Annathal. Seit 1966 gibt es das Gasthaus-Pension Gibis, besser bekannt als „Maxlwirt“, in der „Howareid“, also in Annathal. Hubert und Sabine Gibis haben es vor 25 Jahren übernommen und ausgebaut. Heute steht mit ihrer Tochter Johanna bereits die dritte Generation in der Verantwortung. Zwei Chalet-Häuser sind im Bau. Und jeden Abend, spätestens ab 17 Uhr, sitzen am runden Tisch die Stammgäste. So wie immer schon…

Wer hier aufgewachsen ist oder wohnt, sagt nicht Annathal, sondern „Howareid“. Der Name hat seine Geschichte: Bäume wurden hier schon im 18. Jahrhundert gerodet („reuten“), um Hafer („Howa“) anzubauen. Daraus wurde der Begriff „Howareid„. Wie so oft im Bayerischen Wald spricht der Ortsname zu den Menschen. Annathal selbst hat seinen Namen von einer anderen Geschichte: Im Dreißigjährigen Krieg hat jemand das Bild der Heiligen Anna aus der Kapelle in Kreuzberg hier versteckt. Es wurde gefunden. Das Dorf bekam einen Namen.
Max Gibis, der „Maxlwirt“ und Vater von Hubert, hat das Wirtshaus 1966 eröffnet – neben der Landwirtschaft. Und zusätzlich zu seinem Hauptberuf Holzhauer. Drei Jahre später hat er die Landwirtschaft aufgegeben und den Betrieb ausgebaut. Damals hatte Annathal um die 300 bis 350 Einwohner, wie heute gab es ein zweites Wirtshaus in der Ortschaft.
Holzhauer, Landwirtschaft und Wirtshausbetrieb

Und früh kamen die Urlauber. Schon in den 60er-Jahren haben Männer aus der Gegend Gleisbauarbeiten in der Nähe von Frankfurt übernommen, weil es daheim nicht genug Arbeit gab. Unter der Woche oder auch mehrere Wochen am Stück auf der Baustelle, manches Wochenende daheim. Während sie dort schufteten, übernachteten sie bei Familien in Erfelden.
Daraus entstanden Freundschaften. Und aus den Freundschaften wurde Urlaubsbeziehungen. 1969 kamen die ersten Familien aus Hessen zur „Sommerfrische“ in den Woid. Wenige Jahre später hatte der Maxlwirt seine Stammgäste. Manche Familien kommen seit mehr als 50 Jahren.
Im Jahr 2000 haben Hubert und Sabine Gibis das Gasthaus von seinen Eltern übernommen. Der Hausherr arbeitet hauptberuflich als Brauer bei der Lang-Brauerei in Freyung. Das Wirtshaus läuft parallel. „Das war schon sehr anstrengend“, erinnert sich Sabine Gibis. Sie hatten sieben Tage die Woche geöffnet, den ganzen Tag – Mittagstisch inklusive.
„Bring mir mal a Bier und a Brotzeit“

Der Postbote kam, Rentner und Handwerker schaute vorbei. Jeden Tag der Woche. „Bring ma moi a Bier und a Brotzeit“ – und damit saß der Nächste schon am Tisch. Manchmal fünfzehn Mann am Morgen, zehn bis fünfzehn Jahre lang. Mittags dann die Urlaubsgäste, die Einheimischen und Handwerker, abends wieder die Stammgäste. Hubert Gibis kam von der Brauerei heim, meistens gegen zwei Uhr. Und um fünf war das Wirtshaus schon wieder voll.
Irgendwann, nach rund zwanzig Jahren, haben sie den Mittagstisch aufgegeben. Nicht weil er nicht gelaufen wäre – sondern weil er nicht mehr kalkulierbar war. Mal fünf Gäste, mal fünfundzwanzig. Das Verhalten der Besucherinnen und Besucher hat sich verändert: Früher sind Urlauber mittags essen gegangen, heute frühstücken sie und essen meist abends.
Und die Pendler oder Handwerker aus der Region holen sich ihre Mittagspause zunehmend woanders. Corona hat dann den Rest besorgt. Seither ist der Maxlwirt ab halb fünf Uhr nachmittags geöffnet, mittags nur noch an Sonn- und Feiertagen.
Stammtische, Blaskapelle und das „Gansausspielen“

