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Althütten (Staré Hutě) entstand nach der Aufgabe einer Glashütte, deren Nachfolgewerk in das nahegelegene Glashütten/Skelná Huť verlegt wurde. Althütten war eine der ältesten Glashütten Böhmens.

Ein Bild für das Kopfkino: Der  Ort im Hintergrund ist Althütten. Aber welcher Bub ist das? Und warum diese eigenartige Perspektive? Fotos: Der Böhmerwald

Im Grundbuch von 1445 ist der Ort bereits als Bauerndorf verzeichnet, das zur Gemeinde Honetschlag bei Oberplan gehörte und drei Siedler zählte: Petrus, Fenzl und Hanzl Angerer. 1562 wird der Name des Dorfes als „Althütten“ geführt, ebenso im Grundbuch und in der Steuerliste von 1653 mit fünf Siedlern.

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Die Bevölkerungsentwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war konstant. In unverändert acht Häusern gab es im Jahr 1900 82 Einwohner, 1921 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs waren es 69, 1930 79 Einwohner.

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Die letzten Hausbesitzer im Jahr 1945 waren:

  • Haidinger Franz und Hedwig Maurer
  • Kary Franz und Anna Bauern
  • Miesauer Franz und Theresia Schuster
  • Stürzl Johann und Maria Haneßn
  • Wenhart Johann und Maria Kulmbauer
  • Miesauer Johann und Maria Hirta
  • Domani Rudolf und Maria Dickbartl („Schäfer“)
  • Wagner Josef und Theresia Osen

In Althütten gab es fünf Bauernhöfe, die Familien Dickbartl und Thomann lebten in männlicher Linie über 200 Jahre auf demselben Hof. Nach 1946 wurde der Ort dem Erdboden gleich gemacht und verschwand von der Landkarte.

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Erfahrungsbericht von Stefanie Gerhold

Die Kapelle ist das einzige, was von Staré Hutě übrig geblieben ist.

Im Herbst 2025 führte mich ein Schriftstellerstipendium für vier Wochen nach Horní Planá. Ich verband mit der Gegend wenig. Meine Familie stammt aus einer anderen Region in Böhmen. Aber gerade hier im Böhmerwald kam ich der Anwesenheit des Abwesenden, die in den Sudetengebieten überall zu spüren ist, auf die Spur.

Es war in meiner dritten Woche, als mir auf dem Rückweg von einem Spaziergang Lenka entgegenkam. Als Leiterin des Adalbert-Stifter-Museums kümmerte sie sich während meines Aufenthalts um mich. Unter anderem hatte sie mir aus ihrer Bibliothek Stifters Roman Hochwald geliehen, der in der Gegend spielt.

An diesem Nachmittag trug sie festes Schuhwerk. Sie wandere zu einem verschwundenen Ort, erzählte sie mir, nur eine Kapelle stehe noch dort. Ehemalige Bewohner, die aus Deutschland und Österreich herkämen, hätten sie wieder aufgebaut. Alle paar Wochen sehe sie nach dem Rechten.

Ein kalter Wind blies, während wir uns zwischen den Kuhweiden unterhielten. Wenn sie sich bei diesem Wetter auf den Weg macht, dachte ich, muss ihr diese Sache wirklich am Herzen liegen. Es sei ein magischer Ort, eine besondere Energie sei dort zu spüren, erklärte sie mir, bevor wir uns verabschiedeten.

Vielleicht sollte ich auch dorthin gehen, dachte ich an diesem Abend. Bisher waren mir die Wunden der Geschichte hier verborgen geblieben. Genau diese Unsichtbarkeit war es, die mich bei meinen Spaziergängen durch die prachtvolle Natur in Unruhe versetzte.

Das Funkeln des Sternenhimmels – etwas Trügerisches

Alhütten aus der Vogelperspektive (Klicken zum Vergrößern)

Der Böhmerwald hatte viel Gewalt gesehen. In der NS-Zeit gab es hier Arbeitslager, nach dem Krieg wurde fast die gesamte deutschsprachige Bevölkerung vertrieben. Der Eiserne Vorhang erledigte den Rest. Gleich hinter Horní Planá begann das militärische Sperrgebiet, das außer Grenzsoldaten niemand betreten durfte.

In der Üppigkeit der Wälder, dem Funkeln des Sternhimmels sah ich etwas Trügerisches, das mich argwöhnisch machte. Schwärmen wir auch deshalb so gern von der Natur, fragte ich mich, weil sie es uns gestattet, nichts mehr von unseren Verwüstungen zu sehen?

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg. Der Ort war als Staré Hutě auf der Landkarte eingezeichnet und etwa eine Stunde zu Fuß entfernt. Ich ging einige Zeit durch einen Wald, dann vorbei an hügeligen Wiesen, als sich der Bewuchs links und rechts der schmalen Asphaltstraße veränderte. Die Bäume zu beiden Seiten bildeten nun eine ansteigende Allee. Offenbar ging ich genau die Strecke, auf der sich früher die Pferdefuhrwerke der Bauern bergan gequält hatten.

Eine eigentümliche Melancholie befiel mich, als durch das lichte Herbstlaub ein helles Gebäude zutage trat. Es war die Kapelle. Kurz darauf erreichte ich das frisch renovierte Gebäude, auf dessen geschwungenem First ein gedrungener Glockenturm saß. Daneben standen ein Kastanienbaum und eine Bank. Sonst war dort nichts. Nur Leere.

