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Lam. Am 1. Januar 1968 eröffnete Alois Breu in der Arberstraße 49 in Lam seinen Friseursalon Louis. Inzwischen sind 58 Jahre vergangen und der Laden bildet noch immer den Lebensmittelpunkt des Coiffeurs. „Der Friseurberuf ist mein Hobby und meine Leidenschaft. So bleiben Kopf und Körper lebendig“, sagt der 81-Jährige. 55 Urkunden, Diplome, Zertifikate und Auszeichnungen zeugen von enormer Leistung und ebenso großer Disziplin. Er hat Generationen junger Leute an Berufs- und Fachschulen unterrichtet und für das Friseurhandwerk ausgebildet.

Louis Breu präsentiert sein Buch Lebenslinien. Das Foto auf dem Einband entstand während seiner Zeit in der Schweiz, als aus Alois Louis wurde – selbstverständlich mit modischer Elvistolle. Fotos: Heidi Wolf

Früher ist er viel gereist – heute kommt die Welt zu ihm. Viele Kundinnen und Kunden im Salon Louis sind Feriengäste, die den Service genießen und dabei aus ihrem Leben erzählen. Alois Breu arbeitet zusätzlich noch in der Wellnessabteilung eines Hotels in der Nähe, lernt auch hier jeden Tag neue Menschen kennen.

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„Ich bin neugierig und höre den Leuten gerne zu“, beschreibt Breu einen seiner Charakterzüge. Es war wohl eine große Portion Neugierde, die den Buben von einem Einödhof in Hinterfrahels unter den Bayerwaldbergen Arber und Osser in die weite Welt hinauszog. Als jüngstes von vier Kindern kam er am 25. November 1944 zur Welt, am Namenstag seiner Mutter Katharina.

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Harte Arbeit „hat uns nicht geschadet“

Zahlreiche Urkunden aus aller Welt erinnern an das bewegte (Berufs-)Leben des Friseurmeisters.

Seine Mama bezeichnet er als „Allrounderin. Sie konnte sich mit allem helfen, war gastfreundlich, eine gute Hausfrau und Bäuerin, und eine sehr aufgeschlossene Frau. Sie wollte, dass wir Kinder in die Welt hinausgehen und lernen.“ Vater Alois holte moderne Technik auf den Hof. Er besaß den ersten Motormäher und den ersten motorbetriebenen Heuwender in der damaligen Gemeinde Engelshütt (jetzt: Markt Lam).

Für Alois Breu und seine Geschwister war die Mithilfe auf dem Bauernhof selbstverständlich. Viele Erlebnisse aus der Kindheit schildert er in seinem Buch Lebenslinien, das zu seinem 70. Geburtstag im November 2014 erschien. „Wir mussten hart arbeiten, aber das hat uns nicht geschadet“, lautet seine Bilanz. Als sich die Zeit an der Volksschule in Haibühl dem Ende näherte, stellte die Mutter die Frage nach dem Berufswunsch.

Für den Sohn war klar: Er wollte mit Menschen zu tun haben. Eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in der Hotellerie lief ins Leere. Doch Onkel Otto Breu hatte den Einödhof in Hinterfrahels verlassen und führte erfolgreich ein Friseurgeschäft in Rheinbrohl bei Bad Honnef. Dort besuchte ihn Neffe Alois. Beeindruckt vom Leben am Rhein, von der Landschaft und den Leuten kehrte er mit dem Entschluss in den Bayerischen Wald zurück, Friseur zu werden.

Seine Mutter fragte im örtlichen Salon in Lam nach einer Lehrstelle und bekam die Zusage. Dem 14-jährigen Sohn sagte die pragmatische Frau: „Haare und Bart wachsen immer, und wenn du dich später selbständig machst, bekommst du für deine Arbeit auch sofort das Geld!“ Das war 1958. Nach einem halben Jahr Lehrzeit tauschten der Chef und sein Schwager die Häuser; eine Schlosserei in der Arberstraße 50 in Lam wurde in einen Herren- und Damensalon umgebaut.

Der Traum von der 5th Avenue

Der 81-Jährige ist Friseur aus Leidenschaft.

Alois Breu musste dabei für die Maurer den Mörtel hochziehen, berufsfremde Arbeiten waren auch später an der Tagesordnung. Dem jungen Mann war schnell klar: So würde er den Abschluss nicht schaffen. Er verlegte sich mit Erfolg aufs Heimstudium und bestand mit gutem Erfolg. Für die praktische Prüfung fertigte er aus weichem Angora- und hartem Büffelhaar eine Damenmaßperücke – als Haarfarbe wählte er Zartrosé.

Mit seinem Ersparten finanzierte sich Alois Breu eine Weiterbildung in Wuppertal, zog weiter nach Fulda und Frankfurt am Main. Um nicht einberufen zu werden, ging er 1962 in die Schweiz. In Zürich wurde aus Alois „Louis“, ein wohlklingender Name für einen Coiffeur in einem mondänen Damensalon. Der junge Mann lernte schnell, zwischen den verschiedenen Sprachen zu wechseln, den Kundinnen perfekten Service zu bieten und sie charmant zu unterhalten.

„Ich war mit zehn Prozent am Umsatz beteiligt und wenn man den Mund nicht aufbrachte, gab es weniger Trinkgeld“, erinnert er sich. In seiner Freizeit lernte er Schlittschuhlaufen und nahm Gesangsunterricht. Sein Klavierbegleiter wollte ihm eine Stelle als Schiffsfriseur vermitteln, von Zürich nach New York in die 5th Avenue war der Plan. Doch so weit kam es nicht. Die USA waren in den Vietnamkrieg verwickelt und Alois Breu befürchtete, zum Militär eingezogen werden. So blieb Amerika ein ferner Traum.

„Fernweh und Weltoffenheit seines Vaters geerbt“

Louis Breu in seinem Salon, den er seit 58 Jahren in Lam betreibt.

Er kehrte zurück, machte den Meister mit 21 Jahren als damals einer der Jüngsten in Bayern. Reisen nach Kuala Lumpur und Singapur im Fernen Osten folgten. An der Schönheitsschule für Kosmetik und Haarstylisten in Singapur lernte er May Wong kennen, die später seine Frau wurde. Aus der ersten Ehe stammt Sohn Christian, der in Haus bei Bad Kötzting erfolgreich eine Spedition betreibt. Seine Lastwagen sind in ganz Europa unterwegs und er sitzt regelmäßig selbst am Steuer.

„Er hat wohl das Fernweh und die Weltoffenheit seines Vaters geerbt“, vermutet Christians Lebensgefährtin Steffi, die mit der gemeinsamen Tochter Hannah-Victoria zum Interview mit dem Großvater in den Salon Louis gekommen ist. Einmal im Monat treffen sie sich, denn „der Opa ist ja vielbeschäftigt“.

„Der Mensch braucht eine Aufgabe“, lautet die Überzeugung von Alois Breu, der sich 14 Jahre lang auch kommunalpolitisch engagierte. Er vertrat die SPD im Marktrat von Lam und im Kreistag des Landkreises Cham – „eine rote Socke in einer schwarzen Umgebung“, schmunzelt er und schiebt als Motiv nach: „Ich wollte den kleinen Leuten helfen. Die Großen brauchen meine Unterstützung nicht.“

Dass die AfD auch in seiner Heimat Lamer Winkel so stark ist, macht dem Friseurmeister Sorgen: „Ich bin im Spätherbst 1944 geboren, im letzten Kriegswinter. Der Zweite Weltkrieg hat gezeigt, was Nationalismus anrichtet. Aber leider wiederholt sich Geschichte alle 70, 80 Jahre. Die Menschheit lernt nicht dazu.“ Seine Bücher „Lebenslinien“ und „Meine Wurzeln in Böhmen“ verkauft er in seinem Salon – und lernen lässt sich aus seinen Erinnerungen und seiner Lebenserfahrung einiges…

Heidi Wolf

(Erstveröffentlichung in: Schöner Bayerischer Wald)


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