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Maukenreuth. Spinnt denn der komplett? Wie ein Indianer die Tomahawks schwingend, steht der hühnenhafte Mann mit Pferdeschwanz vor einer großen Schar Kinder und fuchtelt mit seiner Fackel durch die Luft. Die Buben, Mädchen und vor allem deren alarmierte Erziehungsberechtigte folgen ihm gebannt. Vielleicht nicht vordergründig, weil sie so großen Respekt vor der folgenden Wanderung bei Einbruch der Dunkelheit haben. Sondern vielmehr, weil sich Christian Burger doch tatsächlich erhofft, dass sich seine kleinen Gäste weh tun. Spinnt denn der komplett?
Hier gibt’s einen kurzen Video-Einblick ins Kinderprogramm und das Hotel-Ambiente (Music by raspberrymusic from Pixabay):
Das seinen Ausführungen folgende charakteristische herzliche und ansteckende Lachen des 58-jährigen Gastgebers ändert zunächst nichts daran, dass man sich als fürsorgliches, mitleidendes Elternteil wünscht, sich einfach nur verhört zu haben. Erst als er seine Worte etwas näher erklärt, wird klar, was er damit meint – und man gibt ihm recht. Ja, tatsächlich! Zu 100 Prozent!

In Zeiten, in denen die Helikopter- von den Rasenmäher-Eltern immer mehr verdrängt werden, dürfen Kinder oft nicht mehr Kinder sein. Statt in den Wald zu gehen, Fußball zu spielen oder im Dreck zu wühlen, ist es inzwischen modern, dass bereits Vorschüler mindestens eine Fremdsprache sprechen, über die weltpolitische Lage Bescheid wissen – und als Krönung einen Doktortitel haben, bevor sie überhaupt die Schulbank drücken.
Stefanie und Christian Burger sowie ihr Team setzen hingegen bewusst auf die „traditionelle“ Erziehung, in denen unsere Jüngsten frei (und ab und an wild) sein dürfen. Und dazu gehört ein aufgeschundenes Knie nach einer intensiven Spieleinheit genauso dazu wie eine kleinere Blessur am Kopf, wenn’s beim beliebten „Fangerl“ mal zu heiß hergeht.
Und das – ohne vorab zu viel zu verraten – tut es im leinen Örtchen Maukenreuth (Marktgemeinde Schönberg) oft – Gott sei Dank! Herzlich Willkommen im Familotel „Landhaus Zur Ohe“! Herzlich Willkommen im Kinderpardies mit Verletzungsgarantie! Herzlich Willkommen zum Hog’n-Ausprobiat!
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+++ Ursprünge +++

Der Vater von Christian Burgers Frau Stefanie führte bereits einige Luxushotels. International – in Paris, Barcelona und auf Teneriffa. Seine Erfüllung fand er darin jedoch nicht. Ihm war immer klar, dass er sein eigenes Ding machen will. In den 80ern zog der Belgier mit seiner Frau aus dem Allgäu – und wurde auf ein interessantes Objekt aufmerksam. „Der Vorbesitzer der Anlage sollte auf Anraten des damaligen Bürgermeisters aus einem Bauernhof ein Seehotel machen, weil man die Ohe aufstauen wollte. Der Besitzer fing an zu bauen, der See kam nicht und der Betrieb wurde versteigert“, weiß Christian Burger.
Im Alter von bereits 60 Jahren hat sein Schwiegervater ein floriendes 3-Stern-Hotel aufgebaut, das Stefanie und Christian Burger 2003 übernommen haben. „Stefanie ist Hotelfachfrau, aber ich als Landschaftsarchitekt hatte wenig Ahnung von der Branche. Wir wussten aber, dass wir eine Spezialisierung brauchen, ein Alleinstellungsmerkmal.“ Sonst wäre das Seehotel ohne See relativ schnell untergegangen.
„Auf die Wellnesskarte haben zur damaligen Zeit bereits viele gesetzt – zu viele aus unserer Sicht, weshalb wir uns für ein Kinderhotel entschieden haben.“ Es war – so viel vorab – die richtige Entscheidung. In den vergangenen 20 Jahren haben die Burgers eine Anlage errichtet, die ihresgleichen sucht . „Voll durchdachte“ 55 Einheiten, in denen bis zu 200 Gäste untergebracht werden können, sind nach und nach entstanden. „Wir tun nicht einfach nur, sondern wägen jeden einzelnen Schritt genau ab.“ Das ist gelungen!
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+++ Unterhaltung +++

