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Bodenmais. Es war ein kommunalpolitischer Paukenschlag, der am Mittwochabend die Runde im Bayerischen Wald und darüber hinaus machte: Michael Adam will zum 31. Dezember 2026 die Reißleine ziehen und als Erster Bürgermeister von Bodenmais zurücktreten, wie er in einer kurzen und knappen Email an seine Verwaltungsmitarbeiter mitteilte.

Michael Adam hat in einer Email-Nachricht, die dem Onlinemagazin da Hog’n vorliegt, seinen Vertrauten und Mitarbeitern noch einmal die Gründe für seinen Rücktrittsentschluss dargelegt – und rechnet dabei mit einigen seiner politischen Wegbegleiter schonungslos ab. Foto: SPD-Ortsverband/ Hogn-Archiv
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Während das Onlinemagazin da Hog’n unmittelbar darauf zuerst über den Entschluss und die ersten Reaktionen des 41-Jährigen berichtete, liegt der Hog’n-Redaktion nun die vollständige, interne zweite Nachricht vor, in der Adam den Auslöser für seine Entscheidung noch einmal detailliert gegenüber seinen „Kolleginnen und Kollegen“ schildert.

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Das Schreiben offenbart dabei emotionale Einblicke in ein zerrüttetes Seelenleben, jahrelangen psychischen Druck und eine fundamentale Abrechnung mit dem Bodenmaiser Marktgemeinderat.

Die Geister der Vergangenheit: Von „Sex im Amt“ bis zur Psychiatrie

Adam holt darin zunächst weit aus, blickt zurück auf das Jahr 2013, als er im zweiten Amtsjahr als Landrat von der BILD-Schlagzeile „Sex im Amt getroffen wurde. Auch wenn er Fehler einräumt, habe ihn diese Stigmatisierung nie losgelassen. Ein Vergleich mit Silvio Berlusconi habe ihn damals tief bestürzt. „Damit muss man erst mal fertig werden! Ich weiß nicht, ob ich das bis heute bin“, schreibt er. Die Scham begleitete ihn eigenen Angaben zufolge über Jahre, führte zu seinem damaligen Verzicht auf eine erneute Landratskandidatur und dem Wegzug in die Oberpfalz.

Nach seiner Rückkehr nach Bodenmais im Jahr 2023 und dem Drängen vieler Bürger habe er schließlich das Bürgermeisteramt übernommen – angetrieben von der Sorge, dass seine Heimatgemeinde in eine Sackgasse geraten war. Doch der Preis dafür war enorm: „Du musst nicht nur politisch erfolgreich sein. Es darf in deinem Privatleben vielmehr absolut NICHTS mehr sein!“, schildert er den Druck, den er sich selbst auferlegte. Die Hölle auf Erden habe er jedoch dann durch seinen Ex-Partner erleben müssen, der seine Situation ausgenutzt und ihn „über ein Jahr lang öffentlich für eine Tat an das Kreuz genagelt“ habe, „die ich nicht begangen hatte“ (da Hog’n berichtete).

„Am Ende saß ich dann zwölf Wochen in der Psychiatrie. Ich bekenne heute, dass ich gelogen habe, als ich zurück nach Bodenmais kam. Ich war eben nicht wieder dienstfähig… Warum? (…) Mir wurde in der Klinik leider permanent berichtet, dass es in Bodenmais in den Wochen meiner Abwesenheit politisch halt gar nicht lief.“

Aus Verantwortung für die Gemeinde sei er damals zurückgekehrt – entgegen aller ärztlichen Vernunft, „nicht-dienstfähig“ und von einer aus seiner Sicht unberechtigten Anklage belastet. Seine Überlebensstrategie: Arbeiten bis zur Erschöpfung, gestützt von Medikamenten. „Morgens eine Nerventablette, damit ich aufstehen und arbeiten konnte. Abends eine Nerventablette, damit ich nach getaner Arbeit schlafen konnte“, lässt Adam in seiner Email tief blicken.

„Ich komme mir manchmal vor wie in einer Seifenoper“

Zwar sei es ihm in der Folge darum gegangen, wichtige Projekte wie die Bahnhofstraße wieder anzukurbeln, doch die Zusammenarbeit mit dem Marktgemeinderat habe ihm endgültig jegliche Kräfte geraubt. Er bezeichnet das Gremium als das schwächste, das er in seiner gesamten kommunalpolitischen Laufbahn – von Gemeinderäten über Kreistage bis hin zum Bezirkstag – erlebt habe. Es fehle vor allem jegliche Selbstreflexion. Stattdessen dominierten Ego-Spielchen, Neid und persönliche Abrechnungen.

„Keiner sagt was. Das ist sowieso das Problem dieses Gremiums. Ich komme mir manchmal vor wie in einer Seifenoper (…) Im Wesentlichen bestimmen Lehrer, Polizisten, Bauern und Rentner, was in Bodenmais geschieht. Alles zweifellos ehrbare Berufe. Aber ist das das, was Bodenmais braucht? Ich denke nicht.“

Stellvertretend nennt Adam konkrete Beispiele aus dem Gremium: Räte, die den Ersatzbau einer Stützwand über Jahre aus purem Groll und persönlichen Erbschaftsstreitigkeiten verteuert hätten; oder Mandatsträger, die trotz zehn Millionen Euro Festgeld auf dem Gemeindekonto gebetsmühlenartig vor dem Bankrott warnten. „Für so einen neidisch, missgünstig und niederträchtigen Dreck steht man morgens als Bürgermeister auf und nimmt eine Nerventablette, damit man arbeiten kann“, rechnet Adam schonungslos und mit überdeutlichen Worten ab. „Wenn am Ende Politik nur noch darin besteht, dass Spiele aus Neid, Missgunst und Niedertracht gespielt werden, dann bin ich raus.“

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat …

Michael Adam bei seiner Bekanntgabe im März ’17, dass er nicht mehr als Landrat kandidieren wird.

