Liebe Fußballfreunde im Woid, die Vorfreude auf große Fußballturniere war bei mir in der Vergangenheit schon größer. Das liegt nicht an der Deutschen Nationalmannschaft im Besonderen, sondern eher an den Ausrichtern. Keiner weiß so richtig, wie sich das Turnier in drei verschiedenen Ländern mit unglaublich weit voneinander entfernten Spielorten entwickeln wird. Ich lasse mich da einfach mal überraschen…

Es gibt ja einige Nebenkriegsschauplätze im Vorfeld der WM. Da sagt FIFA-Chef Gianni Infantino mal was, das für Schlagzeilen sorgt. Dann bestimmt US-Präsident Donald Trump wieder die Nachrichten. Was man so hört, sind jedoch alle Spiele ausverkauft – trotz ernormer Ticket-Preise. Der Zuspruch vor Ort ist also da! Aus eigener Erfahrung kann ich aber berichten, dass all diese Dinge ohnehin nicht mehr zählen, wenn der Ball rollt.
Freilich ist es traurig, dass vor einer Weltmeisterschaft nicht der Fußball im Mittelpunkt steht. Zumal es in Nordamerika für Europäer ohnehin schwierig werden wird, wenn ich an die klimatischen Bedingungen denke. 1986, als wir in Mexiko die WM gespielt haben, wurden wir irgendwo in der Prärie einquartiert. Das war ein kleines Schloss, das wir nur mit den Journalisten teilen mussten. Ansonsten keine Menschenseele weit und breit – nur die Hitze!
Nicht umsonst ist der Fußball König…

Grundsätzlich hat uns ’86, als wir immerhin ins Finale gekommen sind, und vor allem beim Titelgewinn in Italien vier Jahre später ausgezeichnet, dass wir uns nur auf den Fußball konzentriert haben. Ich gehe davon aus, dass das unserer Nationalmannschaft dieses Mal besser gelingen wird als 2018 und 2022. Freilich braucht man eine gewisse Qualität im Kader, ausschlaggebend wird aber sein, wer den Fokus behält – und wer mit der Temperatur besser zurecht kommt.
Dass von der deutschen Auswahl hierzulande viel erwartet wird, gehört dazu – das war zu meiner Zeit nicht anders. Auch damals wurden wir oft sehr, sehr kritisch gesehen – vor allem vor Mexiko 86. Ich erinnere mich an Differenzen zwischen Bayern-Spielern und Kölnern. Es hat etwas gedauert, bis wir uns zusammengerauft haben (schmunzelt). Und dass vor großen Turnieren eine ganze Republik Bundestrainer zu sein scheint, ist ja irgendwie eine Auszeichnung. Nicht umsonst ist der Fußball „König“.
Julian Nagelsmann, den ich übrigens nicht so kritisch sehe wie viele Medien, muss es schaffen, eine Gruppe zu formen. Habe ich eine Mannschaft – und damit meine ich auch die, die auf der Bank sitzen – können wir weit kommen. Als ich selber Trainer war, habe ich mit den Ersatzspielern mehr geredet als mit den Leistungsträgern, um sie bei der Stange zu halten. In Leverkusen sind immer wieder Nationalspieler nicht zum Zuge gekommen – puh, das war schon was…
Mein Tipp: Deutschland wird Weltmeister! Ich habe auf meinem Schreibtisch einen kleinen WM-Pokal stehen, den wir 1990 nach dem Titelgewinn bekommen haben. Ziel eines jeden Spielers muss es sein, diesen ebenfalls zu ergattern. Aber ich lasse mich einfach mal überraschen – und jetzt steigt auch die Vorfreude…
Bis demnächst: Euer Klaus Augenthaler
(Aufgezeichnet: Helmut Weigerstorfer)
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Für das Onlinemagazin da Hog’n blickt Klaus „Auge“ Augenthaler im Rahmen seiner Kolumne „Auges dritte Halbzeit“ auf den großen (nationalen und internationalen) Fußballzirkus, ohne dabei den Blick auf die Amateure zu vergessen. Nur für den Fall, dass den 68-Jährigen irgendjemand nicht kennen sollte: Der gebürtige Fürstenzeller, dessen Heimatverein der FC Vilshofen ist, blickt auf eine Weltkarriere zurück – als Spieler und Trainer.
Er ist unter anderem Weltmeister (1990) sowie mehrmaliger Deutscher Meister und Pokalsieger. Eng verbunden ist sein Name mit dem des FC Bayern München. Für den Rekordmeister bestritt der Libero zwischen 1976 und 1991 insgesamt 404 Pflichtspiele. Später war er zudem sechs Jahre als Trainer an der Säbener Straße aktiv. Er weiß also, was „Mia san Mia“ bedeutet…
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