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Angenommen, es gibt sie wirklich – die, die nicht aus Hass wählen, sondern aus Enttäuschung – und noch an Veränderung glauben. Dann ist dies keine Beschimpfung, sondern eine Rechnung.

Wer aus Frust die AfD wählt, hinterlässt eine Zeche, die kommende Generationen begleichen müssen. Von wirtschaftlichem Niedergang bis zum Abbau des Rechtsstaats treffen die Konsequenzen am Ende die Kinder und Kindeskinder. Ist der vermeintliche Denkzettel das wert? Foto: KI generiert
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Das Entscheidende ist nämlich nicht, ob man das Rad eines Tages zurückdreht – sondern dass sich vieles nie zurückdrehen lässt: zerstörtes Vertrauen, vergraulte Fachleute, eine umgebaute Justiz, ein vergiftetes Klima zwischen Nachbarn. Das repariert kein Wahlsieg. Es kostet Milliarden, viele Jahre und die Kraft einer Generation, die dann aufräumt, statt Zukunft zu bauen – ihre Kinder und Enkel.

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Vorab zum Ton: Das Folgende ist Munition fürs eigene Nachdenken, nicht fürs Niederreden. Wer klar in der Sache bleibt und warm zum Menschen, öffnet eine Tür; der Zeigefinger verriegelt sie. „Du bist der Erste, der mich nicht verurteilt“ – so beginnt ein Gespräch.

Ihr Geld und Ihre Arbeit

Ein einheitlicher Steuersatz und die Abschaffung von Erbschaft- und Grundsteuer klingen nach „gleiche Regeln für alle“, entlasten laut DIW aber vor allem die Spitzenverdiener – die Lücke zahlen die Vielen. Gehören Sie zu den Wenigen, oder subventionieren Sie die Reichen und tragen die Folgen selbst? Kein Konzern investiert langfristig in ein Land, das nach rechtsaußen driftet; Kapital zieht ab, lange bevor Gesetze gelten.

Wollen Sie Ihren Arbeitsplatz für einen Schaden riskieren, dessen Reparatur Jahrzehnte dauert?Remigration“ und sichere Rente zugleich gehen mathematisch nicht auf: weniger Einzahler, ein kippendes System. Wer zahlt ein, wenn die Arbeitskräfte fehlen? Die AfD ist stark bei denen, die den Sozialstaat am dringendsten brauchen – und will genau dessen Absicherung schwächen; das DIW nennt es das „AfD-Paradox„. Können Sie erklären, warum Sie gegen Ihr eigenes Interesse stimmen? Und bezahlbares Wohnen? Darauf hat die Partei keine Antwort, nur einen Schuldigen: „die Migranten“. Nur baut ein Sündenbock keine einzige Wohnung. Wohnen Sie nach vier Jahren besser – oder haben Sie nur einen neuen Feind und dieselbe Nebenkostenabrechnung?

Der Rechtsstaat und Ihre Rechte

Einmal mit Getreuen besetzte Gerichte setzt keine Wahl zurück – Richter bleiben oft bis zur Pension. Wollen Sie mitverantworten, dass man den Rechtsstaat Stelle für Stelle neu aufbauen muss? Werden Fachleute in den Behörden durch Linientreue ersetzt, arbeitet der Apparat auf Jahre langsamer und schlechter. Wer bringt den Staat wieder zum Laufen, wenn die Fähigen durch die Loyalen ersetzt sind?

Verfassungsschutz, Gerichte, freie Presse werden zu „Feinden“ erklärt – dabei stufte der Verfassungsschutz die AfD im Mai 2025 selbst als „gesichert rechtsextremistisch„ein. Ein Rechtsstaat ist wie eine Versicherung: Man merkt seinen Wert erst, wenn man ihn braucht und er weg ist. Wollen Sie in einem Land leben, in dem niemand mehr die Mächtigen kontrolliert – auch nicht zu Ihrem Schutz? Dieselbe Partei, die „Zensur“ ruft, will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umbauen. Wollen Sie den Käfig mitbauen, in dem Sie später selbst sitzen? Und eine Partei, die Andersdenkende zu „Volksfeinden“ erklärt und zugleich Polizei und Innenministerium kontrolliert – sind Sie sicher, dass Sie immer auf der Seite bleiben, die man in Ruhe lässt? Auch das gelockerte Waffenrecht6 bedeutet nicht mehr Freiheit, sondern mehr Waffen im Umlauf – und mehr Tote bei Streit und im Affekt. Fühlt sich Ihre Familie sicherer, wenn im Ort mehr Waffen griffbereit liegen?

