Die riesigen Waldungen im Bayerischen Wald waren jahrhundertelang für ihre Eigentümer wertlos, da geschlagene Baumstämme mangels Erschließung nicht abtransportiert werden konnten. Nur einzelne Bäume wurden gefällt zur Anfertigung von Holzschaufeln, Holzschuhen, Rechen und anderen landwirtschaftlichen Geräten. Selbst der Ertrag aus dem Holzeinschlag für Glashütten und Kohlemeiler war in Anbetracht der Waldfläche gering.

So legte die Grundherrschaft damals das Hauptaugenmerk auf die Jagd, die Fischerei und die Perlfischerei. Mit den seltenen Perlen der Flussperlmuschel wurden etwa kostbare Kleider für Priester und Bischöfe bestickt.
Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnte der unermessliche Holzreichtum durch die Trift genutzt werden. Diese war aber für die Untertanen vor allem wegen Gefährdung der Perlnutzung streng verboten und stand unter Strafe. Von Trift spricht man, im Gegensatz zur Flößerei, wenn die Hölzer lose in das Wasser geworfen und weggeschwemmt werden.
Trift zur Zeit des Bistums Passau
Einen ersten Nachweis über die Trift haben wir aus 1570, als Grafenauer Bürger und der Schmid ihr Brennholz auf der Kleinen Ohe trifteten. Aber erst ab 1730 wurden unter Fürstbischof Joseph Dominicus wegen des ständig steigenden Brennholzbedarfs der Passauer Bürgerschaft und der prachtliebenden fürstbischöflichen Hofhaltung erste Überlegungen angestellt, das Holz aus unserem Gebiet mit der Trift nutzbar zu machen.

Ein erster Triftversuch aus der Buchberger Leite ist mit enormen Holzverlusten nicht besonders gut ausgefallen. Dennoch wurde weiter an der Triftbarmachung unserer Waldbäche gearbeitet. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts waren Reschbach, Saußbach, Bärnbach und das Windischwasser triftbar. Die am Dreisessel gelegenen Waldungen konnten jedoch nicht getriftet werden, da sie zur Moldau hin abfielen.
Die Wolfsteiner Gewässer verliefen wie der Hauptfluss Ilz innerhalb der Grenzen des Hochstifts, aber bei Fürsteneck und Hals wurde bayerisches Gebiet berührt. Deswegen war der Bischof verpflichtet, das Kurfürstliche Bräuhaus in Hals mit dem nötigen Brennholz zu einem festen Preis zu beliefern und auch an eine Obergrenze des Holzeinschlags gebunden.
Der Bischof steigerte Holzeinschlag und -Trift immer weiter und eröffnete mit dem Überschuss einen lukrativen Handel mit donauabwärts gelegenen Städten, vor allem mit Wien. Bayern sah die Versorgung des kurfürstlichen Bräuhauses mit dem nötigen Holz und die Fischerei und Perlnutzung gefährdet und es kam zu Auseinandersetzungen. Schließlich (1781) befand eine Kommission aus Vertretern beider Parteien die rigorose Abholzung der bischöflichen Wälder entlang der Triftbäche.
Eine Obergrenze des zulässigen Einschlags wurde festgelegt, ebenso die Versorgung des kurfürstlichen Bräuhaus mit dem nötigen Holz. Erst im Jahre 1802 wurde der Konflikt endgültig beigelegt. Dieser Vertrag war schon 1803 gegenstandslos als das Hochstift Passau im Zuge der Säkularisierung dem Großherzogtum Salzburg-Toskana zugeschlagen wurde.
Der Wimmerkanal
Aber auch das Herzogtum stand vor dem Problem, dass es bayerisches Territorium (jetzt die Ilzstadt in Passau) beanspruchen musste. Verhandlungen mit Bayern scheiterten.

