Freyung ist in diesem Jahr Schauplatz einer der wichtigsten Kulturveranstaltungen Bayerns. Die Bayerische Landesausstellung hat die Stadt nahe der bayerisch-tschechischen Grenze in ein Zentrum für Musik, Kultur und Begegnung verwandelt. Besucher erwartet hier keine traditionelle Museumsausstellung, sondern ein modernes, interaktives Projekt, das Geschichte mit neuester Technologie verbindet, Hunderte von Konzerten bietet und zur aktiven Teilnahme einlädt.

Obwohl die Ausstellung ein rein bayerisches Projekt ist, haben die Macher auch an die tschechische Besucherinnen und Besucher gedacht. Dank der zweisprachigen Präsentation der Ausstellung und eines Teils des Begleitprogramms können auch Menschen jenseits der Grenze sie in vollen Zügen genießen. Darüber hinaus sind auch Persönlichkeiten aus Tschechien an der Präsentation der Ausstellung beteiligt – so wie Libor Pražan , der als tschechischer Gästeführer in Freyung arbeitet und eine originelle Gitarrenwerkstatt im neuen „GewölbeHof“ leitet, in der vor den Augen der Besucher ein echtes Musikinstrument entsteht (da Hog’n berichtete).
Im Interview mit unserem tschechischen Partnerportal Šumava.eu beschreibt Pražan nicht nur die Faszination seines handwerklichen Mitmach-Projekts, sondern blickt auch auf die traditionsreiche Winterberg-Woche (3. bis 12. Juli) sowie die verbindende Kraft der Musik im Grenzraum…
„Ich freue mich auf all die interessanten Ideen“
Herr Pražan: Ihre Gitarrenwerkstatt im „GewölbeHof“ stößt auf reges Interesse. Wie kam es zu der Idee, ein Musikinstrument direkt vor den Augen der Besucher zu bauen? Und was können diese während des Prozesses beobachten?
Die Idee für eine Gitarrenwerkstatt, in der unter aktiver Beteiligung der Besucher eine echte Gitarre entsteht, stammt von mir. Sie basiert auf meiner langjährigen Erfahrung mit Workshops, die ich als Gitarrenbauer und -restaurator in meiner Heimat Böhmen geleitet habe. Im Dezember stellte ich sie unserem Programmchef Roland Pongratz vor. Er war sogleich begeistert – und so entstand im Februar und März eine kleine, aber voll funktionsfähige Gitarrenwerkstatt mit einer kleinen Ausstellung historischer Geigen- und Gitarrenwerkzeuge.

Die Idee dahinter ist, dass jeder Besucher aktiv mitwirken und so persönlich an der Entstehung dieses Instruments teilhaben kann. Das heißt, nicht nur passiv zuzusehen, sondern für kurze Zeit selbst zum Gitarristen zu werden. Und genau das entspricht dem Gesamtkonzept der Ausstellung „Musik in Bayern“: alles lebendig, kontaktfreudig und erlebnisorientiert zu gestalten und den Besuchern neue Erfahrungen und Freude zu schenken.
Sobald die Gitarre fertiggestellt ist: Wohin werden ihre nächsten Schritte führen? Wird sie Teil der Ausstellung bleiben oder wird sie in den Händen von Musikern ein neues Leben erhalten?
Wir bereiten derzeit eine öffentliche Umfrage vor, deren Ziel es ist, einen Namen für die Gitarre zu finden. Ich freue mich auf all die interessanten Ideen, aus denen wir dann den Gewinnerentwurf auswählen und die Gitarre im Rahmen eines unserer zahlreichen Konzerte feierlich auf der Bühne einweihen werden. Anschließend wird Roland Pongratz sie für die Bayerische Volksmusikakademie übernehmen, wo sie jungen Gitarristen dienen wird.
Und ich bin überzeugt, dass unsere Gitarre – sollte in ferner Zukunft irgendwo in Bayern eine Musikausstellung stattfinden – sicherlich zu den Hauptattraktionen zählen wird. Schließlich haben bisher 135 Mitgestalter im Alter von vier bis 100 Jahren an ihrer Entstehung mitgewirkt – und wir haben bereits ein Viertel der gesamten Ausstellungsdauer hinter uns.
Winterberg-Woche vom 3. bis 12. Juli in Freyung
Im Juli findet ja traditionell die Winterberg-Woche in Freyung statt. Wie kam es zu der Idee, Winterberg und sein kulturelles Leben einem bayerischen Publikum vorzustellen? Und wer wird am Programm beteiligt sein? Welche Bedeutung hat diese Kooperation Ihrer Meinung nach für die tschechisch-bayerischen Beziehungen?

Die Winterberg-Woche in Freyung setzt die langjährige Partnerschaft zwischen den beiden Städten fort, die seit über zwanzig Jahren besteht. In den letzten Jahren fand die Freyung-Woche in Winterberg alle ungeraden Jahre und die Winterberg-Woche in Freyung alle geraden Jahre statt. Meiner Meinung nach ist das eine wunderbare und brillante Idee. Die Gaststadt hat jeweils eine ganze Woche Zeit, ihre Geschichte, Kultur und Künstler, aber auch die Gegenwart und den Alltag in der Partnerstadt zu präsentieren.
Die Hauptakteure dieser mittlerweile traditionellen jährlichen Veranstaltung sind Martin Sichinger auf tschechischer und Heinrich Vierlinger auf deutscher Seite. Erwähnenswert ist hierbei der Verein Šumava Litera, ohne dessen aktive Beteiligung die Veranstaltung in ihrem heutigen Umfang und ihrer Form nicht möglich wäre.
Die diesjährige Winterberg-Woche in Freyung findet von Freitag, 3. Juli, bis Sonntag, 12. Juli, statt – und bietet ein abwechslungsreiches Programm. Besucher können sich auf Konzerte von Winterberger Musikern, Vernissagen und Ausstellungen, Auftritte der bekannten Majorettengruppe Minima, Vorträge, Diskussionen und viele weitere Veranstaltungen freuen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, den Einwohnern von Freyung und des gesamten Bayerischen Waldes das Leben auf der tschechischen Seite der Grenze näherzubringen, ihnen das moderne Winterberg vorzustellen und ihnen zu zeigen, wie vielfältig das kulturelle und soziale Leben der Stadt ist. Im nächsten Jahr werden die Rollen dann getauscht – und Freunde aus Freyung kommen mit ihrem Programm nach Winterberg.
„Keine gewöhnliche Museumsausstellung“
Die Landesausstellung stößt auch bei tschechischen Besuchern auf Interesse. Was macht sie für sie so attraktiv und wie lauten die ersten Reaktionen derjenigen, die sie bereits gesehen haben?

Ja, es war deutlich, dass die Organisatoren auch uns, die Nachbarn aus Tschechien, einbeziehen wollten. Freyung liegt nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt – und wie bereits erwähnt, gehören die tschechisch-bayerischen Beziehungen hier zum Alltag. Daher war es naheliegend, die Ausstellung auch auf Tschechisch vorzubereiten. Tschechische Besucher sind herzlich willkommen und können die Ausstellung genauso genießen wie Besucher aus Deutschland.
Darüber hinaus ist Musik eine universelle Sprache. Jemand sagte einmal treffend, Musik kenne keine Grenzen – und die diesjährige Ausstellung ist ein wunderbarer Beweis dafür. Neben tschechischen Texten und Informationsmaterialien stehe ich tschechischen Besuchern als Ausstellungsführer und Dozent im Gitarrenworkshop zur Verfügung. Das Besondere daran: Der Autor und Kurator des gesamten Ausstellungskonzepts, Dr. Peter Wolf, spricht fließend Tschechisch. Seine Frau Kristina lehrt Tschechisch an der Universität Regensburg und übersetzt klassische und moderne Werke der tschechischen Literatur ins Deutsche.
Die Reaktionen der Besucher, die die Ausstellung bereits besucht haben, sind durchweg positiv. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Museumsausstellung, sondern um eine moderne Ausstellung voller interaktiver Elemente, Berührungsinstallationen und Kreativstationen, an denen Besucher selbst Musik ausprobieren und mitgestalten können. Dieses lebendige und interaktive Konzept kommt bei den Besuchern sehr gut an. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm in der Volksmusikakademie, im GewölbeHof und im Europahaus ergänzt. So entsteht ein vielfältiges Angebot für alle, die eine einzigartige Verbindung zwischen Musik, bildender und fotografischer Kunst, Geschichte und Gegenwart erleben möchten. Und all dies vereint sich in diesem malerischen Städtchen inmitten herrlicher Natur.
Ausstellung, Live-Musik und besondere Atmosphäre

Wenn Sie den Lesern von Šumava.eu nur einen Grund nennen dürften, die Bayerische Landesausstellung in Freyung in diesem Jahr zu besuchen – welcher wäre das?
Die einzigartige Kombination aus einer herausragenden Ausstellung, Live-Musik und der besonderen Atmosphäre der ganzen Stadt. Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zum Nationalpark Bayerischer Wald mit seinen legendären Sehenswürdigkeiten wie dem Lusen und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Das Freilichtmuseum Finsterau, eines der schönsten Freilichtmuseen der Region, oder die Tiergehege im Nationalpark Bayerischer Wald sowie der beliebte Baumwipfelpfad in Neuschönau sind definitiv einen Besuch wert.
Und ich möchte noch eine persönliche Einladung aussprechen. Nur wenige Schritte vom TonYversum entfernt befindet sich der GewölbeHof mit der beliebten Ausstellung „Verrückte Musikmaschinen“, die vor allem Kinder begeistern wird. Im Haus ist auch meine Gitarrenwerkstatt untergebracht. Ich würde mich freuen, die ganze Familie des Gewinners persönlich zu begrüßen – und ihnen die Ausstellung und den GewölbeHof zu zeigen.
Danke für das Interview! Und hier geht’s auch schon zum Gewinnspiel…
Interview: Jitka Řezanková & Dr. Marek Matousek
… bei dem es folgende Frage zu beantworten gilt: Aus welchem Dorf im Böhmerwald stammt das Resonanzholz, aus dem das Klavier von Wolfgang Amadeus Mozart gefertigt wurde?
- a) Kvilda
- b) Modrava
- c) Borová Lada
(–> Tipp: die richtige Antwort ist in unserem Hog’n-Interview mit Libor Pražan (einfach hier klicken) zu finden)
Wer die richtige Antwort weiß, schickt diese einfach per Email mit dem Betreff „Gewinnspiel“ (und seinen Kontaktdaten) bis spätestens 30. Juni 2026 an info@sumava.eu. Aus allen richtigen Rückmeldungen wird der oder die Gewinner(in) ausgelost, der/die dann eine Familienkarte (zwei Erwachsene plus beliebig viele eigene Kinder) für die Bayerische Landesausstellung in Freyung erhält.
Zudem darf sich der oder die Gewinner(in) auf ein persönliches Treffen mit Libor Pražan freuen, der über durch die Ausstellung führen und interessante Details zeigen wird, die normalen Besuchern oft entgehen. Viel Glück!
da Hog’n
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