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Freyung. Sie gehört zum Abendprogramm in vielen Haushalten des Bayerischen Waldes dazu wie das Zähneputzen oder die Gesichtspflege. Die meisten kennen sie aber nicht unter ihrem echten Namen, sondern als „Sophia Stadlbauer“. Seit 2024 ist Patricia Freund eine der Hauptdarstellerinnen der bekannten Fernsehserie „Dahoam is Dahoam. Diese Telenovela, die von Montag bis Donnerstag, jeweils von 19.30 bis 20 Uhr, im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist, stellt für viele Männer und Frauen zwischen Osser und Dreisessel einen absoluten Pflichttermin in ihrem Alltag dar.

Eine Szene aus „Dahoam is Dahoam„: Patricia Freund (Mitte) alias Sophia Stadlbauer mit Sophie Reiml („Sarah Brandl“ und Anita Eichhorn („Tina Brenner“). Foto: BR/Lena Semmelroggen

Patricia Freund begeistert die Waidler und Waidlerinnen – und ist, was viele nicht wissen, selbst sogar eine. Geboren wurde die 30-Jährige nämlich in Freyung, aufgewachsen ist sie unter anderem in Neuschönau. In Niederbayern absolvierte sie auch ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, ehe sie ihre TV-Karriere startete.

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„Gertie Schreiner“ – so hieß sie von 2023 bis 2024 in der Serie „Die Landarztpraxis – bzw. „Sophia Stadlbauer“ ist Schauspielerin, Tanzlehrerin und Pflegekraft in einem. Im Hog’n-Interview berichtet sie aus ihrem durchaus stressigen Leben, von ihren Berufen und ihren Plänen.

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Großes Heimweh nach Bergen und Wäldern

Patricia, du bist u. a. in Neuschönau und Freyung aufgewachsen und wohnst inzwischen seit einigen Jahren in München. Wie stark ist die Verbindung zum Bayerischen Wald noch – Heimweh, Heimatgefühl oder beides?

Ich bin überall aufgewachsen zwischen Neuschönau und Deggendorf. Als ich in Deggendorf mit 16 Jahren angekommen bin, war ich schon acht Mal umgezogen. Ich hab‘ tatsächlich großes Heimweh nach den Bergen und den Wäldern. Und am größten nach dem „Dorfgefühl“. Aber das Dörfliche hab‘ ich leider schon nicht mehr, seit ich 16 bin. Durch meinen Umzug von Köln nach München hab‘ ich wenigstens wieder ein bisschen Bayernluft um mich herum. Ich lebe eigentlich nach dem Motto: Zuhause fühl‘ ich mich da, wo meine Wohnung ist… (schmunzelt)

Wenn du an deine Kindheit und Jugend in Freyung denkst: Welches Bild, welcher Ort kommt dir als Erstes in den Sinn?

Das Theater spielen in meiner Realschule mit einer fantastischen Lehrerin, die mich schon früh gefördert hat, sowie meine Theater- und Chor-Mitschülerinnen.

„Dahoam is Dahoam“ – für viele längst mehr als nur eine Fernsehserie…

Du hast zunächst Gesundheits- und Krankenpflegerin gelernt und bist dann mit 25 Jahren nach Köln gezogen, um Schauspiel zu studieren. Was war der Moment, in dem du gesagt hast: Jetzt oder nie?

Es war der Moment, als ich gemerkt habe, dass es so in meinem Leben nicht mehr weitergehen kann. Zu diesem Zeitpunkt bin auch noch auf jemanden getroffen, der, nachdem ich ihm von meinem Traum erzählt habe, gesagt hat: Mach’s doch einfach!

Wie haben Familie und Freunde aus dem Bayerischen Wald auf diesen Schritt reagiert – Unterstützung, Skepsis oder ein Mix?

Mein Umfeld – insbesondere meine Schwester und meine Mutter-  haben laut gesagt: Endlich! Alle anderen Reaktionen waren dann unwichtig für mich.

Du hast selbst geschrieben, du seist „über 1.000 Zufälle nach Köln“ gekommen. Was war der entscheidende Zufall?

Alle Zufälle, die zusammengekommen sind, waren entscheidend. Aber am witzigsten fand ich, dass ich mich an einem Donnerstag informiert habe, wie ich Schauspielerin werden kann – und speziell in Köln gesucht habe. Das dortige Schauspielzentrum hat vier Tage später eine Schnupperwoche angeboten, die noch nicht ausgebucht war. Und da ich Zeit hatte, hab ich schnell meinen Koffer gepackt und bin eine Woche dorthin gefahren.

Schauspiel ist ein Agieren, Reagieren, Führen und sich führen lassen

Im Woid dahoam: Patricia Freund wurde in Freyung geboren. Foto: BR/Nadya Jakobs

Die Ausbildung am Schauspiel-Zentrum Köln hat dreieinhalb Jahre gedauert. Was hat dich dort am meisten überrascht – vor allem an dir selber?

…dass Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung doch immer sehr weit auseinander gehen können.