„Wir wollen bewusst klein bleiben“ – im Gegensatz zu ähnlichen Ressorts ist das Angebot etwas kompakter, wobei man deshalb noch längst nicht von überschaubar oder gar zu wenig sprechen kann. Es ist – auf den ersten Blick – alles da, was Kind braucht, sprich: Klassiker wie ein Fußball- und ein Spielplatz, ein Bällebad, ein Filmzimmer, eine Hüpfburg, ein Kletterraum. Alleine diese sicher nicht vollständige Aufreihung macht deutlich, dass schwitzende, von der Anstrenung rot gefärbte Kinderköpfe vorprogrammiert sind – und genauso natürlich aufgeschundene Knie!
Ahja! Und dann ist ja da noch der zweite, etwas genauere Blick: An mehr als jeder Ecke gibt es für die Buben und Mädchen etwas zu entdecken. Anfangs noch überfordert, haben die kleinen Gäste – regelmäßig im Gegensatz zu den großen – schon bald scheinbar übermenschliche Fähigkeiten entwickelt, genau zu sehen, wo denn die nächste Attraktion lauert. Selbst am Empfangstresen im Eingangsbereich sind kleinere Spiele integriert, die dafür sorgen, dass das „Check-In“ mal nicht zur nervlichen Belastungsprobe wird.
Besonders erwähnenswert – und gerade bei Mädls der absolute Renner: alles, was mit Rössern zu tun hat. Und das ist nicht gerade wenig. „Eigentlich könnte man meinen, dass es ein Muss ist, in einem Kinderhotel Pferde zu haben. Bei uns ist es umgekehrt: Die Leidenschaft für Pferde war zuerst da“, macht Christian Burger deutlich. Genau deshalb sind wohl die Reithalle und der Reitstall mehr als nur das. Aber dazu später mehr…
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+++ Kinderbetreuung +++

„Früher noch war es das absolute Highlight, wenn ein Hotel eine Kinderbetreuung hat. Da wollten die Eltern einfach nur Ruhe haben. Heute geht es vor allem darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen, was im stressigen Alltag oft nicht mehr möglich ist“, weiß der Herr im Landhaus. Freilich gibt es den üblichen „Kindergarten“ im Hotel. Er wird auch (wie üblich) gerne besucht von den Kleinsten – auch und vor allem wegen der liebevollen Betreuerinnen bzw. Betreuer. Eventuell könnten die Räumlichkeiten aber etwas größer und die Betreuungszeit etwas länger in den Nachmittag hineinragen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau!
Und viele Programmpunkte der wilden Hatz (aufgeschundene Knie!) durch den Hotel-Tag finden ohnehin gemeinsam statt. Die ansehnlich in den Reitstall integrierte Werkstatt ist praktisch Pflicht für Väter mit/und männlichen Nachfahren – aber auch für kreative Mütter und Töchter. Will man einigen der doch relativ vielen Plätze am Schraubstock ergattern, muss man schnell sein, was für sich spricht. Auch einige andere Attraktionen – oft begleitet vom umtriebigen Animationsteam – sind auf die ganze Familie ausgelegt.
Christian Burger selbst sorgt dafür, dass es – ganz nach seinem Motto – nicht ganz verletzungsfrei bleibt, sondern auch zum ein oder anderen (durch einen Hammer) malträtierten Daumen kommt: Einmal wöchentlich lädt der gelernte Landschaftsarchitekt zum kollektiven Handwerken ein. Dann entstehen im Außenbereich in Gemeinschaftsarbeit neue Gartenabschnitte – oder, wie derzeit, ein großes Baumhaus. Quality Time – das neue Familien-Wellness!
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+++ Spa-/Badebereich +++

Apropos: Wellness! Badehose oder Bikini an – und los geht’s! Die Nasszelle als solche zu beschreiben, würde dem Badebereich aber mal so gar nicht gerecht werden. Zwei Rutschen und drei Becken (eins davon im Außenbereich) sind eine Standardausrüstung, die alles andere als Standard ist. Hinzu kommen noch zahlreiche Highlights, die einmal mehr aufgrund ihrer Vielfältigkeit hier nicht komplett aufgezählt werden können. Die Massagepraxis darf natürlich nicht fehlen, genauso der Elternbereich, die Saunen und Dampfbäder sowie die Ruheräume, bei denen man schon beim Anblick entspannt dahinschlummert – auch wenn mal ein Baby seine Stimmbänder testet.
Und einmal mehr gibt es etwas, das besonders erwähnt werden muss: Ein kleines Räumchen, das die Kinder wie magisch anzieht. Darin gibt es Eis – aber nicht zum Schlecken, sondern zum Spielen: Eine Kältemaschine produziert darin Schnee. Ja, wirklich! Das winterliche Erlebnis ist eigentlich für Saunagänger zum Abkühlen gedacht. Aber keiner kann einem erzählen, dass nicht auch Schneeballschlachten rund um die Pools erwünscht sind. Sie sind vielmehr gewollt – und werden gerne gemacht!
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+++ Essen +++

