Bayerischer Wald. 38,6 und 37,2. Dies sind die Zahlen des Wochenendes – und zwar aus einem besonderen Grund: Beides sind die höchsten Temperaturen, die in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau jemals unter modern-wissenschaftlichen Standards gemessen worden sind. Und damit auch die Werte, die in die Klima-Statistik der amtlichen Wetterstationen in Aldersbach (repräsentativ für den Kreis PA) und Saldenburg (für FRG) einfließen.

Es mag in manchen „Hitze-Kesseln“ der Region vielleicht noch einen Tick heißer gewesen sein – und sicher haben auch wieder manche mit ihren in der Sonne hängenden Quecksilber-Thermometern 50 Grad und mehr gemessen. Doch das alles ändert nichts daran, dass der gestrige Sonntag, 28. Juni 2026, der heißeste Tag der jüngeren Klimageschichte in der Region war.
Was dabei auf den ersten Blick in die Geschichtsbücher auffällt: Gebrochen wurden überaus alte Rekorde. Im Falle von Aldersbach waren es 37,9 Grad aus dem Jahr 2003; der alte Rekord für Saldenburg betrug 36,0 Grad, ebenfalls im selben Sommer vor 23 Jahren gemessen. Also nur eine Erwärmung von 0,7 bis 1,2 Grad, gemittelt nicht einmal ein läppisches Grad Celcius in diesen langen 23 Jahren? War es demnach also doch immer schon so heiß? Und den Klimawandel – wie es uns immer und überall gepredigt wird – gibt’s also doch nicht? Und wenn doch, dann fällt dieser mit seinen plus 1 Grad binnen 23 Jahren gar nicht so dramatisch aus?
Der „Ofen“ ist noch gar nicht richtig aufgeheizt
Ganz so einfach ist es leider nicht! Erstens müssen wir bedenken, dass extreme Tagestemperaturen – egal, ob extrem hoch oder extrem tief – stets viel mehr von der aktuell herrschenden Wetterlage bestimmt werden als vom durschnittlichen, langjährigen Klima einer Region. Für beide Rekorde – alt und neu – wurden optimale Bedingungen benötigt: heiße Südluft, Windstille und ein wolkenloser Himmel. Das sind die Zutaten, die es braucht, um einen absoluten Hitzerekord aufzustellen. Und an beiden Messzeitpunkten – damals wie heute – traten all diese Zutaten gleichzeitig auf. Dass dabei also ähnliche Werte herauskommen, ist nur logisch.
Nun kommt jedoch der große Unterschied zwischen altem und neuen Rekord ins Spiel – und der liegt im Datum begründet. Während die alten Rekord aus dem August 2003 stammen, bei denen sich bis dahin die Nordhalbkugel den gesamten Sommer über aufwärmen konnte, wurden die neuen Rekorde bereits im Juni aufgestellt – sprich: rund zwei Monate früher. Und dennoch war es sogar noch einen Tick heißer als vor 23 Jahren. Der „Ofen“ ist also noch gar nicht eimal richtig aufgeheizt – und trotzdem konnte man auf den Motorhauben bereits Spiegeleier braten.
Genau das ist es, was nachdenklich machen sollte. Wenn heutzutage solche extremen Luftmassen, die früher nur im August möglich waren, jetzt schon im Juni auftreten können – was hat dann der August erst für ein Potenzial, sollte sich wieder so ein Hitze-Hoch über Europa festsetzen? Das Ganze bleibt natürlich so lange ein Gedankenspiel, bis es eintritt – und wir werden es spätestens dann wissen, wenn es so weit ist.
Genau DAS ist der Klimawandel
Wenn man obige Statistik einmal genauer betrachtet, ahnt man aber bereits, wohin die weitere Reise gehen wird. Jeder Balken steht für ein Jahr – und die Höhe des Balkens dafür, wie oft in dem betreffenden Sommer 30 Grad und mehr gemessen worden sind. Auf den ersten Blick ist erkennbar, dass es früher selten mehr als 30 Grad hatte, heute hingegen um ein Vielfaches häufiger. Ja, klar, es gab auch früher heiße Tage – doch damals konnte man diese noch an zwei Händen und einem Fuß abzählen.
Heute braucht man dafür bereits alle acht Gliedmaßen von zwei Personen. Genau DAS ist der Klimawandel.
In diesem Sinne eine (endlich) etwas kühlere, neue Woche!
Euer Hog’n-Wetterfrosch Martin Zoidl
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Im Regenfluss raffen gerade die hohen Temperaturen die geschützten Mühlkoppen ua. dahin.