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March. Wie ich euch bereits in meinem Vorbericht gestanden habe, war meine Vorbereitung auf die dritte Auflage des berühmt-berüchtigten „Bayerwald-Marsch 100“ beim SV March im Landkreis Regen gelinde gesagt eine absolute Katastrophe. Statt kilometerlangem Training und stundenlanger Schinderei stand in den vergangenen Monaten eher das einarmige Stemmen von Windeltaschen auf meinem Tagesplan – die Geburt meiner Tochter und einige private Turbulenzen hatten die guten Vorsätze im Nu weggewischt…

Insgesamt nahmen in diesem Jahr 145 Wanderbegeisterte die Herausforderung „Bayerwald Marsch 100“ an, um viermal 25 Kilometer durch die Natur des Bayerischen Waldes zu bewältigen. Die Extremdistanz knackten am Ende erfolgreich 37 Starterinnen und Starter.Foto: Michael Rackl
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Doch Kneifen gilt nicht, dachte ich mir am vergangenen Wochenende. Schließlich bedeutet das englische Wort „March“ übersetzt passenderweise „Marschieren“. Wenn das kein Omen ist! Also habe ich meinen Kumpel Mike ins Boot – oder besser: in die Wanderschuhe – geholt. Auch er konnte sich nicht wirklich vorbereiten, aber wir beide sind glücklicherweise mit einer gewissen Grundkondition gesegnet.

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Jedenfalls: Die Nacht vor dem Start war mehr oder weniger bereits der erste Härtetest! Satte zwei Stunden Schlaf, im Kopf das übliche Alltags-Karussell – und neben mir in Omas Gästebett der schnarchende Sohnemann. Der morgendliche Ablauf glich daher einer logistischen Rettungsaktion: Unmengen an Kaffee in den Körper pumpen, eine Banane hineinprügeln, ein schneller Boxenstopp beim Drogeriemarkt für den strategischen Vorrat an Blasenpflastern – und ab zu Mike, der definitiv ausgeschlafener aussah als ich. Noch während der einstündigen Fahrt nach March legten wir uns sogleich eine hochentwickelte Taktik zurecht. Sie lautete schlicht und ergreifend: Soweit die Füße tragen!

Zwischen Profi-Athleten und Couch-Kartoffeln

Auf vier abwechslungsreichen Routen ging es für die Läufer durch „Bayerisch Kanada“, hinauf zum Geißkopf, über Regen und Langdorf sowie zum „Teufelstisch“. Foto: Michael Rackl

Am Marcher Sportplatz angekommen, ging es bereits richtig rund. Es „wurlte“ an allen Ecken und Enden. Überall wuselten gut gelaunte Helfer des Sportvereins herum, die das Event organistorischerweise offensichtlich perfekt im Griff hatten. Das Wetter zeigte sich (noch) gnädig: nicht zu kalt, nicht zu warm, ein paar Wolken am Himmel, hie und da ein paar wenige Tröpfchen, aber nix Dramatisches – eigentlich ideale Bedingungen. Nach der Anmeldung (Armband um, Nummer drauf, läuft!) trafen wir direkt auf Initiator und „Bayerwald-Coach“ Kevin Kronschnabl. Der Extremsportler wirkte trotz des Trubels tiefentspannt, hielt ein kurzes Pläuschchen mit uns und gab letzte Tipps vor dem Start.

In der Wechselzone bereitete ich mich akribisch vor: Die Fersen wurden prophylaktisch großflächig abgeklebt. Den schweren Rucksack ließ ich bewusst im Auto zurück; stattdessen setzte ich auf eine minimalistische Bauchtasche für Energieriegel und das absolute Lebenselixier: Magnesium-Wasser gegen die gefürchteten Krämpfe. Und nach den offiziellen Begrüßungsworten von SV-Vorstand Alois Dachs und Kevin „Ober-Wanderer“ Kronschnabl sowie einer Tanzeinlage der hiesiegen Kindertanzgruppe stieg die Anspannung allmählich auch schon an.

Beim Blick auf das restliche Teilnehmerfeld wurde mir allerdings schnell klar, wo wir hier gelandet waren: Ein Großteil der 145 Starter wirkte wie fitte Freizeitsportler. Doch dazwischen stachen sie heraus: diese drahtigen, spargeligen Extrem-Athleten, die die anvisierten 100 Kilometer vermutlich auf einer Arschbacke absitzen würden. Mit meinen Asics-Laufschuhen und einer schlichten Decathlon-Trinkflasche fühlte ich mich im direkten Vergleich wie die personifizierte Couch-Kartoffel.

Aber egal! Mein persönliches Minimalziel lautete: 50 Kilometer! Die vollen 24 Stunden für die 100 Kilometer, verteilt auf vier 25-Kilometer-Schleifen, waren ohne Training mehr als utopisch, das war mir klar. Aber die Hälfte musste drin sein! Immerhin bin ich vor gut 30 Jahren mal bei der Jugendwallfahrt von Ering nach Altötting stramme 60 Kilometer am Stück marschiert. Was soll da also schon schiefgehen?

Runde 1: Von „Bayerisch Kanada“ in die „Waschstraße“

Der Countdown lief von zehn rückwärts runter. Wir standen im Pulk unter dem riesigen, blauen, aufblasbaren Arberland-Bogen, angefeuert von den Zuschauerinnen und Zuschauern auf der gegenüberliegenden Seite. Blau-weiße „Rauch-Bomben“ wurden gezündet, nicht ganz Punkt zwölf Uhr ging’s los – und zwar direkt bergab. „Ein Traum“, so dachte ich noch…

Beim Selfie mit Inititator und Ausdauer-Maschine Kevin Kronschnabl (rechts) war Hog’n-Redakteuer Stephan Hörhammer noch guter Dinge. Im Hintergrund: Fotograf Michael Rackl.

Natürlich setzte sich die Gruppe der Ehrgeizlinge (die insgeheim meine volle Bewunderung haben) sofort ab, um den inoffiziellen Sieg unter sich auszumachen. Mike und ich hielten uns an Kevins Rat und groovten uns im Mittelfeld ein. Mit einer Schrittgeschwindigkeit von rund fünf km/h watschelten wir los. Die Route war phänomenal ausgeschildert – und anfangs passte sogar die örtliche Feuerwehr darauf auf, dass sich ja kein Wanderer im Eifer des Gefechts verläuft.

Mir persönlich war das anfängliche Tempo fast ein bisserl zu flott, ich hätte es gerne gemütlicher angehen lassen – aber der Gruppenzwang schob einen unbarmherzig vorwärts. Nach kurzer Zeit passierten wir ein Schild mit der Aufschrift: „Nur noch 99 Kilometer bis ins Ziel“ – herrlicher Galgenhumor, der im Feld für kollektives Gelächter bzw. flehentliches Kopfschütteln sorgte.

Über Stock und Stein, vorbei an Wiesen und Feldern, ging es in der Folge durch malerische Ortschaften wie Zinkenried. Ein warmer Wind blies uns um die Nase, mal brutzelte die Sonne, mal spendete der Wald ein bisschen Schatten. Die Stimmung war grandios, es wurde (fast ein bisschen zu) viel gelacht und geratscht im Teilnehmerfeld.

Die Kilometer flogen jedenfalls nur so dahin und wir steuerten auf „Bayerisch Kanada“ zu – ein traumhaft schönes Fleckchen Erde entlang des Schwarzen Regens. Mitten im Wald rauschte plötzlich Kevin Kronschnabl von hinten an uns vorbei. Im sanften Laufschritt, breit grinsend. Kurzes Hallo, schnelles Selfie – und weg war die Lauf-Maschine auch schon wieder, um die nächste Gruppe weiter vorne zu motivieren. Woher dieser Mann die Energie nimmt, wird mir für immer ein Rätsel bleiben…

 

Nervenkitzel mit der Gewitterzelle!

Ein motivierendes Hinweisschild am Streckenrand!

Nach rund 15 Kilometern meldeten sich die Füße das erste Mal mit kleineren Druckstellen und „Zwickern“, aber das war noch absolut im Rahmen. Was hingegen etwas aus dem Rahmen fiel, war der plötzliche Wetterumschwung: Der Himmel verdunkelte sich bedrohlich, der Wind frischte auf – und das erste Donnergrollen hallte durch den Bayerwald. Blitze zuckten. In Sekundenschnelle kramte ich meinen blauen Einweg-Plastik-Poncho heraus und warf ihn über. Und dann öffnete der Himmel seine Schleusen. Ein kräftiger Platzregen ging auf uns nieder, ausgelöst von einer fiesen Gewitterzelle. Hätte ich doch lieber die gute Regenjacke eingepackt…

Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer – auch als Organisator. „Das mit der Gewitterzelle war sehr heikel“, gab Kevin Kronschnabl später im Gespräch offen zu. „Es hat uns irgendwie selbst überrascht, weil die verschiedenen Wetter-Apps alle was anderes angezeigt haben. Wir gingen eigentlich von einer Regenwahrscheinlichkeit von 40 Prozent für eine Stunde aus.“ Dass am Ende Blitze über den Bayerwald zuckten, sorgte im Orga-Team natürlich für Schweißperlen auf der Stirn. „Wir haben im Vorfeld oft genug betont, dass jeder auf eigene Verantwortung startet und wie man sich bei einem Gewitter zu verhalten hat“, so Kevin.

Trotz des Risikos entschied sich das Team für die Durchführung. Eine Entscheidung, die der Initiator nicht bereut hat: „Die Masse hat sich im Nachgang sogar bei uns bedankt – auch dafür, wie wir ihnen vorher ins Gewissen geredet haben. Aber man lernt nie aus. Diesen Erfahrungswert nehmen wir eins zu eins mit in die Planung für 2027.“ Der heftige Sturm, der dem Ganzen am Sonntag die Krone aufsetzte, kam zum Glück erst auf, als der Marsch bereits offiziell vorbei war.

Die Socken trieften bei uns Wanderern jedenfalls extrem, meine Laufschuhe verwandelten sich in mobile Kneipp-Becken – doch die Stimmung im Feld blieb weiter sonnig. Zusammen mit anderen durchnässten Leidensgenossen suchten Mike und ich kurz Schutz im Bushäuschen der Ortschaft Sallitz, gefühlt nur noch wenige Kilometer vor dem Ziel- und Ausgangspunkt.

 

Das bittere Ende auf der Bierbank

Ende Gelände: Nach den Bolognese-Nudeln musste Hörhammer die bittere Erkenntnis-Pille schlucken, dass es für ihn nicht mehr weitergeht – das Knie machte ihm einen Strich durch die Rechnung…

Doch die letzten „Hatscherer“ der ersten 25-Kilometer-Runde zogen sich wie Kaugummi. Was wir anfangs so schön bergab gelaufen waren, mussten wir nun im nasskalten Zustand wieder hinaufkraxeln. Und zu allem Überfluss schoss mir plötzlich ein stechender Schmerz ins Knie, der sich bereits angebahnt hatte. Jeder Schritt wurde zur Qual. Als wir endlich wieder den Start-Ziel-Bereich, den Marcher Fußballplatz, erreichten, war ich physisch schwer bedient.

Jetzt hieß es erst mal: Raus aus den nassen Fetzen, trockene Sachen anziehen, Kalorien reinschaufeln und schauen, was noch geht. Doch bei einer Portion Nudeln mit Bolognese-Soße im kleinen Aufenthaltszelt musste ich relativ schnell auf der Bierbank sitzend fatalerweise feststellen: Mein Knie pochte unbarmherzig! Und so gerne ich die zweite Runde hinauf zum Geißkopf noch in Angriff genommen hätte – die Vernunft siegte am Ende. Daran konnten selbst die liebevoll beschrifteten „Motivationsbananen“ nichts ändern. Weitere 25 Kilometer hätte ich unter diesen Umständen niemals mehr geschafft.

Für mich war der Bayerwald-Marsch hier leider auch schon wieder zu Ende. Mike hingegen war noch vollgebombt mit Endorphinen und verabschiedete sich hochmotiviert in die zweite Runde, die er um Mitternacht finischte! Hut ab, Kumpel!

Beim anschließenden Abschiedspläuschchen zeigte Kevin Verständnis für meine Entscheidung. Überhaupt zog der Initiator trotz des Wetter-Stresses ein durchaus bewegtes Resümee: „Ich bin einfach sprachlos und dankbar, dass der Marsch so gut angenommen wird und so viel Zuspruch bekommt. Auch wenn es ab und zu stressig wird: Es ist einfach schön, das zu organisieren, weil hier alle an einem Strang ziehen. Die Werte, die so ein Marsch vermitteln möchte, werden hier richtig gelebt: Gemeinsamkeit, Vereinsleben, Kultur, Familie und Natur. Das Feedback vor Ort und danach ist immer wieder überwältigend. Dafür macht man es einfach: Um Menschen glücklich zu machen.“

Insgesamt schafften es an diesem Wochenende übrigens stolze 37 Finisher über die vollen 100 Kilometer – eine Wahnsinnsleistung, man kann es nicht anders bezeichnen. Und während sich die verbliebenen Gäste am Sonntag beim traditionellen Weißwurstfrühstück und dem Frühschoppen amüsierten (und die Stockschützen des SV March trotz der kurzen Wetterunterbrechung am Samstag ihre Turniere durchzogen), stand ich schon wieder daheim am Wickeltisch…

Grandioses Event mit echtem Familiencharakter

Mein Fazit: Der Bayerwald-Marsch 100 ist ein absolut grandioses Event mit echtem Familiencharakter. Für 2027 blickt Kevin Kronschnabl deshalb schon voller Vorfreude voraus: „Der Rahmen bleibt derselbe, weil es genau das ist, was uns ausmacht. Nächstes Jahr dann hoffentlich mit einem fertiggestellten Vereinsheim – mal schauen, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich dadurch noch ergeben. Es war ein schönes Wochenende mit allem Drum und Dran!“

Mich hat der Ehrgeiz jedenfalls gepackt. Im nächsten Jahr greife ich wieder an. Dann mit besserer Vorbereitung sowie einem hoffentlich fitten Knie – und dann fallen die 50 Kilometer! Ganz bestimmt…

Stephan Hörhammer/ Fotos: Michael Rackl & S.H.

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