Prackenbach. „Ja, Annabell, geh hi!“ – „Guad a’gnumma, Emely!“ Plopp… Plopp… plopp. Fast schon regelmäßig schallt das Geräusch über den Platz. In kurzen Hosen und Trikots trotzen die Spielerinnen den noch frischen Temperaturen und grinsen sich anfeuernd und schelmisch zu, als sie sich gegenseitig den Ball zupassen – oder ihn sich abnehmen.

Manuel Ertl läuft als Trainer mitten unter seinen Mädels, beobachtet die Beinarbeit, die Koordination, das Teamplay. Er gibt Tipps und motiviert. Ausgepowert und lachend stehen die Fußballerinnen der Damenmannschaft des SV Prackenbach nach der Übungssequenz zusammen, Trainer und Teamleiterin Karin Oberberger beratschlagen über den weiteren Ablauf des Trainingswochenendes, der genau so viel Spaß machen soll wie das bisherige Techniktraining.
Zwar geht es hier auch um sportliche Leistung, doch – was viel wichtiger ist – geht es vor allem um die ehrliche Freude am gemeinsamen Fußballspiel, den Zusammenhalt des Kaders und die echte Freundschaft. Als „fast familiär“ wird das Mannschaftsklima immer wieder bezeichnet. Einer der Gründe, weshalb Spielerinnen aus vielen umliegenden Kommunen am Fußballplatz in Prackenbach zusammenkommen und die Verantwortlichen sich immer wieder über Neuzugänge freuen dürfen.
„Es hat einfach von Anfang an super gepasst“
Die 37-jährige Teamleiterin läuft vom Platz, stützt die Hände auf die Knie und schnauft kurz durch. Die Haare ihres blonden Pferdeschwanzes hält ein dünnes Sport-Stirnband von der schweißnassen Stirn fern. „Das ist schon anders bei uns als in anderen Teams“, bestätigt sie. „Streit gibt’s nicht, wir halten immer zusammen – auch bei Niederlagen!“
Karin Oberberger kommt ursprünglich aus Kollnburg, wo sie wegen ihres Vaters, der im dortigen Verein aktiv war, schon als Kind viel Zeit auf dem Fußballplatz verbringt. Mit 16 spielt sie hin und wieder bei „Gaudi-Turnieren“ mit. Bei den Prackenbacher Damen bleibt sie in der Saison 2016/2017 hängen – „es hat einfach von Anfang an super gepasst.“ Mittlerweile ist sie seit sechs Jahren in der Vorstandschaft und seit zwei Jahren – von allen hochgeschätzte – Teamleiterin.
„Druck funktioniert bei uns nicht!“
2010 und 2011 spielen einige Mädels aus dem Dorf gemeinsam bei Freizeitwettbewerben, als die Idee aufkeimt, sich vielleicht auch im Ligabetrieb mit anderen Mannschaften zu messen. Und tatsächlich finden sich ausreichend Interessierte, die Anmeldung zur Freizeitliga folgt. Das Alter der meisten Spielerinnen damals: 14 und jünger – und daher noch nicht alt genug für die Kreisliga mit Mindestalter 16.

In der Saison 2015/2016 gelingt es den Mädels, den Meistertitel der Freizeitliga zu holen – einer der größten Erfolge, da zu diesem Zeitpunkt niemand damit rechnet. In den darauffolgenden Jahren spielt die Damenmannschaft in der Kreisliga Niederbayern-Ost. Damit verbunden: sehr lange Fahrtzeiten zu Auswärtsspielen, teils 100 Kilometer einfach. Mittlerweile ist der Wechsel in die Kreisliga 2 Cham/Schwandorf gelungen, wo sie derzeit auf dem vierten Platz stehen.
Das Training findet während der Saison immer dienstags und donnerstags statt, abends auf dem Gelände des SV Prackenbach. Karin Oberberger ist mit 37 eine der ältesten der derzeit insgesamt 19 Damen, die jüngsten sind 16 Jahre alt. Zu Auswärtsspielen brechen sie oft mit 13 oder mehr Spielerinnen auf – „andere Vereine haben trotz Spielvereinigungen meist Probleme, genügend zu stellen, deshalb wird oft Neun gegen Neun gespielt“, erklärt die Teamleiterin – und blickt stolz in Richtung ihrer Mannschaft. Unter anderem aus Viechtach, Konzell, Rattenberg, Kollnburg und sogar Zwiesel kommen die Spielerinnen und beteiligen sich regelmäßig am Training. Das freut besonders den Trainer.
Und der klatscht im Laufen freudig Beifall und nähert sich mit „Guad gmocht!“-Rufen und zügigen, überschwänglichen Schritten. „Unser absoluter Glücksgriff!“, begrüßt die Teamleiterin Manuel Ertl – und beide strahlen sich gegenseitig an. „Druck funktioniert bei uns nicht, spaßig und spielerisch muss es sein“, sagt Karin Oberberger. Und genau so gestalte er die Trainingseinheiten.
„Mädels sind echt gute Fußballer und genauso zu respektieren!“
Der Zwieseler bekleidet seinen Posten seit September 2025, meldet sich auf eine Annonce der Prackenbacher Mädels hin. Was von vornherein klar ist: Beim SV Prackenbach ist die Trainertätigkeit ein reines Ehrenamt. Mit fröhlich unter der Mütze hervorblitzenden Augen zuckt er mit den Schultern und sagt: „Das Gespräch mit den Mädels hat mir so gefallen – ich war echt beeindruckt, was sie auf die Beine gestellt haben. Wahnsinn!“

