Freyung. Hier lässt sich wunderbar schmökern, ratschen und Kaffee trinken. Und natürlich gibt es Bücher zu kaufen. Für viele Einheimische, aber auch Gäste zählt das Freyunger „Buchcafé Lang“ zum festen Inventar der Innenstadt. Dieses Juwel feiert heuer sein vierzigjähriges Bestehen.

Doch wie kam es dazu, dass ausgerechnet in Freyung, einer von der Einwohnerzahl her eher überschaubaren Stadt, eine Buchhandlung eröffnete? Die Schlüsselfigur war natürlich der allseits bekannte diplomierte Sozialpädagoge Heinz Lang. Vor vierzig Jahren galt er hingegen noch als unbeschriebenes Blatt.
Nach mehreren beruflichen Stationen, die ihn u.a. für einige Jahre nach Brasilien führten, war er in seine Heimat, den Bayerischen Wald, zurückgekehrt. Heinz Lang stammte aus Schönbrunn am Lusen. Im Jahr 1986 tat sich nun etwas: Sein jüngerer Brüder kam auf ihn zu und regte an, in Freyung eine Buchhandlung zu eröffnen. Heinz Lang war von dieser Idee durchaus fasziniert. Aber er wusste auch, wie schwierig dies werden würde. Alle schönen Läden waren bereits besetzt, Geld hatte er nicht, dafür eine Familie mit drei Kindern.
Firmenberater in den neuen Bundesländern

Aber Heinz ließ sich nicht entmutigen. Schließlich hatte er in Brasilien ein ganzes Dorf aufbauen helfen, da sollte er das mit der Buchhandlung doch hinkriegen. Aber es war schwer. Schließlich fanden sich geeignete Räumlichkeiten, allerdings noch an einem anderen Standort als heute. Bei den Finanzen wurde es jedoch bald eng.
Doch der gebürtige Schönbrunner fand einen Ausweg: Nach der Wende, Anfang der 90er Jahre, ging er als relativ gut bezahlter Firmenberater in die neuen Bundesländer, um dort Buchhandlungen zu sanieren. Mit dem damit verdienten Geld konnte er seine Buchhandlung in Freyung über Wasser halten.
Allmählich etablierte sich die Buchhandlung, die Geschäfte liefen gut. Aber dennoch blieben Schwierigkeiten nicht aus. Der alte Standort war für den heute 76-Jährigen nicht mehr zu halten. Das Buchgeschäft musste umziehen. Zuerst in ein Gebäude im Bereich der alten Volksbank. Der Laden war zwar klein, aber sehr gut gelegen.
Im Alter von fast 60 Jahren entschloss sich Heinz Lang noch einmal zu einer großen Veränderung: Er zog mit seinem Laden in den heutigen Standort am Stadtplatz 4. Hier erfüllte sich Heinz einen Traum. Das Interieur des neuen Geschäfts gestaltete er außerordentlich geschmackvoll und gemütlich. Ein kleines Café kam dazu. Es entstand ein einmaliger Ort für Kultur, Ruhe, Lachen, Offenheit, mit zahllosen tollen Büchern. Dieses Gesamtkonzept wurde von höchster Stelle als preiswürdig erachtet: Im Jahr 2015 zeichnete der Deutsche Börsenverein das Buchcafé mit dem Preis des Deutschen Buchhandels aus.
„Chef“ im üblichen Sinne wollte er nie sein
Im Jahr 2017 fand der Firmengründer mit Karin Greiler und Susanne Zuda zwei würdige Nachfolgerinnen für das Geschäft. Heinz Lang aber blieb weiterhin der „Tausendsassa“, als den man ihn heute noch kennt: Als langjähriger zweiter Bürgermeister, als Motor der Freyunger Wirtschaft in der Werbegemeinschaft, Gründer der Freybühne und des Vereins „Bild&Bühne“, als heimlicher „Kulturbeauftragter der Stadt“, als streitbarer „Grüner“ und vielem anderen mehr.
Quasi nebenbei begründete er, zusammen mit Hannelore Hopfer, zudem noch den auch überregional geschätzten Lichtland-Verlag. Dieser trug und trägt mit zahlreichen toll gestalteten Büchern die Schönheit des Bayerischen Waldes hinaus in die Welt.
Im Jahr 2023 bekam Heinz Lang vom Bayerischen Waldverein den renommierten Kulturpreis des Vereins für sein Lebenswerk verliehen. Dass Heinz jetzt nicht mehr der „Chef“ des Geschäfts ist, haben manche gar nicht mitbekommen. Und „Chef“ im üblichen Sinne wollte der 76-Jährige ja nie sein. Er sah und sieht sich immer noch als Teamplayer, einfühlsam und kommunikativ. Gern hält er sich noch in „seinem“ Geschäft auf. Auf einen Kaffee, einen Ratsch oder eine herzliche Umarmung.
Gerd Ruhland
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