Vorderschmiding. Seit 1959 gibt es das Gasthaus der Familie Breit in Vorderschmiding (Gemeinde Hinterschmiding). Georg Breit hat es ausgebaut – von der reinen Bierwirtschaft zum Hotel mit 26 Zimmern, Saal und Wellnessbereich. Vor drei Jahren hat sein Sohn Johannes übernommen – als Küchenmeister und mit dem klaren Ziel, den Betrieb weiterzuführen. Der Stammtisch läuft seit über 50 Jahren, der Kirchweih-Montag auch…

Anfang der 1950er Jahre eröffneten die Großeltern des aktuellen Chefs Johannes Breit auf der gegenüberliegenden Straßenseite des heutigen Hotels eine Bierwirtschaft – im Nebenerwerb neben Landwirtschaft und Lastwagenfahrerei. Nur Bier, keine Brotzeit, keine Speisen. Was die Leute damals brauchten, war ein Ort zum Sitzen, Reden und Trinken: Bauern, Handwerker und Bundeswehrsoldaten aus der Umgebung. Diesen Ort gab es in Vorderschmiding, und das war genug.
In den frühen 1970er-Jahren kam zur Bierwirtschaft – bereits seit 1967 liefert die Brauerei Lang aus Freyung das Bier – ein Saal hinzu. Erst damit öffnete sich der Betrieb für Hochzeiten und Veranstaltungen, und erst jetzt gab es auch regelmäßig Brotzeit und warme Speisen. 1981 bauten die Eltern von Georg Breit die ersten Fremdenzimmer an – zunächst kamen vor allem Schulklassen aus Norddeutschland zum Skifahren in den Bayerischen Wald und wurden für rund 25 Mark pro Nacht mit Frühstück untergebracht.
Weitreichende Veränderungen ab Mitte der 1980er Jahre

Fun-fact am Rande: Einer der damaligen Schüler kam kürzlich, 43 Jahre später, vorbei und zeigte stolz die Postkarte mit dem alten Wirtshaus auf der anderen Straßenseite, die er damals nach Hause an seine Eltern schrieb.
Georg Breit hatte seine Kochausbildung im Hotel Bierhütte absolviert und übernahm 1984 den Betrieb, tatkräftig unterstützt von Mutter Therese und Schwester Marita. Zwei Jahre später, im Januar 1986, eröffnete er das neu gebaute Gasthaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite – mit großem Saal, moderner Küche und mehr Kapazität als zuvor. Das alte Gebäude wurde zu Mietwohnungen umgebaut, die Landwirtschaft führte sein Bruder weiter.
Als Koch hat Georg Breit in der Wirtschaft zunächst vor allem für Hochzeiten gekocht. „Bis zu 300 Leute haben wir oft zu solchen Anlässen verköstigt“, berichtet er. 1995 heiratete Georg Breit Beate, eine Bankkauffrau, die fortan die Finanzen des Betriebs übernahm.
Ende der 1990er-Jahre wurde das Bettenhaus angebaut – der Übergang von der Pension zum eigentlichen Hotel. 2015 renovierte Georg Breit den Saal und die Gaststätte, 2016 kamen behindertengerechte Toiletten hinzu, 2017 wechselte der Betrieb seinen Namen. Den heutigen Namen Hotel am Haidel trägt das Haus erst seit rund zweieinhalb Jahren. Etwa zehn Kilometer sind es zu Fuß vom Gasthaus bis zum Gipfel, eine schöne Wandertour.
Eine schwierige Entscheidung…

Irgendwann musste die Familie Breit eine Entscheidung treffen. Hochzeiten, die bis vier Uhr früh dauerten, und Hotelgäste, die um halb acht Frühstück erwarteten – das passte nicht mehr zusammen. Die Beschwerden häuften sich. „Man hat entweder die Hochzeit nicht gescheit gemacht oder man hat die Hausgäste vernachlässigt“, sagt Georg Breit. Also hat man sich entschieden: für den Hotelbetrieb, gegen die großen Abendveranstaltungen.
Das Hotel zählt heute 26 Zimmer mit 56 Betten. Von Ostern bis November ist das Haus gut ausgelastet – Wanderer, Motorradfahrer, Geschäftsreisende. Die Buchungen laufen überwiegend über Online-Portale wie booking.com; Mundpropaganda allein reicht für diese Größe nicht mehr. Im Winter – Mitte Januar bis Ostern – ist es ruhiger. Elf Tage im November bleibt das Haus geschlossen, dann wird renoviert. Den Rest des Jahres ist sieben Tage die Woche geöffnet.
Zum Betrieb gehört seit einigen Jahren auch ein kleiner Wellnessbereich: finnische Sauna, Sanarium und eine Hydrojet-Massageliege, bei der Wasserdruck Rücken und Beine massiert.
Der Küchenmeister geht neue Wege

