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„Deutschland ist ein großzügiges Land. Das steht außer Frage“, stellt Erwin Pauli in seinem Leserbrief an die Hog’n-Redaktion fest – und ergänzt sogleich (unter Berufung auf KI-recherchierte Zahlen): „Wir zahlen jährlich rund 27 Milliarden Euro Bruttobeitrag in die EU, davon bleiben netto 13 Milliarden als Nettozahler übrig – mehr als jedes andere Land. An die Vereinten Nationen fließen weitere 4,4 Milliarden Euro. Die Entwicklungshilfe, die in über 109 Länder und mehr als 8.000 Projekte fließt, belief sich 2023 auf rund 35 Milliarden Euro. Selbst an Länder wie China (rund 500 Millionen), die Türkei, den Irak oder Afghanistan überweisen wir regelmäßig dreistellige Millionenbeträge.

„Ist es wirklich vertretbar, dass ein Land, das seine eigenen Bürger bei Gesundheit, Pflege, Rente und Bildung immer mehr im Stich lässt, gleichzeitig weltweiter Spitzenreiter beim Geldausgeben für andere bleibt?“, fragt sich Hog’n-Leser Erwin Pauli im Rahmen seines Leserbriefs. Symbolfoto: pixabay/geralt
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Gleichzeitig blicken Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland in eine immer unsicherere Zukunft. Die gesetzliche Krankenversicherung erhöht seit Jahren ihre Beiträge, während Leistungen gekürzt werden. Viele Versicherte zahlen mittlerweile über 16 Prozent ihres Einkommens allein für die Krankenkasse – Tendenz steigend.

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Die Pflegeversicherung steht vor dem Kollaps: Eigenbeiträge für Heimplätze von 3.000 bis 4.000 Euro monatlich sind längst keine Seltenheit mehr, und ein strukturelles Defizit von mehreren Milliarden Euro jährlich wird seit Jahren mitgeschleppt.

„Man muss kein Nationalist sein, um diese Frage zu stellen“

Die Rente? Für Jahrzehnte ins System eingezahlte Beiträge reichen für immer mehr Menschen nicht mehr zum Leben. Altersarmut wächst. Wer 40 Jahre gearbeitet hat, erhält im Schnitt weniger als 1.600 Euro brutto – in vielen Fällen kaum mehr als das Existenzminimum. Das BAföG, das jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien ein Studium ermöglichen soll, wird real immer weniger wert, weil die Bedarfssätze nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten. Viele Studenten sind auf Nebenjobs und Lebensmittelbanken angewiesen.

Dazu kommt: Die deutsche Wirtschaft steckt seit 2023 in der längsten Rezession seit über 20 Jahren. Das BIP schrumpft. Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, wandert ab oder gibt auf. Insolvenzen nehmen zu, Investitionen fließen ins Ausland. Der Sachverständigenrat spricht offen von einem „tiefgreifenden Strukturwandel“, der das deutsche Wirtschaftsmodell gefährdet.

Man muss kein Nationalist sein, um diese Frage zu stellen: Ist es wirklich vertretbar, dass ein Land, das seine eigenen Bürger bei Gesundheit, Pflege, Rente und Bildung immer mehr im Stich lässt, gleichzeitig weltweiter Spitzenreiter beim Geldausgeben für andere bleibt? Internationale Solidarität ist wichtig – aber sie muss im Einklang stehen mit der Leistungsfähigkeit und der sozialen Stabilität des Geberlandes.

„Höchste Zeit, dass die Politik diese Frage nicht länger ausweicht“

Es geht nicht darum, alle Hilfe zu streichen. Es geht um Prioritäten und Ehrlichkeit. Wer jedes Jahr Milliarden in alle Welt überweist, aber gleichzeitig die eigene Pflegeversicherung nicht finanzieren kann, den Studierenden das BAföG real kürzt und Rentnern die Altersarmut zumutet, hat ein ernstes Problem mit seiner Glaubwürdigkeit – und mit dem Vertrauen seiner Bürger.

Es wird höchste Zeit, dass die Politik diese Frage nicht länger ausweicht, sondern offen und ehrlich beantwortet: Wofür ist Deutschland zuerst verantwortlich – für seine Bürger oder für den Rest der Welt?“

Erwin Pauli, Ringelai

Dieser Leserbrief spricht eine Debatte an, die das Land zunehmend spaltet: das Spannungsfeld zwischen internationaler Verantwortung und innerer sozialer Absicherung. Doch wie seht ihr das, liebe Hog’n-Leserinnen und -Leser? Setzt die Politik die falschen Schwerpunkte? Oder sind die globalen Verpflichtungen Deutschlands unverzichtbar? Teilt uns eure (gerne sachlich begründete) Meinung in unserer Kommentarspalte (direkt hier unter dem Artikel) oder auf unserem Facebook– und Instagram-Kanal (beim entsprechenden Post) mit. Wir sind gespannt auf eure Eingebungen.

 

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11 Gedanken zu „„Milliarden für die Welt – aber kein Geld für unsere Bürger?“

  1. Lieber Herr Pauli, danke für diesen durchdachten Brief — die Sorgen bei Pflege, Rente und Krankenversicherung sind real, und es ist gut, dass Sie sie so klar benennen. Bei einigen der Zahlen lohnt sich aber ein zweiter Blick, gerade weil sie ja KI-recherchiert sind:

    Beim EU-Beitrag liegen Sie richtig — Deutschland ist tatsächlich größter Nettozahler (zuletzt rund 13 Mrd.). Bei China stimmt die Sache so aber nicht: Laut Entwicklungsministerium fließt seit 2010 keine bilaterale Entwicklungshilfe mehr dorthin. Was die OECD verbucht, sind überwiegend rückzahlbare KfW-Kredite und Kosten für chinesische Studierende hier — kein Geld, das wir „überweisen“. Und auch bei der Entwicklungshilfe insgesamt ist ein großer Teil aus Krediten, multilateralen Beiträgen und sogar im Inland angerechneten Kosten zusammengesetzt, nicht verschenktes Bargeld.

    Der wichtigste Punkt ist aber ein anderer: Rente, Kranken- und Pflegeversicherung werden aus Beiträgen auf Löhne finanziert, der EU-Beitrag und die Entwicklungshilfe dagegen aus dem Steuerhaushalt. Das sind getrennte Töpfe — man könnte die EU-Milliarden nicht einfach in die Pflegekasse umleiten. Die eigentlichen Baustellen bei Pflege und Rente bleiben also bestehen, ganz unabhängig davon, was nach außen fließt. Genau deshalb finde ich Ihre Grundfrage nach Prioritäten berechtigt — sie wird nur dann stark, wenn die Zahlen darunter stimmen. Schreiben Sie gerne weiter solche Briefe, die Debatte braucht das.

  2. Vielen Dank für Ihre Antwort und die sachliche Richtigstellung.

    Sie haben recht: Formal gesehen sind Sozialversicherung und Staatshaushalt getrennte Töpfe. Aber genau hier liegt das Problem – diese Trennung funktioniert nur so lange, wie der Staat seinen Teil ordentlich einzahlt.

    Ein konkretes Beispiel: Der AOK-Bundesverband kritisiert öffentlich, dass der Bund die Krankenversicherungsbeiträge für Bürgergeld-Empfänger – darunter auch ukrainische Geflüchtete – nicht kostendeckend an die GKV überweist. Die Krankenkassen bleiben also auf einem Teil der Kosten sitzen. Der „getrennte Topf“ wird vom Staat unterbefüllt – und das geht dann doch zu Lasten der Beitragszahler.

    Ähnliches gilt für Beamte: Ihre Pensionen und Krankenkosten werden vollständig aus Steuermitteln finanziert. Wenn aber die Steuereinnahmen sinken – etwa durch Konjunkturflaute, Firmenpleiten oder Steuervermeidung –, gerät auch dieser „Topf“ unter Druck. Geld, das nicht in der Staatskasse ist, kann weder in die Pensionskasse noch als Zuschuss an die GKV fließen.

    Die Buchungslogik mag stimmen – aber am Ende hängen alle Töpfe am selben Hahn.

    Ob Deutschland sich das alles „leisten kann“, ist letztlich eine politische Prioritätenfrage.
    Wofür ist Deutschland zuerst verantwortlich – für seine Bürger oder für den Rest der Welt?

  3. Ja ich finde auch, dass die Politik die falschen Schwerpunkte setzt. Ich wünschte mir, dass sie bei den „leeren Kassen“ in allen Bereichen wüsste was zu tun ist nämlich unsere Steuergelder für uns Bürger zu verwenden statt überall im Ausland zu verschenken und uns Bürgern mit Kürzungen in der Pflege, der Witwenrente, der Rente usw. zu drohen. Wir Arbeitende halten den ganzen Apparat am Laufen und zum Dank werden wir jeden Tag mit neuen Leistungskürzungen konfrontiert. Da braucht man sich nicht über die Stimmung im Land wundern. Aber trotz Frust gehöre ich nicht zu den „Afd-Frust-Wählern“. Deutsche Politiker wacht jetzt endlich auf und hört genauer hin, was wir Bürger euch schon lange sagen wollen. Führt endlich auch Autobahngebühren ein, das füllt auch die Kassen. Vielleicht sollte Deutschland jetzt endlich auch ein bisschen nach der Devise „Germany first“ agieren , bevor wir ganz untergehen!!!

  4. „Wofür ist Deutschland zuerst verantwortlich – für seine Bürger oder für den Rest der Welt?“

    Es gibt kein entweder oder in dieser Fragestellung, denn es gibt das Eine nicht ohne das Andere.

    Der Wohlstand dieses Landes, wie ein Musiker mal sagte, „ist nur geliehen“ und ohne unseren Einfluss = Geld in der Welt -haben wir hier nicht all zu viel im Angebot.

    Dieser Kontinent und im Besonderen dieses Land haben eine historische Verantwortung für die Welt, die weiter zurück reicht als ’33 des letzten Jahrhunderts.

    Die Lebensweise, die der Rest des Planeten uns nun nachahmt kostet uns die Grundlage unserer Existenz, denn wir graben uns im wahrsten Sinne das Wasser ab und müssen es bald – weil wir es so wollen – wieder unter immensem Energieaufwand aus dem Meer zu uns pumpen lassen, weil unsere Berge kein Wasser mehr freigeben, weil wir auch noch den letzten Schneehügel mit einer Seilbahn erschlossen haben, damit die letzten privilegierten noch für ein Insta Selfie mit dem 4×4 Plug-In SUV bis nach oben cruisen können.

    Wieder werden in der Betrachtung die Armen gegen das Elend ausgespielt.

    Das ist schade und beschämend, denn wir sind je nach Zählweise eines der fünf reichsten Länder der Welt und es sollte uns eine Zukunft mit weniger Krieg, Leid und Zukunftsangst Wert sein, in die Welt und unsere Bürger zu investieren, anstatt einzelnen Menschen zu erlauben, unvorstellbare Mengen an Geld zu horten, die das BIP ganzer Nationen übersteigen!

  5. Hallo Herr Pauli,
    sehen Sie in den von Ihnen aufgelisteten Leistungen einen Sinn, also könnte man diese auch positiv begründen oder stellen diese einfach nur „sinnlose Verschwendung“ da?

    Des Weiteren ist es grundsätzlich immer vorteilhaft absolute Zahlen in Relation zu setzen. Große Zahlen wirken natürlich immer äußerst spektakulär und besonders erschreckend.

    Würde sich mit der sofortigen Beendigung der Zahlungen signifikant etwas in Deutschland ändern, bzw. verbessern? Und wie sieht es weltweit aus? Stichwort internationale Solidarität um es mit Ihren Worten zu sagen.

    Die Problemanalyse von Ihnen ist akurat und richtig und ich denke jeder würde zustimmen in den Punkten, die Sie aufgelistet haben.
    Die Folgeanalyse mit den entsprechenden Maßnahmen sehe ich allerdings als nicht zutreffend.

    Den Ärger darüber dass man das „dem Normal-Bürger nicht mehr erklären kann“, wenn man sozusagen schwarz-weiß sieht, wenn auf der einen Hand Geld fehlt, aber gleichzeitig mit der anderen unser Geld in der Welt verteilt wird, ist zum Teil nachvollziehbar.
    Wie so oft im Leben sind solche Sachverhalte fiel komplexer und erfordern eine tiefgründige Analyse und Betrachtung.

    Zum Ende möchte ich noch sagen:
    Ich schätze ihren Leserbrief sehr und hoffe auf eine sachliche, erfrischende und bereichernde Diskussion.

  6. Ich finde diesen Leserbrief schwierig, weil er (mal wieder) die Falschen gegeneinander ausspielt: Bedürftige hierzulande gegen Bedürftige weltweit. Und die Darstellung derjenigen, die wie der Verfasser jammern, dass sie als Nationalisten abgestempelt werden, ist halt einfach extrem verkürzt. Es ist so viel komplexer- es geht nicht um Entwicklungshilfe gegen Sozialausgaben. Es geht um das globale Wirtschaftssystem, das immer absurder wird.
    Außerdem: 35 Milliarden Entwicklungshilfe klingt erst mal nach sehr viel. Aber bei einem Bruttonationaleinkommen von 4.600 Milliarden und einem öffentlichen Gesamthaushalt von 2,26 Billionen wirkt die Zahl gleich um einiges kleiner, oder?
    Unterm Strich ist die Frage, wie man Geld fair und gut verteilt, wohl das komplizierteste Unterfangen, das es in dieser global vernetzten Welt gibt. Ich finde es persönlich jedenfalls wichtiger, Entwicklungshilfe zu leisten und dadurch dazu beizutragen, dass weniger Kinder auf dieser Welt hungern, als dieselbe Summe für den Bau und Erhalt von Straßen auszugeben (rund 38 Milliarden pro Jahr verwenden Bund, Länder und Kommunen circa für Straßenbau). Jeder hat da wahrscheinlich andere Prioritäten 😉
    Mir persönlich stellt es jedenfalls alle Haare auf, wenn zwischen den Zeilen überall durchschimmert: wir (Deutschen) zuerst. Das ist ja sowieso der Fall! Jeder Staat verteilt das allergrößte Stück vom Kuchen an die eigenen Bürger. Aber der Rest der Welt ist halt auch noch da und wir profitieren doch im Umkehrschluss wieder von Zusammenarbeit in der EU und weltweit.
    Viel wichtiger fände ich es, die Schere zwischen Arm und Reich hierzulande und weltweit zu verkleinern. Ich maße mir allerdings nicht an, nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, wie das nachhaltig funktionieren könnte – wie schwierig es ist, zeigen beispielsweise die geplante Reformen im Gesundheitssystem und der Widerstand dagegen.

  7. „Liebe Frau Simon, vielen Dank für Ihren durchdachten Beitrag – er bringt wichtige Punkte in die Diskussion.
    Ihr Verhältnisargument ist berechtigt: 35 Milliarden bei einem Bruttonationaleinkommen von 4.600 Milliarden sind rechnerisch weniger als ein Prozent. Das stimmt. Aber Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen: die pflegebedürftige Mutter, deren Familie trotz Vollzeitarbeit kaum noch die monatlichen Heimkosten von 3.000 bis 4.000 Euro stemmen kann. Der Rentner, der 40 Jahre gearbeitet hat und dessen Rente heute nicht mehr für ein würdiges Leben reicht. Die chronisch kranke Frau, die sich ihre Zuzahlungen und Eigenanteile zusammensparen muss, weil die Krankenkasse immer mehr ausschließt. Der Geringverdiener, der am Ende des Monats nicht weiß, wie er die Stromrechnung bezahlen soll.
    Wer selbst betroffen ist – oder Menschen in dieser Lage kennt und begleitet – sieht diese Frage mit anderen Augen. Es geht dann nicht mehr um abstrakte Prozentzahlen, sondern um ganz konkrete Würde im Alltag. Und genau dieses Gefühl, im eigenen Land nicht ausreichend gesehen zu werden, während Milliarden ins Ausland fließen, ist real – unabhängig davon, wie man es politisch einordnet.
    Den Vorwurf, ich würde Bedürftige gegeneinander ausspielen, nehme ich zur Kenntnis – aber ich sehe das anders. Eine offene Frage nach Prioritäten ist kein Angriff auf internationale Solidarität. Sie ist der Versuch, eine längst überfällige Debatte anzustoßen: Wie viel Solidarität können wir nach außen tragen, wenn wir sie nach innen immer weniger gewährleisten?
    Ihrem letzten Punkt stimme ich ausdrücklich zu: Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich – hierzulande wie weltweit – ist das eigentliche Kernproblem. Dass niemand eine einfache Antwort darauf hat, zeigt gerade, wie notwendig diese Diskussion ist. Ich freue mich, dass sie hier so sachlich und offen geführt wird.“

    1. Genau das ist das Problem: Dass Betroffene denken, dass „der Staat“ ihnen mehr Geld geben könnte, wenn es nicht ins Ausland fließen würde. Diese schlichte Rechnung aufzustellen, finde ich fatal. Wie oben bereits kommentiert wurde, geht es um ganz verschiedene Töpfe, aus denen das Geld bezahlt wird. Und eben, wie Sie im letzten Absatz selbst schreiben, eigentlich um etwas ganz anderes: Grundlegende Reformen wären nötig, um das vorhandene Vermögen gerechter zu verteilen. Und hier bleibe ich ganz klar bei meiner Meinung: Dieses Land hat genügend Wohlstand, genügend Potential und könnte es sich leisten, die Menschen, die Sie als Beispiele aufführen, besser zu versorgen – und dafür müsste man Entwicklungshilfe und Flüchtlingshilfe eben NICHT kürzen, sondern an anderer Stelle ansetzen – bei der Kluft zwischen arm und reich, bei gesellschaftlicher Solidarität. Wenn wir hohe Einkommen, Erbschaft etc höher besteuern würden, wenn es mehr Solidarität derjenigen gäbe, denen es gut geht, wäre das möglich. Und es geht den allermeisten in diesem Land gut. Das Problem in meinen Augen ist: Wir sehen das nicht mehr. Und wir setzen falsche Prioritäten, investieren Unsummen in den Erhalt eines enormen Wohlstandes und vernachlässigen grundlegende Investitionen beispielweise in die Sozialsysteme, das Bildungssystem usw. Dazu kommt, dass systemrelevante Berufe keiner mehr machen will, weil sie anstrengend sind und schlecht bezahlt werden. Wer will schon einen Job machen, der ihn nicht erfüllt? Langfristig wird das so vielleicht wirklich nicht mehr funktionieren.
      In meinen Augen verschlimmert sich alles momentan eben genau dadurch, dass alle schreien: Unser Land zuerst. Dadurch wird nichts besser, nur die Stimmung immer schlechter. Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken hin zu mehr Solidarität und Zusammenhalt. Stattdessen suchen wir nur nach Schuldigen: nach Politikern, die Fehler machen. Nach Migranten, die Hilfen und Geld nicht verdient haben, weil sie nicht 40 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Das führt nicht zur Lösung des Problems, sondern zu immer mehr Unzufriedenheit und am Ende zu einer radikalen Regierung.
      Ich würde mir wünschen, dass jeder sich mal ganz ehrlich fragt: Geht es mir gut? Und wenn er diese Frage mit ja beantworten kann, dann sollte er sich fragen: Kann ich etwas dafür tun, dass es anderen auch besser geht? Sich engagieren, helfen, oder anderen sogar mit Spenden oder einem privaten Kredit unter die Arme greifen. Aber sowas funktioniert ja nicht mal mehr innerhalb von Familien- wie soll es da gesamtgesellschaftlich funktionieren?

  8. Diese Info möchte ich noch als Gedanken hinzufügen:

    Armut in Deutschland – aktuelle Zahlen (2025)
    Die Kernzahlen:
    13,3 Millionen Menschen gelten in Deutschland als armutsgefährdet – das sind 16,1 Prozent der Bevölkerung. Die Armutsgrenze liegt 2025 für eine alleinlebende Person bei 1.446 Euro netto im Monat, für eine Familie mit zwei Kindern bei 3.036 Euro netto. (statista)
    Insgesamt sind 17,6 Millionen Menschen – also mehr als ein Fünftel der Bevölkerung – von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Statista

    Besonders betroffene Gruppen:

    Arbeitslose: 64,9 % sind armutsgefährdet
    Alleinerziehende: 28,7 % leben unterhalb der Armutsgrenze
    Alleinlebende: 30,9 % sind betroffen
    Rentner: 19,1 % im Ruhestand sind armutsgefährdet
    (Statista)

    5,3 Millionen Menschen konnten 2024 ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht ausreichend heizen – fast doppelt so viele wie noch drei Jahre zuvor. (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

    Solidarität nach außen braucht Glaubwürdigkeit nach innen. Und Glaubwürdigkeit beginnt damit, dass der Mensch nebenan – der Rentner, die Pflegekraft, die alleinerziehende Mutter, der chronisch Kranke – das Gefühl hat: Ich werde gesehen. Ich zähle. Mein Leben hat einen Wert für diesen Staat.

  9. Hallo zusammen,
    endlich mal wieder eine Diskussion die auf Fakten basiert und nicht auf Vorurteilen. Jetzt sollten wir es nur noch schaffen dass solche Gedanken die politischen Entscheidungen nachhaltig beeinflussen. Dass tiefgreifende Reformen nötig sind, dürften mittlerweile die Meisten verstanden haben. Dass diese uns alle treffen müssen und insbesondere diejenigen denen es gut geht scheint das Problem zu sein. Denn wer sägt schon gern an dem Ast … . Das Lösungen möglich sind haben uns die Schweden schon vor Jahren vorgemacht. Aber offensichtlich ist bei uns der Leidensdruck noch nicht groß genug.
    Danke für solche Diskussionen!
    Lois

  10. „Was kaum jemand weiß: Der Staat schuldet uns 40 Milliarden Euro – jedes Jahr“
    Es gibt einen weiteren Aspekt, der in diese Diskussion gehört und der selbst vielen aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern nicht bekannt ist.
    Die Deutsche Rentenversicherung hat berechnet, dass sie allein im Jahr 2023 Leistungen im Wert von rund 124 Milliarden Euro erbracht hat, für die nie Rentenbeiträge eingezahlt wurden. Dazu zählen die Rentenanpassungen nach der deutschen Wiedervereinigung, Kindererziehungszeiten, Witwenrenten und Kriegsfolgelasten – alles politisch beschlossene Aufgaben des Staates. Der Bund hat dafür jedoch nur rund 84 Milliarden Euro Zuschuss überwiesen. Die verbleibende Lücke von rund 40 Milliarden Euro tragen still und ohne öffentliche Debatte die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler – Jahr für Jahr.
    Das ist keine Behauptung aus dem Internet. Die unabhängige Alterssicherungskommission – ein Expertengremium, das Bundeskanzler Merz am 23. Juni 2026 sein Reformpaket übergab – hat dieses strukturelle Versagen in Empfehlung 17 ausdrücklich benannt. Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, hat die Finanzierungslücke öffentlich bestätigt. Und die Deutsche Bundesbank stellte in ihrer Stellungnahme vom März 2026 fest, dass Finanzierungslasten zwischen Bund und Rentenversicherung über Jahrzehnte nach Kassenlage statt nach sachlichen Kriterien verteilt wurden.
    Wer das selbst nachlesen möchte:
    🔗 Deutsche Rentenversicherung – versicherungsfremde Leistungen:
    http://www.deutsche-rentenversicherung.de
    🔗 Alterssicherungskommission – Reformempfehlungen Juni 2026:
    http://www.bmas.de (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)
    🔗 Hintergrundbericht mit allen Zahlen:
    http://www.gegen-hartz.de/news/rente-der-staat-schuldet-rentenzahlern-40-milliarden-euro-pro-jahr
    🔗 Weiterer ausführlicher Bericht:
    http://www.bnn.de/nachrichten/politik/warum-der-sozialstaat-der-rentenkasse-jaehrlich-viele-milliarden-euro-schuldet
    Ich stelle keine einfachen Forderungen. Aber ich stelle die Frage, die gestellt werden muss: Wie erklärt ein Staat, der seinen eigenen Beitragszahlern jährlich 40 Milliarden Euro schuldet und es einfach nicht zurückzahlt, dass für Pflege, Rente und Gesundheit kein Geld da ist – während Milliarden in alle Welt fließen?
    Das ist keine Polemik. Das sind belegbare Zahlen.

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