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Grafenau. 30 Jahre Freund Trachten & Lederhosen Manufaktur: Ein Meilenstein, den Inhaberin Maria Freund jüngst gemeinsam mit 87 geladenen Gästen aus dem In- und Ausland feien durfte. Wo normalerweise Trachten präsentiert werden, sorgten festlich weiß gedeckte Tische für ein exklusives Flair, nachdem das Trachten-Team den Verkaufsraum für die Jubiläumsfeier eigens umgestaltet hatte.

Als besonderen Willkommensgruß bildeten vor dem Firmengebäude 29 MitarbeiterInnen der Manufaktur ein Spalier – alle einheitlich und fesch, inklusive der Chefin, in grünen Dirndln mit roter Schürze gekleidet. Ein besonderer Augenschmaus und eine viel gelobte Überraschung, die bei den Gästen sehr gut ankam. Fotos: Roswitha Prasser

Den Festakt eröffnete Mitarbeiterin Marion Bauer in Begleitung ihrer Gitarre mit einem eigens getexteten und komponierten Landkreis-Lied, das die Schönheit der Heimat und die Verbundenheit des Unternehmens und der Firmeninhaberin hervorheben sollte.

In ihrer sehr persönlichen Begrüßungsrede erzählte Maria Freund, dass sie schon immer Schneiderin werden wollte und begeistert war von der Idee, als selbstständige Unternehmerin dieses wunderbare Handwerk anderen weitergeben zu dürfen. Für ihren herausragenden Meisterabschluss als Damen- und Herrenschneiderin erhielt sie aus den Händen des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber eine Ehrenurkunde und die Goldene Verdienstmedaille.

Firma, die viel Wert auf Persönliches legt

Freund erinnerte sich an die Anfänge, als sie am 19. September 1996 in der Schusterbeckstraße in Grafenau in gemieteten Räumen mit zehn Näherinnen und einer Bürokraft ihr Unternehmen startete. Qualität war der jungen Unternehmerin von Anfang an wichtig – und mit viel Fleiß und Ausdauer entwickelte sie ihre Firma, damals „Bayerische Leder- und Trachtenmode“ (kurz BLT -Trachtenhaus genannt) zu einem florierenden Betrieb.

Marion Bauer hatte zur Einstimmung auf die Jubiläumsfeier eine Hymne auf den Landkreis Freyung-Grafenau komponiert und später als Überraschung für Maria Freund ein weiteres, sehr emotionales Lied mit ihrer Gitarre stimmungsvoll vorgetragen.

Dieser platzte nach 17 Jahren buchstäblich „aus allen Nähten“ – und so begab sich Maria Freund auf die Suche nach räumlichen Alternativen. Sie wurde fündig und erwarb 2015 das Areal im Süden von Grafenau, zwischen der Elsenthaler Straße und der B533, zwischen Bucher Bräu und dem denkmalgeschützten Stadl. Dort entstand vor elf Jahren in einer Rekordbauzeit von vier Monaten das neue Firmengebäude in moderner, schlichter Holzständerbauweise mit einer lichtdurchfluteten Werkstatt, einer Lagerhalle und einem Verkaufsraum.

Im Zuge des Umbaus wurde auch der Firmenname in „Freund Trachten & Lederhosen Manufaktur e. Kfr.“ geändert und ein neues Firmenlogo kreiert, das die persönliche Unterschrift der Firmeninhaberin beinhaltet. Das handschriftliche Element soll verdeutlichen, dass man in dieser Firma Wert auf Persönliches liegt – sei es im Umgang mit MitarbeiterInnen oder Kunden, sei es im Service oder bei den individuell handgefertigten Lederhosen. Aktuell beschäftigt die Manufaktur 31 MitarbeiterInnen.

Bescheiden, mit klarem Ziel vor Augen und mit stetem Fleiß erarbeitete sich Maria Freund mit ihrem Team in der Trachtenbranche einen hervorragenden Ruf. Mittlerweile beliefert Sie den Fachhandel im In- und Ausland – schwerpunktmäßig in Oberbayern und in Österreich. Lederhosen aus Grafenau werden wegen ihrer Qualität und der perfekten Verarbeitung dabei sehr geschätzt. Auch zahlreiche Vereine aus der Region und aus Österreich zählen zu Freunds Stammkunden. Sie schätzen es, einen verlässlichen und kompetenten Partner zu haben, der es versteht, historische Trachten nachzunähen oder eine neue Vereinstracht zu entwerfen. Ergänzend zu den hochwertigen und nach Maß gefertigten Lederhosen bietet Maria Freund in ihrem Verkaufsraum ein umfangreiches Sortiment bekannter Trachtenmarken.

