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Arnbruck. Gar nicht so selten gibt es pessimistische Stimmen, wenn es um die Zukunft des Glases im Bayerischen Wald geht. Die großen Glashütten, die einst zahlreichen Arbeitern Lohn und Brot gaben, gehören weitgehend der Vergangenheit an. Doch gibt es auch eine lebendige Glasszene und eine junge Generation von Glasschaffenden. Einer ihrer aktivsten Protagonisten ist Michael Weinfurtner aus Arnbruck, in dessen Werk sich Können und Kreativität auf faszinierende Art und Weise vereinen.

Michael Weinfurtner ist Absolvent der Glasfachschule Zwiesel. Seine Ausbildung zum Glasapparatebauer schloss er mit herausragendem Erfolg als Bundessieger ab. Im Anschluss erlangte er zudem den Abschluss als Glasmacher sowie den Meistertitel. Foto: Georg Hermann
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Wenn die Hitze aus dem Glasofen strömt, die Glasmacherpfeife in die rotglühende Masse taucht und einen Posten aufnimmt, das zähflüssige Glas aufgeblasen und mit verschiedensten Werkzeugen geformt wird, dann ist Michael Weinfurtner in seinem Element.

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„Glasmachen ist für mich der Inbegriff der Freiheit. Das heiße Glas hat keine Form und ich kann ihm jede Gestalt geben, ganz so wie es mir in den Sinn kommt oder wie ich es mir ausgedacht habe“, gibt der 26-Jährige voller Begeisterung Einblick in seine Arbeit.

Faszination Feuer

Glasmacherisches Können und ein feines Gespür für Formen kommen bei Michael Weinfurtners Arbeiten zusammen, wie in der Ausstellung First Quarter zu sehen ist. Foto: Sven Bauer

Glas, Weinfurtner und Arnbruck – so mancher wird da richtigerweise eine Verbindung herstellen. Michael ist ein Spross der „Glasfamilie“ Weinfurtner. Zusammen mit seinen Geschwistern Peter, Oskar und Maria Weinfurtner und seiner Mutter Petra ist er mittlerweile als Leiter der verschiedenen Werkstätten fest in die Führung des Glasdorfs Weinfurtner eingebunden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Michael Weinfurtner von klein auf von Glas umgeben war und dessen Herstellung verfolgte. Das Feuer übte schon immer eine besondere Anziehungskraft auf ihn aus. Deshalb faszinierte ihn vor allem die Arbeit am Glasofen und am Gasbrenner. Ein Praktikum bei Sigi Franz in Burghausen, eine Koryphäe im Bereich der Glasbläserei und charismatische Persönlichkeit, richtete seinen Blick auf eine Ausbildung zum Glasapparatebauer an der Glasfachschule Zwiesel.

Zuvor stand aber noch das Abitur auf dem Programm. Das machte er – wie auch schon seine Brüder – am Gymnasium der Regensburger Domspatzen. Durch die musikalische Erziehung und seine Liebe zur Musik war auch eine Laufbahn als Sänger denkbar. Letztlich setzte sich die Begeisterung für das Glas durch. Zu der fundierten Ausbildung im Apparatebau, die er mit dem Meistertitel abschloss, kam die Ausbildung zum Glasmacher hinzu. „An der Fachschule habe ich sehr viel darüber gelernt, wie man mit dem Glas arbeitet. Gerade Heinz Fischer, Torsten Schubert und vor allem Rainer Pscheidl haben mir viel gezeigt“, lässt Michael Weinfurtner wissen.

Als Glasenthusiast will er natürlich immer wieder über den Tellerrand des Bayerischen Waldes hinausblicken. Ein Stipendium führte ihn an die renommierte Pilchuk Glass School in Seattle/USA. Er war zum Studienaufenthalt in der Künstler-Glashütte Transjö Hytta in Südschweden und verfeinerte seine Technik im Lampenglasblasen bei Simone Crestani in Italien. „Es ist spannend, in die Glaswelten anderer Regionen einzutauchen, denn überall wird Glas anders gelebt“, erzählt er über seine internationalen Eindrücke.

Glas und Musik im Einklang

Michael Weinfurtner vergleicht das Glasmachen mit einem Tanz. Foto: Georg Hermann

Diese inspirierten ihn, seinen eigenen künstlerischen Ansatz zu verfolgen. Auch die Arbeit im Glasdorf beförderte dies. „Ich bin hier täglich mit so viel und so unterschiedlichem Glas umgeben. Gerade deshalb möchte ich persönliche Stücke schaffen. Stücke, denen ich meinen ganz eigenen Ausdruck verleihen kann, die etwas über meine Gefühls- und Gedankenwelt aussagen und eine Aussage transportieren“, gibt der junge Glaskünstler Einblick. Das zeigt sich beispielsweise bei seiner neuesten Werkserie mit dem Titel Urklang. Weinfurtners Verbindung zur Musik wird hier offensichtlich. Oft erinnert ihn das Glasmachen an einen Tanz. Der ist stets mit Musik verbunden und erfordert eine Choreografie, ganz so wie die Arbeit am Glasofen. Und wie ein Tanzpartner muss auch das Glas mit Gefühl behandelt werden.

Die Werke der Urklang-Serie sind reduziert in der Form und in Schwarz gehalten, „wie die Noten auf einem Blatt Papier“, sagt Michael Weinfurtner über seine Arbeiten, mit denen er die bildnerische Welt des Glases mit der akustischen Geisteswelt der Musik zusammenbringen will. „Als Sänger beschäftigt mich die Frage, wie sich Klang und Resonanz sichtbar machen lassen. Vor den heute bekannten fünf Notenlinien schrieb man Musik in der Quadratnotation auf vier Linien – und noch früher sogar nur auf einer einzigen.

Doch am Anfang der geschriebenen Musik standen keine Notenwerte, sondern Zeichen, die sog. Neumen, mit denen durch einfache, aber präzise Handzeichen der Verlauf der Melodie angezeigt wurde. Urklang greift diesen Ursprung auf. Die Formen erscheinen wie Signaturen eines Klangverlaufs. So entstehen räumliche Spuren von Klang als Verdichtung dessen, was hinter jedem Klang steht: Bewegung, Resonanz und Schwingung“, erklärt Michael Weinfurtner sein Werk.

Nach dem First Quarter kommt das Second Quarter…

Zu sehen war dies bei der Ausstellung Atemzeichen im Dichterturm in Weißenstein, die von 8. Mai bis 30. Juni zugänglich war. Diese Atemzeichen sollten den Betrachtern ein Zeichen sein, kurz innezuhalten, einzuatmen und in sich zu gehen. Sie sollten daran erinnern, in allem, was man macht, entspannt zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Einen umfangreichen Einblick in das bisherige Schaffen von Michael Weinfurtner gibt es in der Galerie im Glasdorf Weinfurtner. Die Sonderausstellung First Quarter überraschte im letzten Jahr mit einer großen Bandbreite an Werken. Sie ist jetzt als Dauerausstellung eingerichtet, die immer wieder mit verschiedenen Themen und Serien ergänzt wird. Die Ideen für neue Arbeiten scheinen bei Michael Weinfurtner förmlich zu sprudeln. Man darf auf jeden Fall gespannt bleiben, was er in seinem „Second Quarter“ alles hervorbringen wird…

Sven Bauer

(in Zusammenarbeit mit dem Magazin Schöner Bayerischer Wald)

 


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