Bayerischer Wald. 15 Liter Liter bis Montagmorgen (8 Uhr) in der Gegend nördlich von Waldkirchen, 3,3 Liter in Schönberg – der Niederschlag, den die kurzen Gewitter in der Nacht auf 17. August geliefert haben, war – wie es bei derartigen örtlichen Geschehnissen leider meistens der Fall ist – sehr ungleich verteilt. Gleichtzeitig fehlt weiter der lang ersehnte Dauerregen, der die mittlerweile weit fortgeschrittene Dürre endlich beenden könnte. Die Böden sind bis in große Tiefen ausgedörrt, was bedeutet, dass die Ausgangslage für eine Besserung in Form endlich wieder ergrünender Wiesen nicht schlechter sein könnte.

Denn auch, wenn sich die eingangs erwähnten 15 Liter zunächst nach viel anhören, relativiert sich dieser Wert, wenn man zwei Sachen bedenkt: Erstens sind total ausgtrocknete Böden in den ersten Minuten des Niederschlags wie fester Beton, sodass sie so gut wie kein Wasser aufnehmen können – und daher gleich einmal viel davon im nächsten Graben landet.
Zweitens sickert ein Liter Wasser nur ungefähr einen Zentimeter in den Boden ein, sofern dieser überhaupt aufnahmefähig ist. Gerade bei kurzen Gewittergüssen ist das Zeitfenster, in der ein Boden Flüssigkeit aufnehmen kann, daher sehr klein. Dass das Regen- bis ins metertief liegende Grundwasser sickert, ist unter diesen Umständen sowieso ausgeschlossen.
Der Gewöhnungseffekt kommt noch hinzu
Und so kommt es, dass auch, wenn es im Juli und in Teilen des Augusts ab und zu mal kurze Niederschläge gegeben hat, die Landschaft der Region immer mehr ihres saftigen Grüntons verloren hat. Jeden Tag ein bisschen – erst der eine Grashalm, dann der andere. Der Gewöhnungseffekte tut seinen Rest dazu, dass wir eventuell noch gar nicht mitbekommen haben, wie braun unsere einst saftig-grüne Gegend mittlerweile schon geworden ist.
Umso klarer wird es, wenn man hochauflösende Satellitenbilder der Erdbeobachtungssatelliten Sentinel aus den Jahren 2026 mit 2025 miteinander vergleicht. Spätestens dann stellt man sich die Frage, wo denn die ganze Farbe geblieben ist. Beigefügte Aufnahmen zeigen jeweils die Städte Freyung, Grafenau und Waldkirchen im aktuellen August und vor zwölf Monanten. Besonders grotesk dabei ist, dass bereits 2025 ein Trockenjahr war, in dem viele hiesige Kommunen zum sparsamen Umgang mit der wichtigsten Ressource des Planeten auffordern mussten.
2025 und 2026 aus der Vogelperspektive im Vergleich (Fotos: Copernicus)
Wie extrem 2026 bisher ist, zeigen auch die historischen Daten der amtlichen Niederschlagsstationen im Landreis. Besonders interessant sind dabei Messpunkte, die es schon sehr lange gibt – wie beispielsweise in Schönberg, wo seit 1931 dokumentiert wird. Schließt man den Winter aus, in dem Vegetation und Verdunstung sowieso keine Rolle spielen, so erhält man im relevanten Zeitraum seit 1. März heuer nur einen Gesamtniederschlag von 267 Litern. Das ist einsamer (und trauriger) Rekord nach Jahr 2003 mit 294,2 Litern. Nach dem Klimasoll der Jahre 1991 bis 2020 hätten es eigentlich 488 Liter sein sollen! Die Folgen davon? Schauen wir mal kurz aus dem Fenster…
Ob die aktuelle Dürre nun bald ihr Ende findet, hängt davon ab, ob endlich einmal lang anhaltender, kräftiger Dauerregen ins Hog’n-Land kommt. Kurze Schauer und Gewitter werden uns da nicht retten können – die Gründe dafür sind oben aufgeführt. Leider sieht es derzeit nicht so aus, als würde uns ein nachhaltiger Durstlöscher erlösen…
Hog’n-Wetterfrosch Martin Zoidl
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