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Kirchdorf im Wald. Für Carolina Ebner fängt der Tag meistens früh am Morgen im Stall an. Ihr Alltag besteht im Wesentlichen aus dem Füttern und Melken der Milchkühe sowie der Pflege der Kälber. Die 19-Jährige gehört zu den rund 5.000 Jugendlichen in Bayern, die sich momentan in einer landwirtschaftlichen Ausbildung befinden.

Die Arbeit mit Tieren bereitete Carolina Ebner im Rahmen des Austauschprogramms besonders viel Freude. Fotos: Martina Maurer
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Nach dem Abschluss ihres Berufsgrundschuljahres verbrachte sie das erste Lehrjahr in einem großen Milchvieh-Gemeinschaftsstall in Biberbach (Gemeinde Perlesreut). Ihr drittes und damit finales Ausbildungsjahr absolviert sie derzeit auf dem Bayerischen Staatsgut in Kringell, einem ökologischen Lehrbetrieb im Landkreis Passau.

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Und ja, die Landwirtschaft liegt ihr im Blut. „Ich bin schon im Kinderwagen mit im Stall dabei gewesen“, verrät die junge Frau, deren Eltern nach einem Stallbau im Jahr 2018 mittlerweile einen Milchviehbetrieb mit 70 Milchkühen führen. Auch wenn ältere Leute manchmal sagen „Deandl, lern wos Gscheits“, kann sie sich keine schönere Tätigkeit vorstellen. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und die Zusammenarbeit mit den anderen vier Lehrlingen und dem gesamten Team in Kringell macht mir großen Spaß“, erzählt die Auszubildende in einem Bericht des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

„Durfte Kakis und Granatäpfel vom Baum pflücken und probieren“

Als ihre Schulfreundin Celina von einem Schüleraustausch der Karl-Peter-Obermeier-Schule, einer staatlichen Berufsschule für Landwirtschaft in Passau, erzählt, steht für sie fest: „Das ist eine einmalige Chance, da komm ich sonst nie mehr hin.“ Gemeinsam mit Celina, zwei Klassenkameraden aus der Nähe von Pocking und mit Berufsschullehrer und Klassenleiter Martin Aumiller reist sie nach Agrigent, einer Stadt an der Südküste von Sizilien. Die Bayern erwartet dort ein vielseitiges Programm in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betrieben, wo sie zum Teil auch tatkräftig mitanpacken.

„In einem Früchtebetrieb haben wir die Weintrauben mit einer Schere von den Reben geschnitten und für den Direktverkauf in kleine Schalen verpackt.“

„In einem Früchtebetrieb haben wir die Weintrauben mit einer Schere von den Reben geschnitten und für den Direktverkauf in kleine Schalen verpackt. Hier haben wir mit den Einheimischen bis zum Versand mitgearbeitet“, erinnert sich die Austauschschülerin an die schöne Zeit. Die Verständigung war kein Problem, denn eine Dolmetscherin begleitete die Gruppe zu allen Betrieben. Zusätzlich hat sie vor der Reise jeden Tag nach Feierabend ein bis zwei Stunden mithilfe einer App die Fremdsprache gepaukt. „Die Sizilianer haben einen eigenen Dialekt, der nicht so einfach zu verstehen ist. Aber ich habe es trotzdem mit Italienisch versucht – und darüber haben sich alle unglaublich gefreut.“

Auf ihrer Tour durch die Insel erlebt sie mit ihren Begleitern die südländische Landwirtschaft hautnah. In einem Olivenhain sind sie dabei, wenn mit einem „elektrischen Rechen“ die Oliven von den Bäumen heruntergeholt werden und auf einem auf dem Boden ausgelegten Netz landen. Oder sie sehen zum ersten Mal die maschinelle Verarbeitung von Mandeln zu Mandelmus. „In einem Garten durfte ich Kakis und Granatäpfel vom Baum pflücken und probieren. Das war für mich als Früchtemensch ein besonderes Erlebnis – vor allem, weil das Obst viel süßer und intensiver schmeckt als daheim“, blickt Carolina Ebner zurück.

„Da wird an jeder Ecke gehupt“

Viele Früchte und Geschenke der Gastgeber landen daher als Souvenir im Koffer. Aber auch das Fachliche kommt nicht zu kurz. In einem „Urgarten“ nehmen sie mit ihrem Lehrer Bodenproben und bestimmen die Bodenart, richten Beete für die spätere Bepflanzung her und versuchen sich bei der Veredelung von Zitrus-, Clementinen- und Mandarinenbäumchen.

Die Pflege bayerischer Tradition ist Carolina Ebner (links, hier mit ihrer Schwester Antonia) auch im modischen Bereich wichtig. Foto: Rudi Paukner

Und was hat ihr am Austausch am besten gefallen? „Alles“, sagt sie schlicht und grinst. „Die Leute waren alle unfassbar nett, das Land ist so schön und wir haben gigantische Sonnenuntergänge erlebt.“ Abends und an den Wochenenden planen die Jugendlichen mit ihrer Dolmetscherin Ausflüge, zum Beispiel zum „Tal der Tempel“, einem außergewöhnlichen archäologischem Park mit einem sehr gut erhalten griechischem Tempel.

Auch die vielen schönen Strände rund um Agrigent, insbesondere die „Scala dei Turchi“, die weiße, stufenförmige Steilküste aus Naturstein, lassen sie sich nicht entgehen. Dabei lernen sie Land und Leute kennen. „Das Autofahren war ein Erlebnis, da wird an jeder Ecke gehupt“, berichtet die junge Frau. „Krass war auch, dass die landwirtschaftlichen Felder oft nach der Ernte einfach abgebrannt werden. Es ist zwar eigentlich nicht erlaubt, aber viele können sich eine maschinelle Bodenbearbeitung nicht leisten.“

Mit vielen schönen Erlebnissen und Eindrücken im Gepäck geht es nach elf Tagen wieder zurück in den Bayerischen Wald, denn im Juni stehen die Abschlussprüfungen an. Ihre ältere Schwester Antonia, die ebenfalls eine landwirtschaftliche Lehre absolviert hat und sich jetzt auf die Meisterprüfung vorbereitet, ist ihr ein großes Vorbild. Wenn alles gut läuft, möchte sie sich im Herbst an der „Winterschule“ in Passau und anschließend an der Höheren Landbauschule in Rotthalmünster weiterbilden. Oder sogar ein Auslandsjahr versuchen.

„Schade, wieder kein Hofnachfolger“

Auf jeden Fall wird sie der Landwirtschaft treu bleiben, vielleicht als Betriebshelferin. Die Eltern freuen sich, dass beide Töchter diesen Weg eingeschlagen haben. Das Klischee, dass nur Männer diesen Beruf erlernen und einen Betrieb führen können, ist längst überholt. „Bei meiner Geburt hat eine Nachbarin bedauernd zu meiner Mutter gesagt: Schade, wieder kein Hofnachfolger“, sagt Carolina amüsiert. „Jetzt gibt es sogar zwei.“

da Hog’n


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