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Altreichenau. Der Einzelhandel ist ihm zwar nicht in die Wiege gelegt worden, aber: Wolfgang Kern ist im „Kaufhaus Althütte“ in Altreichenau aufgewachsen. Lebensmittel und Gebrauchsartikel aller Art gehören seit jeher zur Familie – und umgekehrt. Es ist also alles andere als verwunderlich, wenn Norbert Kremsreiter über „seinen“ Marktleiter im Neureichenau Edeka-Markt von einem „Händler, der das Handeln in der DNA hat“, spricht.

Es war allerdings erst Liebe auf den zweiten Blick. In seiner Kindheit und Jugendzeit musste der heute 42-Jährige im Familienbetrieb mithelfen – ob er wollte oder nicht. „Gerade Samstagvormittag war es Standard, dass ich ran musste“, erinnert er sich. „Also genau dann, wenn man gerne einmal ausgeschlafen hätte. Da war die Freude groß!“ Dass er, sobald er rechnen konnte, an der Kasse sitzen musste, störte ihn als jungen Burschen natürlich. Genauso, dass er – im Gegensatz zu Gleichaltrigen – so gut wie nie in den Urlaub fahren durfte.
Mit etwas Abstand kann Wolfgang Kern die bedingungslose Hingabe seiner Eltern „fürs G’schäft“ verstehen – und er profitiert sogar davon. Wolfgang sen. hatte schließlich eine Familie zu ernähren – und er wollte seinem Sohn ein bestelltes Feld bereiten, das er zu bearbeiten weiß. „Es war immer der Plan, dass ich mal übernehme.“ Genau deshalb hat Kern junior auch Einzelhandelskaufmann gelernt. Die gesellschaftliche Entwicklung machte ihm und allen voran seinem Vater jedoch einen Strich durch die Rechnung – was vielleicht nicht ganz ungelegen gekommen ist.
Wer keine billige Masse bieten konnte, blieb auf der Strecke

„Uns wurde immer mehr klar, dass wir enorm investieren müssten, um überleben zu können.“ Die Zeit kleinerer Lebensmittelläden neigte sich dem Ende zu. Discounter schossen wie Pilze aus dem Boden. Wer keine Masse zu Billig-Preisen anbieten konnte, verlor seine Kundschaft – und blieb auf der Strecke. „Freilich hat es mir dann wehgetan, als wir zusperren mussten. Auf der anderen Seite war es aber auch gut so.“
Wolfgang Kern war nicht deshalb froh, weil er endlich die „Schatten“ seiner Kindheit und Jugendzeit hinter sich lassen konnte. Sondern vielmehr, weil ihm bewusst wurde, dass das „Kaufhaus Althütte“ keine Zukunft mehr hatte. Zu dieser Erkenntnis ist er vor allem deswegen gekommen, weil er über die Jahre hinweg zum „Händler mit Leib und Seele“ (Kremsreiter) gereiftwar. „In der Lehrzeit noch wusste ich, dass dieser Beruf nicht unbedingt das ist, was ich will. Inzwischen kann ich mir jedoch nichts anderes mehr vorstellen.“
Bei Edeka Kremsreiter in Neureichenau hat er dann seine nicht für möglich gehaltene Erfüllung gefunden. Seit 1. Januar 2025 ist er Marktleiter des ehemaligen „Kaufhauses der Waidler„. Und eigentlich hat er nun das gleiche Anforderungsprofil wie es sein Vater über Jahrzehnte hinweg hatte: Er ist für das Personal verantwortlich – genauso für den Warenbestand. Eigentlich ist er immer gefordert, wenn’s wo brennt. Wie Wolfgang senior. Nur, dass Wolfgang junior am Samstagvormittag auch mal ausschlafen und in den Urlaub fahren kann…
Helmut Weigerstorfer
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