Was ein Dorfwirtshaus vom Rest unterscheidet, ist das, was zwischen den Gästen passiert. Im Maxlwirt steht dafür ein runder Tisch, wie schon zu Zeiten von Gründer Max und seiner Frau Anna. Ab halb fünf Uhr sitzen dort jeden Tag die Leute beisammen. Kein angemeldeter Stammtisch, kein Vereinstreffen, kein fester Mitgliederkreis. Man weiß einfach: Jetzt ist dort was los. Manchmal sitzen vier Leute, manchmal zwanzig. Howareidler. „Jeder kennt jeden“, sagt Sabine Gibis.
Freitags kommt die Blaskapelle nach der Probe zum Stammtisch dazu, dementsprechend rund geht es dann im Lokal. Legendär ist auch der Sonntagstammtisch ab 10 Uhr.
Und dann ist da noch das „Gansausspielen“, am letzten Freitag im November von 18 Uhr abends bis 6 Uhr in der Früh, seit mehr als fünfzig Jahren. An 20 Tischen schafkopfen oder watten die Teilnehmenden, die Geld-Einsätze werden gesammelt. Davon wird gemeinsam dem schmackhaften Essen gefrönt, manche gleich zu Beginn, andere zwischendurch. Gänseragout zuerst, dann das Hauptgericht. Der älteste Besucher ist mittlerweile 90 Jahre alt, sieben Knödel hat er zu den besten Zeiten verdrückt. „Das Gansausspielen hat große Tradition in da Howareid“, weiß Hubert Gibis.
Mitgeholfen, zugeschaut, mitgekocht

Lustige Anekdoten weiß er freilich auch zu berichten: Drei Männer aus Finsterau hatten mal beim Nachbarn in Annathal einen Bulldog gekauft. Sie sind danach eingekehrt. Und erst am vierten Tag sind sie wieder heimgefahren. Die Geschichte erzählen sie sich heute noch im Wirtshaus.
Und einmal, als der Hubert etwa zehn Jahre alt war, urlaubten sieben Männer beim Maxlwirt. Das Bier hat ihnen so gut geschmeckt, dass sich einer von ihnen beim Weg ins eigene Zimmer vergangen und in der Tür geirrt hat. Stattdessen landete er im Zimmer vom kleinen Hubert und wollte sich in dessen Bett legen. Der Bub wusste ihn lauthals zu verscheuchen.
Johanna Gibis ist, zusammen mit ihren Schwestern Melanie und Marie, im Wirtshaus aufgewachsen. Mitgeholfen, zugeschaut, mitgekocht – ob sie wollten oder nicht, oftmals gleich nach der Schule. Johanna hat Abitur gemacht und wollte eigentlich Medizin studieren. Der Schnitt wurde knapp verfehlt, die Leidenschaft war am Ende auch nicht mehr ganz gegeben.
Koch-Tradition wird weitergetragen

Ein Praktikum im „Hüttenhof“ in Grainet hat die Entscheidung gebracht. Es hat ihr gefallen. Sie hat die Kochausbildung gemacht, ein paar Stationen absolviert und ist zurückgekommen. Seit Mai dieses Jahres arbeitet sie hauptberuflich im Maxlwirt. Den Küchenmeister hat sie gerade abgeschlossen.
Und die Küche hat sich verändert, seit Johanna mit dabei ist. Nicht im Stil – das Wirtshaus soll ein Wirtshaus bleiben –, aber in der Tiefe. Jede Brühe, jede Soße wird selbst angesetzt. Das Anrichten der Speisen ist feiner geworden, serviert auf modernerem Geschirr. Das Fleisch bezieht die Familie Gibis von zwei Metzgern aus der näheren Umgebung, den Fisch – Saibling und Forelle – von einem regionalen Fischereibetrieb aus Haidmühle. Das Wild kommt von einheimischen Jägern. „Das gibt es dann, wenn die Zeit, die Saison dafür ist“, berichtet Johanna Gibis.
Ihre Mutter hat nie eine Kochausbildung gemacht und die Küche trotzdem jahrzehntelang geführt. Ausprobieren, verkosten, nochmal probieren. Die Reiberknödel-Rezeptur stammt von der Schwiegermutter: kein Aufschreiben, kein Abmessen. Einfach nach Gefühl. Diese Art der Zubereitung hat nun auch Johanna von der Mama übernommen. Auch so wird Tradition weitergetragen.
„Ich möchte, dass die Wirtshausküche bleibt“

Sonntags ist der Maxlwirt immer voll. Zwischen 60 und 90 Essen gehen dann raus. Klassiker sind gefragt: Rindsrouladen, Tafelspitz, Cordon bleu, Holzfällersteak, Wild, wenn es die Jahreszeit hergibt – und das auch rosa, was Johanna Gibis eingeführt hat. Wer vorbeischaut, bekommt einen Tisch und darf sitzen bleiben. „Das mag ich selbst nicht, wenn man spürt, der Nächste schaut einen schon an“, erzählt Johanna Gibis.
Wenn im Frühsommer der Holunder blüht und der Nachbar anruft, dass er zwei Kisten hat, stehen Holunderbluten-Kücherl auf der Tageskarte. Viele Urlauber kennen das nicht. Doch sie lieben es. Der Holundersirup findet sich zumeist in Schorlen oder im „Hugo“ wieder. Was Johanna Gibis für das Wichtigste hält, bringt sie auf den Punkt: „Ich möchte, dass die Wirtshausküche bleibt.“ Am Sonntag gibt es deshalb schon immer Surbraten. Aus dem Ofen. Das schmeckt man.
Vor 26 Jahren haben Hubert und Sabine Gibis das Haus übernommen und seitdem kontinuierlich ausgebaut. Die Küche wurde 2004 komplett neu eingerichtet. Später kamen moderne Räumlichkeiten, ein Anbau, zeitgemäße Sanitäranlagen hinzu. Der Maxlwirt verfügt über fünf Gästezimmer. Die Urlauben kommen im Sommer zum Wandern und Radfahren, im Winter zum Skifahren und Langlaufen. Buchungen laufen zumeist über Mundpropaganda.
Was als nächstes kommt: zwei Chalets am Hang
Geplant sind jetzt zwei Holz-Chalets auf einer Wiese oberhalb des Ortskerns. Die Idee ist nicht neu – vor rund zehn Jahren haben sie schon einmal darüber nachgedacht, es dann aber nochmal verworfen. Als Johanna einstieg und klar wurde, dass der Betrieb weitergeht, haben ihre Eltern den Plan wieder hervorgeholt. Ein Chalet für zwei Personen, eines für vier Personen mit Galerie, für Familien. Fertig werden sollen sie bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres.
Feststeht: Der Maxlwirt bleibt das gesellschaftliche Zentrum in der Howareid. Und am runden Tisch, gleich links nach dem Eingang zur Gaststube, sitzen weiterhin jeden Tag die Stammgäste. Das hat sich über die Jahrzehnte hinweg nicht geändert – und wird sich auch nicht so schnell ändern…
Stephen Hahn
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Zum Maxlwirt kann man auch mal mit ein paar Kindern kommen. Sie bekommen das Essen zuerst und es beschwert sich keiner, wenn es mal ein
bischen lauter wird. Das findet man sehr selten und wir fühlen uns sehr wohl dort. Danke
Wir kommen auch schon seit über 30 Jahren zum Maxl Wirt. Anfangs im Winter zum Langlaufen und inzwischen auch im Sommer. Die ganze Familie haben wir in unser Herz geschlossen und sie sind für uns zur Familie geworden .Wir freuen uns,dass nun Johanna mit im Boot ist und den Betrieb weiterführt. Wir wünschen dem Maxlwirt viel Erfolg und gutes Gelingen bei all ihren Vorhaben. Wir freuen uns auf unseren nächsten Urlaub bei euch. İst ja bald soweit.
Vielen lieben Dank für eure Gastfreundschaft