Ringelai. Seit Mitte Juni führt nun Attila Forgacs das Wirtshaus Ringelai (ehemals „Landhotel Koller„). Der gebürtige Ungar bringt 15 Jahre Gastronomieerfahrung mit, drei Köche aus Ungarn, regionale Lieferanten – und eine Idee: bayerische Küche mit ungarischen Spezialitäten, Weinen und Schnaps, die man im weiteren Umkreis sonst nirgendwo bekommt.

Der Ruf des Wirtshauses, das Attila Forgacs seit wenigen Wochen betreibt, hatte zuletzt etwas gelitten. Jetzt aber ist Forgacs mit seinem Team da – und fängt von vorne an, was nicht nur die Ringelaier Gemeindeverwaltung freut.
Die Idee, sich im Schmalzdobl selbständig zu machen, kam über einen Hinweis der Bürgermeisterin. Carolin Pecho hatte das Haus zur Pacht ausgeschrieben. Forgacs schaute es sich an, fackelte nicht lange – und schlug zu. „Ich sehe hier großes Potenzial“, sagt er. Kleiner Ort, großer Biergarten, ein Saal mit bis zu 150 Sitzplätzen – und aktuell kein zweites Wirtshaus im Ferienort an der Wolfsteiner Ohe.
„In jeder Hinsicht sind sie sofort da und hilfsbereit“

Attila Forgacs ist 55 Jahre alt und gebürtiger Ungar. Dreißig Jahre hat er in Österreich gelebt, die letzten sechs Jahre in Deutschland – zuerst als Restaurantleiter in einem Betrieb in Hessen, dann achtzehn Monate lang in Frauenau. Zur Gastronomie ist er nicht als Quereinsteiger gekommen: In Wien hatte er bereits sein eigenes Wirtshaus geführt, insgesamt ist er seit fünfzehn Jahren in der Branche tätig. Er nennt sich selbst einen „leidenschaftlichen Gastgeber“. Und wer miterlebt, wie er jeden Gast persönlich begrüßt und nach dessen Meinung fragt, glaubt ihm das sofort.
Das Haus gehört der Gemeinde, Forgacs ist Pächter. Die Unterstützung beschreibt er als unkompliziert und schnell: „Egal was man braucht, in jeder Hinsicht sind sie sofort da und hilfsbereit.“
Im nächsten Jahr soll der große Saal komplett abgerissen und neu gebaut werden – inklusive behindertengerechter Toiletten, die derzeit noch fehlen. Der Umbau ist für April oder Mai geplant und soll in kurzer Zeit abgeschlossen sein. Zusätzlich werden zehn Gästezimmer im Obergeschoss saniert und künftig ebenfalls zum Betrieb gehören.
Bevor Forgacs das Wirtshaus eröffnete, hatte er drei Tage lang intern gekocht – neue Köche, neue Küche, neues Team. Erst als er sicher war, dass die Abläufe stimmen, sperrte er das Lokal auf. Drei Köche arbeiten für ihn, allesamt aus Ungarn, allesamt seit Jahren in Deutschland tätig und mit der deutschen Küche vertraut. Insgesamt beschäftigt er vier Vollzeitkräfte und rund zehn Minijobber: eine Beschäftigtenzahl, die bei größeren Veranstaltungen erforderlich ist.
Das „Schnitzel Ringelai“ weiß man bereits zu schätzen

Das Konzept der Küche ist klar umrissen: 80 Prozent bayerische Klassiker, 20 Prozent ungarische Spezialitäten. Gekocht wird ausschließlich mit frischer Ware – keine Tiefkühlprodukte, keine Konserven, keine Fertigerzeugnisse. „Alles wird frisch zubereitet“, sagt Forgacs. Das Feedback bisher: durchwegs positiv.
Aus der Küche kommt bereits ein erstes Eigengewächs: das „Schnitzel Ringelai“, ein paniertes Schnitzel mit Preiselbeeren und Käse überbacken, dazu eine Sauce Hollandaise. Das Gericht hat sich innerhalb weniger Wochen einen Namen gemacht – Gäste aus Freyung und Grafenau wissen es bereits zu schätzen. „Innerhalb von drei Wochen sind wir schon ein bisschen bekannt geworden“, sagt Forgacs.
Montags bis donnerstags kocht die Küche für die Grundschule, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet. Rund 30 Kinder kommen zum Mittagessen ins Wirtshaus. Da freuen sich die hungrigen Buben und Mädchen – und der Wirt ist entzückt über seine Mittagsgäste.
Tokaji und Barackpálinka

Was das Wirtshaus Ringelai von anderen in der Umgebung unterscheidet, ist das Getränkeangebot. Forgacs hat ungarische Weine und ungarischen Schnaps im Sortiment – als bislang einziger Betrieb im weiteren Umkreis, soweit er weiß. Das nächste vergleichbare Angebot findet man dem Wirt zufolge wohl erst in Stuttgart.
Auf der Karte steht unter anderem Tokaji (Tokajer), ein Süßwein aus Nord-Ungarn mit langer Geschichte und international bekanntem Namen. Dazu kommt Marillenschnaps, auf Ungarisch Barackpálinka, der wohl zu den bekanntesten ungarischen Bränden zählt. Die Weinkarte ist noch in Vorbereitung, das Angebot soll in den nächsten Wochen vollständig ausgebaut werden.
Bei den Lieferanten setzt Forgacs konsequent auf die Region. Fleisch kommt von der Metzgerei Pleintinger aus Schönberg. Brot und Backwaren liefert die Bio-Bäckerei Wagner. Das Bier kommt von der Brauerei Lang aus Freyung, Edelbrände von der Gutshofbrennerei Poschinger aus Frauenau.
Und dann sind da noch die ButterBoyz aus Regen: Ein Betrieb, der ausschließlich Butter produziert – von der traditionellen Salzbutter über exotische Bio-Feige-Dattel-Butter bis hin zur hochkarätigen Kaviarbutter – und dessen Kundenliste inzwischen Feinkost Käfer, die Lufthansa und den FC Bayern München umfasst. Forgacs ist froh, sie als Lieferanten gewonnen zu haben. „Ich achte natürlich darauf, dass ich Lieferanten aus der Region habe.“
Donnerstag ist Stammtisch-Tag

Die ersten beiden Sonntage war das Wirtshaus ausgebucht – Biergarten und Gaststube voll, zeitweise bis zu 100 Gäste gleichzeitig, fast ausschließlich Einheimische. „Jetzt kommen langsam auch die Wanderer“, sagt Forgacs. Erste Wegweiser sind angebracht, weitere Hinweistafeln kommen noch. Donnerstags versammeln sich 20 bis 25 Personen am Stammtisch – mehrheitlich Rentner, dazu Mitglieder von Vereinen, die ihre regelmäßigen Treffen für die kommenden Monate bereits reserviert haben.
Geöffnet ist das „Wirtshaus Ringelai“ von Mittwoch bis Sonntag von 11.30 bis 22 Uhr, die Küche bis 20.30 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Im Winter wird das Haus voraussichtlich nur samstags und sonntags ganztägig offen sein – sowie Mittwoch bis Freitag in den Abendstunden. Einen Kinderspielplatz unter dem großen Baum im Garten plant Forgacs ebenfalls noch. „Von heute auf morgen geht das natürlich nicht“, sagt er. Aber die Richtung ist klar und stimmig…
Stephen Hahn
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