Deutschland in der Welt

Vertrauen unter Partnern wächst über Jahrzehnte und ist in Monaten zerstört; verspielt, gewinnt man es nur zu schlechteren Bedingungen zurück – während Russland und China zusehen. Wem nützt das? Der EU- und Euro-Austritt heißt real: Grenzkontrollen statt Freizügigkeit, Zölle statt Binnenmarkt – für eine Exportnation ökonomischer Selbstschaden. Wollen Sie Ihren Job und Ihren Frieden für eine Fahnen-Fantasie riskieren? Und während Russland Europa bedroht, sucht die AfD die Nähe zum Kreml: Sanktionen aufheben, Nord Stream reparieren. Wenn es ernst wird – wer steht dann noch an Deutschlands Seite, nachdem man alle Freunde verprellt hat?

Wovon wir hier oben im Bayerwald leben

Ärzte, Pflegekräfte, Ingenieure gehen zuerst, wenn ein Land feindselig wird – und kommen zuletzt zurück, viele nie. Wer versorgt Sie im Alter, während man sie zurückzuwerben versucht? Ein großer Teil des bäuerlichen Einkommens hängt an der EU-Agrarförderung, die die AfD ablehnt – mit einem EU-Austritt fiele sie ganz weg. Wer hält die Höfe hier am Leben, wenn die EU-Mittel gestrichen sind? Die Partei will zurück zu Kohle und Atom und alle CO₂-Abgaben abschaffen; das Ergebnis wären nicht billige alte Zeiten, sondern verlorene Zukunftsindustrien. Wollen Sie teuer für gestern zahlen, während andere die Zukunft bauen? Und unsere Region lebt vom Tourismus – von Gästen, die kommen, weil das Land weltoffen ist. Wer füllt die Betten, wenn es als abweisend gilt?

Wissen, Gesundheit, Klima

Bildung ist Ländersache – ein Bundesland genügt. Führende Vertreter nennen Inklusion ein „Ideologieprojekt“ und Kinder mit Förderbedarf „Belastungsfaktoren„. Wollen Sie, dass Ihre Kinder lernen, was wahr ist – oder was erlaubt ist? Die Partei will zurück zum früh getrennten Schulsystem und träumt offen von einer „völkischen Elite„; wer früh sortiert, entscheidet nach Herkunft statt Talent – und trifft zuerst die Kinder ohne Geld für Nachhilfe. Soll über den Weg Ihres Kindes das Elternhaus entscheiden, nicht sein Kopf?

Im Bundestag brachte die AfD Entwürfe ein, die den menschengemachten Klimawandel für „nicht nachgewiesen“ erklären – ein Unionsabgeordneter nannte es „Desinformation in Gesetzesform„. Doch Naturgesetze kümmert kein Beschluss. Wollen Sie mitverantworten, dass ein Land die Wirklichkeit leugnet, bis sie an die Tür klopft? Die Partei lehnt jede Impfpflicht ab, auch die Masernpflicht, und stellt die WHO-Mitgliedschaft infrage – zurück kämen besiegt geglaubte Krankheiten, ungeschützt die Kleinsten. Soll am Krankenbett Ideologie entscheiden, nicht die Medizin? Und während die Wälder vertrocknen, wird CO₂ als bloßes „Spurengas“ verharmlost. Wollen Sie Ihren Enkeln erklären, dass Sie wussten, was kommt – und trotzdem mitgemacht haben?

