Werbung

 

Die Niederbayern haben afrikanische Vorfahren. Die Wasserbüffel asiatische. Und beide machen sich im Bayerischen Wald erstaunlich gut. „Immer schön langsam mit den jungen Büffeln“, sogt da Holger.

Sanfte Riesen: Die Wasserbüffel helfen insbesondere dabei, die Artenvielfalt in unseren heimischen Feuchtgebieten zu bewahren. Symbolfoto: pexels/ Abhi-Sahani
Werbung

„Büffl sans ja scho, manchmoi, de Niedabayern …“ Des kannst – ganz liebevoll natürlich – in Minga fei scho moi hörn… „Oh mei…, was woas denn scho da Obabayer …?“ sogt da der Niedabayer, ganz entspannt – und grinst. Und dann lachen sie gemeinsam, der Oberbayer und der Niederbayer. Denn Humor haben sie beide. Und bös meint’s ja keiner. Schließlich sind wir alle „Bayern“!

Werbung

Ja, so hab ich sie kennengelernt, als Münchner, meine Niederbayern. „Herzlich willkommen“ haben sie gesagt. Ebenfalls lachend und ganz entspannt. Als ich herkam, als Fremder, vor über zwanzig Jahren. Aus dem größten Dorf der Welt.

Fremd gekommen –  nützlich geworden

Die ersten „Zuagroastn“ wurden wohl nicht ganz so herzlich empfangen. In der Altsteinzeit vor etwa 12.000 Jahren. Als die Besiedlung begann. Denn das Klima war hart. Doch die ersten Niederbayern waren härter! Schließlich hatten sie bereits eine Reise von ein paar Millionen Jahren hinter sich. Dreht man die Familiengeschichte nur weit genug zurück, begann alles irgendwo in Afrika. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft.

Wer hätte gedacht, dass „Waidler“ so imposante Hörner tragen? Symbolbild: pexels/ Francesco Ungaro

Als sie dann endlich hier angekommen sind, hatte sie die Menschheitsreise sogar über Asien geführt. Dort haben ihre Vorfahren dann wohl auch die ersten Wasserbüffel gesehen. Im chinesischen Horoskop steht der Büffel für Geduld, Ehrlichkeit, Vorsicht und Willensstärke. Dazu Ausdauer, Zuverlässigkeit, Fleiß und – man höre und staune – auch eine gewisse Sturheit. Und wer weiß, vielleicht war’s dann ja Liebe auf den ersten Blick, damals. Von den „Ur-Niederbayern” zu den Ur-Wasserbüffeln.

Auf jeden Fall ist der Haus-Wasserbüffel inzwischen auch in Niederbayern angekommen. Seit einigen Jahren. Da sind sie nun. Im Bayerischen Wald. Breit und stark. Selbst nasser Boden bringt sie nicht aus der Ruhe. Sie fressen sogar, was andere stehen lassen. Und pflegen eine Landschaft, die ohne sie ärmer wäre.

Fremd gekommen. Nützlich geworden. Und irgendwann schaut man hin und denkt sich: „Die gehören doch längst dazu.“ Ganz selbstverständlich. „Bassd!” – sogt da der Bayer.

„I gfrei mi auf des, wos ois Nächst’s kimmt“

Vielleicht ist das ja einfacher als wir manchmal denken. Erst schaut man vorsichtig. Dann gewöhnt man sich aneinander. Irgendwann schätzt man sich. Und am Ende würden sie sogar fehlen, wenn sie wieder weg wären. Auch, wenn nicht immer alles so einfach ablaufen kann, wie hier: „I gfrei mi auf des, wos ois Nächst’s kimmt“ – sogt da Holger.

Bis boid im Woid!

Euer: Holger Lipp


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


7 Gedanken zu „Da Holger sogt: „Büffel im Blut, Wasserbüffel im Wald“

  1. Lieber Holger,

    Du schreibst: „Die Niederbayern haben afrikanische Vorfahren. Die Wasserbüffel asiatische.“
    Kleiner Einwand: Wasserbüffel gab es in früheren Zeiten wildlebend auch in Mitteleuropa, also auch im Umfeld von niederbayerischen Gewässern, und über die ausschließliche Herkunft des Menschen aus Afrika gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen in der Wissenschaft…! Es sind weltweit durchaus sogar mehrere Herkunftsregionen (auch für uns Niederbayern) in der Diskussion…!

    Bis vielleicht demnächst auf einer meiner Exkursionen: http://www.thomaszipp.eu

    1. Lieber Thomas,
      immer her mit den Einwänden! Superspannend!! „Konkurrenz belebt das Geschäft“, heißt es so schön – und ich sag mal „Einwände beleben die Diskussion“. Ist doch immer eine schöne Anregung, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sich inspirieren zu lassen und voneinander zu lernen! Vielen Dank für deinen Beitrag!

  2. Was für ein wunderbarer Artikel! Des is ois wirklich wunderschee gschriebn! Man spürt die Liebe zur Region, zur Natur und zu den Menschen. Wieder was gelernt – und dazu noch mit einem Schmunzeln! 😊🐃

    1. Liebe Merve, vielen Dank für deine Zeilen! Schön, wenn ich dich humorvoll und liebevoll unterhalten konnte und du auch noch einen Nutzen daraus gezogen hast. Gerne bis zum nächsten Mal und schönste Grüße!

  3. „Bassd“ würde Marla sagen
    Amüsanter und interessanter Artikel, auch wenn faktisch laut Thomas nicht alles ganz so stimmt :-)) vielleicht für „Nicht-Bayern“ etwas viel „boarisch“ aber wo ein Wille da auch ein Weg… Letzter Absatz gefällt mir am besten…hat etwas von Hoffnung und Zuversicht, wovon man in den heutigen Zeiten gerne mehr hätte…

    1. Schön, wenn’s gepasst hat für dich, liebe Marla! Und dein boarisch – dein „bassd“ – ist doch schon super … ;-)) Dann eine weitere Portion Zuversicht meinerseits, in der Hoffnung, dass der nächste Artikel auch wieder dein Interesse findet und dich erneut amüsieren kann. Und der Thomas ist natürlich ebenfalls wieder herzlich eingeladen, damit dann auch alles „stimmt“ … 😉

  4. Lieber Holger,
    herzlichen Dank für deinen Artikeln zu den „bayerischen (Wasser-)Büffeln“, den ich sehr amüsant fand. Als zugeroaster Waldkirchner erfreue ich mich jetzt wieder an den Wasserbüffeln am Erlauzwieslersee, denn da kann man sie an zwei Stellen bei ihrer „Arbeit“ betrachten. Und ich wünsche so manchem, dass er deren Ruhe und Gelassenheit hätte.
    Viele Grüße
    Claus aus dem Kunstraum in Waldkirchen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert