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Viechtach. Als Fotograf und Autor verschaffte sich Herbert Pöhnl im Bayerischen Wald und über dessen Grenzen hinaus eine gewisse Bekanntheit. Im Rahmen seines Langzeitprojekts mit dem Titel „Grenzen bewegen“ präsentiert er mit seinem kongenialen Partner und Pianisten Sven Ochsenbauer dem Publikum Fotos, Erfahrungen und Anekdoten seiner Grenz-Touren durch Westböhmen und Ostbayern. Seit nunmehr 14 Jahren treten die beiden gemeinsam auf.

Grenzenloser Beobachter und Dokumentar: Herbert Pöhnl bei seinem Vortrag über Grenzen im Alten Rathaus in Viechtach. Fotos: privat
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Vorbereitet wird aktuell die Schau „Hinüber“, das letzte Pöhnl-Projekt zum Thema Grenzen. „Jetzt habe ich sie niederfotografiert – nun beende ich es allmählich“, berichtet Pöhnl und lacht. Der studierte Diplom-Betriebswirt und ehemalige Realschullehrer lehrte einst an der Raiffeisenakademie in Neustadt an der Donau und war von 1983 bis 2008 als Prokurist bei der Regentalbahn in Viechtach tätig. 1980 lernte er seine Frau Gisela Altmann kennen. Mit ihr begann er kabarettistische Texte und Kolumnen zu schreiben und war Gründungsmitglied und langjähriger Mitarbeiter des Lichtung Verlags. Im Jahr 1996 erschien sein Buch „Hinterbayern“, 2014 der Nachfolgeband „Hinterbayern_Inside“.

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Die „Original Waldler-Buam-ShowBand“ mit Roland Pongratz, Hartwig Löfflmann, Christoph Pfeffer und Theo Hofmann begleitete die Auftritte musikalisch fünfzehn Jahre lang. „Es war eine Riesengaudi“, erinnert sich Herbert Pöhnl, „und beim dritten Mal war der bayerische Rundfunk dabei und strahlte die Vorstellung bei Unter unserem Himmel aus. Von Schwandorf bis Passau zeigten wir es dann etwa sechzigmal – dann beschäftigte ich mich 15 Jahre mit dem Projekt Nationalpark und recherchierte für das Buch Der halbwilde Wald. Wieder folgten Vorträge – aber weniger satirisch.“

„Begriff der Grenze auch kulturell und lokal beleuchten“

„Die Grenze mitten im großen Wald zwischen den Nationalparken Šumava  und Bayrischer Wald fand ich unpassend bis lächerlich. Mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber konnte ich im Nationalpark eine Wanderung machen und lange über einzelne Aspekte mit ihm sprechen.“ Damals hatte sich das neue Thema „Grenze“ entwickelt, mittlerweile gibt es drei Bücher dazu. „Aber jetzt ist Schluss damit – wahrscheinlich“, teilt der 77-Jährige vielsagend mit…

Am liebsten fotografiert Pöhnl in der Umgebung, in der sich der Fotografierte am wohlsten fühlt, wie hier Brigitta Schlüter im Weltladen.

Jedenfalls: Pöhnl war im Rahmen seiner Grenz-Streifzüge weit unterwegs, häufig mit Dolmetschern und immer mit dem Augenmerk auf Menschen und Gespräche. „Aktuell interessiert mich zunehmend der lokale Umgang mit der Grenze, zwischen Klatovy und Furth im Wald, zwischen Freyung und Domažlice.“ In der Region mache sich langsam aber sicher Europa im Alltag erkennbar. Und überall findet er Unterstützer. Hier, schwerpunktmäßig am Beispiel Viechtach, will er Nachbarschaftliches vorstellen. Aber weiter fassen, über die geografische Grenze hinaus, auch andere Nationalitäten vorstellen. „Ich will den Begriff der Grenze auch kulturell und lokal beleuchten. Zuwanderung und Integration kann bereichern.“ 55 Nationen seien in Viechtach derzeit registriert.

Nach Tschechien nimmt Herbert Pöhnl bei seinen Besuchen häufig Bier mit. Denn er weiß mit einem Augenzwinkern: „Bier ist ein Medium.“ Die Folge: „So wird Smalltalk überflüssig, die Gespräche haben gleich Tiefe. Bier ist ein passendes Geschenk, es entspannt die Situation“, sagt zumindest Edmund Stern, sein langjähriger Projektpartner.

„Auch mich hat das verändert“

Pöhnl kann beides: Mal „old school“ auf die Kamera gestützt – so, wie man sich in der alten Schule positionierte -, mal tagesaktuell und zukunftsbezogen.

„Wenn mich etwas aufregt, beschäftige ich mich damit – etwa wenn alte Bausubstanz verfällt, der Umgang mit dem Dialekt, mit Heimat, mit Ökologie, der Alltageskultur“, gesteht der in Furth im Wald aufgewachsene Autor. Diese Themen spiegeln sich in vielen seiner Artikel wider – und lassen Bücher entstehen. „Ich möchte zum Nachdenken anregen und Vorurteile abbauen. Es gibt für mich nicht dieses ‚Land und Leute kennenlernen‘, denn: Wenn ich 50 Tschechen treffe, sind das 50 oft sehr unterschiedliche Menschen.“

Es sind lange Fahrten, die für seine Erkundungen notwendig sind. Auch nächtliche, anstrengende – über zwölf Jahre hinweg. „Ich habe viele Menschen getroffen – auch mich hat das verändert“, blickt er wieder zurück. Seine Frau habe oft gebangt und sich Sorgen gemacht, bis er wieder zu Hause war, „wenn er weit hinter Prag unterwegs gewesen ist und ich nie wusste, mit welchen Leuten er Kontakt hat“, erinnert sich Gisela Altmann.

Seine Grenzerfahrungen macht sich u.a. die Universität Würzburg in dem Seminar „Raumidentität – wie Grenze Anwohner beeinflusst“ und die Universität Regensburg mit dem Konzept eines Grenzmuseums zunutze. Die Bezirkstagspräsidenten Olaf Heinrich für Niederbayern und Franz Löffler für die Oberpfalz unterstützten sein Projekt: „Es ist schon eine große Würdigung, wenn der Freistaat nach einer Ausstellung anfragt oder das Centrum Bavaria Bohemia. Zwei Ausstellungen in der Repräsentanz des Freistaats Bayern in Prag, Präsentationen in Pilsen, in Budweis im Goethe-Institut und der Universität und – als Höhepunkt – im Bayerischen Landtag. „Das waren tolle Momente.“

Zutiefst europäisch, humanistisch und demokratisch

Früher lag der Schwerpunkt auf Landschaftsfotografie mit satirischer Komponente. Das Pöhnl’sche Foto brauchte immer eine schräge Geschichte. Heute fotografiert er hauptsächlich Menschen – freundliche. Er wolle Optimisten vorstellen, keine Nörgler.

Pöhnl bei einem seiner gut besuchten Vorträge mit musikalischer Umrahmung.

„Es geht mir auch um den europäischen Gedanken. Da bin ich ein Mosaiksteinchen, hoffentlich finden sich viele weitere. Mein Beitrag sind Bilder und Anekdoten, das soll zum Nachdenken und Kennenlernen animieren. Es gibt Hunderte von Büchern über Erschießungsstätten, Fluchten und verschwundene Dörfer. Diese Erinnerungen und Lehren daraus sind sehr wichtig. Doch ich will über die Gegenwart berichten, das Neue thematisieren – das Jetzt.“

Liebäugelt er mit einem neuen Buchprojekt? „Dafür braucht es ein Team, einen Verlag, Unterstützer, Zeit und ein Konzept. Jetzt sind erstmal die Präsentationen zu erledigen.“ Denn „Hinüber“ ist integriert in die Bayerische Landesausstellung – und feiert am 5. Juli Premiere in der Volksmusikakademie in Freyung; vier weitere Termine sind fix und andere in Planung.

Es bleibt also interessant: die Gespräche, die Reaktionen auf die Fotos, auf die Texte, die Begegnungen – alles ist ein kleiner Teil des Europas, das gelingt, wenn viele Einzelne es mit voranbringen. Hans-Peter Schmidt, tschechischer Honorar-Konsul, bezeichnete das Werk Pöhnls bei der Ausstellungseröffnung in der Kaiserburg bei Nürnberg als zutiefst europäisch, humanistisch und demokratisch.

Marika Hartl


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