Wer dazugehört – und wer nicht

Offiziell bestreitet die AfD, deutsche Staatsbürger abschieben zu wollen; in der Praxis reden führende Köpfe von „Passdeutschen“ und definieren das Volk als „Abstammungsgemeinschaft“. Das „Remigrations“-Konzept, das auch Staatsbürger einschließt, stufte das Bundesverwaltungsgericht als menschenwürdewidrig ein. Sind Sie sicher, dass Ihr Stammbaum jeder Prüfung standhält – Ihre Schwiegertochter, Ihr Enkel, vielleicht Sie selbst?

Zugleich propagiert die Partei ein Rollenbild, in dem Familien „idealerweise von einem Gehalt“ leben – der Preis kommt später als weniger eigene Rente und Altersarmut, vor allem für Frauen. Wollen Sie, dass Ihre Tochter weniger Selbstbestimmung hat, als Sie es für selbstverständlich halten? Ein AfD-Fraktionschef verglich Kinder mit Behinderung mit Menschen mit „ansteckenden Krankheiten„, die zu trennen seien; die Logik von „nützt“ und „kostet“ hatten wir schon einmal, mit bekanntem Ende.

Was, wenn Ihr Kind, Ihre Eltern zu den „Störenden“ zählen? Der Kampf gegen „Gender-Ideologie“ trifft keine Fremden, sondern den schwulen Neffen, die Tochter am eigenen Familientisch. Und wenn es Ihr Kind ist – soll es hören, es gehöre nicht dazu? Beide großen Kirchen erklären die Partei für unwählbar; Caritas und Diakonie tragen die soziale Versorgung, an der eine Politik der Ausgrenzung sägt. Passt eine Partei, von der sich Ihre Kirche abwendet, zu dem, was Sie sonntags glauben? Und wer Kunst nur fördert, wenn sie ins Weltbild passt, öffnet eine Tür, die es hier schon gab – „entartet“ hieß das damals. Soll der Staat wieder entscheiden, was ein Bild sein darf?

Die Fragen ans Gewissen

Jede Stimme normalisiert ein Stück, was gestern undenkbar war; diese Grenze rückt nicht von selbst zurück. Wollen Sie der sein, durch den das Unsägliche wieder salonfähig wurde? „Wer nicht für uns ist, ist gegen das Volk“ macht aus Nachbarn Verdächtige – ein Schaden, der bleibt, wenn die Partei längst weg ist. Wollen Sie das Misstrauen säen, das auch dann noch bleibt? Von einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ und einem „Denkmal der Schande“ zu sprechen – das sind Höckes eigene Worte – heißt, das „Nie wieder“ zur Disposition zu stellen.

Wollen Sie der sein, unter dessen Stimme das geschah? Und die unbequemste Frage: Die „Vernünftigen“ werden nicht trotz der Extremisten gebraucht, sondern für sie – Ihre Anständigkeit macht die Menschenverachtung der anderen erst wählbar. Wollen Sie damit leben, dass die Braunen ohne Ihre Stimme nie in Machtnähe gekommen wären? Irgendwann fragen Ihre Kinder: „Und du – was hast du gemacht, als es kippte?“ Die Antwort ist dann kein Erinnern, sondern Protokoll: Wahlen, Posts, Mitgliedschaften, datiert und nicht abstreitbar. Welche Antwort wollen Sie geben, ohne den Blick zu senken?

Manches lässt sich nie zurückwählen, und selbst das Reparierbare kostet eine ganze Generation. Wut ist keine Schuld, Enttäuschung erst recht nicht – aber was man aus Wut ermöglicht, das schon. Diese Rechnung zahlen am Ende alle, auch Sie. Sind Sie sicher, dass es das wert ist?

Diese Zeilen erreichen die Überzeugten nicht – sie sind für die stillen Mitleser, die noch zweifeln. Klar in der Sache, warm zum Menschen. So geht die Tür auf. Und nur so.

Gedanken von: Horst Triebstein


4 Gedanken zu „AfD und dann? Über Schäden, die keine Wahl wieder repariert

  1. Sehr geehrter Herr Triebstein,
    es ist erschreckend, wie sie unter dem Deckmäntelchen der Objektivität ein Sammelsurium von Unwahrheiten und haarsträubenden Aussagen zu tarnen versuchen. Nur leider hat die Sache einen gewaltigen Haken ! Ihre kruden Theorien glaubt ihnen kein vernünftig denkender Mensch mehr, der mit offenen Augen durchs Leben geht. Sie und viele ihrer schreibenden Gesinnungsgenossen – immer schön auf auf Linie – haben einen erheblichen Anteil daran, dass das Land wirtschaftich und gesellschaftlich am Boden liegt. Genau diese Verhältnisse, vor denen sie warnen, sind bereits zum Großteil Realität. Ich frage sie daher: Hat das die AfD zu verantworten? Wohl kaum, denn die haben noch nie regiert. Das wäre mein Denksnstoß an sie. Also…..denken sie lieber zukünftig gründlich nach, bevor sie pauschal jeden in die rechtsextreme Ecke stellen, der ihre linksideologischen Ansichten nicht teilt.
    Freundliche Grüße von einem ehemals jahrzehntelangen CSU-Wähler dem seine politische Heimat genommen wurde !

    1. Sehr geehrter Herr Streidl,

      danke, dass Sie unter Klarnamen und in der Sache schreiben. Ich antworte Ihnen ausführlich, weil Ihr Einwand einen Punkt enthält, der stimmt.

      Zuerst das Zugeständnis. Die AfD hat auf Bundesebene nie regiert und kann für den heutigen Zustand des Landes nicht verantwortlich sein. Das ist richtig, und ich behaupte an keiner Stelle etwas anderes. Mein Text steht durchgehend im Konjunktiv. Er handelt nicht davon, wer etwas angerichtet hat, sondern davon, was ein Programm anrichten würde, wenn man es umsetzt. Ihre Enttäuschung über die vergangenen Jahre bestreite ich nicht – ich frage nur, ob das angebotene Gegenmittel hält, was es verspricht.

      Zu den „Unwahrheiten“: Bitte nennen Sie mir eine. Das meine ich ernst. Ich habe eigene Artikel schon öffentlich korrigiert und mit Nachtrag versehen, als sich Angaben als falsch herausstellten. Wenn Sie mir einen Punkt belegt widerlegen, mache ich das wieder. Ohne konkrete Stelle bleibt der Vorwurf allerdings genau das, was Sie mir vorwerfen: eine Behauptung ohne Beleg.

      Und man muss gar nicht spekulieren, denn es gibt inzwischen zwei Realitätstests.

      Der erste heißt Sonneberg. Dort stellt die AfD seit Juli 2023 den Landrat – Halbzeit einer sechsjährigen Amtszeit, das erste und bislang einzige Landratsamt der Partei. Gewählt wurde Robert Sesselmann mit Abschiebungen, Kampf gegen Windräder, weg mit den Rundfunkgebühren, weg mit dem Euro. Nach drei Jahren zahlt der Kreis Rundfunkbeitrag, und zwar in Euro – beides lag nie in der Zuständigkeit eines Landrats. Aus dem 54.000-Einwohner-Kreis wurden 2024 sieben Menschen abgeschoben, 2025 sechs; der SPD-geführte Kreis Nordhausen kam im selben Jahr auf 40. 85 Prozent der Verfahren scheiterten, der schlechteste Wert Thüringens. Den Regionalplan mit drei Windkraft-Vorranggebieten konnte er nicht verhindern. Ein Schulteil, für dessen Erhalt er im Wahlkampf geworben hatte, wurde geschlossen. Am aufschlussreichsten ist die Bilanz, die sein eigenes Landratsamt auf Presseanfragen verschickt: Verzicht auf den Dienstwagen, ein Chatbot für die Website – und der Ausbau der Vermittlung von Flüchtlingen in sozialversicherungspflichtige Arbeit. Abschiebungen stehen nicht darauf. Selbst in der Thüringer AfD heißt es, man sei „mäßig“ zufrieden.

      Der zweite Test läuft gerade. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt, die AfD könnte erstmals allein ein Bundesland regieren, und sie hat dafür ein Programm vorgelegt, das sie selbst Regierungsprogramm nennt. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat es gegen den Landeshaushalt gerechnet – nicht kommentiert, gerechnet, mit offengelegtem Rechenweg und über zwanzig Seiten Anhang.

      Das Ergebnis in Zahlen: 136 Maßnahmen mit Haushaltswirkung, davon 28 belegbar beziffert, zusammen rund 1,6 Milliarden Euro im Jahr. Die restlichen 108 sind nicht kostenlos, sondern unbekannt – darunter Straßenbau, sozialer Wohnungsbau und 300 Abschiebehaftplätze samt Personal. Dem stehen 243 Millionen belegbare Einsparungen gegenüber, großzügig gerechnet. Neue Schulden und Steuererhöhungen schließt das Programm selbst aus. Von jedem versprochenen Euro sind keine zehn Cent gedeckt.

      Interessanter als die Summe ist aber, wo genau Wunsch und Wirklichkeit auseinanderlaufen. Zwei Drittel aller Einsparungen sollen aus dem Bereich Asyl kommen – das setzt voraus, dass die Landesausgaben dafür nahezu vollständig entfallen. Nur besteht nach § 44 Asylgesetz eine Vorhaltepflicht, unabhängig von der Belegung, und die Zugangszahlen liegen ohnehin nahe historischer Tiefstände. Die pauschale Kürzung aller Ministeriumsausgaben um zehn Prozent klingt nach einer Milliarde – trifft aber Lehrergehälter, Polizeibesoldung und Straßenbau, also genau die Bereiche, in denen dasselbe Programm mehr ausgeben will. Widerspruchsfrei bleiben davon 40 Millionen. Die versprochene Halbierung der Grunderwerbsteuer kostet 114 Millionen und frisst damit fast die Hälfte aller Einsparungen wieder auf. Und die Streichung der Klimaprogramme brächte keinen einzigen frei verfügbaren Landeseuro, weil sie fast vollständig aus zweckgebundenen EU-Mitteln finanziert werden.

      Wie schwer Sparen tatsächlich ist, hat Sachsen-Anhalt gerade selbst vorgeführt: Der Einstellungsstopp von 2024 sollte 180 Millionen bringen. Erreicht wurden 2025 rund 30 Millionen – trotz über 400 nicht nachbesetzter Stellen. Ein Haushalt lässt sich nicht durch Entschlossenheit kürzen, sondern nur durch Zeit.

      Am ehrlichsten ist die AfD dabei zu sich selbst. Ihr im Juli beschlossenes 100-Tage-Programm enthält kein Kindergeld, keine beitragsfreie Kita, keine Steuersenkung – es umfasst rund sieben Prozent der bezifferbaren Kosten des Wahlprogramms und besteht überwiegend aus Symbolik: Rundfunkverträge kündigen, Untersuchungsausschuss, Imagekampagne. Das Institut hält genau das für das realistischere Abbild dessen, was tatsächlich käme. Und selbst das wäre nur mit neuen Schulden finanzierbar – also unter Bruch des zentralen Versprechens.

      Damit bin ich beim eigentlichen Punkt meines Artikels, über den ich gerne mit Ihnen reden würde. Eine schlechte Regierung kann man abwählen; dafür ist die Demokratie gebaut. Was man nicht abwählen kann, sind besetzte Richterämter – Richter bleiben bis zur Pension. Eine nach Loyalität statt Können umgebaute Verwaltung. Abgewanderte Ärzte, Pflegekräfte und Ingenieure, die zuletzt zurückkommen, viele nie. Zerstörtes Vertrauen zwischen Nachbarn. Das ist der Unterschied zwischen einer verkorksten Legislaturperiode und einem bleibenden Schaden. Genau darum geht es mir, nicht um die Frage, wer schlimmer ist.

      Sie schreiben, Ihnen sei Ihre politische Heimat genommen worden. Das glaube ich Ihnen unbesehen, und Sie sind damit nicht allein – das ist keine Kleinigkeit, sondern eine ernste Sache. Deshalb meine ehrliche Frage zum Schluss: Welche zwei, drei Themen sind es konkret, die Sie umtreiben? Migration, Wirtschaft, Energie, das Gefühl, nicht mehr gehört zu werden? Benennen Sie sie, und ich gehe sie mit Ihnen durch – mit Zahlen, mit offenen Quellen, und ohne Sie in eine Ecke zu stellen.