Vor drei Jahren hat Johannes Breit, Jahrgang 2000, den Betrieb von seinem Vater Georg übernommen. Er hätte lieber noch zwei, drei Jahre woanders gearbeitet – andere Betriebe gesehen, Erfahrungen gesammelt. Aber der Betrieb brauchte ihn früher. Also kam er. Gelernt hat er im Jagdhof in Röhrnbach, Stationen am Chiemsee und im Hüttenhof in Hobelsberg liegen hinter ihm.
Heute steht Johannes Breit in der Küche, zusammen mit seinem Vater Georg und einem fest angestellten Koch. Was auf den Tisch kommt, sind bayerische Klassiker: Schweinsbraten, Schnitzel, Rinderbraten, Hirschbraten. Im Sommer kommen Brotzeiten dazu: Bayerischer und Schweizer Wurstsalat beispielsweise gehen immer. Beim Fleisch und den Edelteilen kauft der Betrieb möglichst regional ein, Was aus der Nähe nicht in ausreichenden Mengen zu bekommen ist, kommt über den Großhandel.
Der offene Stammtisch im Gasthaus Breit existiert seit über 50 Jahren. Wer möchte, setzt sich dazu. Einheimische, junge und ältere Gäste. Zehn bis fünfzehn Personen kommen täglich, am Sonntagvormittag mehr. Und seit einigen Jahren sitzen regelmäßig auch Monteure mit dabei – und Geschäftsreisende, die für Wochen oder Monate im Hotel wohnen. „Die kommen aus ganz Deutschland und setzen sich einfach am Stammtisch dazu“, sagt Johannes Breit. Den Einheimischen ist das recht.
Der Stammtisch als Empfehlungsnetzwerk

Der Stammtisch erfüllt einen weiteren wichtigen Zweck, so der Chef: „Du hast immer einen Schreiner da, einen Klempner, einen Zimmerer. Und so hast du immer einen Ansprechpartner. Für jedes Problem“ Wer was braucht, fragt am Stammtisch. Wer eine gute Erfahrung gemacht hat, empfiehlt weiter. Was heute im Online-Marketing und den sozialen Netzwerken neudeutsch „Word-of-Mouth“ heißt, also Mundpropaganda, läuft hier seit Jahrzehnten über einen Holztisch.
Im Wirtshaus gibt es einen Sparverein – eine Art private Sparkasse. Die Mitglieder zahlen einmal wöchentlich mindestens fünf Euro ein. Das Geld wird angelegt, am Ende der Saison ausgezahlt und direkt im Wirtshaus verbraucht. Rund 30 bis 40 Mitglieder kommen dann zum gemeinsamen Essen. Jeder bekommt sein Geld zurück, die Zinsen werden vertrunken und gegessen.
Zweimal im Jahr, jeweils im Januar, gibt es das Gans-Auswatten: Einmal beginnt es bereits früh am Morgen, einmal erst am Spätnachmittag. Gemeinsam Kartenspielen und essen, eine lange und geschätzte Tradition. Und dann ist da noch der Kirchweih-Montag, der Montag nach dem dritten Sonntag im Oktober. Von elf Uhr vormittags bis in den späten Abend wird Kirta gefeiert – letztes Jahr mit 160 Portionen Ente, mit über den Tag verteilt mehr als 300 Gästen und mit musikalischer Unterhaltung aus der Region. War es früher vor allem ein Handwerkerfest, so ist es in einigen Kommunen durchaus üblich, dass Amtsleute am Kirta-Montag einen halben Tag frei haben.
Ein (Dankes-)Fest für Alle
Zum 40-jährigen Jubiläum des Hauses im Januar 2026 lud die Familie Breit ein – und hielt den ganzen Tag frei. Ab zehn Uhr Weißwurst-Frühstück, mittags drei Essen zur Auswahl, nachmittags Kaffee und Kuchenbuffet, dazu Brotzeiten – musikalische Begleitung den ganzen Tag. Im Saal stand das Bierfass vor der Bühne, jeder konnte selbst zapfen.
Viele Gäste brachten Geschenke mit. Viele Stammgäste kamen, viele kamen an diesem Tag zum ersten Mal ins Gasthaus Breit, ins Hotel am Haidel in Vorderschmiding. Und manche kannten das Haus seit der Zeit, als es noch eine reine Bierwirtschaft war.
Stephen Hahn
Dir hat dieser Artikel gefallen und Du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen oder größeren Spende ausdrücken? Hier hast du die Gelegenheit dazu. Egal, ob einmalig oder monatlich: Jeder Beitrag zählt!











ehrliche, fleißige, freundliche und kompetente Leute
gutes Essen in gemütlicher Atmosphäre
Sehr zum Weiterempfehlen!
Das Gasthaus Breit ist das beste Restaurant was ich je gesehen habe. So ein freundliches Personal ist nicht mehr oft zu sehen. Das Essen schmeckt sehr gut, egal was ich dort schon gegessen habe! Wenn ich zweimal im Jahr nach Mitterfirmiansreuth fahre, nehme ich mir immer vor mal wo anders zu Essen, aber ich esse dann jeden Abend dort! Ist einfach familiär! Ganz toller Betrieb!! DANKE