Liebe Fußballfreunde im Woid, mit der Weltmeisterschaft 2026 in drei verschiedenen Ländern und extrem weiten Entfernungen zwischen den einzelnen Spielorten werde ich nach wie vor nicht so richtig warm. Eine WM muss in einem Land stattfinden, das zudem eine Fußball-Nation ist – wie Deutschland oder Italien. Ist das nicht der Fall, bleibt die so wichtige Stimmung auf der Strecke. Und genau deshalb bleibt der Wettbewerb auf der anderen Seite der Weltkugel für mich nach wie vor irgendwie nicht greifbar.

Als Fußball-Liebhaber freut es mich natürlich, dass täglich bis zu sechs Spiele auf dem Programm gestanden sind. Das war es aber dann auch schon mit dem positiven Erscheinungen der vergangenen Wochen. Da ist zum einen die aufgehobene Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun und das offensichtlich dazugehörige Telefonat von Präsident Donald Trump mit FIFA-Chef Gianni Infantino. Jeder kann sich da denken, was er will. Auch deshalb werde ich dazu keine ausführliche öffentliche Meinung abgeben, aber: Suspekt ist das Ganze schon!
Zu unserer Nationalmannschaft: Selbst zwei, drei Tage nach dem Spiel gegen Paraguay wollte ich das Ausscheiden nicht wahrhaben. Die Tatsache, dass wir wieder vorzeitig heim müssen, wollte schlichtweg nicht in meinen Kopf. Wie schon 2018 und 2022 ist es unvorstellbar, dass Deutschland so früh ausscheidet. Das darf einfach nicht sein! Wir sind als Mitfavorit gestartet, ehe wieder einmal das böse Erwachsen folgte. Wir sind eben nicht mehr Weltspitze!
Wo ist unser Nachwuchs?

Ein Maßstab, auf welchem Leistungsniveau wir uns befinden, sind für mich immer die jeweiligen Stammformationen der europäischen Top-Teams. Und darin sehe ich aktuell nicht viele deutsche Spieler – was wiederum zeigt, dass andere Länder über bessere Akteure verfügen. Italien geht es übrigens ähnlich. Was ist nur aus dem AC Mailand und Inter geworden …?
Bevor wir uns jedoch mit anderen Ländern beschäftigen, müssen wir zunächst vor der eigenen Haustüre kehren. Ich frage mich immer wieder: Wo ist unser Nachwuchs? Wo sind die Top-Talente in den U-Mannnschaften? Da gibt es welche, das steht fest. Aber aus welchen Gründen auch immer: Sie bleiben in ihrer Entwicklung stehen. Hier muss man die Hebel ansetzen, um künftig wieder erfolgreicher sein zu können.
Ob das mit Julian Nagelsmann als Bundestrainer möglich gewesen wäre? Keine Ahnung. Mir steht nicht zu, das zu bewerten, weil mir der unmittelbare Einblick fehlt. Genauso kann ich weder bestätigen noch dementieren, dass Jürgen Klopp der Heilsbringer für den deutschen Fußball ist. Klar, er ist nachgewiesenermaßen ein internationaler Top-Trainer. Ich finde ihn nicht schlecht! Aber auch „Kloppo“ kann nicht zaubern. Er muss mit den Spielern arbeiten, die ihm zur Verfügung stehen.
Die Kinder als Vorbild
Um wieder Weltklasse zu sein, braucht es nicht nur Qualität, sondern auch die richtige Einstellung. Wir benötigen wieder mehr Leichtigkeit und Leidenschaft. Die Profis dürfen sich dabei gerne die Kinder zum Vorbild nehmen. Am 25. Juli bin ich bei der JFG Lusen im Rahmen eines öffentlichen Trainings zu Gast. Termine, die ich mit Freude wahrnehme. Zum einen, weil ich gerne in meiner Heimatregion unterwegs bin. Zum anderen, weil das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn sie den Ball sehen und damit spielen dürfen, regelrecht süchtig macht. Das ist die pure Lust am Fußball, die ich mir auch wieder von unserer Nationalmannschaft wünsche!
Bis demnächst: Euer Klaus Augenthaler
(Aufgezeichnet: Helmut Weigerstorfer)
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Für das Onlinemagazin da Hog’n blickt Klaus „Auge“ Augenthaler im Rahmen seiner Kolumne „Auges dritte Halbzeit“ auf den großen (nationalen und internationalen) Fußballzirkus, ohne dabei den Blick auf die Amateure zu vergessen. Nur für den Fall, dass den 68-Jährigen irgendjemand nicht kennen sollte: Der gebürtige Fürstenzeller, dessen Heimatverein der FC Vilshofen ist, blickt auf eine Weltkarriere zurück – als Spieler und Trainer.
Er ist unter anderem Weltmeister (1990) sowie mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger. Eng verbunden ist sein Name mit dem des FC Bayern München. Für den Rekordmeister bestritt der Libero zwischen 1976 und 1991 insgesamt 404 Pflichtspiele. Später war er zudem sechs Jahre als Trainer an der Säbener Straße aktiv. Er weiß also, was „Mia san Mia“ bedeutet…
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