Du warst viele Jahre Tanzlehrerin für „Standard“ und „Latein“ und hast nebenher noch in der Pflege gearbeitet. Wie hast du das alles gleichzeitig organisiert?

Ich hab‘ während der Woche abends unterrichtet, manchmal auch am Wochenende – und wenn ich im Krankenhaus arbeiten musste, dann wusste ich meinen Dienstplan ja mindestens vier Wochen im Voraus. So konnte ich mich mit den Tanzlehrern absprechen. Manchmal waren aber schon kurze Nächte dabei. Ich war so tanzverrückt, dass ich um 2 Uhr nachts dann daheim war, aber um 5 Uhr zum Frühdienst aufstehen musste…

Das kam – Gott sei Dank – nicht oft vor. Das könnte ich jetzt auch nicht mehr. Zu der Zeit in Köln hab ich am Wochenende in der Pflege gearbeitet, während der Woche war ich auf der Schauspielschule, habe aber nicht mehr unterrichtet. Jetzt hab ich die Pflege auch als Minijob aufgegeben und gebe jedoch wieder Tanzkurse nebenbei. Das macht mir Spaß!

Welche Fähigkeiten aus der Pflege helfen dir als Schauspielerin – und welche aus dem Tanzsport?

Aus der Pflege nehm ich den Fleiß, das Verantwortungsbewusstsein und das Durchhaltevermögen mit ins Schauspiel. Aus dem Tanzsport kann ich jegliche Art von zwischenmenschlicher Kommunikation mitnehmen. Auch das Schauspiel ist ein Agieren, Reagieren, Führen und sich führen lassen – genau wie das Tanzen.

Kickboxen, Kampfsport, Stunts – du hast sogar einen Stuntworkshop absolviert. Woher kommt diese Seite von dir?

Ich bin schon immer eine Kämpferin gewesen: als Kind Judo, als Teenagerin Leichtathletik usw. Der Kampfsport war mir nicht fremd. Meine Schauspielschule hat Kickboxen und den Stuntworkshop angeboten. Es ist immer gut, als Schauspielerin so viele Dinge wie möglich zu erlernen. Und es interessiert mich wahnsinnig.

„…eher eine Ehre als eine Bürde“

„Sophia Stadlbauer“ mit ihrem Film-Vater „Benedikt Stadlbauer“, gespielt von Andreas Geiss. Foto: BR/Marco Orlando Pichler

Am Schauspiel-Zentrum hast du unter anderem die Titelrolle der Mirandolina gespielt, Lady Milford in „Kabale und Liebe“ – und in „Norway Today“ die suizidgefährdete Julie. Eine große Bandbreite. Welche dieser Rollen hat dich persönlich am meisten gefordert – und warum?

So viele Unterschiede gibt’s da gar nicht. Alle drei Rollen verbindet eine große Macht und ein starker Hochstatus, der gebrochen wird. Selbstbewusste große Frauen, die ihr Umfeld im Griff haben bzw. gerade versuchen, es wieder in den Griff zu bekommen – und es gleitet ihnen aus den Händen. Am meisten gefordert hat mich definitiv Lady Milford, weil das sprachlich sehr anspruchsvoll war – Schiller halt. Es war auch schwierig, eine Inszenierung für mich und meine Partnerin zu finden, weil der Dozent dieselbe Szene vier Mal in unterschiedlichen Arten herzeigen wollte…

„Norway Today“ handelt von einem jungen Mädchen, das sterben will. Wie geht man mit so einem „harten“ Stoff um?

„Norway today“ war wahnsinnig beeindruckend für mich. Ich fand diese Rolle – sie zu verstehen, zu spielen und zu erfühlen – einfach grandios. Das ist definitiv einer meiner liebsten Abschnitte an der Schauspielschule gewesen. Außerdem war es meine Abschlussprüfung. (kurze Pause) Im Schauspiel geht es immer darum, jemanden zu verkörpern, mit all seinem Leid – und die Zuschauer damit zu berühren. Das ist eher eine Ehre als eine Bürde. Ich würde mal so gerne das ganze Stück auf einer großen Theaterbühne spielen…

Dein erster größerer TV-Auftritt war 2023/24 in „Die Landarztpraxis“ als Gertie Schreiner. Wie war dieser erste Drehtag am Set einer laufenden Sat1-Vorabend-Serie?

Das war sehr spannend und ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe – aber gleichzeitig doch so, wie man in der Schule und in Workshops drauf vorbereitet wird. Dort am Set waren alle wahnsinnig lieb, das hat es leichter gemacht.

„Ab und zu gönn‘ ich mir einen freien Samstag“

Patricia Freund bzw. „Sophia Stadlbauer“ als Fahrrad-Diebin – freilich nur für den Film! Foto: BR/Lena Semmelroggen

Seit 2024 bist du als „Sophia Stadlbauer“ fest im Hauptcast von „Dahoam is Dahoam“ verankert. Wie hast du von der Rolle erfahren? Und wie lief das Casting ab?

