Werbung

Verpasse keine Nachrichten ausm Woid!

Füge hogn.de als bevorzugte Quelle bei Google hinzu.

Bei Google hinzufügen

 

Tittling. Seit mehr als 200 Jahren gehört zur Hammerschmiede an der Schneidermühle ein Wirtshaus. Josef und Martina Alteneder führen den Betrieb. Wo früher Steinhauer und Glasbläser ihren Durst löschten, sitzen heute Wanderer, E-Biker und der „Stammtisch der Flaschenöffner“ beisammen. Geblieben ist das Bier aus dem Naturkeller – mit seit jeher stets derselben Temperatur.

Wirt Josef Alteneder in seinem Element: Hinter der Theke, wo das Naturkeller-Bier aus dem Zapfhahn fließt, hat er die beste Übersicht und fühlt sich durchaus wohl. Foto: Stephen Hahn
Werbung

Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Schneidermühle gehen laut Tittlinger Taufbuch bis ins Jahr 1769 zurück. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Mühle dann zur Hammerschmiede umgebaut, gegründet von Anton Sedlmayer. Zunächst stauten zwei, später drei Teiche das Wasser des Baches – und lieferten über große Wasserräder die nötige Energie.

Werbung

Der Ortsname Schneidermühle hat übrigens nichts mit dem Schneiderhandwerk zu tun: Er leitet sich vielmehr vom Klappern der Mühle ab, von „schnater“ und „schnäderl“, woraus sich im Lauf der Zeit der heutige Name entwickelte. Bis 1803 verlief hier an einer Furt sogar die Grenze zum damaligen Fürstbistum Passau.

Heiße Eisen, kalte Getränke

Die Schmiede verrichteten einst Schwerstarbeit – und hatten daher ordentlich Durst. Foto: Alteneder

Seit 1933 befindet sich das gesamte Anwesen im Eigentum der Familie. Josef Altenenders Mutter führte neben dem Wirtshaus eine Landwirtschaft, der Vater rackerte in der Schmiede. Handwerker aus der ganzen Region fanden seit jeher den Weg ins Ilztal, um sich hier ihre Werkzeuge schmieden zu lassen. Während der Schmied mit seinem Hammer das glühende Eisen formte, hielt man sich gemeinschaftlich in der Wirtsstube auf – und erzählte, diskutierte, spekulierte.

Heute führt Franz Alteneder, der Bruder des Wirts, die Schmiede – als Kunstschmiede und Metallbau, mit Kunden aus dem In- und Ausland. Das dumpfe Schlagen des Hammerwerks und das helle Klingen des Stahls gehören weiterhin zum Alltag in der Schneidermühle, direkt neben dem Wirtshaus „Zur Hammerschmiede„, mit dazu.

Das dortige Bier lagert seit jeher im Naturkeller, gleich neben dem großen Wasserrad. Deshalb hat es noch heute immer dieselbe Temperatur. Was sich geändert hat, ist die konsumierte Menge: Steinhauer und Glasbläser hatten einen Durst, dem die heutigen Gäste wohl nichts mehr entgegenzusetzen haben. Der Trend zu alkoholfreien Getränken hält an.

Der Wert des Wirtshauses für die Gemeinschaft zeigt sich aber weiterhin. Um zehn Uhr morgens kommen regelmäßig die ersten Gäste, der tägliche Vormittagsstammtisch. Besonders stark besucht ist der Sonntagvormittag, wenn die Einheimischen aus der Umgebung zusammenkommen – ein fester Termin.

Die „Flaschenöffner“ werden weniger

Blick in die Schneidermühle um das Jahr 1970. Foto: Alteneder

Seit 1979 findet der „Stammtisch der Flaschenöffner“ in der Schneidermühle sein zweites Zuhause. Gegründet hat ihn einst eine Gruppe Jugendlicher, Jahrgänge um 1963 und 1964, aus Witzmannsberg, Tittling und Perlesreut, die damals mit sechzehn, siebzehn Jahren anfingen, sich regelmäßig zu treffen. Einmal im Monat – traditionell am Samstag – kommen sie sich noch immer zusammen. Sie haben dem Wirtshaus über die Jahre hinweg die Treue gehalten. Doch der Stammtisch wird kleiner: Es fehlt der Nachwuchs…

Einen weiteren Stammtisch gibt es noch: die „Bayern1-Freunde„, die hier ihrer Begeisterung für den Radiosender und dessen Moderierenden frönen – inklusive einer Weihnachtsfeier zum Jahresabschluss.