Freiherr v. Wimmer (1754-1822), Großgrundbesitzer grenznaher Waldungen bei Finsterau, bot einen Ausweg. Er hat sich gegenüber dem Herzogtum vertraglich verpflichtet, die zur Ilz abfließenden Waldbäche mit einem Kanal in die Erlau bei Waldkirchen umzuleiten. Mit diesem Projekt wäre Salzburg-Toskana unter Umgehung der Ilz für alle Zeiten von Bayern unabhängig geworden. Wimmer war auch ausdrücklich verpflichtet das Dreisesselgebiet triftmäßig mit Kreuzbach- und Osterbachkanal zu erschließen. Zudem sollte er vom Herzogtum das gesamte Holz aus den Wolfsteiner Waldungen zu festen Preisen übernehmen und wegtriften.
Mit dem Preßburger Frieden 1805 kam unser Gebiet allerdings alsbald zum Königreich Bayern. Das riesige Kanal-Projekt mit 50 Kilometer Länge war hinfällig und wurde eingestellt. Finanzielle oder technische Gründe wegen der extrem schwierigen Geländeverhältnisse im Dreisesselgebiet mögen auch eine Ursache gewesen sein. Der Wimmerkanal wurde nie vollendet. Zahlreiche heute noch sichtbare Reste bezeugen aber eindrucksvoll die damals vergebens unternommenen Anstrengungen.
Kurz darauf erneuerte die neue Bayerische Regierung mit dessen Schwiegersohn Freiherrn von Hruschowsky den Vertrag, der vor allem endlich Kreuzbach – und Osterbachkanal bauen sollte. Auch er scheiterte. Erst ab 1860 konnten diese Wälder mit dem Bau der Kanäle und Klausen erschlossen werden.
Trift im Königreich Bayern
Nach dem endgültigen Scheitern des Kanal-Projekts übernahm der Staat die Trift selbst. Diese war Monopol des Staates um für eine konkurrenzlose Verwertung des staatlichen Holzes zu sorgen. Später hat der Staat sein Triftmonopol aufgegeben und auch private Waldbesitzer konnten jetzt ihr Holz nach Passau triften. Sie mussten dafür Gebühren entrichten und Schadensersatz bei Beschädigung der Trift-Anlagen leisten.

Wegen der rücksichtslosen Trift der Privaten und starker Übernutzung der Privatwaldungen mussten sie allerdings zeitweise die „forstordnungsgemäße und nachhaltige Bewirtschaftung“ ihrer Waldungen durch eine forstpolizeiliche Bestätigung nachweisen.
Bis etwa 1860 wurde fast ausschließlich Brennholz getriftet. Die Trift an Blochholz mit 3 Meter Länge war verschwindend gering, stieg aber kontinuierlich an. In Passau siedelten sich wegen des Bahnanschlusses große Sägewerke an. Der Staat triftete selber kaum Blochholz, allerdings in einem Zeitraum von 100 Jahren (1815- 1915) die unglaubliche Menge von viereinhalb Millionen Ster Brennholz. Das entspricht etwa 100.000 Lkw-Ladungen!

Das Blochholz aus den Staatswaldungen wurde nämlich vom Staat meist direkt an den Bächen Holzhändlern oder Sägewerken übergeben, die das Risiko für die Trift und Verlust des Holzes bis zum Zielort zu übernehmen hatten.
Die höchste Triftmenge wurde Mitte der 1870er Jahre erreicht mit teilweise über 150.000 Festmeter im Jahr. Grund hierfür war ein katastrophaler Orkan im Oktober 1870 gefolgt von einem Borkenkäferfraß von bisher unbekanntem Ausmaß. Der Schadholzanfall soll etwa 1 Million Festmeter betragen haben. Um den Schaden zu minimieren, wurde alles brauchbare Holz zu Nutzholzsortimenten eingeschnitten.
Immer weniger Brennholz konnte nach Passau geliefert werden. Die Brennholztrift nach Wien wird wegen Unrentabilität eingestellt. Mittlerweile konnte sich Wien durch billige Budweiser Kohle versorgen, statt dem teuren Brennholz aus dem Bayerischen Wald.
Ablauf der Trift

Um ein Sperren der Trifthölzer zu vermeiden, mussten die Bäche von Gestein, Gestrüp und umgestürzten Bäumen geräumt und auf Teilstrecken mit Baumstämmen ausgelegt werden (Beschlacht). Teilweise wurden Ufer aufwendig mit behauenen Felsblöcken befestigt. Stark gewundene Gewässerabschnitte wurden begradigt oder durch den Geländedurchbruch bei Hals abgekürzt.
Die Bäche führten selbst bei Schneeschmelze nicht genügend Wasser. So mussten Klausen errichtet werden, die künstliches „Hochwasser“ ermöglichten. In diesen Staubecken wurde Wasser aus den hineinfließenden Bächen gesammelt. Das Holz wurde im Sommer geschlagen, im Winter auf Ziehbahnen mit Holzschlitten zu Tal gebracht und dort entlang der Triftgewässer unterhalb der Klausen gelagert.
Mit der Schneeschmelze begann die Trift. Die Hölzer wurden unterhalb der Klausen ungeordnet in das Wasser geworfen und nach Öffnen der Klause weggeschwemmt.
Da sich die Hölzer oft sperrten, mussten Triftknechte entlang der gesamten Strecke mit Holzstangen mit eisernen Spitzen (Hogn) die verkeilten Stämme weiter treiben. Dazu mussten sie auch über die schwankenden und glitschigen Hölzer (Bruck) oder in das reißende Wasser springen – selbst nachts bei Fackelschein. Diese Arbeit war nicht weniger gefährlich, wie das Holzziehen selbst und vieleUnfälle passierten, nicht wenige mit tödlichem Ausgang. Am Ende der Triftstrecke wird das angeschwemmte Holz von einem Fangrechen abgefangen und angelandet.
Ausklang der Trift

Der Rückgang der Trift zeichnet sich schon ab der Jahrhundertwende ab. Durch Eröffnung der Eisenbahnstrecke Passau-Freyung 1892, später der Lokalbahn Waldkirchen-Haidmühle und dem Bau der Spiegelauer Waldbahn bis nach Finsterau erwuchs der Trift eine starke Konkurrenz für den Abtransport des Holzes.
Der Bahntransport war kostengünstig, das ganze Jahr verfügbar und weniger gefährlich. 1914 heißt es in der Freyunger Waldpost: „Zusätzlich (zur Trift) werden unglaubliche Mengen an die Bahn gefahren, nämlich täglich 30 bis 40 Fuhrwerke.“
Getriftet haben dann hauptsächlich nur mehr ortsansässige Sägewerke entlang unserer Bäche. Die Trift wurde unrentabel und zwischen den beiden Weltkriegen weitgehend aufgegeben. Später wurde unser Waldgebiet weiter mit Forststraßen erschlossen und ab etwa 1950 war der LKW-Transport vorherrschendes und dann einziges Transportmittel.
Schlussbemerkung

Der Ausbau der Triftbäche und die großflächige Abholzungen von (Ur-)Wäldern,war ein schwerwiegender Eingriff in die Ökosysteme. Verlust von Lebensräumen für Pflanzen- und Tierarten waren die unausweichliche Folge. Auf der anderen Seite war die Trift eine technische und organisatorische Meisterleistung, die unsere Vorfahren im Laufe von Jahrhunderten mit primitiven Mitteln bewältigt haben. Holzeinschlag, Holzziehen und Trift waren schwerste Handarbeit und lebensgefährlich. Sie waren aber oft die einzige Möglichkeit, das karge Leben mit etwas Verdienst aufzubessern.
Heute noch stoßen wir entlang der Triftbäche auf Spuren der ehemaligen Uferbefestigungen. Sie verfallen allmählich und neue Strukturen in den Bächen entstehen wieder.
Aufschlussreiche Hinweise zur Trift kann man etwa am Naturerlebnispfad „Triftsteig“ an der Kreuzbachklause in der Gemeinde Haidmühle erlangen oder auf dem Triftsteig bei Fürsteneck. Von Hals aus führen gut beschilderten Wanderwege entlang der Ilzschleife mit Resten der dortigen Triftsperre und einem 115 Meter langen Tunnel. Dieser wurde um 1830 durch den Felsen gehauen, um die Triftstrecke bei der großen Ilzschleife abzukürzen.
Albert Pauli
Eine Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischer Wald-Verein, dem Verein für Heimat- und Volkstumspflege, Kulturarbeit, Natur- und Landschaftsschutz sowie Wandern im Bayerischen Wald, der auch für das Projekt „WanderKultur“ verantwortlich zeichnet.








