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Grafenau. Es ist relativ ruhig geworden um das markante Gebäude direkt am Grafenauer Stadtplatz. Seit der Stadtratssitzung im Sommer vergangenen Jahres und einem Ministerbesuch im Frühjahr drangen kaum mehr Neuigkeiten nach draußen. Das Onlinemagazin da Hog’n hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt, wie sich der aktuelle Status Quo beim geschichtsträchtigen Friedl-Haus gestaltet – und wann wieder Leben in das einstige Schmuckstück einkehren soll…

Die einen reden von der „Potemkin-Fassade„, andere halten das überdimensionale Mesh-Banner, welche das Grafenauer Friedl-Haus seit gut zwei Jahren verhüllt, für eine gute Zwischenlösung. Foto: FB-Account der Stadt Grafenau
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Wer durch die Bärenstadt spaziert, blickt im Zentrum seit Mitte 2024 auf ein riesiges sog. Mesh-Banner, das die marode Fassade des Friedl-Hauses verdeckt. Die provisorische Verschönerung kaschiert, was über Jahrzehnte brach gelegen ist. Das geschichtsträchtige Gebäude, das 1601 erstmals urkundlich erwähnt wurde und ab 1746 über Jahrhunderte in Familienbesitz war, verkam zunehmend zum Schandfleck. Einst Heimat einer Lebzelterei und eines renommierten Cafés, wurde an der Immobilie seit rund 30 Jahren nichts mehr gemacht.

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Dies änderte sich Ende 2022, als es unter Ex-Bürgermeister Alexander Mayer gelang, das Objekt von einer Privatbesitzerin zu erwerben. Ein Kauf mit Risiko, aber auch mit enormem Potenzial für die Stadtentwicklung. Bei einer Besichtigung im Mai 2023 zeigte sich auch Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich beeindruckt von dem verwinkelten, dreistöckigen Labyrinth mit seinen historischen Granitplatten und verborgenen Wandmalereien: „Dieses Haus ist eine große Aufgabe, aber auch etwas ganz Einzigartiges“, ließ Heinrich damals verlautbaren (da Hog’n berichtete). 

Nutzungsvorschläge, Vorplanung und Kritik am Umzug

Große Fensterfronten im Erdgeschoss sollen künftig den Blick zwischen Innen- und Außenraum freigeben – so könnte die neue Fassade des Friedl-Hauses laut Architekten-Entwurf aussehen. Foto: Architekten Maier/ Schmöller

Kurz nach dem Kauf, im Frühjahr 2023, waren die Grafenauer Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, online ihre Ideen für die künftige Nutzung des Gebäudes einzubringen. Die Wunschliste gestaltete sich lang – und bunt: ein Kino, eine Cocktailbar, ein Konzerthaus, ein Kindermuseum oder eine Bastlerwerkstatt wurden seitens der Bürgerschaft genannt.

Die planerische Realität sieht freilich pragmatischer aus. Das Architektenteam um den Denkmalschutz-Experten Andreas Schmöller und dessen Grafenauer Kollegen Thomas Maier legte im Juli 2025 dem Stadtrat eine Vorplanung vor, die vor allem auf Frequenz setzen soll: Demnach sollen die Touristinfo sowie die Stadtbücherei – beide fristen derzeit ein Schattendasein im Keller des Rathauses – ins Erdgeschoss des Friedl-Hauses umziehen. Das Obergeschoss ist für die Volkshochschule (vhs) des Landkreises Freyung-Grafenau angedacht. Der Innenhof könnte überdacht zu einem einladenden „Lesehof“ umgestaltet werden.

Ganz ohne Nebengeräusche ging die Debatte im Stadtrat Medienberichten zufolge jedoch nicht über die Bühne. Kritik kam unter anderem von der FDP in Person von Muhanad Al-Halak: Vor rund 17 Jahren habe man bereits 600.000 Euro in die jetzigen Räume von Touristinfo und Bücherei investiert – ein Umzug um nur rund 90 Meter wirke daher zumindest hinterfragbar. Bürgermeister Mayer hielt dagegen: Höhere Frequenz als durch diese drei Institutionen lasse sich kaum generieren, zudem werde die jetzige Touristinfo von Urlaubern schlichtweg schlecht gefunden.