Adams endgültiger Auslöser für den Rücktritt war ein Vorfall rund um den Bau eines Ganztagsbetreuungsgebäudes an der Schule sowie eine neue Feuerwehrzufahrt. Ein einzelner Marktgemeinderat habe die gesamte Gemeinde, Verwaltung, Schule und Baufirma zur Befriedigung persönlicher Eitelkeiten sowie angeblichen Rachegelüsten 14 Tage lang in Geiselhaft gehalten – unterstützt von einem Gremium, das Adam zufolge dabei zusah und gleichzeitig wegschaute.

Der betroffene Rat – der ansonsten laut Bürgermeister im Gremium kaum inhaltlich auffalle – habe plötzlich die Sitzung zum Ganztagsbetreuungsgebäude gesprengt und eine alternative Feuerwehrzufahrt erzwungen. Diese veränderte Planung habe am Ende 20.000 Euro mehr gekostet als der Verwaltungsvorschlag beinhaltete; hinzu seien erhebliche Kosten durch einen erzwungenen Baustopp gekommen.

Beim Ortstermin habe das Ratsmitglied dann die Maske fallen lassen und den Bauunternehmer direkt angefahren: „Wenn du meinst, dass du mit mir zwei Jahre lang nicht reden musst, weil ich dir zu minderwertig bin, dann lernst du mich halt so kennen.“ Damit sei aus Adams Sicht klar geworden, worum es wirklich ging: Eine persönliche Racheaktion an der Baufirma, deren Eigentümer dem Rat in der Vergangenheit offenbar nicht den von ihm erwarteten Respekt entgegengebracht hatte.

Das Absurde: Während das Gremiumsmitlgied an den Stammtischen für den vermeintlichen „Stopp des Bau-Wahnsinns“ gefeiert worden sei, habe der gesamte Gremium keinen Anlass zur Kritik gesehen. Besonders pikant aus Adams Sicht: Eben jener Marktgemeinderat hatte zuvor von der Gemeinde den offiziellen Auftrag für die Baumfällarbeiten dieser Feuerwehrzufahrt angenommen, durchgeführt und vor der Sitzung rasch noch abgerechnet – um sich im Rahmen der Versammlung dann genau über jene Lösung zu beschweren, an der er selbst mitverdient hatte. Das vernichtende Fazit des Bodenmaiser Noch-Bürgermeisters: „Abkassieren, um dann das, für das man abkassiert hat, politisch zu kritisieren. Wäre es nicht so tragisch, müsste ich sagen: ‚Genau mein Humor!‘“

„Aber ich kann das wirklich nicht mehr!“

Zwar betont Adam, dass ein Großteil der Räte durchaus feine Kerle seien, doch das kollektive Wegschweigen gegenüber den „Übelkrähen“ mache sinnvolle Arbeit unmöglich. „Aber was nutzt das, wenn keiner was sagt? Ich möchte etwas bewegen. Hier aber kann man nichts bewegen, weil es um alles geht, nur nicht um die Sache.“

Gegenüber dem Hog’n hatte Adam bereits betont, dass er mit dem Amt auch seine Rentenansprüche und seine politische Existenz verliert, jedoch seinen Stolz und seine Wahrheitsliebe behalte – und stattdessen etwa lieber an einer Tankstelle kassiere, als sich von politischen Laiengremien abhängig zu machen.

Seine Mitarbeiter bittet er in seinem Abschiedsbrief um Verständnis: „Es tut mir leid. Denn ihr seid mir wirklich ans Herz gewachsen. Aber ich kann das wirklich nicht mehr!“ Bis zum 31. Dezember will er seine Arbeit noch so gut wie möglich fortführen, schreib er abschließend – danach wolle er unwiderruflich den Schlussstrich ziehen – und „manch üblen Typen nie mehr wiedersehen“.

Stephan Hörhammer

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1 Gedanken zu „Adam-Abrechnung: „Will manch üblen Typen nie wiedersehen“

  1. Zu den Berichten über Michael Adam möchte ich zwei Punkte ansprechen. Meine Frau und verbringen seit 2008 regelmäßig Urlaub in Bodenmais. 2009 hatten wir dann das Vergnügen bei einer Bürgersprechstunde Michael Adam zu erleben. Seit der Zeit hat man als Urlauber schon bemerkt, dass es nach M.A. Jahre gab, wo sich wenig bewegte. Nun aber zu meinen Punkten. Was sich aktuell abspielt, kann man als menschliche Tragödie bezeichnen. Jemand kehrt zurück, fährt einen überragenden Wahlsieg ein und erzeugt eine positive Stimmung in der Bevölkerung. Aufbruchstimmung , könnte man meinen. Aber nicht in Bodenmais. Der zweite Punkt betrifft den neu gewählten GR im Bodenmais. Statt den BM in schwieriger Zeit zu unterstützen,meinen einzelne ihr eigenes Spiel zu spielen. Sicherlich auch um dem BM zu schaden und was genau so schlimm ist, das schweigen der Mehrheit im GR. Zum Schluss wünsche ich Michael Adam für seine Zukunft alles gute und vor allem Gesundheit. Dem GR wünsche ich bei der Suche nach einem Nachfolger viel Erfolg. Es wird sicher eine ’sportliche Herausforderung“ Ich würde wetten, eine Notlösung….Lassen wir uns überraschen

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