      Zum Vorwurf des Linksideologischen noch dies: Ich bin SPD-Mitglied und mache daraus kein Geheimnis. Sie dürfen meine Motive für parteiisch halten. Prüfen Sie die Quellen – die sind es nicht. Die IWH-Analyse steht frei als PDF auf iwh-halle.de. Man muss mir nicht glauben. Das ist ja der Punkt: Man kann nachrechnen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Horst Triebstein

  2. Nachtrag des Autors

    Ein Tag nach Erscheinen dieses Textes hat sich die Frage, ob die beschriebenen Risiken zu düster gezeichnet seien, auf unerwartete Weise beantwortet – und zwar nicht von mir.

    Am 15. August war Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, mehrere Stunden lang zu Gast im Podcast „Ungeskriptet“ von Ben Berndt. Er hat dort ausführlich beschrieben, was er im Fall einer Regierungsübernahme vorhat. Vieles davon ist fast Punkt für Punkt das, worum es in diesem Artikel geht.

    Der häufigste Einwand gegen den Text lautete, die AfD müsse ja koalieren; Partner, Parlament und Gerichte würden schon bremsen. Siegmund räumt diesen Einwand selbst ab. Eine Zusammenarbeit mit der CDU schließt er aus – mit diesen Leuten könne man aktuell nicht zusammenarbeiten. Bei rund 40 Prozent in den Umfragen kalkuliert er offen mit einer Alleinregierung.

    Entscheidend ist aber ein anderer Punkt. Siegmund kündigt an, bis zu 200 politisch loyale Mitarbeiter in der Landesverwaltung einzusetzen. Das ist keine Gesetzgebung, keine Verfassungsänderung und kein Rechtsbruch. Es ist Personalpolitik – und genau die überdauert Wahlperioden. Wer heute einstellt, prägt eine Behörde über zwei Jahrzehnte. Ein späteres Wahlergebnis ändert daran nichts. Das ist der Kern dessen, was ich mit Schäden meine, die keine Wahl repariert.

    Dasselbe Muster zeigt sich beim Verfassungsschutz, der die AfD Sachsen-Anhalt seit November 2023 als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Siegmund nennt sich in der Frage einer Abschaffung ergebnisoffen. Bemerkenswert ist, was Jörg Müller, früherer Leiter des brandenburgischen Verfassungsschutzes, gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio dazu erklärt hat: Es braucht die Abschaffung gar nicht. Ein Innenminister kann den Behördenchef austauschen und Arbeitsschwerpunkte verschieben. Wer bislang Rechtsextremismus bearbeitet hat, bearbeitet dann Linksextremismus. Kein Gesetz, kein Parlamentsbeschluss – nur Zuständigkeit.

    Am aufschlussreichsten finde ich eine Nebenbemerkung. Sachsen-Anhalt hat sein Landesrecht eigens so geändert, dass ein Ausstieg aus dem Medienstaatsvertrag nicht mehr allein per Kabinettsbeschluss möglich ist, sondern eine Mehrheit im Landtag erfordert. Siegmunds Reaktion darauf war kein Ärger über die Hürde, sondern die Feststellung, das dauere dann eben einen Monat länger. Eine Schutzvorkehrung schützt nur, solange man sie nicht ohnehin überspringt.

    Ich habe in diesem Artikel geschrieben, dass sich manche Entscheidungen nicht durch die nächste Wahl zurücknehmen lassen. Man muss mir das nicht glauben. Man kann es sich inzwischen von den Handelnden selbst erklären lassen. Das Gespräch ist ungeschnitten und in voller Länge öffentlich abrufbar – wer es genau wissen will, ist nicht auf meine Einordnung angewiesen und auch nicht auf die von Zeitungen.

    Horst Triebstein

  3. Super, endlich einer der den Wähler auzeigt was für Schäden durch die AfD entstehen wenn
    man sich bei der Wahl gegen die
    DEMOKRATIE entscheidet.

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