Eine ganze Weile stand ich einfach da. Ich wollte das Abwesende begreifen, herausfinden, wie sich das Nichts anfühlt. Da löste sich von dem Kastanienbaum ein Blatt. Ich meinte zu hören, wie es fiel. Als es auf der Erde auftraf, knisterte es. Ein Luftzug bewegte die Zweige. Teilten sie mir etwas mit? Bleibt etwas zurück in dem Fehlen? Ich begriff das nicht.

Es fehlte nicht viel – und ich hätte die Menschen gesehen

Durch eine Holztür betrat ich die Kapelle. Hinter einem Eisengitter mit geschmiedeten Ranken befand sich ein einfacher Altar mit einem Holzkreuz. Ein farbiges Glasfenster dämpfte das Licht. Aber vor allem beschäftigte mich das Echo. Es flüsterte mir von den Wänden entgegen, obwohl ich keinen Laut von mir gab.

Althütten, wie der Ort auf Deutsch hieß, als er noch ein Ort war, wurde zum ersten Mal im Jahr 1445 als Siedlung erwähnt. 1945 umfasste das Dorf acht Höfe. Die größten hießen nach ihren Besitzern Dickbartl, Klum-baun, Hannesn, Osn und Baun, dort lebten an die achtzig Menschen. Alte Fotografien, die im Vorraum der Kapelle hingen, zeigten die stattlichen Häuser mit der Kapelle in ihrer Mitte, dazwischen einige Gänse und bäuerlich gekleidete Menschen. Draußen wies mit Ausnahme einer Infotafel nichts mehr auf das frühere Leben hin.

Oder doch?

Nahe der Kapelle stieß ich nach kurzer Zeit unter dem Gras auf den Rest einer Mauer. Das Wiesenstück davor konnte ein Garten gewesen sein, in dem knorrigen Gehölz meinte ich einen alten Obstbaum zu erkennen. Es fehlte nicht viel, und ich hätte die Menschen gesehen, die im Sommer in seinem Schatten sitzen.

Wie eine Seele, die keinen Frieden findet?

Eine Infotafel vor Ort wirft einen Blick in die Vergangenheit des verlassenen Dorfes.

War das die Magie, von der Lenka sprach? Wie war es möglich, dass ich etwas wahrnahm, das gar nicht da war? Ich fragte mich, ob die verschüttete Geschichte hier schwebt wie eine Seele, die keinen Frieden findet, als über mir ein zartes Klingeln ertönte. Es war ein Windspiel, das jemand in einen Baum gehängt hatte.

Der Rückweg führte mich an einem kleinen Steinbruch vorbei. Einige pyramidenförmige Blöcke lagen dort herum, vermutlich Panzersperren. Orte wie Staré Hutě, die innerhalb des militärischen Sperrgebiets lagen, wurden nach der Vertreibung der Bewohner abgerissen. Sie sind nicht verschwunden. Unsere Sprache macht die Gewalt unsichtbar. „Verschwinden“ klingt so organisch und behutsam. Das störte mich zunächst, aber dann dachte ich an das Windspiel und dass Andenken immer den Wunsch nach Linderung in sich birgt, und das wollte ich respektieren.

Als ich einige Tage darauf Lenka in ihrem Museum besuchte, stand im Eingangsbereich ein Korb mit kleinen schrumpeligen Äpfeln. Ich erinnerte mich an den alten Obstbaum in Staré Hutě. Lenka erzählte mir, sie kenne einen Herrn, der jedes Jahr zu dem früheren Ort seiner Familie wandere, um in dem ehemaligen Garten die Birnen zu pflücken. Es werden immer weniger, fügte sie hinzu, in diesem Jahr waren es gerade noch zwei. Wie nennt man die verschwundenen Orte auf Tschechisch?, wollte ich von ihr wissen. „Zaniklé obce“.

Der Mutwillen der Zerstörung

„Zaniklý“ heißt verschwunden. Genau wie das Deutsche verschweigt die tschechische Bezeichnung den Mutwillen der Zerstörung. Aber das tschechische Wort greift in seiner Bedeutung ein wenig weiter aus. »Zaniklý« kann auch „untergegangen“ heißen, „erloschen“. Es ist nur eine Nuance, aber in „erloschen“ hallt die Erfahrung nach, wie ich sie gemacht habe. Das tschechische „zaniklý“ lädt mich ein, an all die Sterne zu denken, deren Licht wir am Nachthimmel sehen, obwohl sie längst erloschen sind. Im Böhmerwald sind es ein paar mehr…

Jiří Novotný und Stefanie Gerhold

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1 Gedanken zu „Verschwundenes Behm (6): Melancholische Magie von Althütten

  1. Auch meine Urgroßtante kam aus diesem Gebiet, vertrieben und von der Familie getrennt. Im Alter von 20 Jahren ist sie mit ich glaube 2 Geschwister nach Deutschland. Und der Rest der Familie wurde nach Tschechien getrieben… Meine Tante erzählte nicht viel von ihrer Kindheit… Bloß das sie noch 3 Geschwister und 2 Brüder gehabt hat. Und sie nie wieder gesehen hat seit der Vertreibung.

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