Seit Juni 2024 bin ich im Hauptcast, seit August war ich auf Sendung. Die Casterin hat mich angeschrieben, weil ich empfohlen wurde. Ich war ganz aufgeregt und hab‘ jeden an der Schauspiel-Schule gefragt, was ich jetzt tun soll, oder ob das Fake ist… (schmunzelt). Dann hab ich dort angerufen und einen Termin fürs Casting ausgemacht. Das hat dann eine Stunde gedauert. Ich wurde wahnsinnig lieb behandelt, hatte total viel Spaß – und wir haben viel rumprobiert. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass das bereits gemeinsames Arbeiten war.

„Sophia“ ist die Tochter von „Benedikt Stadlbauer“, war lange weg aus Lansing und kommt zurück. Wie viel Patricia Freund steckt in dieser Rückkehr-Geschichte?

Das stimmt, Sophia kam nach langer Zeit zurück in die Heimat. Ich selbst bin ungefähr elf Mal umgezogen insgesamt – und leider nie in die Heimat zurückgekehrt, welche es auch immer ist.

„Dahoam is Dahoam“ läuft jede Woche vier Mal, du hast in zwei Jahren bereits mehr als 200 Folgen gedreht. Wie sieht dein Drehalltag aus?

Ab und zu gönn‘ ich mir einen freien Samstag. Aber eigentlich bin ich jeden Tag am Lernen. Wenn neue Drehbücher kommen, erhalten wir eine Woche vor den Drehtagen die Dispo, sozusagen den Dienstplan, und die Maskenzeit. Jeder Tag ist anders. Manchmal fängt man um sieben an, manchmal erst um 15 Uhr.

„Ganz oft spürt man nur Blicke“

Der Lusen bzw. den Weg hinauf zählt Freund zu ihren absoluten Lieblingsorten im Woid. Foto Hog’n-Archiv

Die Serie hat eine sehr treue Fangemeinde in Bayern und darüber hinaus. Wie erlebst du diese Fans – erkennst du sie auf der Straße, meldest du dich bei ihnen via Social Media?

Wir haben ganz entzückende Fans. Die meisten sind nett, zuvorkommend und angenehm. Mir ist sehr wichtig, dass man höflich miteinander umgeht. Viele erkennt man auf Fantreffen, weil die öfters da sind. Auf Social Media schreib ich jedem zurück, der respektvoll ist und was Normales schreibt, worauf man auch antworten kann. Ganz oft spürt man aber nur Blicke – und wird nicht angesprochen.

Gibt es eine Szene oder Episode mit „Sophia“, auf die du besonders stolz bist – oder eine, die dich Backstage mehr gekostet hat als erwartet?

Ganz aktuell ist die sogenannte Jagd ausgestrahlt worden. Die war super spannend und hat total viel Spaß gemacht. Kurz vorher ging der Betrug vom Winkler den Zuschauern ziemlich nah – Sophia deckt seine Intrigen auf. Erst spielt sie ihm noch was vor, weil sie noch nicht ehrlich sein darf – und dann die Erlösung und die knallharte Trennung. Das haben wir natürlich nicht alles in einer Woche gedreht, sondern über Monate hinweg.

Das heißt: Immer wieder die Gefühle herholen. Das ist schon nicht ohne, danach braucht man seinen Safe Space und seine Lieblingsmenschen um sich herum. Aber ich wäre ja nicht Schauspielerin geworden, wenn ich mir nicht erlauben will, genau diese Traumata zu spielen. Der respektvolle Umgang mit der Geschichte und das Zurückholen in die Realität sind da der Schlüssel.

Was vermisst du in München am meisten vom Bayerischen Wald?

Die Ruhe und den fehlenden Straßenverkehr, die Natur, die Vögel, den Wald und dieses authentische Leben in den bayerischen kleinen Dörfern – das kann nichts anderes toppen!

„Let’s Dance“ wäre ein großer Traum von mir

Du bezeichnest dich als lebensfroh, offen und zielstrebig. Was ist das nächste große Ziel – künstlerisch, persönlich?

Hauptsache, ich bin glücklich. Ich lass mich leiten. Da, wo Zufälle mich hinbringen, soll ich sein. Aber oberflächlich beantwortet, wäre wohl „Lets Dance“ ein großer Traum von mir; oder mal bei den Bergrettern mitzuspielen. Oder auch in einem Film mitzuwirken und mit Bully zusammenzuarbeiten, oder mit Rick oder Anke Engelke, Annette Frier. Ich möchte gerne auch meinen eigenen Kurzfilm produzieren und veröffentlichen. Das Drehbuch dazu würde sogar schon stehen. Ich würde auch wahnsinnig gerne mehrstimmige professionelle Gesangsvideos auf Youtube oder Instagram teilen.

Welche Orte im Bayerischen Wald sind für dich die schönsten – Orte, die du weiterempfehlen würdest?

Der Lusen über den Sommerwanderweg, Sams Bar in Deggendorf, die Strandbar in Deggendorf – und einfach jeder bayerische Berg!

Letzte Frage: Wenn „Sophia Stadlbauer“ einen Tag lang Patricia Freund wäre – was würde sie als Erstes tun?

Das Tanzen ausprobieren (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für die Zukunft!

Interview: Stephen Hahn


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