„Ein wunderbarer Botschafter für unsere Region“

Lobten Firmenchefin Maria Freund (3.v.r.) für ihren Mut und ihr Engagement: Landrat Sebastian Gruber (v.l.), Jürgen Greipl (IHK), Evi Blach (Werbegemeinschaft Grafenau), Bürgermeister Alexander Mayer und die kirchliche Vertreterin Stefanie Krickl.

Den Reigen der Gastredner eröffnete Landrat Sebastian Gruber: „30 Jahre ein Unternehmen zu führen, ist nicht immer ganz einfach. Es hat mit Mut und Selbstvertrauen zu tun, den Schritt bereits in jungen Jahren zu gehen. Ein Unternehmen zu führen, ist das eine, das mit Hingabe, Herzblut und Engagement zu tun, das andere.“ Bemerkenswert sei die – Achtung Wortspiel! – „Freund“-liche Begrüßung und Atmosphäre, die man in diesen Räumen verspüre – und es sei auch bemerkenswert, dass in dem Unternehmensnamen der Name „Manufaktur“ stehe.

Dieser Name stehe für Hochwertiges, für hochwertige Bekleidung, für individuelle Kleidung. „Tracht ist etwas Besonderes, viel Heimatbewusstsein, Stolz und Traditionsbewusstsein. Tracht ist eine der wenigen Bekleidungen, die viele Generationen verbindet – vom Kind bis ins hohe Alter. Ich habe bisher alle wichtigen Ereignisse in meinem Leben – wie den Schulanfang, die Kommunion oder Firmung – in Tracht erlebt“, gestand Gruber – und fügte hinzu: „Ich freue mich, dass wir eine Manufaktur in unserer Region haben, die durch ihre überregionalen Kontakte übrigens auch ein wunderbarer Botschafter für unsere Region ist. Und noch nie habe ich ein so wunderbares, schönes Spalier gehabt – einen Empfang mit so viel Liebe zum Detail.“

Und Gruber schwärmte weiter: „Wir sind stolz und dankbar, dass wir hier so ein Unternehmen haben. Einen großen Dank für das wunderbare Lied, das wir hier hören durften und das fast eine neue Landkreishymne ist. Es gibt viele schöne Platzerl auf der Erde, aber der Herrgott hat es ganz gut mit uns gemeint, dass wir in dieser Region leben und arbeiten dürfen.“

„Du hast deine Vision gelebt und verteidigt“

Grafenaus Bürgermeister Alexander Mayer nahm Maria Freund bei seiner Rede in die Arme und sagte er lobend: „Uns zwei verbindet eine lange Freundschaft, wir waren schon in der Schusterbeckstraße Nachbarn. Bei Dir haben sich schon einige Bürgermeister die Zähne ausgebissen. Bei Besprechungen bist immer Du als Siegerin vom Platz gegangen. Du hast deine Vision gelebt und erfolgreich verteidigt.“ Dann offenbarte er: „Ich trage heute die erste Lederhose, die ich vor 30 Jahren bei Maria gekauft habe – und sie ist der lebende Beweis, dass Lederhosen mitwachsen! Hier stehen Qualität, Service und Beratung immer an erster Stelle. Bei meiner jüngsten Lederhose habe ich zum Beispiel anstelle einer Messertasche eine Handytasche angenäht bekommen“, hob das Stadtoberhaupt die Fähigkeit der Manufaktur hervor, individuelle Kundenwünsche schnell und unkompliziert umzusetzen.

Maria Freund (Mitte) freute sich über die Überraschungen und Geschenke ihrer MitarbeiterInnen wie diese Torte, die ihr die beiden Azubis Hanna Simeth (li.) und Laura Drexler überreichten.

Auch Jürgen Greipl, stellvertretender Vorsitzender der IHK von Niederbayern in Passau und Vorsitzender des IHK-Gremiums Freyung-Grafenau, lobte Maria Freund mit folgenden Worten: „Du machst das hervorragend! 30 Jahre Unternehmerin zu sein, ist eine Herausforderung. Es gibt nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen. Diese Tiefen zu meistern, zeichnen einen Unternehmer aus. Wenn man durch das wunderbare Spalier gegangen ist und das Leuchten in den Augen der MitarbeiterInnen erblickt hat, dann hast Du vieles richtig gemacht. Ich hoffe und wünsche mir, dass Du den Weg weiterhin fortsetzt. Ich danke Dir für deine Mitgliedschaft im IHK-Gremium, in der Vollversammlung und im Handelsausschuss der IHK.“

Evi Blach, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Grafenau, gestand, dass sie etwas Gänsehaut bekommen habe, als sie alle Mitarbeiterinnen inklusive der Chefin im gleichen Dirndl gesehen habe – und spürte, wie sehr die MitarbeiterInnen hinter ihr stehen. „Wille, Kontinuität und Fleiß – diese drei Worte stehen für Dich, liebe Maria. Wir von der Werbegemeinschaft sind froh, dass wir so einen Betrieb vor Ort haben, der auch überregionale Kunden in unsere Stadt zieht. Ich möchte Danke sagen für dein Engagement – und wünsche euch weiterhin ein gutes Miteinander, Zusammenhalt, Kraft, dass alle gesund bleiben. Und ich hoffe, dass wir in zehn oder 20 Jahre wieder gemeinsam feiern.“

Stefanie Krickl kam als kirchliche Vertretung für den katholischen Pfarrer Martin Dengler, der wegen auswärtigen Firmungen nicht teilnehmen konnte. Sie bedankte sich bei Maria Freund, dass ihr die christlichen Werte und das Leben in der Pfarrei wichtig seien und sie sich auch noch ehrenamtlich im Vorstand des Frauenbunds engagiere.

Ein Familienwappen und ein exklusives Lederhosen-Trio

Mit dem Familienwappen erfüllte sich Maria Freund (Mitte) einen langgehegten Traum und überraschte damit vor allem ihren Mann Karlheinz (v.l.), Tochter Jasmin und ihre Eltern Mariele und Johann Freund.

Nach den Gastreden ging es zur angekündigten Überraschung in die Werkstatt. Dort waren drei neue Lederhosen namens „Hias“, „Lois“ und „Beda“ auf je einer weißen Säule positioniert – und darüber hing auf einer weißen Tafel ein Familienwappen. Maria Freund stand davor und erklärte: „Ganz nach dem Motto ‚Was lange währt wird endlich gut‘ trage ich mich schon seit Jahren mit einem Gedanken, der sich vor allem um meine mir über alles wichtige und geliebte Familie dreht. Wie kann ich dieser innigen Verbundenheit eine sichtbare Wertschätzung, eine Sichtbarkeit geben? So kam ich auf die Idee eines Familienwappens und habe mir damit einen langgehegten Wunsch erfüllt.“

Die Unternehmerin erklärte den Anwesenden die einzelnen Symbole im Wappen, das gleichzeitig ein wichtiger Meilenstein in der unternehmerischen Entwicklung sei – und nun auch in der neuen, eigenen Lederhosen-Kollektion eine wichtige Rolle spiele. „Meine Jubiläumslederhosen sind eine Hommage an die Tradition, das Brauchtum, die Tracht und ein ‚JA‘ zu unserer wunderschönen Heimat“, sagte Freund und ergänzte: „Es gibt drei Modelle, jedes im Leder und in der Stickerei einzigartig, alle im Inneren mit Hand vernäht und als gemeinsames Erkennungszeichen mein Wappen im Bund eingestickt. Diese Modelle gibt es nur so – und werden nie verändert.“ Stefanie Krickl segnete abschließend das Wappen und die Jubiläumslederhosen.

Nach dieser emotionalen Präsentation, vor allem für die sichtlich gerührte Familie von Maria Freund, warteten im Verkaufsraum bereits die MitarbeiterInnen mit ihrer Überraschung: Marion Bauer hatte auf die Melodie eines bekannten Liedes einen eigenen Text geschrieben, in dem es um den Zusammenhalt unter den MitarbeiterInnen ging und die Treue und Verbundenheit zu ihrer Chefin.

Nach dem Schweinebraten zum Spider-Murphy-Gang-Konzert

Tochter Jasmin überreichte dabei stellvertretend für alle MitarbeiterInnen eine große Holzuhr, umrahmt von einem schweren Eisenrahmen und mit Firmenlogo als Symbol für die vergangenen 30 Jahre. Die Azubis Hanna Simeth und Laura Drexler überreichten einen großen, rechteckigen Kuchen, dekoriert mit dem 30-Jahre-Jubiläumsemblem. Maria Freund war sprachlos und sichtlich gerührt über die große Wertschätzung. Sie bedankte sich für die individuellen Geschenke und wünschte allen eine so gute Zusammenarbeit wie bisher.

Danach ging es zum gemütlichen Teil über. Bei Schweinebraten und Bayerisch Creme – serviert von Knödelweber aus Lichteneck – tauschten sich die Gäste noch bis in den späten Nachmittag aus. Zum „fetzigen“ Abschluss einer sehr kurzweiligen und vielseits bewunderten Jubiläumsfeier ging es am Abend mit Shuttlebussen ins Konzert der Spider Murphy Gang, zu dem Maria Freund ihre Gäste eingeladen hatte.

Roswitha Prasser

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