Kostenschätzung liegt vor, Zahlen werden aber noch keine genannt

Nachdem das Thema Friedl-Haus etwas von der medialen Bildfläche verschwunden war, hat da Hog’n bei der Grafenauer Stadtverwaltung nachgehakt. Das wichtigste Ergebnis vorweg: Das Vorprojekt ist mittlerweile abgeschlossen. Damit ist das Fundament für die nächsten Schritte gelegt, auch wenn sich die Verantwortlichen vor der nächsten Beratung im Stadtrat noch bedeckt halten.

Die Antworten aus dem Rathaus im Überblick:

  • Das Gebäude „Eduard Friedl“, wie es vor der Mesh-Verhängung ausgesehen hat. Archiv-Foto: Ilzer Land

    Eine konkrete Kostenschätzung liegt der Verwaltung zwar inzwischen vor. Zahlen werden jedoch erst genannt, wenn der Stadtrat darüber informiert wurde. Auch das Konzept für den wirtschaftlichen Betrieb und die künftigen Folgekosten ist Gegenstand der kommenden Beratungen.

  • Bauanträge oder denkmalrechtliche Erlaubnisse wurden noch nicht eingereicht. Hierüber wird erst auf Basis der Ergebnisse des Vorprojekts entschieden. Bezüglich der erhofften Fördergelder für die Hauptmaßnahme läuft die Abstimmung mit den zuständigen Stellen. Immerhin: Die Voruntersuchungen wurden bereits zu knapp 80 Prozent aus dem Entschädigungsfonds des Landesamtes für Denkmalpflege bezuschusst.
  • Wie genau das Dachgeschoss (im Gespräch war eine Aufstockung des ehemaligen Stadls für einen 100 Quadratmeter großen Seminarraum) final genutzt wird und was mit den freiwerdenden Kellerräumen im Rathaus passiert, ist derzeit noch offen.

Jedenfalls sorgte erst im März dieses Jahres Bayerns Bauminister Christian Bernreiter bei einem Stadtspaziergang mit Neu-Bürgermeister Jonas Höcker für eine Klarstellung. Er verdeutlichte, dass für das Friedl-Haus zwar eine sog. Förderunschädlichkeit für weitere Planungen vorliege, aber noch keine bewilligungsreifen Unterlagen für die Städtebauförderung existieren. Die Stadt müsse erst ein Büro beauftragen, um die Planungen zu konkretisieren und eine belastbare Kostenberechnung vorzulegen.

Weiter geht’s am 21. Juli

Ursprünglich sah der Zeitplan vor, die Planungsphase bis Mitte 2026 abzuschließen, um 2027 mit den voraussichtlich zweijährigen Bauarbeiten beginnen zu können. Wie die Stadtverwaltung gegenüber dem Hog’n mitteilt, ist es angedacht, in der Stadtratssitzung am 21. Juli über die weitere Entwicklung des Friedl-Hauses zu beraten und entsprechende Beschlüsse zu fassen.

Dann wird sich zeigen, ob Grafenau den Mut aufbringt, das historische Erbe am Stadtplatz mit einem Millionenaufwand zu revitalisieren – oder ob das Friedl-Haus noch länger hinter seinem Mesh-Banner im Dornröschenschlaf verharren muss…

Stephan Hörhammer

 


1 Gedanken zu „Nachgefragt: Wie steht es um das Grafenauer Friedl-Haus?

  1. Ich mag historische Gebäude und finde, dass sie erhalten werden sollten, aber bei dem Friedl Gemäuer sehe ich Probleme mit der Kosten – Nutzen Rechnung und der Wichtigkeit es zu erhalten. Wer sich das Gebäude ansieht, der erkennt, dass die Bausubstanz sehr schlecht und der Aufwand der Wiederherstellung riesig ist! Eine Evangelische Holzkirche, Teilgebäude des alten Bahnhofs, Schrazlgänge, das Schmellerhaus, ein altes Wohngebäude aus den Anfangszeiten von Grafenau wurden nicht erhalten, warum dann dieser hässliche Bau? Bezogen werden würde das, wahrscheinlich nach etlichen Jahren fertige Gebäude, mit Stadteinrichtungen, die zur Zeit hervorragende Unterbringung haben. Es ergibt sich aus der derzeitigen Planung kein Mehrwert für Bürger und Stadt! Es stehen noch Projekte in Grafenau an, wie die Freibadsanierung und ein Neubau einer Kläranlage um nur die grossen Projekte zu nennen. Da müssen Millionenbeträge aufgewendet werden, auf Zuschüsse, kann die Stadt sich in der derzeitigen Lage des Landes sich nicht mehr verlassen! Sich für so ein Mammutprojekt in Schulden zu stürzen fände ich grob fahrlässig und überflüssig!!!

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