Werbung

Verpasse keine Nachrichten ausm Woid!

Füge hogn.de als bevorzugte Quelle bei Google hinzu.

Bei Google hinzufügen

 

Regen. Zum zweiten Mal setzt der Christopher Street Day (CSD) am Sonntag, 30. August 2026, landkreisweit queeres Leben und politischen Protest in den Fokus, wobei die Veranstaltung nach ihrer Zwieseler Premiere im Vorjahr diesmal direkt in der Kreisstadt Regen stattfindet. Unter dem Motto „Sichtbarkeit statt Schweigen“ versammeln sich dann erneut Menschen, um gemeinsam ein klares Zeichen für Toleranz, Gleichberechtigung und intersektionale Solidarität zu setzen.

Das Organisationsteam betont, dass der CSD im Bayerischen Wald weit mehr als ein Fest ist: Er versteht sich als lautes Statement gegen Queerfeindlichkeit, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus und jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Fotos: CSD-Orgateam
Werbung

Gerade im ländlichen Raum, in dem soziale Kontrolle häufig besonders stark ausgeprägt ist, erfordert offene Sichtbarkeit für queere, migrantische, behinderte und andere marginalisierte Menschen nach wie vor viel Mut, betont das Organisationsteam des „CSD im Woid“ mit Nachdruck. 

Werbung

Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielseitiges Programm aus Redebeiträgen, einer Podiumsdiskussion mit regionalen Politikern und Politikeriinnen sowie verschiedenen Live-Musik-Acts. Abgerundet wird der Tag durch eine Drag-Quing-Show, einem Queer-Poetry-Slam und barrierearmen Angeboten, bei denen sämtliche Bühnenbeiträge in Gebärdensprache übersetzt werden. Das ehrenamtliche Team, dem wir im Folgenden einige Fragen zur Veranstaltung gestellt haben, hofft auf eine bunte, friedliche Demonstration und lädt alle Interessierten dazu ein, mit kreativen Botschaften, Schildern und Fahnen für eine offene und diskriminierungsfreie Gesellschaft einzustehen.

„Queere Menschen sind keine homogene Gruppe“

CSD-im-Woid-Team: Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr in Zwiesel zieht der CSD 2026 weiter in die Kreisstadt Regen. Was bedeutet dieser Schritt für euch? Und warum ist es gerade für Regen als Mittelpunkt des Landkreises an der Zeit für einen Christopher Street Day?

„Ich bin ein sehr offener Mensch und so möchte ich auch die Stadt zeigen – und deshalb stehe ich auch für Vielfalt“, sagt Regens Bürgermeister Andreas Kroner. Foto: privat

Der Umzug nach Regen ist für uns ein logischer und wichtiger Schritt: Als Kreisstadt ist Regen der zentrale Ort im Landkreis – hier laufen Verwaltung, Infrastruktur und gesellschaftliches Leben zusammen. Nach der Premiere in Zwiesel 2025 zeigt der CSD 2026, dass queeres Leben nicht nur am Rand, sondern mitten im Landkreis sichtbar und selbstverständlich ist. Regen als Mittelpunkt bietet die ideale Bühne, um Vielfalt politisch und gesellschaftlich zu verankern.

Euer Leitmotiv lautet in diesem Jahr „Sichtbarkeit statt Schweigen“. Warum ist diese Forderung im ländlichen Raum des Bayerischen Waldes nach wie vor so dringend nötig? Und welche Reaktionen spürt ihr im Vorfeld der Veranstaltung in der lokalen Bevölkerung?

Unter dem Motto „Sichtbarkeit statt Schweigen – Für intersektionale Solidarität“ ist der CSD Regen 2026 ein wichtiges Zeichen für queere Menschen im ländlichen Raum. Intersektionale Solidarität bedeutet für uns, dass wir nicht nur queere Perspektiven in den Mittelpunkt stellen, sondern auch andere Formen von Diskriminierung und Ungleichheit mitdenken – etwa Rassismus, Sexismus, Klassismus, Ableismus oder Antisemitismus. Queere Menschen sind keine homogene Gruppe: Viele erleben mehrfache Diskriminierungen, weil sie etwa auch als migrantisch, als trans, als nicht-binär, als von Behinderung betroffen oder als einkommensschwach wahrgenommen werden. 

Im Vorfeld des CSD erleben wir große Unterstützung und Solidarität. Gleichzeitig gab es erneut gezielte Angriffe in Form von Hasskommentaren und Drohungen im Internet. Diese Erfahrungen zeigen deutlich, wie wichtig der CSD Regen ist: als sichtbares Zeichen gegen Queerfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung sowie als solidarischer Raum für alle Menschen.

„Wir erwarten mehr als Symbolpolitik“

Ihr benennt ganz klar, dass jene Hasskommentare und Drohungen keine Meinungen, sondern Angriffe auf die Menschenwürde sind. Wie sehr ist das Problem der Queerfeindlichkeit im Landkreis Regen spürbar? Und wie geht ihr als Organisationsteam damit um?

CSD-Auftakt in Zwiesel 2025.

Queerfeindlichkeit ist im Landkreis leider alltäglich – von abwertenden Sprüchen über soziale Ausgrenzung bis hin zu konkreten Bedrohungen im Netz. Besonders deutlich wurde das nach unserem Facebook-Post zur Veranstaltung: Zahlreiche Hetzkommentare, teils aus dem rechtsextremen Spektrum, zielten darauf ab, uns einzuschüchtern. Wir gehen damit um, indem wir klare Grenzen ziehen: Hass ist keine Meinung, sondern ein Angriff auf die Würde von Menschen. Wir dokumentieren Vorfälle, arbeiten mit Beratungsstellen zusammen und lassen uns nicht einschüchtern.

Ihr fordert von den Verantwortlichen im Landkreis und der Politik konkrete Maßnahmen gegen demokratiefeindliche Stimmungen statt bloßer Fototermine. Wie zufrieden seid ihr bisher mit der Unterstützung durch lokale Behörden, die Stadt Regen und das Landratsamt?

Wir schätzen die moralische Unterstützung einzelner Akteurinnen und Akteure, doch konkrete Maßnahmen gegen Hass und Hetze bleiben oft aus. Was wir brauchen, ist mehr als Worte: verlässlicher Schutz, klare Haltung und eine konsequente Förderung demokratischer Bildung vor Ort. Eine konkrete Maßnahme wäre die Einrichtung einer unabhängigen Antidiskriminierungsstelle für den Landkreis Regen, die niedrigschwellig Beratung anbietet, Vorfälle dokumentiert und präventiv arbeitet. Bisher fehlen überprüfbare Ergebnisse – insbesondere von Seiten des Landratsamts und der Kreisverwaltung erwarten wir mehr als Symbolpolitik.

„Das muss auch im Bayerischen Wald ankommen!“

Am Sonntag, den 30. August, geht es um 13 Uhr am Regener Stadtplatz los. Auf welche Highlights – von der Laufkundgebung über die Live-Acts bis hin zum Kurparkpavillon – dürfen sich die Besucher*innen besonders freuen? 

Auch die Nürnberger Punkrock- und Fem-Punk/FLINTA*-Band „Monobraut“ wird auf dem Regener CSD vertreten sein.

Das Event beginnt mit einer kurzen Eröffnung und einem Grußwort von der Queerbeauftragten der Bundesregierung Sophie Koch auf dem Stadtplatz, an die sich die Pride-Parade durch die Innenstadt bis zum Kurparkpavillon anschließt.

Ab 14 Uhr erwartet die Gäste ein vielseitiges und buntes Bühnenprogramm. Neben inspirierenden Reden, einem spannenden Stage Talk mit Mia Stiegler und einem Poetry Slam dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf Live-Bands sowie spektakuläre Dragshows freuen. Ein besonderes Highlight ist die hochkarätige Gästeliste: Die Veranstalter sind stolz darauf, die Bundesbeauftragte Sophie Koch, die Dragqueen Liz Taylor und Mr. Fetish Bavaria vor Ort begrüßen zu dürfen. Das Programm wird durch eine spannende Podiumsdiskussion und Live-Musik von Acts wie Poppo von Rott, Nina Lea und Monobraut abgerundet.

