Winterberg (Vimperk)/Neuschönau. In enger Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Šumava und der tschechischen Agentur für Natur- und Landschaftsschutz hat der Forstbetrieb „AP Lesnická“ vor ein paar Wochen ein junges Luchsweibchen im Schutzgebiet Brdy in die Freiheit entlassen. Dies stellt einen historischen Meilenstein in der Tschechischen Republik dar, denn: Zum ersten Mal ist es geglückt, ein verwaistes Luchsjunges zu retten, es weitgehend isoliert vom Menschen aufzuziehen und fit für ein eigenständiges Leben in der Wildnis zu machen.

Für den Luchsbestand in Brdy ist das Weibchen von zentraler Bedeutung – vorausgesetzt, es lebt sich gut ein und findet einen Partner zur Fortpflanzung, wie in einer gemeinsamen Pressemitteilung von AP Lesnická, der Nationalparkverwaltung Šumava und der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik zu lesen ist.
„Für AP Lesnická ist die Möglichkeit einer dauerhaften Rückkehr des Eurasischen Luchses eine sehr gute Nachricht. Auf den rund 4.000 Hektar Waldfläche in Brdy, die wir seit langem nachhaltig bewirtschaften, betrachten wir die Anwesenheit dieses seltenen Raubtiers als wichtiges Zeichen für ein gesundes und funktionierendes Waldökosystem. Eine stabile Luchs-Population kann gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Anpassung der Wälder in Brdy an den fortschreitenden Klimawandel leisten, da sie dazu beiträgt, das natürliche Gleichgewicht des Wildbestands aufrechtzuerhalten und den Druck auf die Waldverjüngung zu verringern. Dadurch können artenreichere und widerstandsfähigere Wälder auf natürliche Weise besser wachsen“, erklärt Josef Hrdina von AP Lesnická.
Die Pflege eines gefundenen Luchsjungen
„Das verwaiste Luchsjungtier wurde im Herbst 2025 im westlichen Teil des Nationalparks Šumava gefunden. Zunächst wurde es in die Rettungsstation der Nationalparkverwaltung Šumava in Klášterec bei Vimperk gebracht und anschließend in eine spezialisierte Einrichtung im Tier-Freigelände des Nationalparkzentrums Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald. Diese Einrichtung verfügt nämlich über einzigartige Bedingungen für die Pflege verletzter oder verwaisteter Luchse“, sagt Jan Mokrý, leitender Zoologe der Nationalparkverwaltung Šumava.
„Das Hauptziel war, dass sich die junge Luchsin nicht an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Seit vergangenem November befand sie sich in einem abseits gelegenen Gehege, wo sie fast keinen Kontakt zu Menschen hatte. So hat sie ihre natürlichen Jagdinstinkte und ihre Scheu bewahrt, um in die freie Natur zurückkehren zu können“, erklärt die Tierärztin Susanne Klett, fachliche Leiterin der Tier-Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald.
Ein Schlüsselindividuum für Brdy
„Aus bisherigen Erfahrungen mit ähnlichen Fällen in anderen Teilen Europas geht hervor, dass die Auswilderung eines rehabilitierten Luchs-Waisenkindes am erfolgreichsten ist, wenn sie in einem Gebiet mit sporadischem Vorkommen des Luchses erfolgt, eher am Rande des Populationsgebiets, wo das junge Tier leichter ein freies Revier findet. Bei Weibchen, die in der Regel vorsichtiger sind und Hindernisse bei Fernwanderungen schwerer überwinden, könnte ein solcher Schritt auch der gesamten Population zugutekommen. Deshalb wurde Brdy als idealer Ort ausgewählt“, ergänzt Elisa Belotti, Zoologin der Nationalparkverwaltung Šumava.
Trotz geeigneter Bedingungen wurden in Brdy in den vergangenen Jahren nur wandernde Luchsmännchen aus dem Böhmerwald gesichtet. „Gerade wegen des Fehlens von Weibchen kam es im Landschaftsschutzgebiet Brdy bislang weder zu einer Fortpflanzung der Luchse noch offenbar zur Bildung eines stabilen Reviers. Daher ist dieses Luchsweibchen für das Gebiet im Hinblick auf den künftigen Bestand der Art außerordentlich wertvoll. Es handelt sich um einen Sonderfall: Wir setzen dieses Tier in einem Gebiet aus, das Luchse regelmäßig besuchen. Unser Ziel ist es nicht, sie an Orte zurückzubringen, an denen sie nicht vorkommen“, erklärt Jindřiška Jelínková, Leiterin der Abteilung für Artenschutz bei der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik.
Monitoring mittels Telemetrie-Halsband
Vor der Freilassung wurde dem Weibchen, das den Namen „Jane“ erhalten hat, ein Telemetrie-Halsband angelegt. Dieses ermöglicht es Wissenschaftlern und Naturschützern, ihre Bewegungen im Gelände, ihren Jagderfolg und ihre Anpassung an die neue Umgebung zu verfolgen. Die Daten aus dem Halsband werden entscheidend sein, um die erfolgreiche Eingewöhnung der Luchsin in ihrer neuen Umgebung zu überprüfen und das gesamte Rehabilitationsprojekt zu bewerten.
„Dieser Fall beweist, dass auch verwaiste Jungtiere eine Chance auf Rückkehr haben, wenn sie die richtige Pflege erhalten. Für den tschechischen Naturschutz ist dies ein großer Meilenstein. Das wäre natürlich ohne die Zusammenarbeit mit der AP Lesnická nicht möglich gewesen, die das Landschaftsschutzgebiet Brdy schonend bewirtschaftet – vielen Dank“, fügt Bohumil Fišer von der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik hinzu.
da Hog’n
Info: Der Luchs ist eine stark gefährdete Art, die in der Tschechischen Republik bislang nur in den Gebieten Šumava, Český les und Novohradské hory sowie im Osten in den Beskiden stabil vorkommt. Der Gesamtbestand im tschechisch-bayerisch-österreichischen Grenzgebiet beträgt nicht mehr als 120 bis 140 Tiere. Es handelt sich um ein territorial lebendes Raubtier aus der Familie der Katzen, das vielen Gefahren ausgesetzt ist. Jährlich kommen mehrere dutzend Tiere bei Verkehrsunfällen ums Leben oder fallen Wilderern zum Opfer. Seine bevorzugte Nahrung sind Rehe, die er nach dem Fang an einem sicheren Ort versteckt und über mehrere Tage auffrisst.
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So was Schönes! … zeigt wieder mal, dass wir Menschen durchaus auch in der Lage sind, förderlich zum Leben auf der Erde beizutragen – eine Freude in diesen Zeiten. Wirklich altruistisch wäre es sicher gewesen, wenn die Kollegen auf den Sender verzichtet hätten, aber ihre Neugier mag verständlich sein und am Ende vielleicht auch hilfreich …