Die Ilz, die „schwarze Perle des Bayerischern Waldes“, und das Ilzer Land haben dem Wirtshaus über die Jahre hinweg zahlreiche Gäste gebracht. Wanderer, immer mehr E-Biker, Motorradfahrer und Pferdefreunde finden den Weg zur Schneidermühle. Wer mit dem Pferd kommt, kann es auf einer eingezäunten Weide nahe der Terrasse seine eigene Pause einlegen lassen. Besonders an warmen Tagen sind die Tische und Stühle im Biergarten voll besetzt – und hinter dem Wirtshaus, gleich neben der alten Schmiede, steht eine urige Holzhütte, in der sich Gesellschaften bis zu 20 Personen für Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern zum Reindl- oder Ripperlessen verabreden.

Weniger Kneipe, mehr Kulinarik

Urige Holzhütte, in der sich Gesellschaften bis zu 20 Personen für Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern einmieten können.Foto: Alteneder

Seit rund vier Jahren hat die Lokalität ihre Speisekarte umgestellt. Martina Alteneder führt die Küche – und das sehr gut, wie die Gäste bestätigen. Früher hatte das Wirtshaus eher den Ruf einer Kneipe – viele wussten gar nicht, dass man hier auch schmackhaftes Essen kredenzt bekommt. Doch das hat sich inzwischen herumgesprochen – bei Einheimischen wie bei Gästen von außerhalb.

Auf der Karte stehen bayerische Klassiker wie Zwiebelrostbraten, Grillteller, Cordon bleu und Schnitzel, sonntags auch Schweinsbraten. Serviert wird vieles in schmiedeeisernen Pfannen – das Essen brutzelt noch, wenn es auf den Tisch kommt. Die Pfannen stammen nicht aus der eigenen Schmiede, sondern von einem Großcousin in Waldkirchen, der sie wiederum in seiner Hammerschmiede fertigt. Daneben gibt es längst auch vegane Gerichte, etwa ein Gemüsecurry in Kokosmilch mit Basmatireis.

Die Küche ist aber nicht nur bayerisch geprägt. Martina Alteneder bringt zudem slowakische und tschechische Familienrezepte mit ein – etwa die slowakische Sauerkraut-Cremesuppe mit Creme fraîche und Klobása, einer geräucherten Wurst, die erst gekocht und dann kleingeschnitten in die Suppe gelangt. Hergestellt wird sie von Martinas Mutter und Tante in der Slowakei, früher stammte das Brät noch von den vor Ort geschlachteten Schweinen, heute aus zugekauftem Fleisch. Aus Tschechien kommt die Knoblauchsuppe mit geriebenem Käse und Brotwürfeln, im Volksmund auch „Elixier der Jugend“ genannt. Ein wortwörtlicher Hit sind die Powidl-Tascherl: Kartoffelteigtaschen, gefüllt mit Pflaumenmus, Zucker und zerlassener Butter – ein Gaumenschmeichler, dem sogar ein eigenes Lied („Powidltatschkerln“, gesungen u. a. von Peter Alexander) gewidmet wurde.

Geöffnet hat das Wirtshaus an sechs Tagen in der Woche, Dienstag ist Ruhetag. Mittags kommen vor allem Handwerker, die ihre Mittagspause hier verbringen, dazu Urlauber, die beim Wandern oder auf dem Rad unterwegs sind. Montags, mittwochs und donnerstags gibt es ein Abo-Gericht. Die warme Küche endet normalerweise um halb acht Uhr abends, im Sommer – bei starkem Betrieb – gerne auch mal später…

Stephen Hahn


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert