Freyung. Von der Pflicht zur Kür: In Freyung wird beim Thema Sauna nicht nur geschwitzt, sondern auch finanziell jongliert. Doch: Wie viel kommunales Geld darf in ein Projekt fließen, das zwar Lebensqualität verspricht, aber monetär (noch) auf eher wackeligen Beinen steht?

Es war ein durchaus positives Bild bei der „sofy“-Eröffnung 2025, das da in der Tageszeitung transportiert wurde: Zwei Anzugträger – ein zufriedener Bürgermeister nebst einem grinsenden Landtagsabgeordneten -, die sitzenderweise gemeinsam in der Salzsauna schon mal „Probe-schwitzen“. Eine Trockenübung, die auch den Erfolg bürgerschaftlichen Engagements in Form einer Genossenschaft symbolisieren soll.
Doch ein Jahr später ist die Stimmung im Freyunger Stadtrat hinsichtlich des sofy-Themas offenbar nicht mehr ganz so euphorisch. Von einer „schwierigen Debatte“ spricht das Stadtoberhaupt nun. Das Thema: Die Finanzierung des zweiten Bauabschnitts der Saunaoase am Freibad.
Was bleibt, ist die Flucht nach vorne…
Die Argumente der Verantwortlichen klingen logisch: Die aktuelle Anlage ist zu klein, um wirtschaftlich rentabel zu sein. Wer bei Aufgüssen keinen Platz findet, kommt nicht wieder. Wer nur vier Stunden bleibt, lässt weniger Geld da als ein Tagesgast. Um zu überleben, muss die „sofy“ wachsen. Was bleibt, ist die Flucht nach vorne…
Doch hier drängt sich die grundsätzliche Frage auf: Gehört es wirklich zu den Kernaufgaben einer Kleinstadt, den Bau einer Panoramasauna und eines Whirlpools mit Steuergeldern zu forcieren und weiter zu stützen?
Sicherlich: Kommunen investieren u.a. in Schwimmbäder – das fällt unter die Daseinsvorsorge, insbesondere für den Schwimmunterricht der jungen Buben und Mädchen. Eine reine Saunawelt jedoch ist und bleibt die „Kür“ – gerade in Zeiten, in denen Gemeinden generell ohnehin mit schwierigen Haushaltslagen zu kämpfen haben und meist händeringend nach Geldern für die Sanierung von Schulen, Straßen und Kanälen suchen. Da wirkt eine „signifikante Reduzierung der Schuldenlast“ (Heinrich) eines privaten Genossenschaftsprojekts durch die Stadtverwaltung wie ein Luxusproblem.
Koste es, was es wolle?!
Freyung muss aufpassen, sich nicht in der sogenannten „Sunk-Cost“-Falle wiederzufinden, sprich: Man hat bereits (in Form von Genossenschaftsanteilen) in den ersten Bauabschnitt investiert (freilich auch um das ehrenamtliche Engagement der Bürgerschaft zu unterstützen und die Finanzierung abzusichern), das Projekt ist da – und man will es deshalb nun nicht scheitern sehen. Eine „Halb-Sofy“ könnte auf Dauer wohl zu einem wirtschaftlichen Debakel führen. Also gilt: Bauabschnitt II muss her und realisiert werden – koste es, was es wolle?!
Bürgermeister Heinrich betont zu Recht, dass auch die finanzierende Bank ihren Teil beitragen muss. Die Stadt darf hier nicht als eine Art „Lückenbüßer vom Dienst“ auftreten, der jedes unternehmerische Risiko abfedert. Doch was, wenn die Genossenschaft es bis Juli nicht schaffen sollte, die aktuell geplanten 300.000 Euro an Eigenkapital als „Teil eines Gesamtkonzepts mit Sparkasse FRG und der Stadt Freyung“ (Technikvorstand Fritz Zellner) einzusammeln? Wohin geht die finanzielle Reise dann?
Die Unterstützung der Stadt sollte jedenfalls an strikte Bedingungen geknüpft sein. Ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben, nur weil man einmal „A“ gesagt hat. Freyung darf beim „sofy“-Projekt gerne unterstützen – aber die Stadt darf dabei nicht selbst in finanzielle Schieflage geraten, nur damit am Ende andere entspannt im Whirlpool sitzen können…
Kommentar: Stephan Hörhammer