Offensichtlich spinnt nicht nur der Chef im Landhaus, sondern auch diejenigen, die den Kochlöffel schwingen! Selbst die Künstliche Intelligenz (KI) kann in Sachen Kulinarik nicht helfen, wo der geneigte Redakteur längst aufgeben hat. Weder, was die Beschreibung von dem betrifft, was auf den Tellern landet. Noch bei der Übermittelung von Gerüchen und Geschmäckern. Egal, ob Speis oder Trank, das Fazit lautet: Unbeschreiblich gut!
So gibt es als „Snack“ – also als kleines Mittagsessen – unglaublicherweise unter anderem Döner zum Selbermachen oder Chicken-Nuggets, die wirklich so schmecken, wie wenn das „Mc“ mit dabei wäre. Abends gibt’s standardmäßig (hier: unpassendes Wort!) ein Buffet mit mindestens drei Gerichten, wahlweise nach Mottos wie „Bayern“, „Grill“ oder „Italien“ angerichtet. An manchen Tagen werden die Hauptspeisen auch serviert. Sehr edel, sehr schön! Geht Besonders noch besonderer?
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+++ Zimmer +++

Kann man noch von Zimmer reden? Ist das nicht bereits eine Wohnung? Die Einheit „Maxi“ verfügt über 60 Quadratmeter, auf denen man sich selbst zu fünft nicht auf den Füßen steht. Das Bad ist von der Toilette getrennt – Danke, sagt die Nase! Das Kinderzimmer bietet ausreichend Platz für müde Krieger – und auch für „böse Buben“. Denn unter einem Hochbett gibt’s ein kleines Gefängnis bzw. Versteck, das keinesfalls Angst verbreitet, sondern für enormen Spaß sorgt. Pfiffig: Die Fernseh-Niesche kann man je nach Bedarf und Lautstärkepegel mittels Rollwände abschirmen.
Es ist an alles gedacht, was den Baby- und Kinderalltag betrifft: Die Wickelauflage ist beispielswise sogar mit einem „Popo-Wasch-Apparat“ ausgerüstet – für den Fall, dass die Windel mal überfordert ist (siehe Abschnitt „Essen“). Was vielleicht etwas begrenzt ist, sind die Stauräume in Form von Schränken. Aber Chaos kann ohnehin erst gar nicht aufkommen, weil die fleißigen Helferlein täglich für Ordnung sorgen. Gute (und nachhaltige) Idee: Der Zimmerservice kommt nur, wenn man es explizit wünscht – genauso kann man den Umfang der Service-Tätigkeiten via Infotafel neben der Eingangstür selbst bestimmen.
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+++ Ambiente +++

Unter „Landhaus“ stellt man sich ein gemütliches, uriges, aber auch etwas gediegeneres und vor allem sauberes Objekt vor. Und genau das ist das Landhaus zur Ohe. Obwohl – wie üblich bei derartigen Hotels – alles nicht auf einmal gebaut wurde, sondern ein Abschnitt dem anderen folgte, wirkt alles wie aus einem Guss. Genanntes, „voll durchdachtes“ Konzept hat dafür gesorgt, aber auch regelmäßige kleinere Sanierungs- und Renovierungsarbeiten, die stets alles „neu“ erscheinen lassen.
Gerade erst fertig gestellt worden ist der Reitstall im mittleren Bereich der Anlage, der alles andere als ein herkömmlicher „Unterstand“ ist – und genau deshalb eine zentrale Rolle im Gesamtbild des Familotels einnimmt. Freilich werden im Hallen-ähnlichen Bau die Rösser geputzt und gesattelt – ein wahres Luxusressort für die vierbeinigen Mähnen-Träger. Im atmosphärischen Holzbau befindet sich aber auch die Werkstatt (siehe Abschnitt „Kinderbetreuung“), das Fitnessstudio, ein Klettergerüst sowie viele ruhige Plätze zum Verweilen.
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+++ Resümee +++
Spinnt denn der komplett? Die eingangs gestellte Frage zum geistigen Zustand von Christian Burger kann man nicht nur getrost, sondern vollkommen überzeugt mit einem nachdrücklichen „Ja“ beantworten. Das, was der 58-Jährige, seine Frau und das 75-köpfige Landhaus-Team da in Maukenreuth auf die Beine gestellt haben und täglich liefern, ist Spitzenklasse². Ein Aufenthalt im Familotel in der Marktgemeinde Schönberg reicht aus – und der Bauch ist voll, der Quality-Time-Tank restlos aufgefüllt und die Knie der Kinder hoffentlich aufgeschunden. Wichtig ist es Christian Burger, dass Letztgenanntes auch so bleibt…
Helmut Weigerstorfer
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