Neben den Bühnen-Performances laden zahlreiche Infostände zum Verweilen ein, die neben fundierter Beratung und Infomaterialien auch ein abwechslungsreiches Kinderprogramm sowie etwas Merchandise anbieten. Auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt: Erstmals gibt es in diesem Jahr eine Auswahl an alkoholfreien Getränken, Kaffee, veganem Kuchen und warmen veganen Speisen, sodass für alle etwas dabei ist.

Welchen Impuls erhofft ihr euch von den Redebeiträgen und der geplanten Podiumsdiskussion für die Region?

An der Podiumsdiskussion im Kurpark Regen nehmen Marlene Schönberger, Luke Hoss und Fabian Gruber teil. Die Anwesenheit von Sophie Koch sowie von weiteren Politiker*innen zeigt: Queere Themen sind bundespolitisch relevant – und das muss auch im Bayerischen Wald ankommen. Wir erhoffen uns, dass ihre Reden und die Podiumsdiskussion Mut machen, Haltung zu zeigen, und den Druck auf lokale Verantwortliche erhöhen, konkrete Schritte gegen Diskriminierung zu gehen. Sichtbarkeit auf höchster Ebene sendet ein starkes Signal in die Region.

„Machen uns keine großen Sorgen um die Sicherheit vor Ort“

Sicherheit ist bei solchen Veranstaltungen ein zentraler Baustein. Wie eng arbeitet ihr mit der Polizei und den Einsatzkräften zusammen, um ein friedliches und geschütztes Miteinander für alle Teilnehmenden zu gewährleisten?

„Wir haben volles Vertrauen in die Vorbereitungen vor Ort. Unser Ziel bleibt es, ein starkes Zeichen für Vielfalt und Toleranz zu setzen, ohne uns von aktuellen Debatten verunsichern zu lassen.“

Wir stehen in engem Austausch mit der Polizei und dem Ordnungsamt, um ein sicheres Umfeld für alle zu gewährleisten. Unser Ziel ist eine professionelle, deeskalierende Präsenz, die Schutz bietet, ohne die Atmosphäre zu militarisieren. Sicherheit bedeutet für uns auch, dass sich niemand allein gelassen fühlt – deshalb setzen wir auf ein breites Netzwerk aus Unterstützer*innen, Sicherheitsbegleitung, einem Awareness-Team vor Ort und klaren Meldewegen. Hier wird auch eine Notrufnummer gerichtet.

Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit während des Christopher Street Days fällt in den Zuständigkeitsbereich der Polizei. Zu diesem Zweck werden vor Ort auch externe Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Die Verkehrs- und Platzabsperrungen auf dem Stadtplatz sowie entlang der Route der Pride-Parade werden durch die Stadtverwaltung umgesetzt. Wir selbst werden eine ausreichende Anzahl an Ordner*innen zur Verfügung stellen. Diese achten auf einen reibungslosen Ablauf der Demonstration und darauf, dass sich alle Teilnehmer*innen an die Auflagen der Versammlung halten.

Ihr betont, dass Sicherheit nicht nur durch Absperrungen entsteht, sondern durch ein gesellschaftliches Klima, in dem Betroffene nicht allein gelassen werden. Was kann jede Einzelne und jeder Einzelne im Alltag im Bayerischen Wald dazu beitragen? 

Die Organisator*innen blicken der Veranstaltung trotz der allgemeinen Sicherheitsdebatten nach dem jüngsten Anschlag in Berlin optimistisch entgegen. Wir machen uns keine großen Sorgen um die Sicherheit vor Ort. Die Polizei wird den CSD eng begleiten und die Sicherheit lückenlos gewährleisten. Wir stellen zudem klar, wo im ländlichen Raum die Prioritäten liegen: Unsere Sorge gilt hier weniger islamistischen Anschlägen. Vielmehr blicken wir auf potenzielle Störungen aus dem rechten Spektrum, die gerade im ländlichen Raum eine reale Herausforderung für queere Sichtbarkeit darstellen.

