Regen. Benefiziat Franz Wieberger (von 1879 bis 1895 in Regen) regte während seiner Zeit in der heutigen Kreisstadt an, eine Kinderbewahranstalt zu errichten – für die nicht schulpflichtige Jugend. Alle Berufe und Stände sollten willkommen sein – selbst uneheliche Kinder. Dieser Vorschlag fand Zustimmung bei Behörden und Bürgerschaft. Zur Verwirklichung des Vorhabens wurde am 12. März 1891 der „St. Josefs-Verein zur Errichtung einer Kinderbewahr- und Suppenanstalt“ gegründet. Der monatliche Mitgliedsbeitrag betrug 50 Pfennig. Annemarie Schiller blickt in die Regener Stadtchronik.

Bald kaufte der Verein das Bimsner-Anwesen in der Mühlleite um 800 Mark und richtete es als Anstaltsgebäude ein. 1907 wurde das östlich angrenzende Bösl-Schreiner-Haus hinzugekauft und abgerissen. An seiner Stelle ist ein Kindergarten entstanden. 1911 baute der Verein das bisherige Anstaltsgebäude um und erhöhte es um einen Stock.
1938 wurde ein nördlicher Ausgang auf den alten Friedhof geschaffen, der den Kindern nun als Spielplatz diente. Acht Jahre später ist das Gebäude durch einen Anbau um 14 Meter vergrößert worden – mit einer Theaterbühne für Jugendveranstaltungen in einem Doppelsaal im 2. Stock. Es gab sogar eine Sommerhalle mit Schlafstühlen.
Eine warme Mahlzeit für bis zu 140 Kinder

Die Betreuung der Kinder übergab man von Anfang an einer Schwester vom Kloster der Armen Schulschwestern, die ein Monatsgehalt von 45 Mark bekam. 1912 beantragte das Kloster eine Erhöhung auf 60 Mark, was aber der Verein ablehnte, weil das „ohne Schuldenmachen“ nicht möglich wäre.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch eine Suppenanstalt mit der Kinderbewahranstalt verbunden. Weit über 9.000 Portionen sind jeden Winter ausgegeben worden. Dazu leistete der Markt Regen jährlich einen Zuschuss von 50 Mark, manches Jahr auch nicht. Regelmäßig wurde nur ein Sechstel der Portionen bezahlt, die übrigen wurden unentgeltlich an die Kinder abgegeben. Möglich war das, weil private Gönner und verschiedene Stiftungen Zuschüsse gaben. Ab 1928 übernahm der Frauenverein vom Roten Kreuz die Suppenküche. Bis zu 140 Kinder bekamen täglich eine warme Mahlzeit.
Ein Segen war die Bewahr- und Suppenanstalt für diejenigen Mütter, die in Kriegszeiten als Fabrikarbeiterinnen die Familie ernähren mussten. Die Kinder konnten schon um 5.45 Uhr abgegeben werden und durften bis 18 Uhr bleiben. 1946 wurde auf Wunsch der Amerikaner auch ein Kinderhort für Schulkinder angegliedert, in dem täglich 40 bis 50 Kinder betreut wurden. Wenn Eltern es sich leisten konnten, 3,50 Mark Monatsbeitrag zu zahlen, wurden sie auch verköstigt.
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