Rinchnach. Viel Zeit, Kraft, Überlegungen und Mühen hat der Guntherbund Rinchnach um Vorstand Kurt König investiert, um dieses Comeback zu ermöglichen: Nach 15 Jahren blühen die Gunther Spiele in Rinchnach wieder auf. „Es ist einfach eingeschlafen. Keiner wollte sich mehr diese riesige Arbeit antun, obwohl es eigentlich der Vereinszweck wäre. Vor zwei Jahren entschieden wir uns dann, diese Kulturveranstaltung wieder anzubieten.“

Nicht nur Kurt König hat deshalb alles gegeben, sondern auch sein Stellvertreter Roland Trum. Karin Köppl, die den Osterritt in Regen organisiert, übernahm die Regieassistenz, Königs Tochter Isabella und seine Ehefrau kämpfen an allen Fronten mit. So wurden Stallungen für die Pferde, die mitspielen, gebaut – genauso die Schalung für die überdachte Tribüne, der Bewirtungsplatz mit Zelt und zwei neue Bühnen nach den Entwürfen des neuen Regisseurs Julian Niedermeier aus Landshut. Mit Regina Wenig passte er das Stück an.
„Lange haben wir keinen Regisseur gefunden. Ich habe in Schauspielschulen angerufen. Das war wirklich eine Sisyphusarbeit. Erst sagte mir eine nette Dame zu, die aber dann ein Engagement für das Kulturmobil gekommen hat. Nachdem wir Niedermeier gefunden hatten, wären noch zwei andere da gewesen, aber wir blieben ihm treu“, berichtet Kurt König.
„Die Besiedlung des Bayerwaldes ging von Rinchnach aus“

Die zweite Herausforderung war es, die nahezu 100 Schauspieler zu finden. Früher war es eine Ehre für die Dörfler mitzuspielen. Das war einmal. Inzwischen befinden sich unter den Akteuren viele Auswärtige – aus Schweinhütt oder Langdorf. „Jeder kennt jemanden, der auch gern mitspielen würde und so kamen wir auf unsere 100 Leute“, erzählt König von den intensiven Personalplanungen der vergangenen zwei Jahre. Neu ist die Musik – komponiert von Dr. Johannes Molz, der kürzlich in Rinchnach war und den König durch andere Regisseure und die Agnes Bernauer Festspiele kennen gelernt hat.
Inhaltlich hält sich das Stück stark an die historische Geschichte. Gaukler werden das Geschehen aufwerten, Pferde nehmen wie eh und je am Theater teil. Die Gewänder waren teils schon im Fundus, teils nähte sie Barbara Bielmeier aus Regen. Hervorragend unterstützt wird der Verein auch durch das Tourismusbüro der Gemeinde Rinchnach mit Bürgermeisterin Simone Hilz.
„Warum man das Stück sehen soll, ist ganz einfach erklärt“, mein König. „Es ist die Entstehungsgeschichte des Bayerischen Waldes. Regen, Viechtach, Zwiesel – alle sind größer als Rinchnach, aber wir sind die ältesten, denn die Besiedlung startete von uns aus.“ Der 1. Vorsitzende erzählt von Gunther, dem Reichsgrafen, der sich in der Weltuntergangsstimmung des Jahres 1000 mit etwa 50 Jahren dem Weltlichen abwandte.
„So viele Ausfälle gab es noch nie“

Er ging 1006 vom Benediktinerorden in Thüringen nach Niederalteich. Doch er wollte noch mehr Buße tun und pilgerte in den „Nordwald“ nach Rinchnach, das er 1012 gründete, nachdem er dort die Wälder gerodet hatte. Später trieb es ihn in Sehnsucht nach erneutem eremitschen Leben Richtung Böhmen, wo er in Dobra Voda am 9. Oktober 1045 verstarb. Den jungen Gunther spielt Tobias Bayerl, den mittelalten Jürgen Hamperl, den älteren Josef Schmid. Magdalena Raith mimt Swidtmut, die Gunther als Geist lebenslang verfolgt, nachdem er sie vergewaltigt hatte und sie zu Tode kam.
Wenige Wochen vor der Premiere der Schock: Wieder fällt eine Schauspielerin gesundheitlich aus. „Seit dreißig Jahren bin ich dabei, aber so viele Ausfälle gab es noch nie“, bedauert Roland Trum. Jetzt ist es eben erneute Zeit für Plan B. Schirmherr Ronny Raith drückt ihnen die Daumen: „Das ist ein gelebtes Stück Heimatgeschichte. Ich war früher schon davon begeistert und freue mich auf die Premiere!“.
Bürgermeisterin Simone Hilz will sich die Geschichte Gunthers, „unser kostbarstes Gut auf die politische Fahne schreiben.“ Sie zog 2009 nach Rinchnach und sah das Festspiel 2011. „Die Begeisterung wird über die Region hinaus gehen. Immerhin ist in Rinchnach der Entstehungspunkt des mittleren Bayerischen Waldes“, ist sie stolz auf den Guntherbund und die Geschichte.
„…da muss man viel koordinieren…“
Während Niedermeier mit den Anwesenden übt und schon wieder organisiert, denn „bei so vielen Laienschauspielern ist die Terminabsprache nicht einfach: jeder geht in die Arbeit, da muss man viel koordinieren“, drehen Sabrina und Klaus Hamperl ein Video mit Raith und Hilz, dass sie in den „Sozialen Medien“ unter „Guntherbund_Rinchnach“ posten, um das Stück zu bewerben. Es sind eben viel Zeit, Kraft, Überlegungen und Mühen für das Comeback nötig…
Marika Hartl
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Aufführungstermine: Premiere ist am 30. Mai um 20.30 Uhr. Weitere Aufführungen finden am 3., 5., 6., 11., 12., 13., 19. und 20. Juni statt. Tickets gibt’s im Tourismusbüro Rinchnach oder direkt hier (einfach klicken).