„Möchten CSD langfristig im Woid etablieren“

Der CSD Regen wird komplett ehrenamtlich von Queers und Allies gestemmt. Wie steht es aktuell um eure personellen Ressourcen? Und wie kann die Zivilbevölkerung euch jetzt in der heißen Phase noch am besten unterstützen? 

Auch die „Omas und Opas gegen rechts“ werden – wie schon im Vorjahr in Zwiesel – auch in Regen wieder mit dabei sein.

Jede und jeder kann im Alltag ein Zeichen setzen: Indem man diskriminierende Sprüche nicht durchgehen lässt, queere Menschen sichtbar unterstützt und solidarisch ist, wenn andere angegriffen werden. Sicherheit entsteht durch ein Klima des Respekts – im Supermarkt, in der Schule, im Verein, auf der Straße und besonders auch online. Wer hinschaut statt zu schweigen, trägt dazu bei, dass sich niemand verstecken muss.

Unser Team arbeitet mit großem Engagement, aber die Ressourcen sind knapp – gerade unmittelbar vor der Veranstaltung brauchen wir dringend weitere Helfer*innen. Wer unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an vielfalt-im-woid@posteo.de melden oder über unsere Social-Media-Kanäle Kontakt aufnehmen. Jede Hand hilft – ob beim Aufbau, an der Infotheke oder als Sicherheitsbegleitung.

Wenn der CSD am 30. August endet: Woran wollt ihr am Abend messen, ob die Veranstaltung ein voller Erfolg war? Und welche Vision habt ihr für die Zukunft des CSD im Landkreis Regen?

Für uns ist der CSD ein Erfolg, wenn sich Menschen sicher und willkommen fühlen, queere Stimmen gehört werden und die Veranstaltung Mut macht, sichtbar zu leben. Langfristig möchten wir den CSD im Woid als feste Größe im Landkreis etablieren – als jährliches Zeichen für Vielfalt, Demokratie und Zusammenhalt, das von Jahr zu Jahr wächst und mehr Menschen erreicht. Bereits nach dem letzten CSD entstand die nachhaltige Initiative Queer im Woid, damit das Ganze nicht nur an einem Tag bleibt. Die queere LGBTQIA±Community ist bereits Realität und existiert das ganze Jahr über. Hier wird versucht, einen Safe Space bzw. Events zu schaffen, in denen alle sich sicher fühlen können.

Vielen Dank für die Antworten und gutes Gelingen!

Die Fragen stellte: Stephan Hörhammer

–> Wer sich aktiv für „Queer im Woid“ engagieren und einbringen möchte, kann sich unter queerimwoid@gmail.com oder die dazugehörigen Social-Media-Kanäle melden.

  • Update vom 27.08.2026: 

„Dem für Versammlungen zuständigen Landratsamt Regen liegt inzwischen eine Ankündigung einer Gegenversammlung zum CSD am 30.08.2026 in der Stadt Regen vor. Die Versammlungsanzeige ist bislang nicht vollständig. Die Versammlungsbehörde ermittelt den Sachverhalt und prüft, welche notwendigen versammlungsrechtlichen Maßnahmen zu ergreifen sind“, teilt die Pressestelle des Landratsamts auf Hog’n-Nachfrage mit. Das Problem: „Die Versammlung wurde bei der Stadt Regen angezeigt. Zuständige Versammlungsbehörde ist jedoch das Landratsamt Regen als Kreisverwaltungsbehörde. Eine ordnungsgemäße Anzeige beim Landratsamt liegt bislang nicht vor.“

  • Update vom 28.08.2026 (9 Uhr):

„Die angekündigte Gegendemonstration wurde gestern Abend vom Veranstalter gegenüber der Versammlungsbehörde abgesagt und wird nach aktuellem Stand nicht stattfinden. Ob sich im Umfeld des CSD weitere Versammlungen ergeben, lässt sich im Vorfeld nicht abschätzen. Für Spontanversammlungen gelten die gesetzlichen Regelungen des Bayerischen Versammlungsgesetzes.“ (Landratsamt Regen)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert