Geiersthal. Zwischen alten Festungsmauern und dem dichtem Grün des umliegendes Waldes verbirgt sich auf der Burgruine Altnussberg ein kulinarischer Rückzugsort für Wanderer und Geschichtsliebhaber: Die Burgschänke Altnußberg, die – wie bereits im Mittelalter zu Zeiten der guten alten Rittersleut – seit einem Monat wieder Anlaufstelle und Treffpunkt für viele Menschen aus nah und fern ist.

Wer den Aufstieg wagt, wird nicht nur mit einem atemberaubenden Panoramablick belohnt, sondern auch mit uriger Gemütlichkeit und g’schmackiger Brotzeit – serviert von Familie Geiger aus Gotteszell. Valentin, Roland und Judith haben dafür ihren gut laufenden Pizza-Lieferdienst in Deggendorf aufgegeben – und die Burgschänke als richtiges Wirtshaus für sich gefunden.
„Eigentlich hat die Schänke uns gefunden“, berichtigt Roland Geiger und grinst. „In Deggendorf wäre der Vertrag im Juni verlängert worden, doch dann sahen wir die Ausschreibung für die Altnußberger Burgschänke“, berichtet der neue Pächter und fügt hinzu: „Meine Frau hatte erst Bedenken, weil das Liefergeschäft so gut läuft. Aber nach ersten Gesprächen mit dem Burgverein, einer Kalkulation und etwas Vorbereitungszeit haben wir uns für Altnußberg entscheiden.“
Neustart auf der Burg: Weniger Stress, mehr Herzlichkeit

„In Deggendorf hatten wir keinen Ruhetag. Wir pendelten ständig zwischen Viechtach, Gotteszell und Deggendorf hin und her. Hier haben wir jetzt genau das, was wir eigentlich wollen“, erklärt Roland Geiger. Seine Frau Judith und Sohn Valentin, ein leidenschaftlicher Koch, stimmen dem Familienoberhaupt nickend zu.
Judith freut sich sichtlich über die neue Wirkungsstätte: „Endlich haben wir mal Zeit, mit den Gästen zu sprechen und eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Es ist schön, alte Schulkameraden zu treffen. Wir haben sogar schon Stammkunden – es ist einfach viel gemütlicher.“ Ihr Mann ergänzt überzeugt: „Es muss uns passen. Wir müssen uns wohlfühlen, dann strahlen wir das auch aus – und alles andere kommt von selbst.“
Montag und Dienstag hat die Familie nun frei. Ein Segen, wenn Roland an die alte Liefer-Pizzeria zurückdenkt: „Die Mittagszeit – diese 90 Minuten, wenn alle Berufstätigen gleichzeitig und möglichst schnell ihr Essen geliefert haben wollten – das war teils Stress pur, teils geradezu Panik.“
Das Konzept: Berghütten-Flair statt Party-Trubel
Die Geigers legen beim Betrieb der Burgschänke großen Wert auf regionale Produkte. So stammt das Bier direkt aus dem Deggendorfer Brauhaus. „Das kann man gut trinken“, lobt auch Helmut Peter vom Burgverein die Wahl des Gerstensaftes. Für Gastronom Geiger war die Lieferantenwahl eine Herzensangelegenheit: „Mit denen habe ich in Deggendorf schon zusammengearbeitet. Es ist ein junger Betrieb und eine unglaublich nette Familie“, weiß er zu berichten.

Auch beim Burgverein punktete die Familie mit ihrer Philosophie. „Das Konzept der Geigers hat uns am besten gefallen. Sie wollten die Burgschänke im Stil einer Berghütte führen“, begründet Vorstand Franz Raith die Entscheidung. „Ein anderer Bewerber hätte jedes Wochenende krasse Party-Events veranstaltet – das wäre der Bevölkerung von Altnußberg nicht zumutbar gewesen.“
Kulinarische Pläne für Sommer und Winter

Einiges auf der Burg ist gerade noch im Werden. „Wir haben Pizza-Abende mit verschiedenen Salaten, Nudeln und Pizzas geplant, aber vor allem im Winter auch Wildwochen mit Rehragout, Wildschwein-Ragout und Hirschgulasch“, schwärmen die Geigers unisono. „Im Juni lassen wir’s erst einmal noch anlaufen, aber wir freuen uns jeden Tag mehr, dass wir in Altnußberg sein dürfen.“
Aktuell stehen kalte Brotzeiten sowie verschiedene Salate und Suppen auf der Karte. Freitags und teilweise sonntags sind zudem Grillabende mit Giggerl und feinem Grillgut geplant. Besonders positiv: „Neu ist, dass die Burgschänke auch im Winter bewirtschaftet wird“, freut sich Vorstand Raith. Mittlerweile haben sich bereits ein fester Frühschoppen sowie ein Stammtisch etabliert – und die ersten Gäste zählen sich stolz zu den Stammkunden.
„Wir wünschen Familie Geiger nur das Beste“, betont auch Geiersthals Bürgermeister Richard Gruber. Er hofft, dass die Burgschänke nun wieder zu einem echten Ausflugsmagneten wird: „Man kann den Besuch wunderbar mit einer Besichtigung der Burg verknüpfen und sich mit der Historie auseinandersetzen. Die QR-Codes vor Ort laden dazu ein.“
Burgvereins-Mitglied Anton Obermeier verweist in diesem Zuge darauf, dass das Museum jeden Sonntag geöffnet ist: „Burgführer für Schulklassen oder Vereine kann man fest buchen.“ Und die Burgruine hält noch ein weiteres Highlight bereit: „Man kann sich im Museum sogar trauen lassen. Dafür werden dann die Vitrinen zur Seite geschoben“, weiß Rathaus-Chef Gruber. „Man könnte die Hochzeit dann gleich mit einem Zelt vor der Burgschänke feiern“, zeigen sich auch die Geigers begeistert. Dass sie das können, haben sie bereits im Mai mit Bravour unter Beweis gestellt.
Zugewinn für Dorf und Umland
Das bisherige Fazit fällt also durchwegs positiv aus: Die Altnußberger Bevölkerung hat die neue Pächter-Familie bereits willkommen geheißen. Man schätzt die moderate, sympathische Art der Geigers und sieht das neue Konzept der ganzjährigen Bewirtschaftung als echten Zugewinn für das Dorf und das gesamte Umland.
Marika Hartl
Schon am 13. Juni steht das nächste Highlight an: Der Burgverein veranstaltet das Event „Rock auf der Burg“ bei freiem Eintritt, Familie Geiger übernimmt dabei die Bar. Während der Verein die Gäste beim Konzert der lokalen Band Tainted Thunder mit Gyros, Steaks, Würstln und Grillkäse verköstigt, sorgt die Schänke für die Getränke. Einlass ist ab 18 Uhr, das kostenlose Konzert startet um 19 Uhr.
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