Ertl übernimmt und ist auch für die nächste Saison bereits verpflichtet – trotz seiner Tätigkeiten bei der SpVgg Zwieselau, bei der er selbst aktiv auf dem Platz steht und deren zweiter Vorsitzender ist. „Ich bereue keine Minute, die ich hier in Prackenbach verbringe!“ Und das sind so einige, denn für jedes Training ist Manuel bereits ab 17 Uhr auf dem Platz, daheim erst wieder spät nachts. „I mach des einfach wirklich gern!“
Seine Trainerlizenz erwirbt er 2024 an der Sportschule in Oberhaching, kommt dort auch mit Fußballern der Profiliga in Kontakt. „Das war schon richtig cool“, erinnert er sich. Der Damenfußball habe ihn schon immer interessiert, blickt der 30-Jährige zurück. „Das ist ehrlicher, guter Fußball!“, sagt er und erklärt seine Freude darüber, dass der Sport mittlerweile immer mehr Anerkennung erfährt. „Auch wenn die Damen ganz anders spielen als die Herren!“ Schon rein körperlich seien Unterschiede erkennbar, gegenseitige Hilfe stehe an vorderster Steller, sogar mannschaftsübergreifend. Auch deshalb richtet er einen Appell an die Männerwelt: „Mädels sind echt gute Fußballer und für ihre tollen Leistungen genauso zu respektieren!“
Die Prackenbacher Mannschaft mache der Zusammenhalt und herausragende Teamgeist nochmals zu etwas ganz Besonderem, bestätigt er das Lob von Karin Oberberger. Auch von deren Einsatz könne er nur schwärmen. Mit Bedauern sehe er bereits der Zeit entgegen, wenn sie zum Ende der Saison ihr Amt abgebe – aus zeitlichen und räumlichen Gründen. Und auch Karin presst die Lippen zusammen, hebt die Augenbrauen und seufzt. Doch als Spielerin will sie – soweit die privaten Lebensumstände es zulassen – dem Team erhalten bleiben. „Ohne die Mädels möcht ich’s mir gar nicht mehr vorstellen!“ Außerdem startet sie einen Aufruf an alle fußballinteressierten Mädchen: „Einfach mal beim Training vorbeikommen! Bei uns sind alle willkommen – egal, ob mit Spielerfahrung oder ohne.“
Lisa Brem
Feier zum 15-jährigen Bestehen:
Vom 12. bis 14. Juni steht ein Jubiläum an: Im Rahmen des Sommerfestes des SV Prackenbach feiert die Damenmannschaft ihr 15-jähriges Bestehen. Am Freitag soll es ein Flutlicht-Turnier mit Hobby-Mannschaften geben, danach legt im Zelt ein DJ auf. Der Samstag steht im Zeichen der Damen: Es ist ein Spaßturnier geplant, zu dem ehemalige Spielerinnen und auch andere Mannschaften eingeladen sind – und bei dem neben Können mit dem Ball auch bayerische Traditionen wie Maßkrug-Stemmen gepflegt werden sollen. Beim anschließenden Partyabend (Motto „Trikotparty“) wird die Band „Wingei Power“ aus Lohberg für ausgelassene Stimmung sorgen. Am Sonntag, dem Tag der Vereine und Familien, geht’s bereits vormittags mit einem musikalischen Stammtisch und verschiedenen Angeboten für Kinder los.







