Bischofsmais. Seit mehr als einen Monat befindet sich Walter Nirschl im Ruhestand. Nach 18 Jahren als Bürgermeister hat er endlich Zeit für „viel Arbeit rund um das Haus“. Komplett verabschiedet hat sich er sich von kommunalen Angelegenheiten aber nicht. Zu sehr ist er interessierter Bischofsmaier Gemeindebürger, zu sehr war er drin in der Materie, zu viel Herzblut steckt in vielen Projekten. Ein zentrales Thema seiner Amtszeit war das „Charm Hotel“ in Habischried – genauer gesagt: dessen Verfall. Wenig verwunderlich, dass Nirschl von einem „Glücksfall“ spricht, weil das Areal nun endlich versteigert werden konnte.

Neuer Eigentümer – neue Chance? 1974 als Kur- und Erholungsheim der Firma Siemens erbaut, war die Hotelanlage am Fuße des Geißkopfes über Jahrezehnte hinweg ein touristisches Aushängeschild der Region. Aus dem Leuchtturm wurde allerdings mehr und mehr ein Sorgenkind, ja ein Schandfleck. Nachdem das insolvente „Charm Hotel“ 2016 komplett geschlossen hatte, mauserte es sich zum Hotspot für „Lost Places„-Jäger – und somit zum Brennpunkt für Hausfriedensbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung.
Verlassen, verwüstet – und schließlich auch noch abgebrannt. Das Feuer, das im Juli 2022 weite Teile des weitläufigen Gebäudes zerstört hat, wird aufgrund seines Ausmaßen wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Über 450 Feuerwehrmänner konnten mit großer Energieleistung ein Übergreifen des Feuers auf den Wald und somit die komplette Katastrophe verhindern. Nach diesem aufsehenerregenden Ereignis kehrte wieder (gespenstische) Ruhe ein, während im Hintergrund die Zwangsversteigerung in die Wege geleitet worden ist, die nun endlich vollzogen werden konnte.
Endlich haben „Hiesige das Sagen“

Diese hat das zuständige Amtsgericht Deggendorf am 22. Mai durchgeführt, wie Sprecherin Kristin Wendler auf Hog’n-Nachfrage mitteilt. Es wurde nicht nur das Hotel als Gebäude versteigert, sondern das gesamte Areal, das aus mehreren Grundstücken besteht. Um den Komplex an den Mann (oder die Frau) zu bringen, waren zwei Durchgänge nötig – beim ersten Termin wurde der Mindestpreis nicht erreicht. Welche Summe nun letztlich bezahlt worden ist, dürfe Richterin Wendler nicht preisgeben.
Genauso fällt unter den Datenschutz, wer der neue Inhaber ist. Nur so viel: Eine Personengesellschaft mit Sitz in Deggendorf ist laut Amtsgericht nun Eigentürmer des früheren Simens-Kurheims – und das unverzüglich. „Bei einer Zwangsversteigerung geht das Eigentum sofort mit der Verkündung des Zuschlagsbeschlusses durch den Rechtspfleger auf den neuen Eigentümer über. Der spätere Eintrag im Grundbuch hat nur noch eine berichtigende Funktion“, informiert Kristin Wendler.
Walter Nirschl sieht diese Entwicklung durch und durch mit Wohlwollen. Vor allem die Tatsache, dass „nun Hiesige das Sagen haben und sie deshalb greifbarer sind als der belgische Insolvenzverwalter“, stimmt ihn zuversichtlich.
Das Bürokratische scheint nun geklärt bzw. in geordnete Bahnen zu laufen. Und vom Potenzial des Geländes in Habischried ist der ehemalige Bürgermeister ohnehin weiterhin überzeugt: „Der Bikepark, der Geißkopf – du hast da alle Möglichkeiten.“ Blüht das Charm Hotel also wieder auf? Walter Nirschl wird das ganz genau beobachen. Zeit genug hat er nun…
Helmut Weigerstorfer
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Das war doch eine öffentliche Versteigerung. Warum ist alles geheim und hätte sowieso erfahren, dort gewesen wäre.