Bodenmais. Nicht nur die Marktgemeinde im Landkreis Regen steht auch Tage danach noch unter Schock, sondern der gesamte Bayerische Wald. Bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Bodenmais ist am späten Freitagabend ein vierjähriges Kind ums Leben gekommen. Eine Tragödie, die die Menschen beschäftigt. Vor allem die Frage, warum sich bis auf das verstorbene Mädchen alle Bewohner retten konnten, wird in den sog. Sozialen Medien hitzig diskutiert – was unter anderem Landrat Dr. Ronny Raith deutlich kritisiert.

Mit einer am Montagvormittag veröffentlichten Pressemitteilung leistet die Polizei Niederbayern in dieser Hinsicht Aufklärungsarbeit. Darin erklären die Ermittler, dass das Feuer von der Mutter entdeckt worden ist, die sich ebenfalls im „Brandobjekt“ aufgehalten hat. „Aufgrund des Brandfortschritts konnte sie jedoch nicht mehr das Zimmer ihrer Tochter betreten. Auch ein Nachbar versuchte dies noch erfolglos“, heißt es in genannter Meldung. Zudem informieren die Beamten, dass die genaue Brandursache bis dato „noch Gegegenstand weiterer Ermittlungen“ ist.
Das Unglück beschäftigt nicht nur die Polizei weiterhin, sondern auch die zum Einsatz gekommenen Kräfte, obwohl die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer inzwischen abgeschlossen ist. Die FFW Bodenmais beispielsweise hat sich mehreren eingesetzten Feuerwehren am Sonntagvormittag noch einmal getroffen, um über das Erlebte zu sprechen – und es somit (besser) verarbeiten zu können. Auch Kreisbrandmeister Marco Dietl, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion Regen, spricht im Rückblick von einer Alarmierung, die in Erinnerung bleiben wird.
Angrenzendes Maisfeld wurde abgesucht

„Jeder Einsatz mit Todesfolge – noch dazu, wenn es um ein Kind geht – sorgt im Kreise der Feuerwehr für Betroffenheit“, macht die Feuerwehr-Führungskraft, die am Freitagabend in Bodenmais vor Ort war, deutlich. Natürlich hätte es die Helfer „deutlich belastet“, als es ist Runde machte, dass das Kind leblos aufgefunden worden ist. „Man klammert sich nämlich immer an die letzte Hoffnung“, berichtet Dietl.
Dass das vierjährige Mädchen vermisst wird, war dem Kreisbrandmeister zufolge bereits klar, als die Wehrler am Einsatzort eingetroffen sind. „Zunächst haben wir deshalb noch das angrenzende Maisfeld mit einer Drohne abgesucht“, blickt Dietl zurück. Als einer der insgesamt 44 Atemschutzträger die Vierjährige im Brandobjekt ausfindig machen konnte, waren selbst die erfahrensten Kameraden zunächst schockiert. „Dann allerdings funktioniert man einfach nur, was gut ist, weil man ja seine Aufgabe zu erfüllen hat.“
Führt sich Marco Dietl das Geschehene in einem ruhigen Moment noch einmal vor Augen, ringt auch er um Worte. Dass er dabei kein Einzelfall ist, bestätigt ein Facebook-Post von Regens Landrat Ronny Raith am frühen Sonntagnachmittag. „Das Ereignis ist schrecklich, ich fühle mit allen Betroffenen – besonders mit den Eltern und Angehörigen des verstorbenen Kindes. Meine Gedanken sind auch bei den Feuerwehrleuten und den Rettungskräften, die alles versucht haben und dennoch den Tod eines kleinen Kindes erleben und verarbeiten müssen. Vergelt’s Gott für den Einsatz!““
„Lasst bitte Anstand und Mitgefühl walten!“
Gleichzeitig ist der CSU-Politiker, der selbst leidenschaftlicher Feuerwehr-Mann ist, „entsetzt, was an Kommentaren im Internet und socialmedia rund um das furchtbare Ereignis verbreitet wird. Niemanden steht es zu, sich zum aktuellen Zeitpunkt ein Urteil über Schuld oder Versagen zu bilden. Lasst bitte Anstand und Mitgefühl walten!“
Helmut Weigerstorfer
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