weg sei sowohl für Radfahrer als auch für Kinderwagen unpassierbar – und berge aufgrund diverser Passagen, die über Steine und rutschige Pfade führten, größere Gefahren für ungeübte Wanderer. Die Viechtacher Tourist-Info wird, so heißt es, seit fünf Jahren in unregelmäßigen Abständen von Nachrichten dieser Art (inklusive Anrufe entrüsteter Naturfreunde) heimgesucht.
Mit Zange, Hammer und Akkuschrauber bewaffnet…

Die Wut der Touristengruppe ist freilich verständlich und nachvollziehbar. Die Stadt Viechtach erstattete bereits Anzeige gegen den unbekannten „Ummarkierer“ und sprach mit Waldbesitzern – bislang jedoch ohne zählbares Ergebnis. Nun wolle man die Suche nach dem Saboteur forcieren und überlegen, den Bereich bei Gstadt mit einer Videokamera zu überwachen. Die Wanderführer Walter Raith und Reinhold Köppl zeigten Bürgermeister Hans Greil und Geschäftsführer Markus Jungwirth vor Kurzem diejenige Stelle, an der die Gruppe mutwillig fehlgeleitet und ihrem Schicksal überlassen wurde – weit abseits des offiziellen Wanderwegs, für den die Stadt eine kommunale Haftpflichtversicherung entrichtet. Eine Gegend, in der das Handynetz oft nicht funktioniert.
Was man weiß: Der Täter benutzt lange Stahlnägel anstelle der bei Markierungen üblichen Alunägel und heftet die von anderen Bäumen abgerissenen Wegweiser damit an. „Sachbeschädigung ist ein Offizialdelikt. Was aber mehr wiegt, ist, dass der Täter wissentlich naturbegeisterte Wanderer in die Irre leitet und so in Gefahr bringt“, erklärt Raith, selbst pensionierter Polizist. „Der Straftatbestand einer unerlaubten Beschilderung auf nicht genehmigten Wegen ist jedenfalls gegeben.“
Am 20. April 2020 sei ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass der Weg ummarkiert wurde. Seitdem kontrolliert er gemeinsam mit seinen Wanderführerkollegen in unregelmäßigen Zeitabständen die Lage vor Ort – mit Zange, Hammer und Akkuschrauber bewaffnet, um die Beschilderung wieder richtig anzubringen. „Wir versuchen, jedem die Schönheit des Bayerischen Waldes näher zu bringen, doch der gute Ruf gerät durch diesen Täter nun in Gefahr“, bedauert Raith. Auch deshalb, weil mutmaßlich dieselbe Person widerrechtlich Wellen in Form des Flusswanderweg-Logos als irreführende Pseudo-Markierungen an Bäume sprayt.“Wenn wir die Wanderweg-Nummer drei auf die Bäume malen, streicht er mit dem Pinsel drüber“, ärgert sich Raith.
Die Tätersuche geht weiter
Auch Bürgermeister Greil, Geschäftsführer Jungwirth und Wanderführer Köppl sehen sofortigen Handlungsbedarf. Mit Einverständnis des Waldbesitzers seien bereits Baumstämme auf die Wege gelegt worden, um zu verhindern, dass Wanderer fälschlicherweise Richtung Schnitzmühle marschieren. „Wir hoffen sehr, dass die Jäger und Waldbesitzer in Zukunft auch darauf achten und uns helfen, den Täter zu finden“, berichtet das Stadtoberhaupt. Und Walter Raith ergänzt: „Es liegt mir sehr am Herzen, dass das endlich aufhört.“
Marika Hartl
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